Neubau Historisches Museum hier: Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses
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Vortrag des Magistrats vom 24.10.2008, M 197
Betreff:
Neubau Historisches Museum hier: Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses
Vorgang:
Beschl. d. Stv.-V. vom 05.07.2007, § 2209 (M 111)
- Es dient zur Kenntnis, dass auf der Grundlage des o.g. Grundsatzbeschlusses und des damit ebenfalls beschlossenen Raumprogramms ein internationaler Realisierungswettbewerb durchgeführt wurde. Der erste Preisträger ist das Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei aus Stuttgart.
- Es dient weiter zur Kenntnis, dass zusätzlich zu den im Haushalt 2007 bereitstehenden Planungsmitteln in Höhe von 500.000 € im Entwurf des Haushalts 2009 weitere Mittel in Höhe von 1 Mio. € eingestellt worden sind.
- Der Magistrat wird beauftragt, den Entwurf des
- Preisträgers zu verwirklichen. Zu gegebener Zeit wird dazu eine Bau- und Finanzierungsvorlage vorgelegt werden. Die jetzt beigefügten Pläne dienen zur Orientierung und werden zur Bau- und Finanzierungsvorlage detailliert. Begründung:
- Anlass und Ziel des Wettbewerbs Das Historische Museum Frankfurt besteht aus einem Ensemble von Gebäuden aus dem 12./13., 15., 18., 19. und
- Jahrhundert, das um einen Innenhof gruppiert ist. Die Bauten des 12. bis
- Jahrhunderts wurden im Krieg stark zerstört und teilweise anschließend wieder aufgebaut. Dabei wurden die Fassaden im Wesentlichen rekonstruiert, der Innenausbau entspricht aber einem einfachen Standard der 1950er Jahre. Für die Neuordnung dieses Teils des Museums wurde das Architekturbüro Diezinger und Kramer aus Eichstätt als ausgewiesene Spezialisten im Umgang mit historischer Bausubstanz beauftragt. Diese Planung soll ab Herbst 2008 bis Ende 2010 umgesetzt werden. 1972 wurden die "historischen Bauten“ mit einem Neubau ergänzt, der auf das damalige Museumskonzept zugeschnitten war und den städtebaulichen Leitbildern und Konzepten der Zeit folgte. Im Zusammenhang mit den Fachwerkbauten im Fahrtor und am Römerberg und der mittelalterlichen Nikolaikirche wirkt der 70er-Jahre-Bau trotz einiger kosmetischer Überarbeitungen wie ein Fremdkörper. Das Gebäude wird deshalb von vielen Bürgern Frankfurts abgelehnt. Insbesondere entspricht es in keiner Weise den heutigen funktionalen Ansprüchen an ein Museum. Erschließung, Führung durch die Sammlungen, die Raumhöhen, die Belichtung usw. schränken die Möglichkeiten der Museografie extrem ein. Eine den empfindlichen Objekten genügende Klimatisierung wäre nur mit größtem Aufwand realisierbar sowie die Erfüllung der Auflagen des Brandschutzes technisch überaus aufwändig. Nach intensiver Prüfung der Möglichkeiten, die Mängel durch einen Umbau zu beseitigen, und einer Gegenüberstellung der Kosten für einen Umbau versus Abriss und Neubau, hat sich der Magistrat für die zweite Variante entschieden. Ziel des Wettbewerbs war es, realisierbare Entwürfe für einen Neubau zu erhalten, der auch den Innenhof einbezieht. Erwartet wurde eine Lösung, die die heutigen Anforderungen an ein Museum erfüllt und zugleich das historisch geprägte Ensemble Dom, Römerberg, Altstadt bereichert. Die Architektur des Neubaus sollte auf die historische Typologie des Umfeldes Bezug nehmen, ohne ihre Entstehung zu Beginn des
- Jahrhunderts zu verleugnen. Folgende Kriterien für die Prüfung bzw. Preisrichterbeurteilung waren maßgeblich: - Stadtbild und Denkmalpflege - Gestalterische und räumliche Qualität - Raumprogramm, funktionale Anforderungen und Barrierefreiheit - Wirtschaftlichkeit Der Wettbewerb wurde als begrenzt offener einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem qualifiziertem Auswahlverfahren ausgeschrieben. Die beabsichtigte Anzahl der Wettbewerbsteilnehmer betrug
- Neben den 12 eingeladenen Wettbewerbsteilnehmern konnten sich für die verbleibenden 38 Teilnahmeberechtigungen interessierte Architekten bewerben. Ein Auswahlgremium wählte aus den 129 eingegangenen Bewerbungen 38 aus, die aufgrund ihrer Bewerbungsunterlagen für die Planungsaufgabe besonders geeignet erschienen. Von den insgesamt 50 Teilnehmern reichten dann aber nur 43 einen Wettbewerbsbeitrag ein.
- Ergebnis des Wettbewerbs Der Beitrag des Büros Lederer Ragnarsdóttir Oei (Stuttgart) wurde am
- Januar 2008 vom Preisgericht mit dem
- Preis ausgezeichnet, weil sein Beitrag abgesehen von wenigen Details die gestalterischen und funktionalen Anforderungen hervorragend erfüllt und insbesondere aus städtebaulicher und stadtgestalterischer Sicht eine außerordentlich überzeugende Lösung verspricht. Das Preisgericht empfahl dem Auslober einstimmig, den Verfasser des
- Preises mit der weiteren Bearbeitung zu betrauen. Im Einzelnen: Das Konzept gliedert den Museumskomplex in zwei Teilbereiche, die durch einen neuen öffentlichen Raum in Ost-West-Richtung getrennt werden. Damit werden überraschend Strukturen der im Krieg zerstörten Altstadt aufgegriffen, ohne den früheren Quartiersgrundriss präzise nachzubauen. Städtebaulich entstehen so erhebliche Vorteile: der von – relativ – kleinteiliger, historischer Bebauung geprägte Teil des Museums wird gestärkt und zu einer neuen eigenständigen Gestalt ergänzt. Auf der anderen Seite entsteht ein eigenständiges Ausstellungsgebäude, das als Solitär den Stellenwert des Historischen Museums als wichtige öffentliche Einrichtung verdeutlicht. Das Museum entgeht damit der Gefahr, als "Heimatmuseum“ in einem unübersichtlichen Konglomerat von wenig zweckentsprechenden Altbauten bzw. historisierenden Rekonstruktionsversuchen zu residieren. Mit der Planung der neuen Gebäude entstehen überzeugende neue Stadträume: Die Saalgasse wird schlüssig nach Westen fortgeführt. Der Römer wird mit einer deutlichen Raumkante nach Süden abgegrenzt, ohne den Blick auf den Rententurm zu sehr zu blockieren. Der Zwischenraum zwischen beiden Teilen des Museums dient als Vorplatz vor dem Haupteingang, inszeniert das Haus "Wertheim“ in ungewohnter Weise und stellt die staufischen Gebäude einschließlich der Saalhofkappelle frei; sie werden dadurch erstmals vom öffentlichen Stadtraum aus wahrgenommen. Das äußere Erscheinungsbild der Neubauten ist von einer eigenständigen Architektursprache geprägt, die nichtsdestotrotz Strukturen, Materialien und Farben der ehemaligen Altstadt reflektiert und eine Konfrontation mit den Altbauten vermeidet. Mit der Ausbildung von Wandnischen werden die Außenwände des Ausstellungsgebäudes gut gegliedert. Zugleich wird eine Möglichkeit gegeben, mit Fassadenfragmenten, Spolien, oder Bauskulptur auch nach außen in das städtische Umfeld hineinzuwirken. Die Nischen bieten Raum für Präsentation der zerstörten Altstadtbebauung wie insbesondere fragmentarischer Überreste von Fachwerkhäusern wie dem ehemaligen Salzhaus. Eingang und Empfang des Museums sind großzügig gelöst. Aus dem Empfangsbereich werden Blicke auf Burnitzbau, Saalhof und Bernusgebäude so in Szene gesetzt, dass die Besucher dazu angeregt werden, den Gebäudekomplex weiter zu erforschen.
- Überarbeitung des Entwurfs Die Überarbeitung des Entwurfs durch das Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei ist unterdessen erfolgt. Das Büro war damit beauftragt, die Hinweise des Preisgerichtsprotokolls zu bearbeiten. Lösungsvorschläge wurden insbesondere für folgende Punkte gewünscht: - Material und Detaillierung der Fassaden des Ausstellungs- und des Foyerbaus - Material und Detaillierung der Dächer des Ausstellungs- und des Foyerbaus - Ausbildung der Nischen des Ausstellungsbaus: Öffnungen mit Ein- und Ausblicken, exemplarische Gestaltung der Nischen als Träger von Exponaten des Museums. Zugänglichkeit der Nischen über die Ausstellungsflächen und Integration in das Innenraum-Konzept - Transparente Überdachung des Foyer-Erdgeschosses zwischen Bernusbau und neuem Foyergebäude - Überarbeitung des Foyer- und Shopbereichs: Optimierung der Flächen und Wegebeziehungen, insbesondere zwischen Altbauten und Neubauten Das bisherige Ergebnis der Überarbeitung ist als Anlage angefügt und soll Grundlage der weiteren Planung bis zur Bau- und Finanzierungsvorlage sein. Anlage 1_Lageplan (ca. 5,9 MB) Anlage 2_Grundriss _oberes_EG (ca. 1,1 MB) Anlage 3_Grundris s_unteres_EG (ca. 191 KB) Anlage 4_Grundri sse_1_und_2_OG (ca. 242 KB) Anlage 5 _Grundrisse_UG_und_DG-Schnitte (ca. 492 KB) Anlage 6_Ansich ten_und_Schnitte (ca. 483 KB) Anlage 7_Schnittper spektive (ca. 93 KB) Anlage 8_ Blick_auf_die_Saalhofkapelle (ca. 994 KB) Anlage 8_Blick _aus_der_Saalgasse (ca. 949 KB) Anlage 8_Blick_ in_den_Innenraum (ca. 917 KB) Anlage 8 _Blick_in_den_Museumhof_nachts (ca. 568 KB) Anlage 8_Blick_vom_Main (ca. 998 KB) Anlage 8_Blick _vom_Roemer_nachts (ca. 573 KB) Anlage 8_Blick_vo m_Roemerberg (ca. 771 KB)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine Beschlussvorlage, die der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorlegt — für Angelegenheiten, die deren Zustimmung brauchen. Sie wird in Ausschüssen und im Plenum beraten, dann entscheidet die Stadtverordnetenversammlung.
- 1Magistrat legt Vortrag vor
- 2Ausschüsse beraten
- 3Plenum entscheidet
Der Weg dieser Vorlage
Am 24. Oktober 2008 legte der Magistrat diesen Vortrag der Stadtverordnetenversammlung vor. In 7 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 11.12.2008 im Stadtverordnetenversammlung angenommen.
Beratungsverlauf7 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, FDP und FAG; LINKE. (= Votum im Haupt- und Finanzausschuss) Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF (= Ablehnung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Einzelne Angaben konnten nicht sicher zugeordnet werden. Maßgeblich ist der Originaltext.
Abstimmung: 1 CDU, 4 SPD, GRÜNE und LINKE. gegen 4 CDU, 1 SPD und FDP (= Ablehnung) bei einer Enthaltung CDU
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP und FAG gegen BFF (= Ablehnung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP und NPD (= Ablehnung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP und FAG Sonstige Voten/Protokollerklärung: BFF und NPD (= Ablehnung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, LINKE., FDP und FAG gegen BFF (= Ablehnung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: REP, NPD und ÖkoLinX-ARL (= Ablehnung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.