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Benennung von Straßen im Ortsbezirk 12 (Kalbach-Riedberg) als Vorankündigung und zur Beschlussfassung durch den Ortsbeirat

Vorlagentyp: M
2 Sitzungen
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Inhalt

Vortrag des Magistrats vom 20.09.2010, M 191

Betreff: Benennung von Straßen im Ortsbezirk 12 (Kalbach-Riedberg) als Vorankündigung und zur Beschlussfassung durch den Ortsbeirat I. Straßenbenennung Ortsbezirk 12 Stadtbezirk 651 (Kalbach-Riedberg) Benennung von Straßen Weitere Benennungen im Namensgebiet Widerstandskämpfer, Opfer und Verfolgte des NS-Regimes Als Vorankündigung und zur Beschlussfassung durch den Ortsbeirat wird Folgendes vorgeschlagen: Die nördlich der Paul-Apel-Straße gelegene unbenannte Straße Nr. 8463 wird benannt nach dem Verfolgten des NS-Regimes, Herbert "Ricky" Adler (1884-1957) in "Ricky-Adler-Straße". Die zwischen den Straßen Graf-von-Stauffenberg-Allee, Friedrich-Karl-Klausing-Straße, Johann-Georg-Elser-Straße und Cäsar-von-Hofacker-Straße gelegene unbenannte Straße Nr. 8515 wird benannt nach dem Juristen und Verfolgten des NS-Regimes, Dr. Fritz Bauer (1903-1968) in "Fritz-Bauer-Straße". Die südlich der Johann-Georg-Elser-Straße gelegene unbenannte Straße Nr. 8546 wird benannt nach der Philosophin, Ordensfrau und dem Opfer des NS-Regimes, Dr. Edith Stein (1891-1942 ermordet) in "Edith-Stein-Weg". Die zwischen der Katharina-Staritz-Straße und Henning-von-Tresckow-Straße gelegene unbenannte Straße Nr. 8548 wird benannt nach dem Theologen und Widerstandskämpfer, Martin Niemöller (1892-1984) in "Martin-Niemöller-Straße". Weitere Benennung im Namensgebiet Literatur Als Vorankündigung und zur Beschlussfassung durch den Ortsbeirat wird Folgendes vorgeschlagen: Die im Bereich der Erna-Pinner-Straße gelegene unbenannte Straße Nr. 8550 wird benannt nach der Schriftstellerin und Jugendbuchautorin, Ottilie Wildermuth (1817-1877) in "Ottilie-Wildermuth-Weg". II. Den unter der Ziffer I vorgeschlagenen Benennungen wird zugestimmt.

Begründung: A. Zielsetzung: Wegen des weiteren Ausbaus sind die im Baugebiet "Riedberg" gelegenen unbenannten Straßen Nr. 8463, 8515, 8546, 8548 und 8550 zu benennen. B. Alternativen: Keine. Die Straßenbenennungsmaßnahmen sind aus polizeilichen, postalischen und Orientierungsgründen erforderlich. C. Lösung: Die zu benennenden Straßen dienen der Erschließung eines weiteren Teils des Namensgebietes "Widerstandskämpfer, Opfer und Verfolgte des NS-Regimes" und "Literatur" im Baugebiet "Riedberg". Die Benennungsvorschläge sind überwiegend dem beim Stadtvermessungsamt geführten "Verzeichnis der zur Straßenbenennung vorgeschlagenen Namen" entnommen. Die vorgeschlagene Benennung nach Dr. Edith Stein trägt dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 15.05.2003, § 5289, Rechnung. Herbert "Ricky" Adler, Verfolgter des NS-Regimes, geb. 18.12.1929 in Dortmund, gest. 22.10.2004 in Frankfurt am Main. Er war in Frankfurt am Main aufgewachsen. Als Sinto wurde er 1941-1943 in den Zwangslagern Diesel- und Kruppstraße interniert und 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. 1945 kehrte er nach Frankfurt am Main zurück. Ricky Adler engagierte sich konsequent für die Aufklärungsarbeit an Schulen, die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter und die Errichtung eines Denkmals die ermordeten Sinti und Roma in Berlin. Er war Ehrenmitglied im Vorstand des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Mitglied im Beirat des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und Mitglied im Rat der Überlebenden des Fritz Bauer Instituts. Dr. Fritz Bauer, Jurist, Verfolgter des NS-Regimes, geb.16.07.1903 in Stuttgart, gest. 30.06.1968 in Frankfurt am Main. Wegen seiner SPD-Mitgliedschaft und seiner jüdischen Abstammung wurde er im Mai 1933 zunächst von der Gestapo im Konzentrationslager Heuberg inhaftiert und wenig später aus dem Staatsdienst entlassen. 1935 emigrierte Bauer nach Dänemark und wurde dort nach der deutschen Besetzung verhaftet. Er konnte 1943, als die Deportation der dänischen Juden begann, nach Schweden flüchten. Dort gründete er mit dem späteren Bundeskanzler Willy Brandt die Zeitschrift "Sozialistische Tribüne". 1949 kehrte Bauer nach Deutschland und in den Justizdienst zurück. 1956 wurde er in das Amt des hessischen Generalstaatsanwalts berufen. In dieser Funktion war er maßgeblicher Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963-1965). Dr. Edith Stein, Philosophin, Ordensfrau, Opfer des NS-Regimes, geb. 12.10.1891 in Breslau, ermordet 09.08.1942 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. 1911 bis 1916 studierte Edith Stein an den Universitäten von Breslau und Göttingen Philosophie, Psychologie und Geschichte. 1916 promovierte sie in Freiburg im Breisgau. 1922 konvertierte sie vom jüdischen Glauben zum Katholizismus. 1933 bat Edith Stein Papst Pius XI. in einem Brief um sein Einschreiten gegen die Nationalsozialisten. 1934 trat sie dem Orden der Karmelitinnen in Köln bei. 1938 flüchtete sie nach Echt/Holland um der Judenverfolgung der Nationalsozialisten in Deutschland zu entgehen. 1942 wurde sie verhaftet, im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau interniert und dort ermordet. 1998 wurde sie als Märtyrerin heilig gesprochen. Martin Niemöller, Theologe und Widerstandskämpfer, geb.14.01.1892 in Lippstadt (Westf.), gest. 06.03.1984 in Wiesbaden. Martin Niemöller gründete 1933 als Pfarrer in Berlin-Dahlem den "Pfarrernotbund", der sich gegen die Ausgrenzung von Christen jüdischer Herkunft richtete. Da er den sog. "Arierparagraphen" aus religiösen Gründen ablehnte, wurde Niemöller von seinen Ämtern enthoben und erhielt Redeverbot. 1935 wurde Martin Niemöller mit mehreren Pfarrern, die sich gegen Angriffe des NS-Ideologen Alfred Rosenberg gewandt hatten, verhaftet und kurzzeitig festgehalten. 1937 wurde er erneut verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. 1941 wurde er in das Konzentrationslager Dachau verlegt, aus dem ihn 1945 amerikanische Truppen befreiten. 1947 erfolgte die Ernennung zum Kirchenpräsidenten der evangelischen Landeskirchen in Hessen und Nassau. 1961-1968 war Niemöller einer der sechs Präsidenten des Weltkirchenrates.

Ottilie Wildermuth, Schriftstellerin und Jugendbuchautorin, geb. 22.02.1817 in Rottenburg am Neckar, gest. 12.07.1877 in Tübingen. Autorin zahlreicher Erzählungen, Novellen, Familien- und Jugendgeschichten. Die vielgelesenen Familienzeitschriften (Daheim, Die Gartenlaube u. a.) druckten ihre dem Publikumsgeschmack entsprechenden Geschichten ab und machten sie zur bekanntesten Schriftstellerin ihrer Zeit. 1871 erhielt Wildermuth in Württemberg die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. D. Kosten: Entfällt Anlage 1 (ca. 632 KB)Beratung im Ortsbeirat: 12 Versandpaket: 22.09.2010

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

MVortrag des Magistrats

Eine Beschlussvorlage, die der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorlegt — für Angelegenheiten, die deren Zustimmung brauchen. Sie wird in Ausschüssen und im Plenum beraten, dann entscheidet die Stadtverordnetenversammlung.

  1. 1Magistrat legt Vortrag vor
  2. 2Ausschüsse beraten
  3. 3Plenum entscheidet

Der Weg dieser Vorlage

Am 20. September 2010 legte der Magistrat diesen Vortrag der Stadtverordnetenversammlung vor. In 2 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten.

Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf2 Beratungen
OBR 12
Sitzung 45 · 29.10.2010
TO I, TOP 10
Angenommen
Die Vorlage M 191 wird mit der Maßgabe beschlossen, dass die unbenannte Straße Nr. 8463 in "Herbert-Adler-Straße" benannt wird. (Ermächtigung gem. § 3 Absatz 3 GOOBR)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

OBR 12
Sitzung 47 · 21.01.2011
TO I, TOP 14
Beraten
a) Der Beschluss des Ortsbeirates vom 29.10.2010, § 8850, wird, soweit er die Benennung der unbenannten Straße Nr. 8463 betrifft, aufgehoben. b) Die unbenannte Straße Nr. 8463 erhält den Namen "Ricky-Adler-Straße". (Ermächtigung gem. § 3 Absatz 3 GOOBR)

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

zu a und b)
Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: zu a) und b) Einstimmige Annahme

Mitdiskutieren

Ortsbeiratssitzung