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Umbenennung des Haardtwaldplatzes in Philipp-Schwartz-Platz

Vorlagentyp: K
3 SitzungenAbgelehnt
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Inhalt

Anregung der KAV vom 13.03.2023, K 128

Betreff: Umbenennung des Haardtwaldplatzes in Philipp-Schwartz-Platz Die KAV möge beschließen: Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Die Stadtverordnetenversammlung bittet den Ortsbeirat 5, den Haardtwaldplatz in Niederrad in Philipp-Schwartz-Platz umzubenennen. Der Haardtwaldplatz befindet sich unmittelbar am ehemaligen Wohnsitz von Professor Philipp Schwartz in Niederrad, den er 1933 aufgrund seiner jüdischen Wurzeln fluchtartig verlassen musste. Es ist im Interesse der Frankfurter Stadtverordneten, den bisher in seiner Wahlheimatstadt weitestgehend unbekannten ehemaligen Frankfurter Bürger aufgrund seiner in der folgenden Begründung dargestellten Verdienste an prominenter Stelle zu würdigen.

Begründung: Philipp Schwartz lebte von 1919 bis 1933 in Frankfurt am Main. Von 1927 bis zu seiner Flucht wohnte der Professor für Pathologie in Niederrad am Haardtwaldplatz. Seine in dieser Zeit geleistete Forschungsarbeit über das zerebrale Geburtstrauma wird von der Fachwelt als wegbereitend für die moderne Schwangerschaftsvorsorge bezeichnet. 1933 musste er aufgrund seiner jüdischen Wurzeln Niederrad fluchtartig verlassen und gründete daraufhin in Zürich die "Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaftler im Ausland", die zahlreichen in Deutschland entlassenen und bedrohten Wissenschaftler:innen und deren Angehörigen Arbeitsplätze außerhalb Deutschlands vermittelte. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) schreibt in ihrer Ausgabe vom 11.11.2013 über die von ihm gegründete Organisation: "Tausende Menschen konnten dank Philipp Schwartz dem Naziregime entrinnen ... Bis 1945 fanden allein in der Türkei mindestens tausend Menschen eine neue Existenz - das ist eine Aktion von weltgeschichtlicher Bedeutung, ein Wunder fast, von dem hierzulande kaum jemand weiss." Während in der Türkei an seine Verdienste und die seiner Kolleg:innen fortwährend erinnert wurde, begannen deutsche Institutionen erst wieder nach 2013 von ihm Notiz zu nehmen. Heute trägt unter anderem die vom Auswärtigen Amt finanzierte, von der Alexander von Humboldt Stiftung gegründete Philipp Schwartz-Initiative seinen Namen. Die Initiative ermöglicht seit 2016 deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen, ausländische Wissenschaftler:innen, denen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen, für zwei Jahre bei sich aufzunehmen. Philipp Schwartz musste seine Heimat bzw. seine Wahlheimat aufgrund von wirtschaftlicher Not oder gar Bedrohung des eigenen Lebens insgesamt dreimal verlassen. Seine damals österreichisch-ungarische Geburtsstadt Werschetz (heutiges Vrsac), in der er als Mitglied der deutsch-jüdischen Minderheit aufgewachsen war, verließ er 1919 nach dem Einmarsch serbischer Truppen und zog nach Frankfurt am Main, wo er 1927 zum Professor für Pathologie ernannt wurde und drei Jahre später auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Nach dem Wahlsieg der Nationalsozialisten floh er im März 1933 zunächst nach Zürich, von wo aus er wenige Wochen später auf Einladung des türkischen Präsidenten Kemal Atatürk in die Türkei weiterreiste. Bei der Einreise wurden seine Papiere mit dem Stempel "Haymatloz" versehen (unter diesem Titel wurde sein Leben 2015 von der Regisseurin Eren Önsöz verfilmt). In Istanbul übernahm er im Oktober 1933 die Leitung des Instituts für Pathologie der Medizinischen Fakultät. In den folgenden 19 Jahren lernte er fließend türkisch zu sprechen und nahm auch die türkische Staatsbürgerschaft an. Nachdem auch in der Türkei die politischen und wirtschaftlichen Umstände für ihn als Deutschstämmigen zunehmend schwieriger wurden und ihm die Frankfurter Universität seine Rückkehr auf seinen alten Lehrstuhl mit fadenscheinigen Gründen verwehrt hatte, zog er 1952 in die USA, wo er 1977 als amerikanischer Staatsbürger verstarb. Prof. Philipp Schwartz kann aufgrund seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen, seinen lebenslangen Bemühungen zur Integration in verschiedene Gesellschaften bzw. Kulturen sowie seinem gemeinnützigen Einsatz für seine von den Nationalsozialisten verfolgten Kolleg:innen ein Vorbild für die Niederräder Bürger mit und ohne Migrations-hintergrund sein. Es wird darauf hingewiesen, dass der im Hunsrück gelegene Haardtwald auch bei einer Umbenennung des Platzes mit der Haardtwaldstraße weiterhin einen Namen in der nach verschiedenen Mittelgebirgen (Melibocus, Donnersberg, Trifels, Kalmit, Breuberg) benannten Siedlung hätte und es immer wieder zu Adress-Verwechslungen zwischen Haardtwaldplatz und Haardtwaldstraße kommt. Von einer Adressänderung wären lediglich drei im Besitz der ABG Holding befindliche Mehrfamilienhäuser (Haardtwaldplatz 3, 5 und 7) mit insgesamt 16 Nutzungseinheiten betroffen, die bis heute von verschiedenen Navigationssystemen (u.a. Google Maps) nicht ordentlich angezeigt werden können, was insbesondere bei Notfällen zu problematischen Zeitverlusten führen könnte.Zuständige Ausschüsse: Ausschuss für Planen, Wohnen und Städtebau Beratung im Ortsbeirat: 5 Versandpaket: 22.03.2023

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

KAnregung der KAV

Ein Vorschlag der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV). Er wird in den zuständigen Ausschüssen behandelt und kann übernommen, abgelehnt oder zur Prüfung an den Magistrat überwiesen werden.

  1. 1KAV bringt Anregung ein
  2. 2Ausschüsse beraten
  3. 3ggf. Prüfung durch den Magistrat

Frist: 3 Monate bei Überweisung

Der Weg dieser Vorlage

Am 13. März 2023 brachte die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) diese Anregung ein. In 3 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 11.05.2023 im Stadtverordnetenversammlung abgelehnt.

Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf3 Beratungen
Ausschusses für Planen, Wohnen und Städtebau
Sitzung 17 · 02.05.2023
TO I, TOP 37
Abgelehnt
Die Vorlage K 128 wird abgelehnt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
GrüneSPDFDPVoltBFF-BIGGartenpartei
Ablehnung:
CDULinkeAfDÖkoLinX-ELF
Enthaltung:
FRAKTION
Abstimmung im Original

Abstimmung: GRÜNE, SPD, FDP, Volt und BFF-BIG gegen CDU (= vereinfachtes Verfahren) sowie LINKE. (= Annahme) und AfD (= Prüfung und Berichterstattung); FRAKTION (= Enthaltung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ELF (= Annahme) Gartenpartei (= Ablehnung)

OBR 5
Sitzung 20 · 05.05.2023
TO I, TOP 50
Abgelehnt
Die Vorlage K 128 wird abgelehnt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

Stadtverordnetenversammlung
Sitzung 22 · 11.05.2023
TO II, TOP 53
Abgelehnt
Die Vorlage K 128 wird abgelehnt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
GrüneSPDFDPVoltBFF-BIGGartenpartei
Ablehnung:
CDULinkeÖkoLinX-ELFAfD
Enthaltung:
FRAKTION
Abstimmung im Original

Abstimmung: GRÜNE, SPD, FDP, Volt, BFF-BIG und Gartenpartei gegen CDU (= vereinfachtes Verfahren), LINKE. und ÖkoLinX-ELF (= Annahme) sowie AfD (= Prüfung und Berichterstattung); FRAKTION (= Enthaltung)

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Ortsbeiratssitzung