Der Mangel an Sozialwohnungen steigt in Frankfurt seit Jahren dramatisch. Tausende Menschen leben in Notunterkünften, gl
Zusammenfassung
Der Mangel an Sozialwohnungen in Frankfurt ist seit Jahren dramatisch und trotz bestehender Quoten werden diese nicht erfüllt. Die Antwort des Magistrats liegt noch nicht vor.
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Thema Wohnen verfolgenFrage an den Magistrat
Der Mangel an Sozialwohnungen steigt in Frankfurt seit Jahren dramatisch. Tausende Menschen leben in Notunterkünften, gleichzeitig hat ein großer Teil der Bevölkerung Anspruch auf eine Sozialwohnung. Trotz der Quoten von 30 Prozent im Baulandbeschluss, 40 Prozent bei der ABG Frankfurt Holding und des Koalitionsbeschlusses von 2023, künftig 60 Prozent sozial geförderte Wohnungen bei der ABG zu bauen, werden die Quoten nicht erfüllt. Ich frage den Magistrat: Wie viele Wohnungen wurden im Jahr 2025 fertiggestellt und wie viele davon waren Sozialwohnungen?
Antwort des Magistrats
Stadtrat Prof. Dr. Marcus Gwechenberger: Sehr geehrte Vorsteherin, sehr geehrter Stadtverordneter Yilmaz, ich antworte wie folgt: Für das Jahr 2025 liegen noch keine Zahlen über die Gesamtzahl aller im Stadtgebiet fertiggestellten Wohnungen vor. Die Fertigstellungszahlen werden vom Hessischen Statistischen Landesamt voraussichtlich im Juni veröffentlicht. Im Segment des geförderten Wohnungsbaus wurden 2025 343 Wohneinheiten im Förderweg 1, soziale Wohnraumförderung, gefördert. Davon waren 269 Wohneinheiten bezugsfertig und konnten im selben Jahr vom Amt für Wohnungswesen vermittelt werden. Im Förderweg 2 wurden 346 Wohneinheiten fertiggestellt, davon sind 239 in die Vermietung gekommen. Die Vermittlung der übrigen Wohneinheiten im Förderweg 1 und im Förderweg 2 startete im Jahr 2026. Grund dafür war die Fertigstellung der Gebäude Ende des Jahres 2025. In Bezug auf die ABG Frankfurt Holding wurden im Jahr 2025 insgesamt 406 geförderte Wohnungen fertiggestellt. Das entspricht 23 Prozent der Quote im Förderweg 1 und 24 Prozent im Förderweg 2. Die Förderquote bei der ABG beträgt für 2025 insgesamt 47 Prozent. Insgesamt ist festzustellen, dass der Bestand an geförderten Wohneinheiten und Wohnungen für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen 2025 erstmals seit 20 Jahren deutlich gestiegen ist, das heißt allein im Neubau um über 500 Wohnungen. Aktuell gibt es in Frankfurt rund 31.000 Wohnungen für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen. Stadtverordnetenvorsteherin Claudia Korenke: Vielen Dank, Herr Stadtrat! Der Fragesteller hat eine Zusatzfrage. Bitte schön! Stadtverordneter Eyup Yilmaz, BSW: (Zusatzfrage) Vielen Dank erst mal für die Zahlen! Wie viele Sozialwohnungen sind im gleichen Jahr aus der Bindung gefallen? Wir wissen auch, dass die neuen Wohnungen nicht reichen. Sie sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir wissen auch, dass Stadtrat Ernst May vor hundert Jahren in kürzester Zeit aus der öffentlichen Hand Siedlungen gebaut hat. Warum bauen Sie nicht so, und warum haben Sie keine Vision, um die Probleme wirklich zu lösen? Danke! Stadtrat Prof. Dr. Marcus Gwechenberger: (fortfahrend) Zu der Vision gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Was das Frankfurt der Zwanzigerjahre betrifft: Das waren übrigens nicht alles geförderte Wohnungen, die damals im Neuen Frankfurt entstanden sind, sondern das war eine ganz geringe bis gar keine Anzahl an geförderten Wohnungen, das muss man auch sehen. Das als Hintergrund. Was die Zahl der aus der Bindung gefallenen Wohnungen betrifft, würde ich gerne nachliefern. Ich kann aber vorab schon sagen, dass wir es geschafft haben, durch den Ankauf von Belegrechten den größten Teil der Wohnungsbestände zu erhalten. Wir haben es 2025 geschafft, den Großteil der Wohnungen, die aus der Bindung gefallen wären, zu sichern. Ich meine, es waren über 600 Wohnungen, die wir über Belegrechte erwerben konnten. Ich habe die Zahl jetzt nicht im Kopf und würde sie gerne nachliefern. Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 9 Stadtverordneter Eyup Yilmaz, BSW: Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren, die Zahlen, die Herr Stadtrat vorgelegt hat, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Frankfurt verliert seit Jahren Sozialwohnungen schneller als neue entstehen. Gleichzeitig steigen die Mieten immer weiter. Immer mehr Menschen haben Anspruch auf eine Sozialwohnung, finden aber keine. Tausende Menschen leben inzwischen in Not- und Übergangsunterkünften, darunter auch Familien und Kinder. Verdrängung und Gentrifizierung in den Siedlungen haben eine enorme Situation erreicht. In den letzten Jahren wurden massiv neue Wohnungen gebaut - von 2016 bis 2024 wurden etwa 34.000 Wohnungen fertiggestellt. Davon sind aber nur 966 Sozialwohnungen, das macht 2,8 Prozent. Wo sind die Quoten, die Sie immer wieder beschließen und ankündigen? Die Realität sieht ganz anders aus. Es ist nicht entscheidend, was Sie ankündigen, auch auf dem Papier, oder aber beschließen, entscheidend ist, was tatsächlich gebaut wird. Das habe ich hier bereits genannt. Gleichzeitig fallen über 6.000 Sozialwohnungen - ich muss die Zahl nochmal nennen - im gleichen Zeitraum aus der Bindung, das ist eine enorme Zahl. Selbst wenn heute einige hunderte Sozialwohnungen genannt wurden, reicht das vorne und hinten nicht. Nicht in einer Stadt, in der fast die Hälfte der Bevölkerung theoretisch Anspruch auf eine Sozialwohnung hat, nicht in einer Stadt, in der normale Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer inzwischen kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden und nicht in einer Stadt, die gleichzeitig weiter öffentliche Grundstücke verkauft und damit die Bodenspekulation antreibt. Genau dort liegt das Kernproblem: Wenn öffentlicher Boden privatisiert wird, entstehen keine dauerhaft bezahlbaren Wohnungen, sondern renditeorientierte Projekte. Boden ist keine Aktie, Wohnungen sind kein Wertpapier und Wohnen darf kein Geschäftsmodell sein. Ich sage immer wieder: Die Stadt muss selbst massiv über die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften auf öffentlichem Boden und mit dauerhaften Sozialbindungen bauen. So wurde früher das neue Frankfurt aufgebaut. Heute erleben wir dagegen immer neue Ankündigungen, Quoten und Pressemitteilungen, aber die Wohnungsnot wird jedes Jahr schlimmer. Genau deshalb reicht es nicht mehr, nur über Zahlen zu reden. Die Menschen erwarten endlich politische Konsequenzen. Danke schön!
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 13. Mai 2026 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.