Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Frankfurt hat jüngst ehemalige Kommunalpolitiker darüber informi
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Thema Schulen und Bildung verfolgenInhalt
Frage vom 25.01.2018, F 984 Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Frankfurt hat jüngst ehemalige Kommunalpolitiker darüber informiert, dass Oberbürgermeister Feldmann mehrmals bei seinen Auftritten in der Agentur gefordert hat, dass alle Frankfurter Schülerinnen und Schüler zum Abitur geführt werden sollen. Es ist hinlänglich bekannt, dass gewerbliche Betriebe in Frankfurt nicht nur ausbildungsfähige Haupt- und Realschülerinnen und -schüler suchen zur Besetzung der offenen Ausbildungsplätze, sondern auch dringend auf Facharbeiter angewiesen sind.
Ich frage den Magistrat: Ist der Magistrat nicht der Meinung, dass angesichts des Facharbeitermangels und der sehr guten Berufs- und Verdienstchancen auch andere Schulabschlüsse zu einem erfolgreichen Leben führen können?
Antwort des Magistrats: Oberbürgermeister Peter Feldmann: Sehr geehrte Frau Stadtverordnete Pfreundschuh, sehr geehrtes Präsidium! Den Geburtstag haben wir schon einmal hochleben lassen. Deshalb möchte ich das nicht noch einmal wiederholen. Es war eine sehr schöne Feier. Ja, es stimmt, ich habe gesagt, dass unsere Frankfurter Schülerinnen und Schüler unheimlich bildungshungrig sind. Das ist ein bisschen etwas anderes als in der Eingangsbemerkung, die Sie dargestellt haben. Ich habe auch gesagt, dass unsere Abiturientenquote von fast 60 Prozent etwas ist, auf das wir stolz sein können und müssen. Ich habe auch gesagt, dass dies nicht nur gut für den Wirtschaftsstandort insgesamt ist, sondern für unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Fachkräftemarkt, denn auch mit diesen hoch qualifizierten Frankfurter Kindern, den Schülerinnen und Schülern, schaffen wir so optimale berufliche Perspektiven, auch die Basis für die dringend gesuchten Fachkräfte der Unternehmen. Im Übrigen gilt, dass durch die Art eines Schulabschlusses beziehungsweise eines gewählten Bildungsweges nach Ansicht des Magistrats kein Rückschluss auf den Erfolg oder Misserfolg eines Lebens geschlossen werden kann. Der Magistrat ist vielmehr der Meinung, dass die Durchlässigkeit des existierenden Bildungssystems so gestärkt werden muss, dass alle Kinder und Jugendlichen den bestmöglichen Bildungsabschluss erreichen können.
(Beifall) Das ist auch Gegenstand des Koalitionsvertrages, den wir gemeinsam mit Ihrer Mithilfe unterschrieben haben, für größtmögliche Bildungsgerechtigkeit zu sorgen. Diesem Auftrag kommt der Magistrat engagiert nach. Gerade für Kinder aus einkommensschwachen Familien ist dies von großer Bedeutung, denn wir wollen den Bildungserfolg, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Wir freuen uns auch darüber, dass unter dieser Abiturientenquote von fast 60 Prozent gerade auch ein sehr erheblicher Anteil aus den Migrantinnen- und Migrantenfamilien ist, der deutlich von anderen Städten positiv nach oben abweicht. Die Investitionen im Bildungsbereich stellen deshalb einen Schwerpunkt im städtischen Haushalt dar. Denn bestmögliche Förderung und größtmögliche Bildungsgerechtigkeit bedeuten, gute Lehr- und Lernbedingungen für unsere Frankfurter Kinder zu schaffen. Natürlich ist es auch gut, wenn augenblicklich sehr viele fordern, dass das Bildungsbudget erhöht werden soll. Das fordern nicht nur die Schuldezernentin oder der Oberbürgermeister, sondern viele, die sich im Augenblick politisch betätigen. Hieran arbeitet der Magistrat mit vereinten Kräften. So waren Frau Stadträtin Weber, Herr Stadtrat Schneider und ich uns einig, dass wir mit der Verwaltungsreform und der Gründung des neuen Amtes für Bau und Immobilien einen richtigen Schritt gegangen sind, um schnell und effizient den Sanierungsstau an unseren Schulen aufzulösen und die dringend benötigten Schulen, die wir bald haben wollen, auch zügig zu bauen. Wir werden deshalb in den nächsten Jahren 16 neue Schulen bauen, davon zwei im Bestand sanieren und 13 Schulen erweitern. In den letzten zwei Jahren sind fünf Schulen gebaut worden. Das ist eine Mammutaufgabe, die ich auch bei Veranstaltungen, wie zum Beispiel bei der Bundesanstalt für Arbeit, dargestellt habe. Ich bin dankbar, dass Stadtrat Schneider die Verantwortung hierfür übernommen hat. Zudem bin ich mir sicher, dass wir mit vereinten Kräften diese große Zukunftsaufgabe meistern. Jungen Menschen sollen sowohl die Wahlfreiheit bei der Entscheidung über den Bildungsgang als auch bei der beruflichen Orientierung offen stehen. Der Magistrat legt dabei einen besonderen Fokus darauf, die Vielfalt von Bildungsgängen zu erhalten, um auch denjenigen die bestmögliche Förderung zukommen zu lassen, die kein Abitur anstreben. Berufliche Bildung und Abitur können insoweit aber auch aufeinander aufbauen, als dass es an zwei beruflichen Schulen in Frankfurt, nämlich der Heinrich-Kleyer-Schule und der Klingerschule, die ich im Rahmen meiner regelmäßigen monatlichen Schulbesuche besuchen durfte, Schüler auch im Bereich der beruflichen Gymnasium gibt, die dort ein vollwertiges Abitur ablegen. Das heißt, es gibt keine Einbahnstraßen, sondern vor allem Überschneidungen. Die Auswahl des Bildungsganges Realschule ist erstmalig nach vielen Jahren mit einem gleichbleibenden Auswahlverhalten wieder etwas angestiegen. Hinzu kommt, dass dem Bildungsgang Realschule mit Rückläufern und Quereinsteigern, zum Beispiel von den Gymnasien oder aus Intensivklassen, ausreichend Platz gegeben werden muss. Aus diesem Grund wird auch derzeit die Kapazitätserweiterung in diesem Bereich geprüft. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank, Herr Oberbürgermeister! Die erste Zusatzfrage kommt von Herrn Schmitt von der SPD-Fraktion. Bitte! Stadtverordneter Hubert Schmitt, SPD: (Zusatzfrage) Vielen Dank, Herr Oberbürgermeister! Ist es denn nicht auch so, dass neben der Wahlfreiheit des Bildungsganges auch die freie Wahl des Berufes für die Schülerinnen und Schüler sehr wichtig ist? Oberbürgermeister Peter Feldmann: (fortfahrend) Ja, das ist richtig. Da sind wir auf einem mehr als guten Weg. Ich habe schon öfters hier an dieser Stelle ausgeführt, dass wir durch die Entwicklung am Arbeitsmarkt mit etwa 13.000 bis 15.000, je nach Rechnungsart und der Prognose, für das letzte Jahr 47.500 Jobs zusätzlich haben. Das heißt, wir haben einen Nettozuwachs hier in dieser Stadt, was implizit dazu führt, dass unsere Kinder und Jugendlichen mehr Auswahl bei den Berufen haben und wir vielleicht tatsächlich die erste Stadt sind - ich wiederhole es auch hier -, in der das alte deutsche Wort Arbeitslosigkeit möglichst schnell ein Fremdwort wird.
(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Wehnemann. Bitte! Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION: (Zusatzfrage) Sehr geehrter Herr scheidender Oberbürgermeister Feldmann, sind Sie auch mit mir der Meinung, dass hier ausgerechnet die CDU Ihnen mit der Fragestellung ein Podium für eine Wahlkampfrede gegeben hat?
(Heiterkeit) Oberbürgermeister Peter Feldmann: (fortfahrend) Das müssen Sie die christdemokratische Führung fragen. Ich habe in der letzten Zeit öfters den Eindruck, dass man alles tut, um die Gemeinsamkeiten noch weiter herauszuarbeiten, und dass man sich gegenseitig sehr aktiv unter die Arme greift. (Beifall, Heiterkeit) Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 984 Stadtverordnete Sabine Fischer, CDU: Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, liebe Kollegen! Ich möchte mich zu der Frage Nr. 984, Schulabschlüsse Frankfurter Schülerinnen und Schüler, äußern. Ich muss als erstes sagen, dass ich auch schon einmal vom Oberbürgermeister gehört habe, dass alle Abitur machen sollen, bis es kracht. Von der heutigen Antwort bin ich deshalb doch sehr überrascht, begrüße es aber, dass Sie nun den Bildungsgang Realschule überprüfen wollen, dass dem Bildungsgang Realschule und auch den Schülerinnen und Schülern der Haupt- und Realschulen wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ich bin darüber sehr überrascht, aber auch sehr erfreut. Auch für uns als CDU ist die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems ein zentraler Wert. Wir halten es jedoch für verfehlt, das Heil aller Kinder im Abitur und einer akademischen Ausbildung zu sehen. Schauen wir uns einmal die Zahlen von allen Frankfurter Schülerinnen und Schülern, die auf einem Gymnasium eingeschult werden, an. Viele müssen meist schon nach der fünften oder sechsten Klasse, den Bildungsgang wieder verlassen. Nur 85 Prozent der Frankfurter Gymnasiasten erreichen überhaupt die Oberstufe und von denen erreichen nun wiederum nicht alle das Abitur. Beim Studium sieht es ähnlich aus. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschulforschung aus dem Jahr 2016 brechen derzeit circa 30 Prozent der Bachelor-Studenten ihr Studium vorzeitig ab. Selbst wenn das Studium geschafft ist, finden viele Absolventen, trotz guter Abschlüsse, keine Stelle. Ich möchte damit nur einmal erwähnen, dass es sehr viele Juristen und sehr viele andere Akademiker gibt, die keine adäquate Stelle finden. Nicht umsonst gibt es den Begriff der "Küchentischkanzlei", weil einfach keine andere Stelle gefunden wird. Dem gegenüber stehen folgende Zahlen der Lehrstellenbörse der IHK. Sucht man hier online nach Ausbildungsplätzen, stellt man fest, dass derzeit 3.300 freie Ausbildungsplätze allein in und um Frankfurt herum darauf warten, besetzt zu werden. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind also gut. Die IHK beklagt seit Langem einen Mangel an Facharbeitern und Nachwuchskräften in zahlreichen Bereichen. Der Fachkräftebedarf wird wesentlich steigen. Ich weiß als Leiterin einer Haupt- und Realschule, wie viele Missverständnisse es häufig auch in den Familien gibt, die dazu führen, dass die Eltern ihre Kinder unbedingt auf das Gymnasium bringen möchten, obwohl sie vielleicht in einem anderen Beruf, in einem Handwerksberuf wesentlich besser untergebracht wären. Statt Abitur und Studium für alle sollte es doch eher heißen: Förderung individueller Fähigkeiten, Aufstiegschancen und die Wahl einer sinnstiftenden Tätigkeit für alle.
(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank, Frau Fischer! Ihre Redezeit ist überschritten. Drei Minuten sind einfach kurz. Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Brillante. Für alle weiteren Redner sage ich es noch einmal, bei der Aktuellen Stunde leuchtet nach zweieinhalb Minuten die gelbe Lampe, dann haben Sie noch eine halbe Minute Zeit. Bitte schön, Herr Brillante! Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: Sehr geehrte Damen und Herren! Zuerst wollte ich sagen, was für eine komische Frage das war, aber ich wollte nicht unhöflich sein. Ich habe mir vorhin alle Lebensläufe der verehrten Kolleginnen und Kollegen auf der Homepage der CDU einmal angeschaut. Ich stelle fest, fast alle haben Abitur, einen Doktortitel oder einen akademischen Titel. (Beifall, Zurufe) Wie oft soll ich in diesem Haus wiederholen, dass wir ein Schulsystem haben, das aus der bismarckschen Zeit stammt und sich inzwischen überlebt hat. Sie verteufeln die Einheitsschule, aber was haben wir in Frankfurt? Wir bewegen uns zu einer Einheitsschule. Im Westend gehen alle Kinder aufs Gymnasium. Wenn Sie sich den neuen Integrations- und Diversitätsbericht angeschaut haben, dann stellen Sie fest, dass inzwischen in Frankfurt stadtweit 80 Prozent der deutschen Mädels nach der vierten Klasse auf einen Gymnasialzweig gehen. Über 70 Prozent machen auch das Abitur. Warum gehen im Westend alle Kinder aufs Gymnasium? Weil dort alle gut situierten Eltern der Meinung sind, dass ihre Kinder eben keine Facharbeiter werden sollen, sondern Berufe wie Richter, Ärzte, Rechtsanwälte oder Manager ausüben sollen. Das ist auch okay. Es ist auch legitim, dass die Eltern sich für ihre Kinder die bestmögliche Berufsausbildung wünschen. Aber warum ist das nur für die gut situierten Kinder? Auch immer mehr Eltern der sogenannten unteren sozialen Schichten und Migranteneltern - aber nicht wegen eurer Integrationspolitik, sondern aus eigenem Bewusstsein - wollen, dass die Potenziale ihrer Kinder nicht a priori ausgeschaltet werden. Daher der Run aufs Gymnasium. Ihre OB-Kandidatin, Frau Weyland, verspricht ja alles, aber sie verspricht auch, dass sie neue Gymnasien bauen lassen will. Liebe Frau Pfreundschuh, die Aussage des Oberbürgermeisters ist nichts anderes als ein Beitrag zur Integration. Merken Sie sich das. (Beifall, Zurufe) Das heißt nicht, dass ich der Meinung bin, dass alle Kinder Abitur machen und studieren sollen, aber ich will Chancengleichheit. Diskriminierung hasse ich. So oft habe ich bereits gesagt, dass ein Kind im Alter von zehn oder elf Jahren nicht imstande ist, zu entscheiden, was es im Leben machen soll. Die Eltern entscheiden. Wir brauchen also eine echte Reform unseres Schulsystems. Ein Kind sollte selbst entscheiden, was es im Leben machen will. Trennen wir also die Kinder nicht bereits nach dem vierten Schuljahr, sondern erst nach der achten Klasse. In Finnland werden die Kinder sogar erst nach der zehnten Klasse getrennt. Dann können die Kinder im Alter von circa 15 Jahren selbst entscheiden, ...
Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Herr Brillante, auch Ihre Redezeit ist beendet. Letzter Satz, bitte! Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: (fortfahrend) ... ob sie sich dem Stress der Gymnasien unterwerfen sollen oder bereits Geld verdienen wollen mit einem Ausbildungsplatz. Das sollen die Kinder entscheiden.
(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank, Herr Brillante! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Schmitt von der SPD-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordneter Hubert Schmitt, SPD: Frau Stadtverordnetenvorsteherin, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Bei der Frage oder auch dem, was Frau Fischer gesagt hat, ist rübergekommen, dass es bei der CDU die Meinung gibt, es sei nicht gut, wenn zu viele junge Menschen Abitur machen, weil dann eben auch ein Facharbeitermangel die Folge ist. Man muss klar sagen, jeder Schüler in der Schule will die besten Voraussetzungen erreichen, um nachher im Berufsleben erfolgreich sein zu können. Das Abitur ist der höchste Abschluss, damit man den besten beruflichen Erfolg erzielen kann. Deswegen raten verantwortungsvolle Eltern, die es gut mit ihren Kindern meinen, ihnen genau dazu. Das habe ich auch so gemacht, sicherlich auch Sie in der CDU. Deswegen finde ich es auch durchaus richtig, wenn ein Politiker, auch der Oberbürgermeister, das so sagt. Die Kinder sollen eben die bestmöglichen Erfolgsaussichten und Chancen haben. Ich denke auch, dass wir in Frankfurt einen hohen Wert haben, glaube aber, dass er noch höher werden muss, was das Abitur angeht. Vor allem in den Stadtteilen, in denen die Quote niedriger ist. Im Frankfurter Westen machen nur 30 Prozent Abitur. Das sind oft sozial benachteiligte Familien, die da betroffen sind, oft sind es Migranten. Wenn der Oberbürgermeister darum wirbt, das Abitur zu machen, dann ist das in dem Fall ein ganz richtiges und wichtiges Signal, damit sich eben mehr von denen, die es bisher aus verschiedenen Gründen nicht machen konnten, aufraffen, den Mut finden, ihr Abitur zu machen. Das heißt natürlich nicht, dass jedes Kind das Abitur erwerben soll oder muss. Das wollen wir damit auch gar nicht sagen. Die Berufe, die man auch ohne Abitur ergreifen kann, sind genauso ehrenwert und anerkannt. Das sehe ich so. Ich bin Berufsschullehrer. Ich weiß, wovon ich da spreche. Das sehen die SPD und sicherlich auch der Oberbürgermeister so. Das hat er vorhin auch gesagt. Es geht bei dem Thema einfach darum, dass es eine freie Berufswahl geben muss. Dafür plädieren wir. Jeder Schüler soll das frei entscheiden können, auch wenn es in bestimmten Berufen einen Fachkräftemangel gibt, die freie Schulwahl ist das Wichtige. Wenn es Probleme in diesen Berufen gibt, dann liegt das unter anderem an den Strukturen dort. Vielleicht müssten die Arbeitgeber hier und da einmal die Ausbildungsvergütung anheben oder die Berufe attraktiver machen, damit dann dort auch die fehlenden Auszubildenden eingestellt werden können. Wenn Sie jetzt sagen, Sie wollen den Fachkräftemangel oder den Facharbeitermangel beheben, dann sollten Sie in diese Richtung gehen, aber nicht diejenigen kritisieren, die einfach sagen, Schüler nehmt euer Glück selbst in die Hand und versucht den besten Abschluss zu erwerben, damit ihr nachher im Leben die besten Chancen habt. Das ist der bessere Weg, wenn Sie das erreichen wollen. Vielen Dank!
(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Oberbürgermeister Feldmann. Bitte schön! Oberbürgermeister Peter Feldmann: Meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin! Mir ist es wichtig, dass wir ein Stück von diesen klassischen ideologischen Grabenkämpfen wegkommen. Es ist richtig, dass ich einmal gesagt habe: Bildung und Abitur, bis es kracht. Ich glaube auch, dass es dabei nichts zurückzunehmen gibt. Natürlich ist es gut, wenn Fachkräfte, beispielsweise Handwerker, in der Lage sind, Rechnungen zu formulieren, die Gewerke zu beschreiben, die man auf Anhieb versteht. Manchmal hilft ein Abitur dabei. Es ist auch nicht falsch, wenn Handwerker in der Frage der Prozentrechnung gewieft sind und sich nicht alleine auf den Computer verlassen müssen. Wer unsere Handwerker in dieser Stadt erlebt, erlebt viele Menschen mit sehr großer Qualifikation und Engagement. Es gehört zu den Leistungsbeschreibungen und Standards, dass man gut rechnen und Gewerke für den Kunden formulieren kann. Diskussionen, wonach Abiturienten niemals Facharbeiter oder Handwerker sein wollen oder Kinder aus dem Handwerksbereich eigentlich so etwas wie ein Abiturverbot haben sollten, damit sie auch Handwerker bleiben, sind schräge Diskussionen, die Realität ist viel pluraler, viel offener. Ich kann Ihnen berichten, dass es gerade in einer Stadt wie Frankfurt gut ist, wenn der Oberbürgermeister bei Firmenanfragen nach Standorten in Frankfurt sagen kann, dass sie ihre 50 Besten ruhig mitbringen sollen, aber bei der Frage, ob morgen 500 Wohnungen oder 500 Kitaplätze zur Verfügung stehen, antwortet, dass wir die anderen 500, die sie mitbringen wollten, aus einheimischen Frankfurtern stellen können, aus Frankfurter Kindern und Kindeskindern von den Großeltern, die sehr stolz sind auf diese Abschlüsse. Gerade diejenigen, die praxisorientiert sind an unserer Fachhochschule, es heißt ein bisschen moderner University of Applied Sciences, wissen, dass wir mit den 57 Prozent internationaler Studentinnen und Studenten punkten. Ich kann sagen, spart euch die Businessflüge, nehmt Frankfurter Kinder, die sind hoch qualifiziert, haben eine sehr beeindruckende Abiturientenquote und sind insgesamt vom Leistungsniveau sehr hoch, sehr ehrgeizig und vor allem latent dreisprachig. Deshalb ist die Frage, ob man es als ein Naturgesetz hinnimmt, dass man sich in Teilen unserer Stadt - die Statistik sagt beispielsweise im Holzhausenviertel - eher rechtfertigen muss, wenn man kein Abitur macht, weil es alle machen. Alle Kinder machen es, alle Nachbarn machen es. In anderen Teilen unserer Stadt, wie in Fechenheim - tatsächlich ist es dort so -, muss man sich anscheinend immer noch rechtfertigen, weil in der Straße, im Nachbarhaus niemand Abitur macht, wenn man auf ein Gymnasium geht. Dass man hier weiter die gesamte Kraft der Stadt darauf konzentriert, diese Überhänge aus alten Zeiten, die der Stadt nicht guttun, die Neid, Missgunst und Eifersucht schaffen, abzubauen, ist, glaube ich, auch eine Aufgabe für einen Oberbürgermeister, wenn er sagt, Bildung und Abitur, bis es kracht, den Stolz der Stadt zu formulieren, weil tatsächlich die Bildung und die Abschlüsse, bis hin zum Abitur, etwas sind, worauf die Familien unserer Stadt sehr großen Wert legen. Ich sage es einmal andersherum, ich glaube, dass jeder andere Abschluss auch gleichwertig ist, aber es geht um ein Selbstverständnis und ein Image, und das haben unsere Kinder verinnerlicht. Sie wissen schon sehr gut, was ihnen den größten Respekt im Freundes- und Familienkreis einbringt, und das ist das klassische deutsche Abitur. Nun erleben wir im Augenblick, dass sich Situationen verdrehen. Beim Thema freie Schulwahl, zu dem früher viele gesagt haben, na ja, es geht ja jetzt erst einmal auch um die Frage, was die Lehrer klug finden, wurde sehr dafür gekämpft, dass die Eltern bei der Entscheidung Einfluss nehmen. Heute ist das eine Position, die politisch eher links der Mitte vertreten wird, das war in den Siebzigerjahren, als es um Integrierte Gesamtschulen ging, ein Stück weit anders. Bei der Frage der Bewertung des Abiturs habe ich heute einen ähnlichen Eindruck, dass nämlich diejenigen, die früher das Abitur sehr hochgehalten haben, manchmal in Sorge sind, sie hätten es zu hochgehalten. Und andere, die eher links der Mitte sind, sagen: Mensch, das ist doch ein klasse Ding, aber möglichst für alle. Das heißt, auch da verlaufen ideologische Grenzen, und ich werbe sehr dafür, an diesem Punkt zu sagen, es ist nicht schlimm. Es ist nicht schlimm, wenn die ideologischen Grenzen dort verlaufen, es ist nicht schlimm, wenn ein Handwerksmeister Abitur hat, es ist aber auch nicht schlimm, wenn jemand, der aus einem Stadtteil kommt, der eher benachteiligt erscheint, über den zweiten Bildungsweg nach oben kommt, sich durchsetzt und das tut, was viele Frankfurter Kinder machen, eben nach vorne kommen und seinen Teil von dem Traum der Gleichberechtigung dieser Stadt leben, erleben und sich vor allem durchsetzen, meine Damen und Herren. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Erika Pfreundschuh
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 25. Januar 2018 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.