Ernst May gelang es mit seinen Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur für Frankfurt neue Maßstäbe hinsichtlich
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Frage vom 05.10.2012, F 601 Ernst May gelang es mit seinen Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur für Frankfurt neue Maßstäbe hinsichtlich bezahlbaren Wohnungsbaus zu setzen. Der starke Bezug zur Natur, der funktionale Grundriss und die Verwendung industriell gefertigter Bauteile waren in dieser Kombination in der damaligen Zeit ein Novum. Heute gelten die Siedlungen als herausragende architekturgeschichtliche Kulturdenkmale. Mit Projekten wie dem Ernst-May- Haus in der Römerstadt und aktuell einem Ausstellungsraum zum neuen Bauen will auch Frankfurt diese Siedlungen besser darstellen.
Ich frage den Magistrat: Welchen Fortgang haben mögliche Planungen für den Ausstellungsraum und Weltkulturerbestatus genommen, und was sind die nächsten Schritte?
Antwort des Magistrats: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Frau Stadtverordnete Dr. Hambrock, Eine ständige Ausstellung "Neues Frankfurt" macht Sinn nur im stadträumlichen engen Zusammenhang mit den Siedlungen, die auf Veranlassung Ernst Mays 1925-1930 entstanden sind. Zu diesem Zweck wurden im August vom DAM zusammen mit der Stadtverordneten Frau Dr. Hambrock einige leer stehende Läden in der Siedlung Hellerhof besichtigt, von denen einer - eine frühere Apotheke an der Frankenallee - bedingt geeignet erschien: Fläche ausreichend, Schaufenster zur Frankenallee, Lagerflächen im Keller. Anschließend wurde das Wohn- und Geschäftshaus Hadrianstraße in der Siedlung Römerstadt in Augenschein genommen, das zahlreiche Ladenlokale enthält, von denen derzeit aber keines leer steht. Nach den Erfahrungen der ABG ist aber damit zu rechnen, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre Neuvermietungen anstehen, so dass - wenn man etwas Geduld aufbringt - mittelfristig dort eine gute Chance besteht, eine solche Ausstellung einzurichten. Das DAM ist der Auffassung und teilt diese mit der Elsaesser-Stiftung und der Ernst-May-Gesellschaft, dass die Römerstadt der besser geeignete Standort ist, weil sie von allen Siedlungen die vielseitigste ist und z. B. im Vergleich mit der stark veränderten Siedlung Praunheim auch relativ viel Originalzustand zeigt. Die Römerstadt war schon in den 1920er Jahren das Ausstellungsstück des Neuen Frankfurt, vor den anderen Standorten. Außerdem befindet sich hier das restaurierte Ernst-May-Haus, das in 5 Min. Fußwegentfernung von der Hadrianstraße zu erreichen ist. Wird die Ausstellung hier eingerichtet, dann können Besucher und Besuchergruppen nacheinander beide Einrichtungen aufsuchen, was bei einem anderen Standort kaum zu erwarten ist. Das DAM ist mit einer auswärtigen Stiftung im Gespräch, die uns gegenüber die Bereitschaft geäußert hat, sich an der Einrichtung der Ausstellung - nicht Renovierung der Räume - mit einem interessanten Betrag zu beteiligen. Weltkulturerbe: Die Frage, ob die Stadt Frankfurt das Ziel ansteuern soll, die Siedlungen des Neuen Frankfurt als Unesco-Weltkulturerbe vorzuschlagen, wird seit Ende des letzten Jahres zwischen DAM, dem Dezernat Kultur und Wissenschaft, dem Dezernat Planen und Bauen, der Planungsgruppe ProProjekt, dem Landesdenkmalamt und dem städtischen Denkmalschutz beraten. Beteiligt ist auch die ABG, in deren Besitz sich die meisten Siedlungen befinden. Die Haltung der ABG hierzu ist positiv. Im Sommer wurde die Frage für kurze Zeit in den lokalen Medien diskutiert. Allen Beteiligten ist klar, dass eine eigenständige Bewerbung Frankfurts wenig Aussicht auf Erfolg hätte, weil die Unesco inzwischen mehr Wert auf neue Objekte in den bisher unterrepräsentierten Schwellenländern bzw. der dritten Welt legt und die "alten" Industrieländer in ihrem Drang, neue Standorte anzumelden, bremst. Andererseits ist der Bereich "Architektur der klassischen Moderne" unter den anerkannten Welterbestätten noch gering besetzt und die Bereitschaft, hier mehr Stätten auszuweisen, ist seitens der Unesco zu erkennen. Ein möglicher Weg ist die Erweiterung der im Inhalt verwandten Welterbestätte "Berliner Siedlungen der 1920er Jahre" auf zwei Standorte, sodass eines Tages eine noch zu treffende Auswahl der Siedlungen des Neuen Frankfurt dazugehört. Noch in diesem Jahr ist ein Treffen mit dem Berliner Landeskonservator geplant. Im DAM wird es ab Anfang Februar 2013 eine Ausstellung zum Thema der bereits bestehenden deutschen Welterbestätten geben. Für eine definitive Erklärung der Stadt Frankfurt, dass das Welterbe angestrebt wird und dass man in diese längerfristige Prozedur eintritt, ist es noch zu früh. Aber die Sache scheint erfolgversprechend. Allerdings müssen sich alle Beteiligten darüber klar sein, dass nur ein Teil der May-Siedlungen in einen Zustand versetzt werden kann, der von der Unesco akzeptiert werden würde. In den anderen Siedlungen hat es zu viele bauliche Veränderungen gegeben, die nicht rückgängig zu machen sind. Vorher muss es entsprechende Untersuchungen des Bestands durch unabhängige Gutachter, Bauforschung, geben. Der Prozess, die ausgewählten Siedlungen "fit" zu machen, wird dann einige Jahre beanspruchen und nicht wenige finanzielle Mittel erfordern. Sollte es zu einem entsprechenden Beschluss seitens der Stadt Frankfurt kommen, wäre die Ausstellung zum Neuen Frankfurt der richtige Ort für ein ständiges Büro "Welterbe", das die Bürger in den Siedlungen berät und das für die Sache wirbt. Antragstellende Person(en): Stadtv. Dr. Heike Hambrock
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 5. Oktober 2012 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.