Zum Inhalt springenZur Navigation springenZum Fußbereich springen
Ortsbeiräte
Nachbarschaft
Abo

Im vergangenen Jahr führte die deutlich gestiegene Nachfrage nach Plätzen an Gymnasien zu Engpässen an den Schulen, letz

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.

Unabhängig. Kostenlos. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.

Thema Schulen und Bildung verfolgen

Inhalt

Frage vom 06.05.2016, F 3 Im vergangenen Jahr führte die deutlich gestiegene Nachfrage nach Plätzen an Gymnasien zu Engpässen an den Schulen, letztlich mussten etwa 60 Anmeldungen an Integrierte Gesamtschulen verwiesen werden. Mit dem integrierten Schulentwicklungsplan wurden die Gründung neuer Schulen sowie eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um die Schulwahl passgenauer hinzubekommen und Bildungsabstiege zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund frage ich den Magistrat: Wie haben sich die Gründung der neuen Schulen und die anderen Maßnahmen des iSEP auf die Zahl der Erstanmeldungen im gymnasialen Bildungsgang für das kommende Schuljahr ausgewirkt?

Antwort des Magistrats: Stadträtin Sarah Sorge: Sehr verehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren, lieber Herr Stock! Für das kommende Schuljahr gab es 2.746 Erstanmeldungen an den Gymnasien und den Gymnasialzweigen der kooperativen Gesamtschulen. Das entspricht einer Übergangsquote von 52 Prozent. Damit ist der Anteil der Erstanmeldungen für den gymnasialen Bildungsgang zum ersten Mal seit zehn Jahren gesunken, im Vergleich zum letzten Schuljahr um vier Prozentpunkte. Diese Entwicklung war von keinem Experten und keiner Expertin vorhergesagt worden, einige hatten im Gegenteil mit einem weiteren Anstieg der Quote auf bis zu 60 Prozent gerechnet. Der Magistrat sieht deutliche Indizien dafür, dass die im integrierten Schulentwicklungsplan beschriebenen Maßnahmen für eine bessere Übergangsberatung eine wesentliche Ursache für den Rückgang der Gymnasialquote sind. Unter anderem wurde in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt die Elterninformation für den Übergang in die weiterführende Schule verändert. Diese fand nicht wie zuvor als "Schaulaufen" der Schulformen in den einzelnen Schulen statt, sondern in regionalen Elternabenden unter Leitung des Staatlichen Schulamts. An diesen regionalen Infoabenden haben Dezernentinnen und Dezernenten des Staatlichen Schulamtes, Schulformsprecherinnen und -spre-cher und Vertreterinnen und Vertreter des Stadtschulamtes grundlegende Informationen für die Eltern zur Frankfurter Schullandschaft, zu Bildungsgängen, zu Chancen und Risiken der Schulwahl und zu den Modalitäten der Schulwahl gegeben. Eltern hatten so über die Beratung ihrer Grundschule hinaus die Möglichkeit, sich zu informieren und eine gute Entscheidung für ihr Kind zu treffen. Der Stadtelternbeirat hat sich verstärkt und unterstützend in die Beratung der Eltern eingebracht. Zudem wurde ein vom Bildungsdezernat konzipierter und professionell gestalteter Info-Film zum Thema Übergänge unter dem Titel "Mein Kind kommt in die 5. Klasse" in fünf Sprachen ins Netz gestellt. Er veranschaulicht die verschiedenen Wege, welche unser Schulsystem bietet. Der Film ist unter frankfurt.de/schulen und auf unserem YouTube-Channel abrufbar. Die Gestaltung aller Übergänge entlang der schulischen Biografie von Kindern und Jugendlichen im Blick zu behalten, und zwar mit dem Ziel, die bestmögliche Bildung für jedes einzelne Kind zu erreichen und somit die Bildungschancen zu erhöhen, ist eines der wichtigen Prinzipien und Maßnahmen bei der Umsetzung des Schulentwicklungsplans. Dazu gehört ganz immanent auch die passgenaue Schulwahl, um kein Kind zu beschämen, das beispielsweise auf dem Gymnasium überfordert wäre, aber gleichzeitig auch keinem Kind den Weg auf den bestmöglichen Abschluss zu verbauen. Ein Ergebnis des iSEP lautete, dass die Haltekraft der Gymnasien gestärkt werden und zugleich für die gute Arbeit der Gesamtschulen geworben werden müsse. Zudem war und ist erklärtes Ziel des Magistrats, jedem Kind beziehungsweise Elternteil die Schulform anbieten zu können, die es wählt. Nach derzeitigem Stand stehen für das kommende Schuljahr im gymnasialen Bildungsgang 2.970 Plätze zur Verfügung. Unsere Gymnasialplätze reichen also aus, der Magistrat hat hier seine Hausaufgaben zügig gemacht. Das Angebot an Schulplätzen wurde durch die Gründung eines Gymnasiums und einer Kooperativen Gesamtschule in Niederrad erweitert. Zudem wurde auch die neue IGS Süd zu 100 Prozent mit Erstwunsch angewählt, auch von vielen Schülerinnen und Schülern mit Gymnasialempfehlung. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich sehr froh darüber bin, dass die im Beteiligungsverfahren entwickelten Maßnahmen für eine passgenaue Schulwahl anscheinend greifen. Dennoch verhehle ich nicht, dass mich der starke Rückgang der Gymnasialquote ebenso wie alle Expertinnen und Experten überrascht hat. Aus meiner Sicht zeigt die Situation in diesem Jahr genau wie auch der überdeutliche Anstieg im vergangenen Jahr, welche Unwägbarkeiten das Elternwahlrecht für die Schulentwicklungsplanung mit sich bringen kann. Es kann hier Sprünge geben, die nicht vorhersehbar sind. Deswegen kann es nach meiner Überzeugung keinen anderen Weg geben, als das Angebot immer wieder dem sichtbaren Bedarf anzupassen und gleichzeitig die bildungspolitischen Weichenstellungen vorzunehmen, mit denen wir Bildungsbeteiligung in Frankfurt weiter befördern. Das Wachstum der Stadt geht weiter, damit steigen auch die Schülerzahlen. Die Dynamik der Stadtentwicklung erfordert eine jährliche Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes, dazu sind wir in engem Austausch mit dem hessischen Kultusministerium. Die Schaffung der regionalen Bildungsinfrastruktur und die Sicherstellung der benötigten Flächen ist eine große kommunale Herausforderung, in der alle Hand in Hand arbeiten müssen. Ich sehe hier eine der zentralen Aufgaben der Stadt für die nächsten Jahre. Bei allem Ausbau dürfen wir aber unser Grundprinzip der Schulentwicklungsplanung, nämlich vom Kind her denken, nicht aus dem Blick verlieren. Passgenaue Schulwahl und gelingende Bildungswege sind das Ziel, egal ob sie zum Abitur oder zur Ausbildung führen. Darauf haben wir uns im SEP-Prozess verständigt. Mit den Maßnahmen, die wir seit Herbst 2015 umgesetzt haben, ist schon ein erster großer Schritt hierzu getan.

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die erste Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Stock, GRÜNE-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordneter Manuel Stock, GRÜNE: (Zusatzfrage) Frau Stadträtin Sorge, Sie haben eben gesagt, wie viel Gymnasialplätze uns nächstes Schuljahr zur Verfügung stehen. Können Sie sagen, wie viele Gymnasialplätze wir in den letzten fünf Jahren geschaffen haben? Stadträtin Sarah Sorge: (fortfahrend)

In den letzten fünf Jahren waren wir tatsächlich sehr rege und rührig, gerade beim Thema neue Schulen. Wir haben mit den Schulen, die im Sommer dieses Jahres noch an den Start gehen, insgesamt 5.610 Gymnasialplätze geschaffen.

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Brillante, die FRANKFURTER. Bitte schön! Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: (Zusatzfrage) Frau Sorge, Sie haben eben gesagt, dass durch die Beratung die Quote der Viertklässler auf das Gymnasium gesenkt werden konnte. Im Westend gehen 100 Prozent der Kinder nach der vierten Klasse auf das Gymnasium, konnte auch hier durch die Beratung eine Senkung dieser Quote erreicht werden? Wie können Sie gewährleisten, dass ... Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Sie haben nur eine Zusatzfrage und stellen gerade die zweite.

(Zurufe) Es gibt, wenn wir vom Spielen reden, Frau Ditfurth, Spielregeln, die sind einmal festgelegt worden. Da wurde eine Zusatzfrage ... Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: (fortfahrend) ... einem Kind, das gerade einmal zehn Jahre alt ist, die richtige Schulwahl ermöglicht wird? Stadträtin Sarah Sorge: (fortfahrend) Sehr geehrter Herr Brillante, Sie sprechen ein Problem an, über das wir im Ausschuss für Bildung und Integration auch schon öfter gesprochen haben. Ich glaube, dass Sie mit mir der Meinung sind, dass wir hier in den letzten Jahren wirklich sehr intensiv daran gearbeitet haben, dass die Bildungschancen aller Frankfurter Kinder, egal ob aus dem Westend oder aus dem Frankfurter Westen oder aus welchem Stadtteil auch immer, insgesamt deutlich steigen. Auch ich finde es, genau wie Sie, nicht gut, und halte es für eine der drängendsten bildungspolitischen Aufgaben, dafür zu sorgen, dass sich da etwas ändert, damit der Übergang auf das Gymnasium von Stadtteil zu Stadtteil nicht unterschiedlich ist und die "bildungsferneren Schichten" nur einen ungleich geringeren Anteil an Gymnasialempfehlung haben. Das genau wird mit dem, was wir im Schulentwicklungsplan gemeinsam erarbeitet haben, aufgegriffen, nämlich genau die Bildungschancen aller Frankfurter Kinder zu erhöhen. Beim Thema Gymnasium oder nicht Gymnasium geht es nicht darum, Kinder vom Gymnasium abzuhalten, sondern es geht darum, diejenigen Kinder vom Gymnasium abzuhalten, bei denen schon einigermaßen im Vorfeld klar ist, dass sie auf dem Gymnasium nicht mitkommen werden, dass sie auf dem Gymnasium so frustriert werden, dass sie dann eventuell in den anderen Schulformen, auf denen sie dann beschult werden, so frustriert sind, dass sie eben nicht die bestmöglichen Bildungschancen bekommen. Deswegen ist gerade das Ziel, jedem Kind passgenau die Schulform zu geben, in der es sich dann gut zurechtfindet und in der es dann den bestmöglichen Abschluss bekommt. Das können sehr gut auch gerade die Integrierten Gesamtschulen sein. Wir haben die Zahlen vorliegen. Es gibt ungefähr ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, die, nachdem sie nach der fünften Klasse auf das Gymnasium gegangen sind, dann wieder vom Gymnasium runtergehen. Das ist, da kann man noch so sehr über die Gleichwertigkeit von Schulformen sprechen, für die Kinder eine persönliche Demütigungserfahrung. Diese wollen wir verhindern. Gleichzeitig kennen wir die Zahlen und wissen, dass in der fünften Klasse sehr viel weniger Kinder eine Gymnasialempfehlung haben, als dann Kinder nach der zehnten Klasse, nach der Integrierten Gesamtschule eine Weiterversetzung in die gymnasiale Oberstufe haben, das heißt, die Gesamtschulen sind sehr gut in der Lage, die Kinder so zu bilden und zu unterrichten, dass sie hinterher den Weg auf die Gymnasiale Oberstufe, damit zum Abitur und damit dann wahrscheinlich auch an die Hochschulen finden. Ich finde, das ist ein System, das allen Frankfurter Kindern gerecht wird, egal ob sie aus dem Westend kommen oder aus dem Gallus oder Fechenheim.

(Beifall) Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 3 Stadtverordneter Manuel Stock, GRÜNE: Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es macht durchaus Sinn, dass wir heute noch einmal über ein Thema sprechen, das wir im letzten Jahr intensiv verfolgt haben. Die ganz große Schlagzeile, wenn ein Problem gelöst ist, bleibt aus. Aber, wie Herr zu Löwenstein im Ältestenausschuss schon richtig sagte, man sollte dann trotzdem auch bei solchen Themen hier darüber reden. Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen: Die bisherige Koalition, insbesondere Bildungsdezernentin Sarah Sorge, hat hier die Herausforderungen, die wir im letzten Jahr sehr dramatisch erlebt haben, klar erkannt und vor allem auch gehandelt.

(Beifall) Die klare Aussage der Antwort eben war: Ja, die Gymnasialplätze in unserer Stadt reichen aus. Das ist eine Nachricht, die man nicht oft genug verbreiten kann, wenn man sich überlegt, wie intensiv wir im letzten Jahr über genau diese Frage diskutiert haben. Warum reichen die Gymnasialplätze aus? Weil der Schulentwicklungsplan von Sarah Sorge, den wir letztes Jahr beschlossen haben, in einem Beteiligungsverfahren erarbeitet wurde und in aller Breite greift. Ich will noch einmal auf drei Punkte eingehen. Der entscheidende Punkt ist - das hat man gesehen -, dass die Nachfrage nach den Gymnasialplätzen in der fünften Klasse, die Übergangsquote, deutlich zurückgegangen ist. Das war überraschend, hat aber sicherlich auch damit zu tun, dass sie - nicht nur - immer schwer einschätzbar ist, sondern dass es eine bessere Übergangsberatung gegeben hat. Wir haben nicht mehr das unsinnige "Schaulaufen" der Schulformen, bei dem jede Schulform bestmöglich für sich wirbt, wo wir doch wissen, dass manche Schulformen besonders gut darin sind, weil sie eine bestimmte Reputation haben, sondern wir haben jetzt unabhängige Elterninformationen und regionale Elternabende. Das alles führt dazu, dass wir jetzt zu wirklich guten Entscheidungen für die Kinder kommen, die von der vierten Klasse in die fünfte Klasse wechseln. Ich möchte dem Bildungsdezernat und dem Staatlichen Schulamt ganz herzlich danken, vor allem aber auch dem Stadtelternbeirat, der hierbei auch intensiv mitgearbeitet hat.

(Beifall) Es war sinnvoll, einen mehrsprachigen Infofilm zu erstellen. Der zweite entscheidende Punkt ist selbstverständlich auch, dass wir nächstes Jahr 2.970 Gymnasialplätze haben werden. Last, but not least - die Zeit läuft schnell ab, muss man sagen -, natürlich war diese Herausforderung, vor der wir standen, dem Wachstum geschuldet. Deshalb müssen wir diese Anstrengung weiterführen und der Schulentwicklungsplan ist darauf bestens angelegt. Insofern hoffen wir sehr, dass die Maßnahmen weiter greifen und wir auch im nächsten Jahr wieder für alle Schulformen genügend Plätze haben. Herzlichen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Fischer von der CDU-Fraktion. Bitte! Stadtverordnete Sabine Fischer, CDU: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erinnern uns an das große Thema im letzten Jahr, es war das Thema, das die Bildungspolitik wirklich beherrscht hat: Zu wenig Gymnasialplätze, besorgte Eltern, Vorwürfe wegen eines intransparenten Vergabeverfahrens, Chaos beim Anmeldeprozess, Diskussionsabende und vor allen Dingen wurden für dieses Jahr Horrorszenarien gebildet, dass sämtliche Gymnasien überfüllt sind und die Gymnasialplätze nicht ausreichen. Aber wie wir sehen, reichen die angebotenen Gymnasialplätze aus. Die Wünsche korrespondieren mit den Gymnasialplätzen und diese Entwicklung freut uns natürlich sehr. Lassen Sie uns einmal die Ursachen dazu näher betrachten. Alle Diskussionsabende wurden von einem sehr ausgeklügelten und aufwendigen Schulentwicklungsplan begleitet. Es wurden neue Schulen gebaut, zumindest angedacht zu bauen, enorme Investitionen von der Koalition getätigt und damit wahnsinnig viele Gymnasialplätze an Gymnasien wie auch an integrierten Gesamtschulen und der neuen Kooperativen Gesamtschule in Niederrad geschaffen. Das alles ging nicht immer reibungslos, aber wir hatten die Entwicklung im Blick und haben uns gemeinsam bemüht, den Eltern die Sorge zu nehmen und unseren Kindern in dieser Stadt eine gute Zukunft und gute Voraussetzungen zu bieten. Was ging damit einher? Ein besseres neutrales Informationsverfahren - Sie haben es schon mehrmals gehört -, Informationsabende, die vom Staatlichen Schulamt aus geleitet wurden, bei denen neutrale Personen die Schulen und Schulformen vorgestellt haben. Es wurden berufsorientierte Abende durchgeführt und damit haben wir das erreicht, was wir wirklich erreichen wollten. Die Eltern wählen auch andere Schulen und die Wünsche nach Gymnasialplätzen sind zurückgegangen. Zusammenfassend lässt sich sagen, es ist ein guter Schulentwicklungsplan und eine effektive Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt hat uns zu diesem Erfolg geführt, dass die Gymnasialplätze für unsere Schüler in Frankfurt ausreichen. Ich denke, darauf können wir stolz sein.

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Brillante von den FRANKFURTERN. Bitte! Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: Herr Vorsteher, meine Damen und Herren! Ich muss ein bisschen Salz in die Wunde streuen. Es heißt jetzt, dass die Anmeldungen für die Gymnasien zurückgehen. Aber die gehen nicht etwa im Westen oder im Norden zurück, wo beinahe bereits alle Kinder nach der vierten Klasse auf das Gymnasium wechseln. Ich bin gespannt zu erfahren, wo diese Anmeldungen zurückgehen. Was hier passiert, stinkt zum Himmel. Ich spreche mit sehr vielen Elternteilen mit Migrationshintergrund und immer höre ich, dass bei ihren Kindern in der vierten Klasse von der Schule gesagt wird, dass sie aufpassen sollten, weil ihre Kinder nicht für das Gymnasium geeignet seien. Anstatt zu begreifen, dass man bei einem Kind, das neun oder zehn Jahre alt ist, nicht voraussehen kann, ob ein Gymnasium für die Zukunft die richtige Schulform ist, werden hier ganz andere Wege gegangen. Ich habe in der Vergangenheit zwei Anfragen gestellt. Einmal wollte ich wissen, wie viele Kinder, die nicht auf ein Gymnasium gehen, doch das Abitur machen, und zweitens wollte ich wissen, wie viele Kinder, die auf ein Gymnasium gehen, quer versetzt werden. Beide Male wurde mir gesagt, dass wir diese Zahlen nicht kennen. Aber diese Zahlen könnten Sie erfahren, wenn Sie wollten. Aber Sie wollen das nicht, weil diese Antworten anscheinend unbequem sind. Es ist immer noch so, dass die Quote der Abiturienten mit Migrationshintergrund halb so groß ist, wie die der Kinder ohne Migrationshintergrund. Diese Politik der angeblichen Beratung trifft - ich bin mir da zu hundert Prozent sicher - nur Kinder mit Migrationshintergrund. Deren Eltern wird gesagt: Pass bloß auf, dein Kind ist für das Gymnasium nicht gewappnet. Das geht genau in die falsche Richtung. Ich hoffe, dass wir es jetzt mit der Integration ein bisschen ernster meinen, denn Integration bedeutet Teilhabe und Teilhabe ist an Bildung gekoppelt. Wenn wir die Bildung verhindern, erreichen wir genau das Gegenteil von Integration. Vielen Dank!

(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Manuel Stock

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 6. Mai 2016 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert

Mitdiskutieren

Ortsbeiratssitzung