Am 10.01.2025 berichtete die Frankfurter Rundschau in einem Artikel mit der Überschrift „Nur in Berlin fährt es sich lan
Zusammenfassung
Der Magistrat plant, die platzsparenden Verkehrsmittel wie den ÖPNV, Radverkehr und Fußverkehr zu stärken, um dem wachsenden Verkehr in Frankfurt entgegenzuwirken und einen Verkehrskollaps zu vermeiden. Dies soll durch den Masterplan Mobilität unterstützt werden, um die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern.
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Thema Verkehr und Straße verfolgenFrage an den Magistrat
Am 10.01.2025 berichtete die Frankfurter Rundschau in einem Artikel mit der Überschrift "Nur in Berlin fährt es sich langsamer als in Frankfurt" über die jährliche Verkehrsmessung des Navigationsgeräteherstellers und Kartenspezialisten TomTom, dem "TomTom Traffic Index". Dieser vergleicht Städte in Deutschland, Europa und weltweit miteinander. Danach brauchen Autofahrer in Frankfurt mittlerweile 26 Minuten und 27 Sekunden für eine zehn Kilometer lange Strecke. Mehr Zeit brauchen sie innerhalb Deutschlands nur in Berlin. Ich frage den Magistrat: Welche Schlüsse oder Handlungsempfehlungen zieht der Magistrat aus dieser Verkehrsmessung für seine Verkehrspolitik?
Antwort des Magistrats
Stadtkämmerer Dr. Bastian Bergerhoff:
Sehr geehrter Herr Vorsteher,
liebe Stadtverordnete,
sehr geehrter vertretender Fragesteller!
Ich bin der stellvertretende Antwortgeber und beantworte die Frage wie folgt:
Auch ohne die aktuellsten Daten des "Tomom Traffic Index" zu bemühen, lässt sich feststellen, dass der Verkehr in allen Großstädten - und auch in Frankfurt - seit Jahren zunimmt. Das ist wenig erstaunlich, denn Frankfurt wächst, die Zahl der Menschen, die in Frankfurt leben sowie ein- oder auspendeln, nimmt kontinuierlich zu. Allein die Straßen werden nicht breiter. Oder wollen Sie blockweise Häuser abreißen, damit wir breitere Straßen bauen können? Wollen Sie Autos auf der Hauptwache oder auf der Zeil? Wir wollen das nicht.
Die Handlungsempfehlungen, die sich aus der aktuellen Situation ableiten lassen, sind bereits seit knapp zwei Jahren im Masterplan Mobilität nachzulesen.
(Zurufe)
Sie können gerne schon einmal nachlesen.
Kurz zusammengefasst: Um dem Wachstum der Stadt Herr zu werden und einen Verkehrskollaps in Frankfurt zu vermeiden, müssen wir die platzsparenden Verkehrsmittel - den ÖPNV, den Radverkehr und den Fußverkehr - stärken. Davon profitieren alle Verkehrsarten. Übrigens hat sich auch die größte Oppositionspartei dazu geäußert und ich darf Nils Kößler aus der Frankfurter Rundschau am 20.09. letzten Jahres zitieren, der dort in einem Interview äußert: "Wir wollen gleichzeitig, dass der Autoverkehr nicht weiter wächst und zugunsten anderer Verkehrsmittel abnimmt."
Die aktuellsten Daten des TomTom Traffic Index im Vergleich zum Vorjahr widerlegen dieses Ziel keineswegs. Wenn man sich statt der letzten zwei die letzten drei Jahre des TomTom Traffic Index anschaut, waren die Reisezeiten in Frankfurt 2024 20 Sekunden geringer als 2022. Und das, obwohl 2024 EM-Spiele in Frankfurt stattgefunden haben. Großevents, das zeigen unsere Auswertungen, haben einen entscheidenden Einfluss auf den Verkehr.
Aber schauen wir uns die TomTom-Daten etwas genauer an. Das Unternehmen wertet hochaggregierte Reisezeiten auf Strecken von zehn Kilometern Länge aus. Leider legt TomTom den methodischen Referenzrahmen nicht offen. Deshalb lässt sich die Methodik nicht detailliert nachvollziehen. Mit einer Reisezeitsteigerung von 30 Sekunden und einem Rückgang der Durchschnittsgeschwindigkeit um ganze 0,4 km/h liegt Frankfurt hier aber insgesamt im Mittelfeld der deutschen Top-Ten-Städte.
Hinzu kommt, dass die ermittelten Daten sich nicht ausschließlich auf das Frankfurter Stadtgebiet beziehungsweise das Straßennetz der Stadt Frankfurt am Main beziehen. Als das - mit signifikantem Abstand - problematischste Teilgebiet wird der Bereich mit der Bundesautobahn 3 sowie Bundesstraße 44 nördlich und westlich von Neu-Isenburg ausgewiesen. Diese Verkehrsprobleme außerhalb der Frankfurter Gemarkungsgrenzen decken sich mit der regionalen Strukturdatenentwicklung, nach der das Pendleraufkommen innerhalb der umgebenden Region deutlich stärker wächst als zwischen der Region und Frankfurt.
Wir gehen davon aus, dass dem Fragesteller auch die neue Studie des Unternehmens INRIX bekannt ist, die Anfang Januar etwa zeitgleich mit dem TomTom Traffic Index herausgekommen ist. Hier ist die Rede von 26 Prozent mehr Kraftfahrzeugfahrten in die Frankfurter Innenstadt im Verhältnis zum Vorjahr. Begründet wird dies plausibel mit einer Rückführung von Remote-Arbeit in die Büros, die sich global beobachten lässt, auch hier in Frankfurt. Das passt zu der Tatsache, dass Frankfurt eine der größten Pendlerstädte in Deutschland ist.
Umso bemerkenswerter ist daher die Tatsache, dass der Autoverkehr in Frankfurt nur geringfügig zugenommen hat: Demnach hat Frankfurt am Main unverändert den sechsten Platz im Ranking der deutschen Städte mit einem vier Prozent höheren Zeitverlust - der geringste Zuwachs unter den deutschen Top-Ten-Städten, gleich nach Hamburg. Zum Vergleich: In Düsseldorf hat der Autoverkehr um 22 Prozent, in Hannover um 15 Prozent zugenommen. Gleichzeitig hat sich die Reisezeit ausgerechnet zur Spitzenstunde um vier Prozent verbessert, die Geschwindigkeit auf der "letzten Meile" liegt mit 31 km/h nahezu gleichauf mit dem Spitzenwert 32 km/h von Bonn und Stuttgart. Und: Laut INRIX liegt keine einzige der zehn verkehrsreichsten Staustrecken in Deutschland hier in Frankfurt - diese liegen unter anderem im Ruhrgebiet, in Stuttgart oder in Berlin.
Unser Fazit: In der Gesamtschau beider Rankings ergibt sich im Vergleich gar kein so schlechtes Bild. Wenn wir die von INRIX angegebene Steigerung von Kraftfahrzeugfahrten um 26 Prozent und darüber hinaus die Tatsache berücksichtigen, dass die Anzahl der Baustellen im öffentlichen Verkehrsraum - vor allem für den Leitungsbau im Fahrbahnbereich - zugenommen hat, dann muss die aktuelle Bewertung der Verkehrslage sogar als positiver Befund interpretiert werden. Wir hatten das Thema hier schon regelmäßig: Natürlich ist jede Minute im Stau kein Vergnügen, weder für die Menschen im Auto noch für die Menschen ums Auto herum. Das ändert aber nichts an der Gesamtbewertung.
Aber natürlich bleibt es dabei: Der Verkehr nimmt zu, wenn sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmenden nicht ändert. Deshalb brauen wir auch pragmatische Lösungen, die für alle funktionieren. Dazu gehören unser Park-and-Ride-Konzept, das gerade im Entstehen ist, neue Mobilitätsstationen, der Ausbau von Carsharing bis zum Stadtrand und eine Plattform für intermodale Mitfahrgelegenheiten und vieles mehr.
Vielen Dank!
(Beifall)
Stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher
Dr. Christoph Rosenbaum:
Danke schön! Es gibt eine Zusatzfrage vom Stadtverordneten Herrn Nagel. Bitte!
Stadtverordneter Frank Nagel, CDU:
(Zusatzfrage)
Vielen Dank, Herr stellvertretender Antwortsprecher! Ich hätte gerne aus dem Dezernat erfahren - das wird jetzt etwas schwieriger -, warum denn bei allen Thematiken, die uns hier mit Zahlen, Daten und Fakten im Verkehrsbereich vorgelegt werden, die Daten, die der Stadt vorliegen - von Theralytics, von TomTom und von den Schleifen der Lichtsignalanlagen - nicht gesammelt aufbereitet werden. Es werden immer nur Einzelergebnisse vorgestellt. Hier ging es um einen Presseartikel. Aber es ist frustrierend, dass wir als Stadtverordnete noch nicht einmal die Daten vorgelegt und auch zugeschnitten bekommen, die wir hier in der Stadt zur Verfügung haben.
Stadtkämmerer Dr. Bastian Bergerhoff:
(fortfahrend)
Lieber Stadtverordneter Nagel, ein kurzer Einschub als Personaldezernent: Ich sage allen Mitarbeitenden immer, dass sie, wenn sie krank sind, bitte zu Hause bleiben sollen.
(Beifall)
So ist das auch mit dem Dezernenten. Herr Siefert ist krank. Insofern kann ich die Frage gerne ans Dezernat mitnehmen. Aber es gab auch schon den Zuruf, man könnte einen Antrag stellen. Das könnte auch ein Weg sein. Insofern kann ich da nur auf den Kollegen Siefert verweisen.
Stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher
Dr. Christoph Rosenbaum:
Es gibt eine weitere Zusatzfrage vom Stadtverordneten Görres. Bitte!
Stadtverordneter Falko Görres, FRAKTION:
(Zusatzfrage)
Ich bin sicher, die können Sie beantworten. Sie sprachen eben vom Masterplan Mobilität. Wann können wir denn dazu mit einem Magistratsvortrag rechnen?
Stadtkämmerer Dr. Bastian Bergerhoff:
(fortfahrend)
Lieber Herr Görres, die Frage ist vermutlich polemisch gemeint. Aber ich sage Ihnen, wir arbeiten daran.
(Beifall, Zurufe)
Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 2922
Stadtverordneter Jens-Friedrich Schneider, AfD:
Sehr verehrter Vorsteher,
sehr verehrte Stadtverordnete!
In Frankfurt braucht man fast eine halbe Stunde, um zehn Kilometer voranzukommen. Nirgendwo in Deutschland, außer in Berlin, fährt es sich noch langsamer, und auch das Statistikfeuerwerk, das wir eben vom Magistrat gehört haben, kann nicht die Realität verbergen, die die Autofahrer tagtäglich erleben.
Liebe Koalition, liebes linkes Lager, herzlichen Glückwunsch, Sie haben Ihr politisches Ziel erreicht! Sie wollen die Autofahrer ärgern. So nämlich hat eine Professorin für Verkehrsplanung der Frankfurter University of Applied Sciences in einem Interview vor der letzten Kommunalwahl das Verkehrskonzept freimütig erläutert. Das Ergebnis: Fahrbahnverengungen, Radwege auf Hauptverkehrsadern und am liebsten auch komplette Sperrungen wie die des Mainkais.
Doch wissen Sie überhaupt, wen Sie ärgern? Frankfurts Straßen sind die Verkehrswege für Frankfurter Handwerker. Wenn die Handwerker länger im Verkehr stehen, gibt es weniger Termine für alle. Frankfurts Straßen sind auch Verkehrswege für Kranken- und Altenpfleger, die von Termin zu Termin unterwegs sind. Die haben dann noch weniger Zeit für ihre Patienten als ohnehin schon. Ihre Freude am Verkehrsstau trifft Krankenschwestern, die aus dem Umland zur Arbeit anreisen, Senioren, die zum Arzt müssen, und viele andere mehr, die den Alltag im Verkehr dieser Stadt zu bewältigen haben.
Rot-Grün-Gelb-Lila ist das egal. Sollen sie doch alle irgendwie Fahrrad fahren. Denn in ihrer Welt ist der Straßenverkehr ein einziger Exzess protzender, privilegierter SUV-Fahrer, denen es den Spaß ein für alle Mal zu verderben gilt, egal welche Kollateralschäden entstehen. Selbst der erhöhte Schadstoffausstoß als Folge des Schneckentempos rührt sie kaum.
In der AfD haben wir ein anderes Verständnis von Verkehrspolitik. Eine Verkehrspolitik für Frankfurter Handwerker und Gewerbetreibende, für Krankenschwestern und Altenpfleger, für Senioren, die für ihre Wege das Auto benötigen; für intelligente Verkehrssteuerung, für gute Lösungen, für alle Verkehrsteilnehmer und gegen ideologisch getriebene Autohasserpolitik.
Danke schön!
(Beifall)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 23. Januar 2025 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.