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Kürzlich veröffentlichte die Tourismus und Congress GmbH, ein Unternehmen der Stadt Frankfurt, eine „Dringende Empfehlun

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Die Stadt Frankfurt hat eine dringende Empfehlung ausgesprochen, die Getränkebezeichnung "Lumumba" auf dem Weihnachtsmarkt zu ändern, um der historischen Bedeutung Patrice Lumumbas gerecht zu werden. Dies soll eine respektvollere Repräsentation afrikanischer Persönlichkeiten fördern und die Erinnerung an Lumumba als politischen Aktivisten wahren.

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Thema Wirtschaft und Tourismus verfolgen

Frage an den Magistrat

Kürzlich veröffentlichte die Tourismus und Congress GmbH, ein Unternehmen der Stadt Frankfurt, eine "Dringende Empfehlung". Darin wurden die Getränkestandbetreiber des Frankfurter Weihnachtsmarkts "dringlich" gebeten, dass, wenn sie ein Getränk mit der Bezeichnung "Lumumba" im Angebot hätten, diese doch bitte zu ändern und die alte Bezeichnung auf "Menükarten/Getränkekarten/Schildern" unkenntlich zu machen. Sehr viele Bürger in der Stadt Frankfurt und darüber hinaus waren über diesen Vorgang zumindest verwundert.

Ich frage den Magistrat:

Wie kam es zu diesem Empfehlungsschreiben, und was begründete dessen Dringlichkeit?

Antwort des Magistrats

Oberbürgermeister Mike Josef:

Frau Vorsteherin,

Herr Stadtverordneter Schneider!

Patrice Lumumba war der erste demokratisch gewählte Präsident des Kongo. Er wurde erschossen, auf grausame Art und Weise ermordet. Es gab die durchaus berechtigte Kritik, dass ein Kakao mit Rum, oder umgangssprachlich "mit Schuss", nicht nach ihm benannt wird. Daraus resultierte die Empfehlung der TCF.

(Beifall)

Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 2824

Stadtverordneter Jens-Friedrich Schneider, AfD:

Sehr geehrte Frau Vorsteherin,

sehr geehrte Stadtverordnete!

Die Lumumba-Episode zeigt ein bekanntes Muster. Ein Sachverhalt ohne Bedeutung für die Lebenswirklichkeit der Menschen wird aufgegriffen und problematisiert. Mit ernster Miene wird das tumbe Volk belehrt und ins Unrecht gesetzt. Die moralische Oberhoheit wird beansprucht und das Recht abgeleitet, Verbote auszusprechen.

(Beifall)

Sich auf diese Weise zur Sprachpolizei aufzuschwingen, ist anmaßend und hat die Züge autoritärer Gesinnung.

(Beifall)

Gut erkennbar wird das nicht zuletzt, wenn etwa der Sender RTL berichtet, dass seinem Fernsehteam das Drehen auf unserem Weihnachtsmarkt verboten wurde, als man Besucher nach ihrer Meinung fragen wollte. Die Menschen in Frankfurt möchten sich keine solchen Belehrungen einer Obrigkeit anhören müssen, wenn gleichzeitig Tagesmütter seit Jahren ihrem Geld hinterherlaufen, Schulunterricht zunehmend in Containern erfolgt und der Neubau der Brücke in Griesheim zehn Jahre dauern soll.

(Beifall)

Meine dringende Empfehlung: Man beschäftige sich bitte mehr mit solchen Themen als mit den Namen von Getränken. Ich will aber nicht verheimlichen, es gibt auch diejenigen, die für das Lumumba-Verbot dankbar sind, nämlich das Wahlkampfteam unserer AfD. Leichter kann man uns gar nicht zu Stimmen verhelfen.

(Beifall)

Deshalb möge man sich schon einmal über das nächste Sprachverbot Gedanken machen. Bestimmt gibt es noch ganz viel aus unserer Alltagssprache zu verbieten und bitte noch vor der Bundestagswahl, auch dann werde ich mich wieder persönlich für die Unterstützung unseres Wahlkampfs bedanken.

Vielen Dank!

(Beifall, Zurufe)

Stadtverordnetenvorsteherin

Hilime Arslaner:

Die nächste Rednerin ist Frau Grote von Volt. Bitte schön!

Stadtverordnete Elisa Grote, Volt:

Sehr verehrte Frau Vorsteherin,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Erst einmal an die AfD: Sie sind ja hier diejenigen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Wir haben einfach nur eine Empfehlung ausgesprochen. Sie machen es hier gerade zum Thema . .

(Beifall)

... weil Sie Populisten sind und es zu Ihren eigenen Zwecken nutzen. Deshalb habe ich auch länger überlegt, ob ich zu dieser Frage überhaupt etwas sagen möchte, aber ich habe mich letztlich dazu entschieden, dass man das, was die AfD hier von sich gibt mal wieder, nicht so stehen lassen kann. Dass die AfD die Forderung nach einer Umbenennung des Getränks Lumumba nun wieder nutzt, um zu suggerieren, dies sei woker Aktionismus, finde ich unerträglich. Warum sollte man nicht etwas verändern, was andere Menschen verletzt, vor allem wenn es für einen selbst doch gar nicht mit einer Einschränkung verbunden ist?

(Beifall)

Dass die AfD hieran kein Interesse hat, ist ja bekannt, schließlich basiert ihr politisches Konzept darauf, unterschiedliche Gruppen gegeneinander auszuspielen.

(Beifall)

Für von Rassismus betroffene Menschen muss es ein Hohn sein, wenn manche Menschen nicht verstehen wollen, warum es nicht nur schwierig, wie die Hessenschau geschrieben hat, sondern schlichtweg rassistisch ist, wenn ein Kakao mit Schuss nach einem schwarzen Politiker und Kämpfer für die Unabhängigkeit Afrikas von den Kolonialisten benannt wird, welcher erschossen wurde. Wie kann man ernsthaft der Meinung sein, wie es scheinbar einige Mitglieder dieses Parlaments sind, dass dies eine Erinnerung an eine historisch bedeutsame Person war? Patrice Lumumba, das hat der Oberbürgermeister vorhin schon gesagt, ist ein kongolesischer Politiker gewesen, der dafür antrat, sein Land in die Unabhängigkeit zu führen und es von den Kolonialisten zu befreien. Er war ein Symbol des Widerstands gegen den Kolonialismus und des Kampfes für Selbstbestimmung.

(Beifall)

Er wurde, unterstützt durch die Kolonialisten, ermordet. Die Verbindung von Lumumbas Namen mit einem Weihnachtsmarktgetränk tut der Erinnerung an den politischen Aktivisten und Freiheitskämpfer unrecht. Es trivialisiert seine Lebensleistung und verfälscht den historischen Kontext seiner politischen Arbeit. Es ist ein Symbol für den kolonialen Umgang mit afrikanischen Figuren, die Reduzierung ihrer tiefgründigen politischen und sozialen Kämpfe auf Konsumobjekte und Oberflächlichkeiten. In vielen Fällen wurden in der Geschichte Menschen afrikanischer Herkunft in westlichen Kulturen auf stereotypische und exotisierende Weise dargestellt. Die Umbenennung des Getränks ist daher ein Schritt zu einer respektvolleren und gerechteren Repräsentation von afrikanischen Persönlichkeiten und ihrer Geschichte.

(Beifall)

Wollte man an Patrice Lumumba erinnern, könnte man ihm zum Beispiel, so wie es die Leipziger getan haben, ein Denkmal errichten. Schaut man sich die Kommentare unter dem Post der Hessenschau an, merkt man nämlich auch, dass nicht so ist, wie die AfD es darstellt. Sehr viele haben sich positiv hierzu geäußert. Deshalb finde ich es schade, dass Sie es hier zum Thema gemacht haben und ich mich jetzt dazu berufen fühlen musste, darauf zu antworten. Sprache spiegelt unsere gesellschaftlichen Realitäten wider, deshalb ist es gerade nicht egal, wie wir sie benutzen.

Vielen Dank!

(Beifall)

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 5. Dezember 2024 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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