Sowohl Nilgänse als auch Stadttauben verbreiten sich immer weiter im gesamten Stadtgebiet, oftmals auch zum Unmut vieler
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Zusammenfassung
Die Stadt Frankfurt am Main sieht sich mit einer zunehmenden Verbreitung von Nilgänsen und Stadttauben konfrontiert, was zu Unmut bei den Bürgerinnen und Bürgern führt. Der Magistrat hat festgestellt, dass keine gesundheitspolizeilich relevanten Hotspots bekannt sind, jedoch wird ein städtisches Taubenmanagement angestrebt, um die Population zu verringern und die Sauberkeit zu erhöhen.
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Thema Grünflächen, Wald und Friedhöfe verfolgenFrage an den Magistrat
Sowohl Nilgänse als auch Stadttauben verbreiten sich immer weiter im gesamten Stadtgebiet, oftmals auch zum Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger, die sich durch die Tiere gestört fühlen.
Vor diesem Hintergrund frage ich den Magistrat:
Wo befinden sich im gesamten Frankfurter Stadtgebiet gesundheitspolizeilich relevante Hotspots, die von Nilgänsen und Stadttauben ausgehen?
Antwort des Magistrats
Stadträtin Tina Zapf-Rodriguez:
Das ist ja eine schöne erste Sitzung für mich als Stadträtin!
Zunächst einmal: Es ist unbestritten, dass die Verschmutzungen von Grünanlagen, Wegen und Plätzen durch Tierkot ein Ärgernis darstellen, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Haustiere oder Wildtiere handelt. Allerdings sind dem Magistrat keine gesundheitspolizeilich relevanten Hotspots bekannt, die von Gänsen und Tauben ausgehen. Erkrankungen, die von Ausscheidungen von Tieren im öffentlichen Raum ausgehen, wie zum Beispiel der Fuchsbandwurm, sind äußerst selten. Es gelten die üblichen Hygienemaßnahmen, um seine eigene Gesundheit vor möglichen Infektionen zu schützen, zum Beispiel regelmäßiges Händewaschen oder das Abtreten und Säubern der Schuhe vor dem Betreten von Wohnungen. Ich denke aber, das wissen Sie alle.
Es ist allerdings bedauerlich, dass sich beim Thema Tauben und Gänse so viel Emotionalität aufgestaut hat. Es sei daran erinnert, dass Tauben historisch positiv konnotiert sind beziehungsweise waren. Die Taube ist allgemein ein Symbol für Frieden, Liebe und Reinheit. Oft mit einem Olivenzweig dargestellt, wird sie zum Symbol der Versöhnung.
(Zurufe)
In verschiedenen Kulturen und religiösen Traditionen, darunter im Christentum und im Judentum, dient die Taube als Symbol des Heiligen Geistes oder der menschlichen Seele und vermittelt göttliche Verbindung, Schutz und Trost. Da darf man auch mal drauf hinweisen!
(Beifall, Heiterkeit, Zurufe)
In der griechischen Mythologie besaß Aphrodite, die Göttin der Liebe, einen von Tauben gezogenen Streitwagen, der Liebe und Schönheit symbolisierte. In der römischen Mythologie wird Venus, die Göttin der Liebe und Schönheit, ebenfalls mit Tauben in Verbindung gebracht; daher der Begriff "Turteltauben" und die Tradition, bei Hochzeiten Brieftauben steigen zu lassen. Insofern würde sich der Magistrat wünschen, dass Tauben nicht nur im negativen Sinne mit Taubenkot in Verbindung gebracht werden, sondern ihnen mit mehr Sachlichkeit und möglicherweise vielleicht sogar einer in Ansätzen positiven Haltung begegnet wird. Dies würde vor allem bei der Suche nach geeigneten Standorten für Taubenhäuser helfen.
(Beifall)
Es lassen sich bislang nur schwer private oder städtische Liegenschaften finden, die sich mit einer Errichtung von Taubenhäusern einverstanden erklären. Frankfurt aber braucht dringend weitere Standorte für Taubenhäuser. Der Magistrat setzt im städtischen Taubenmanagement klar auf das Konzept von Taubenhäusern mit dem regelmäßigen Austausch von Eiern, um die Taubenpopulation zu verringern und die Sauberkeit im Umfeld zu erhöhen.
Beim Thema Wildgänse in Grünanlagen konnte, wie in anderen Kommunen, auch in Frankfurt am Main keine Patentlösung zur Konfliktbewältigung gefunden werden. Auf der Liste der invasiven Arten der Europäischen Union sind die Kanada- und die Nilgänse gelistet, die zwar wie die anderen Gänsearten unter das Jagdrecht fallen, aber dadurch keinen gesetzlichen Auftrag zur Populationskontrolle auslösen. Wildgänse kommen nahezu überall in den Grünanlagen der Stadt vor, bevorzugt in Bereichen, in denen es auch Zugang zu Wasserflächen gibt und in denen kurzrasige Flächen zu finden sind. Das Mainufer übt hierbei eine besondere Anziehungskraft auf sie aus. Die Vögel sind sehr mobil und wechseln immer wieder den Aufenthaltsort. Stadtweit gesehen, ist nach aktuellen Erkenntnissen von Fachleuten zwar insgesamt keine Zunahme der Gänsebestände zu erkennen, gleichwohl aber eine Verschiebung der Artenzusammensetzung und Verlagerung zwischen den Aufenthaltsbereichen, was an bestimmten Plätzen zu stärkeren Konzentrationen führen kann. Die gefühlt massive Zunahme der Gänse beruht hauptsächlich auf dem jährlichen Mauserzy-klus im Sommer, in dem sich die Individuen an für sie günstigen Standorten versammeln. Die Ansammlungen der Mauserbestände der in dieser Zeit teils flugunfähigen Gänse sind an Futterquellen gebunden und werden in den städtischen Parkanlagen durch liegengelassene Essensreste und illegale Fütterungen unvernünftiger Parkbesucher:innen verstärkt. Zur Wintersaison können sich außerdem Rastgemeinschaften bilden.
Für den Ostpark beispielsweise hat das Dezernat für Klima, Umwelt und Frauen bereits 2018 gemeinsam mit der Staatlichen Vogelschutzwarte, dem Hessischen Umweltministerium und dem Gesundheitsamt ein Pilotprojekt gestartet. Mit einer Hecke zwischen Weiher und der großen Liegewiese wird den Gänsen die Sicht zwischen dem Gewässer und der Grünfläche genommen und werden Ausstiege mit einem Zaun geschlossen. Begleitet wird diese Maßnahme im Rahmen eines Monitorings durch einen Ornithologen, der die Anzahl der Gänse überwacht und ihr Verhalten beobachtet. Die Beteiligten sehen Erfolge im Umfeld des Ostparks durch diese Lenkungsmaßnahmen. So konnte die Anzahl der Gänse auf der großen Liegewiese bereits deutlich auf etwa ein Drittel verringert werden. Aber, und das wissen Sie möglicherweise: Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ist dieses Pilotprojekt nicht überallhin übertragbar, besonders nicht auf das Mainufer.
Populationssteuerungen bei Gänsen durch den Austausch von Gelegen mit Attrappen oder Bejagung sind aufgrund gesetzlicher Vorgaben, der örtlichen Gegebenheiten und der unterschiedlichen Biologie der Arten nur bedingt möglich und haben langfristig gesehen keinen nennenswerten Effekt, wenn sie in einem begrenzten Raum durchgeführt werden. Gelegeentnahmen zur Populationssteuerung sind bei den vorwiegend baum- und gebäudebrütenden Nilgänsen schon aus praktischer Hinsicht kaum durchführbar, und es besteht dabei immer die Gefahr von Nachgelegen. Pilotprojekte anderer Kommunen bei bodenbrütenden Gänsearten durch Gelegeaustausch haben nach aktuellen Kenntnissen fachlich bezogen zu keiner nennenswerten Lösung der verschiedenen Konfliktsituationen beitragen können, da leer gewordene Brutreviere relativ schnell wieder durch Individuen aus dem Umland aufgefüllt werden.
Die Lösungsmöglichkeiten sind aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der guten Anpassungsfähigkeit der Arten leider begrenzt. Ferner müssen die Verhältnismäßigkeit und die Erfolgsaussichten von Maßnahmen im Auge behalten werden, und es muss bedacht werden, dass es sich um Wildtiere handelt. Der Magistrat appelliert daran, zur Unterstützung der städtischen Bemühungen die bestehenden Fütterungsverbote zu beachten, denn achtlos oder auch bewusst hingeworfene Lebensmittel verschärfen das Problem sowohl mit Tauben als auch mit Wildgänsen.
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Vielen Dank, Frau Stadträtin! Bevor ich zu den zwei Zusatzfragen komme, möchte ich zwei Anmerkungen machen: Erstens ist es sehr laut, daher möchte ich wie immer darum bitten, dass Sie sich etwas leiser verhalten. Wenn Sie Gespräche zu führen haben, haben wir eine tolle Cafeteria, und im Foyer ist auch Platz dafür. Zweitens hat Frau Zapf-Rodriguez ja einen Rollenwechsel durchgeführt, aber Sie wissen dennoch, dass wir als Stadtverordnete den Wunsch äußern, dass sich die Stadträte beziehungsweise Dezernenten in ihren Reden auch in etwa an den Zeitrahmen halten, der den Stadtverordneten zur Verfügung steht.
(Zurufe)
Jetzt geht es an die Zusatzfragen. Der nächste Fragesteller ist Herr Dr. Langner von der FDP. Bitte schön!
Stadtverordneter Dr. Julian Langner, FDP:
(Zusatzfrage)
Erst einmal vielen Dank für die Versachlichung der Diskussion! Es geht mir aber genau um die gesundheitspolitisch relevanten Dinge, und da sind die Nilgänse in den Schwimmbädern ein besonderes Problem. Mir ist aufgefallen, dass ich in Bad Vilbel noch nie eine Nilgans im Becken gehabt habe. Als das Bad in Eschersheim jetzt zugemacht wurde, bin ich daran vorbeigefahren - da ist das ganze Becken voller Nilgänse. Wie kriegt Bad Vilbel das Gegenteil hin und warum ist es bei uns ein Problem? Ich glaube, wenn die Gänse im Schwimmbecken herumschwimmen, dann hat das gesundheitspolizeilich doch eine gewisse Relevanz. Vielen Dank!
Stadträtin Tina Zapf-Rodriguez:
(fortfahrend)
Die Information, die ich seitens des Gesundheits- und des Ordnungsamts bekommen habe, ist, dass es keine gesundheitsrelevanten Hotspots gibt. Was die Schwimmbäder angeht, trifft genau das zu, was ich gesagt habe: Kurzrasenflächen und Gewässer ziehen die Tiere an. Ich glaube, hier muss man sich einfach individuell die Plätze angucken, um zu sehen, wo welche Maßnahmen möglich sind, um diese dann entsprechend zu ergreifen. Das städtische Taubenmanagement befindet sich im Moment gerade im Aufbau, aber sicherlich wird man sich von dort aus abgucken, was in anderen Kommunen möglich oder auch eben nicht möglich ist. Die Lösungsmöglichkeiten sind allerdings wie gesagt leider sehr begrenzt.
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Die zweite Fragestellerin ist Frau Dr. Mehler-Würzbach.
(Zurufe)
Entschuldigung. Herr Robert Lange hat sich vor Ihnen gemeldet, das hatte ich nicht gesehen. Herr Lange von der CDU, Sie haben das Wort. Bitte schön!
Stadtverordneter Robert Lange, CDU:
(Zusatzfrage)
Danke sehr!
Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Die Zahl der Nilgänse im Stadtgebiet soll sich zuletzt verdreifacht haben. Wenn im Ostpark jetzt weniger Gänse sind, dann haben sie sich auf dem restlichen Stadtgebiet verteilt. Deswegen die Frage: Was unternehmen Sie gegen die steigende Zahl der Stadttauben und der Nilgänse in ganz Frankfurt?
Stadträtin Tina Zapf-Rodriguez:
(fortfahrend)
Ich wiederhole noch einmal, was ich gesagt habe: Stadtweit gesehen, ist nach aktuellen Erkenntnissen von Fachleuten keine Zunahme der Gänsebestände zu erkennen, aber eine Verschiebung der Artenzusammensetzung und Verlagerung zwischen den Aufenthaltsbereichen. Ich glaube, das ist am Ende der Punkt: Es gibt das Gefühl einer massiven Zunahme, weil sich gerade während der Mauserzyklen oder auch, wenn sich im Winter Rastpopulationen bilden, besonders viele Tiere gemeinsam im Stadtgebiet aufhalten. Wir sind wie gesagt dabei, ein Gänsemonitoring zu betreiben, gerade auch im Ostpark. Dort gibt es das Pilotprojekt, das aber, wie ich schon erwähnt hatte, nicht übertragbar ist. Wir müssen uns die verschiedenen Flächen individuell anschauen.
(Beifall)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 12. September 2024 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.