In Niederrad soll laut Presse nun eine Kooperative Gesamtschule, KGS, statt einer Integrierten Gesamtschule, IGS, eröffn
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Thema Schulen und Bildung verfolgenInhalt
Frage vom 11.11.2016, F 255 In Niederrad soll laut Presse nun eine Kooperative Gesamtschule, KGS, statt einer Integrierten Gesamtschule, IGS, eröffnet werden. In IGS en hingegen können auch Kinder, die keine gymnasialen Empfehlungen haben, das Abitur erlangen und somit bestmöglichst gefördert werden. Obwohl sich fast alle politischen Kräfte, die Eltern, der Stadtelternbeirat, die Bildungsgewerkschaft für eine IGS aussprechen, soll doch eine KGS zum neuen Schuljahr eröffnet werden. Deshalb frage ich den Magistrat: Warum soll nunmehr in Niederrad eine KGS anstatt einer IGS eröffnet werden, und teilt der Magistrat die Meinung, dass Kinder im Alter von zehn bis elf Jahren nicht selbst entscheiden können, welche weiterführende Schule für ihre Zukunft sinnvoll ist?
Antwort des Magistrats: Stadträtin Sylvia Weber: Sehr geehrte Frau Pauli, sehr geehrter Herr Brillante, sehr geehrte Damen und Herren! Es ist richtig, dass wir in Niederrad im kommenden Sommer eine KGS eröffnen werden, wie es im letzten Schulentwicklungsplan A beschlossen und genehmigt wurde. Richtig ist auch, dass ich mir eine andere Lösung in Form einer IGS gewünscht hätte, weil wir dann laut Hessischem Schulgesetz weniger Züge und damit weniger Kinder für eine Eröffnung der Schule benötigt hätten. Das wäre eine sichere und schnellere Lösung für die Eltern gewesen, und insofern bedanke ich mich an dieser Stelle auch bei allen, die das unterstützt haben.
(Beifall) Der Magistrat war jedoch in seiner Mehrheit der Meinung, dass wir mit einer offensiven Werbekampagne für die KSG Niederrad, mit einer sicheren räumlichen Planung und mit einem verlässlichen Auftreten im Stadtteil und vor der Elternschaft auch gute Chancen für eine Eröffnung der KGS haben. Es ist mir inzwischen nach Abstimmung gelungen, vonseiten des Staatlichen Schulamtes eine Garantie für die Eröffnung der KGS Niederrad zum Schuljahr 2016/2017 zu erhalten.
(Beifall) Das ist eine sehr gute Nachricht für uns alle, für die Planungsgruppe und für die Eltern im Frankfurter Süden, die jetzt keine Sorge mehr haben müssen, dass die Schulgründung ein weiteres Mal verschoben werden muss. Wir werden am 12. Dezember eine Infoveranstaltung in Niederrad für den Schulverbund, die Eltern und Kinder und für alle Interessierten durchführen. Die Planungsgruppe wird das Konzept der Schule vorstellen, ich selbst werde etwas über die räumliche Planung sagen, und es wird natürlich Raum für Fragen geben. Mein Wunsch ist es, dass wir die Eltern im Frankfurter Süden so von unserem Angebot überzeugen können, dass die KGS aus eigener Kraft an den Start gehen kann und wir möglichst wenige Zuweisungen bekommen. Wenn die Familien im Süden diese Schule annehmen und darauf vertrauen, dass dort etwas Gutes, Neues vor ihrer Tür entsteht, wäre das eine wunderbare Entwicklung. Ich fordere Sie daher alle auf, sich hinter diese Idee zu stellen, vor allem diejenigen, die sich eine KGS gewünscht haben, und mit mir gemeinsam um Vertrauen für die Gesamtschule Niederrad zu werben.
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die erste Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Brillante. Bitte! Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: (Zusatzfrage) Vielen Dank, Frau Weber! Sie haben aber meine zweite Frage nicht beantwortet, ob die Kinder mit zehn oder elf Jahren schon selbst entscheiden können, auf welche weiterführende Schule sie gehen möchten, und teilen Sie trotzdem mit mir die Meinung so wie alle Eltern, die sich eine IGS wünschen, weil dort Kinder nach der vierten Klasse nicht getrennt werden, da es die bestmögliche Förderung der Kinder ist. Daher noch einmal: Ist das dem Magistrat bewusst, und warum wird trotzdem dagegen gehandelt? Stadträtin Sylvia Weber: (fortfahrend)
Ich teile Ihre Auffassung, dass Kinder in dem Alter durchaus in der Lage sind zu sagen, was sie möchten. Ich könnte mir vorstellen, dass sie dabei auch unterschiedliche Kriterien haben, zum Beispiel auch die Frage, auf welche Schule die Freundin oder der Freund geht. Maßgeblich ist an dieser Stelle aber das Votum der Eltern. Wir haben momentan eine gute Chance mit der Garantie, dass die Schule eröffnen wird, dass sie auch ausgewählt wird mit den räumlichen Voraussetzungen, die wir derzeit noch abklären und die wir dann auch am 12. Dezember vorstellen werden. Mit allem, was wir an Sicherheiten geben können, haben wir eine gute Chance, dass die Schule angewählt wird, auch von den Eltern. Im Übrigen, wenn die Schulgemeinde sich erst einmal konstituiert hat und arbeitet, ist sie durchaus auch in der Lage, selbst zu entscheiden, was sie denn sein möchte. Ich habe bewusst - das wissen Sie auch - keine ideologische Debatte geführt. Ich habe auch keine Debatte um die Schulform geführt, sondern ich habe gesagt, dass es mir wichtig ist, dass wir eine sichere und schnelle Lösung für die Eltern haben und dass wir die Hürden für die Eröffnung einer Schule möglichst niedrig halten. Ich denke, mit den jetzigen Voraussetzungen ist es ähnlich gut. Insofern kann ich einfach nur alle bitten, sich dafür einzusetzen. Eine Gesamtschule ist eine Gesamtschule, und ich glaube, wenn man das Konzept kennt, dann wird man auch wissen, dass es eine gute Gesamtschule wird. Ich wünsche dieser Schule alles Gute für ihren Start.
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Müller von den LINKEN. Bitte! Stadtverordneter Michael Müller, LINKE.: (Zusatzfrage) Vielen Dank! Frau Stadträtin, Sie sprachen von einer Werbekampagne, die jetzt gestartet wird. Wie sieht denn Ihrer Meinung nach so eine Werbekampagne für eine KGS aus, und was sind Ihrer Meinung nach Argumente dafür? Stadträtin Sylvia Weber: (fortfahrend) Danke für diese Frage. Ich habe sie aber, glaube ich, fast schon beantwortet. Werbekampagne heißt nicht, dass wir Plakate aufhängen, sondern Werbekampagne heißt, dass wir im Rahmen der Informationsveranstaltungen, die schon begonnen haben und jetzt stattfinden, diese Schule entsprechend vorstellen. Das Staatliche Schulamt, das auch einen Teil der Informationsveranstaltungen durchführt, wird - und hat es schon getan - jetzt noch einmal deutlich machen, dass es diese Schule eröffnen wird, und zwar unabhängig davon, ob jetzt alle sechs Züge zustande kommen oder nicht. Das heißt, wir ziehen dort an einem Strang. Das Staatliche Schulamt wird das noch einmal in den Veranstaltungen klarstellen. Wir machen zudem eine gesonderte Veranstaltung vonseiten des Dezernats, einen Runden Tisch, bei dem wir das Konzept, die Raumplanung und auch die entsprechenden Personen vorstellen, die damit befasst sind. Wir glauben, dass das Interesse im Stadtteil groß ist und dass wir mit diesen Punkten, nämlich dass es eine sichere und verlässliche Planung gibt und dass die Schule garantiert eröffnen wird, die Eltern gewinnen können. Noch einmal: Ich glaube, das Konzept ist wirklich die beste Werbung. Schauen Sie es sich an. Es ist gut, das kann ich Ihnen sagen. Insofern hoffen wir, dass es verfängt. Ich denke, der Frankfurter Süden braucht eine Gesamtschule, und das wird eine gute Schule werden. Das ist das, was wir sagen können. Ich glaube, dass es den Eltern wichtig ist zu wissen, was sie erwartet, wo die Schule letztendlich sein wird und wie sie aussehen wird. Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 255 Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: Herr Vorsteher, meine Damen und Herren! Es geht um das Wohl unserer Kinder. Ich will es wiederholen, es geht um das Wohl der Kinder. Wir tun den Kindern nichts Gutes, wenn wir entscheiden, in welche weiterführende Schule sie gehen sollen, wenn sie gerade einmal zehn oder elf Jahre alt sind. Frau Weber, ich glaube nicht, dass Sie das ernst gemeint haben, als Sie gesagt haben, die Kinder wüssten schon mit zehn Jahren, in welche Schule sie gehen würden. Sollen wir diese Entscheidung den Kindern selbst überlassen? Eine falsche Entscheidung kann sich ein Leben lang negativ auswirken, wenn das Kind gerade einmal zehn Jahre alt ist. Wir sollten dagegen die Kinder geradezu ermuntern, ihre Begabung und Potenziale zu entfalten. Wir sollten sie fördern.
(Beifall) Das ist die Aufgabe der Bildungspolitik. Die IGS bieten hier eine gute Lösung. Im nächsten Jahr soll in Frankfurt-Niederrad eine neue Gesamtschule eröffnet werden, die Koalition hat sich für eine KGS entschieden. Bei der KGS, also einer Kooperativen Gesamtschule, handelt es sich gar nicht um eine Gesamtschule. In dieser Schule werden Kinder zwar unter einem Dach unterrichtet, sind aber grundsätzlich in Haupt-, Real- und Gymnasialklassen getrennt. Es gibt keine Durchlässigkeit nach oben, sondern lediglich nach unten.
(Beifall) Es handelt sich nicht um eine Gesamtschule, sondern um eine Schule mit mehreren Bildungsgängen. Die Integrierte Gesamtschule ist dagegen etwas ganz anderes. Die Kinder lernen nach der vierten Klasse zusammen, von Klassen mit einer größeren Leistungsspanne profitieren starke wie schwache Kinder gleichermaßen, zumal im Unterricht Binnendifferenzierung betrieben und Partnerarbeit gepflegt wird. Das ist jetzt auch möglich. Gute Schülerinnen und Schüler erklären den schwächeren den Lernstoff. Durch das Prinzip der individuellen Förderung wird damit dem Einzelnen die Möglichkeit der schulischen Entwicklung lange offengehalten. Die Lernschnellen sollen gemäß ihrer individuellen Leistungsfähigkeit gefördert und gefordert werden. Spätzünder können durchstarten und Leistungseinbrüche werden abgefedert. Es liegt auf der Hand, dass die IGS im Vergleich zu einer sogenannten KGS die bestmögliche Förderung garantiert. Immer wieder habe ich die Worte der Leiterin einer IGS in Erinnerung, die gesagt hat: "Bei uns erlangen auch Kinder das Abitur, die keine Gymnasialempfehlung hatten. Das ist eben nur in der IGS möglich." Das sollte uns zu denken geben. Fast alle wollen, dass in Niederrad eine IGS eröffnet wird, diese wird von den Eltern nachgefragt. Ich kann daher wirklich nicht erklären, warum es nicht möglich sein soll. Daher ein Appell an die Koalition: Bitte überdenkt eure Entscheidung! Danke!
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Herr Brillante! Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Ross von der Fraktion der GRÜNEN. Bitte sehr! Stadtverordnete Birgit Ross, GRÜNE: Sehr geehrter Herr Vorsteher, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Brillante, ich muss Sie noch einmal daran erinnern, dass die KGS Niederrad nicht einfach vom Himmel fällt. Sie kommt nicht out of the blue, sie ist Teil des integrierten Schulentwicklungsplanes, und auch Sie haben diesem zugestimmt. Nur noch einmal kurz zur Erinnerung. Es ist allgemein bekannt, dass auch wir GRÜNE für den Stadtteil Niederrad eine IGS favorisieren, es ist allerdings eine andere Entscheidung gefallen, es wird eine KGS geben, und es ist ganz besonders wichtig, diese Schule stark zu supporten und von uns gibt es einen kompletten Support für die KGS Niederrad. Das Wichtigste ist, dass es Sicherheit gibt, das sind wir dort den Eltern, den Schülerinnen und Schülern und dem Stadtteil schuldig. Es werden dort dringend Schulplätze gebraucht und die werden kommen. Die Sicherheit gibt es vom Kultusministerium und es gibt noch eine Hürde, die gesenkt wurde, im Gymnasialbereich gibt es nur noch eine Ein- bis Zweizügigkeit als Vorschrift. Das wird auch noch einmal ein ganz wichtiger Punkt sein. Ich freue mich sehr, dass da noch einmal nachgebessert wurde. Ganz wichtig ist natürlich das Konzept, ein inklusives Konzept für den Standort dort. Am 12.12. werden wir uns das anschauen. Wir sind da, ich bin da, der Ortsbeirat wird da sein, der Ortsvorsteher. Wir stehen dahinter, gemeinsam mit dem Stadtelternbeirat. Herr Brillante, ich erwarte Sie dort am 12.12.
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Frau Ross! Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Fischer von der CDU-Fraktion. Bitte sehr! Stadtverordnete Sabine Fischer, CDU: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir als CDU-Fraktion verstehen diese Entscheidung für eine KGS nicht als entweder oder, sondern als sowohl als auch. Im Frankfurter Süden, in dem bereits einige Integrierte Gesamtschulen angesiedelt sind, wird das Bildungsangebot nun durch eine Kooperative Gesamtschule ergänzt und bereichert. Uns ist es wichtig, dass die Vielfalt verschiedener Schulformen und Bildungsgängen bei gleichzeitiger Durchlässigkeit des Schulsystems erhalten bleibt und die Eltern weiterhin eine Wahlmöglichkeit besitzen.
(Beifall) Sie alle wissen es, dass es gerade in Frankfurt unzählige Möglichkeiten gibt, das Abitur zu erlangen. Wenn Sie, Herr Brillante, in Ihrer Frage noch einmal beschreiben, dass es nur möglich sein, an einer IGS zu einem Abitur zu gelangen, kann ich Ihnen nur sagen, dass es in Frankfurt zwölf IGS gibt und davon haben zwei eine gymnasiale Oberstufe. An den normalen IGS bis zur zehnten Klasse können Sie genauso wenig ein Abitur erlangen wie an einer anderen Schule. Das nur zur Information.
(Beifall) Noch einmal ein Hinweis: Die Entwicklung des Schulentwicklungsplanes war ein partizipativer Prozess. Damals war es schon klar, dass es eine KGS wird. Da hat sich keiner gerührt, da hat keiner gesagt, nein, wir wollen keine KGS, wir wollen lieber eine IGS. Zumindest kann ich mich daran nicht erinnern, dass diese Kritik geäußert wurde. Jetzt, nach einem Jahr, fangen Sie an, dass eine IGS schon immer besser war, dass eine IGS bessere Möglichkeiten bietet. Ich kann Ihnen sagen, bei der Vielfalt von IGSen gibt es sicher auch bevorzugtere und weniger bevorzugtere. Man kann es nicht nur an dieser Schulform festmachen, sondern auch einfach am Konzept, an den Lehrern, an der Schulleitung, an dem Förderkonzept. Die Punkte, die Sie vorhin für eine IGS aufgezählt haben, die gibt es bei einer KGS genauso. Die Schüler werden individuell gefördert. Es gibt Unterstützungssysteme und natürlich will eine Schule die bestmögliche Förderung für die Schüler und sie alle zu einem adäquaten Abschluss bringen. Nun zum guten Schluss. Ich weiß gar nicht, wie ernst Sie das gemeint haben. Ich kann mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen, dass Sie das ernst gemeint haben, dass Kinder im Alter von zehn bis elf Jahren selbst entscheiden können, welche weiterführende Schule für ihre Zukunft sinnvoll ist. Da kann ich Ihnen nur sagen, wenn Kinder das entscheiden sollen, kann ich Ihnen so viele Erwachsene aufzählen, die selbst nicht wissen, was für sie sinnvoll ist und was sie entscheiden sollen.
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Frau Fischer! Ich habe eine weitere Wortmeldung von der LINKE.-Fraktion vorliegen. Wie gesagt, bei zehn Minuten Gesamtredezeit ist jetzt noch ein Rest von zwei Minuten und 40 Sekunden übrig. Frau Dalhoff, sie haben das Wort. Bitte sehr! Stadtverordneter Ayse Zora Marie Dalhoff, LINKE.: Ich mache es relativ schnell. Wir LINKE. unterstützen das, was Herr Brillante gesagt hat, auf jeden Fall. Wir stehen dahinter. Ich habe eine rhetorische Frage: Wenn die GRÜNEN und die SPD dafür sind, dass es eine IGS gibt, warum gibt es dann eine KGS? Das ist eine große Frage, die ich nicht verstehen kann, weil ich der Meinung bin, die IGS ist die beste Schulform, die es gibt. Vielen Dank!
(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Luigi Brillante
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 11. November 2016 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.