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Die Fußball-Europameisterschaft, bei der fünf der Spiele auch in Frankfurt am Main ausgetragen werden, ist eine sehr teu

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Zusammenfassung

Die Stadt Frankfurt plant, 32 Millionen Euro für die Fußball-Europameisterschaft auszugeben, wobei die UEFA die Kosten für die Fanmeile und Sicherheitsmaßnahmen teilweise übernimmt. Ziel ist es, eine positive wirtschaftliche und soziale Wirkung für die Region zu erzielen, während gleichzeitig die Herausforderungen und Risiken der Veranstaltung thematisiert werden.

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Thema Sport, Freizeit und Bäder verfolgen

Frage an den Magistrat

Die Fußball-Europameisterschaft, bei der fünf der Spiele auch in Frankfurt am Main ausgetragen werden, ist eine sehr teure Großveranstaltung. Dabei sind der Großteil der Kosten und finanziellen Risiken bei den Austragungsstädten angesiedelt und die Gewinne bei der UEFA. Laut Recherchen von ZDF und Spiegel zahlen der Bund, die Länder und die Städte für die Europameisterschaft etwa 650 Millionen Euro. Laut Presseberichten gibt die Stadt Frankfurt 32 Millionen für die EM aus.

Ich frage den Magistrat:

Was sind die fünf größten Einzelposten bei der Kalkulation der Gesamtkosten, und welchen Anteil der Kosten trägt die UEFA an der 15 Millionen Euro teuren Fan-Meile?

Antwort des Magistrats

Oberbürgermeister Mike Josef:

Sehr geehrter Herr Vorsteher,

sehr geehrter Herr Stadtverordneter Müller,

lieber Michael!

Ich darf dir an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag wünschen. Ich habe gehört, du wirst 44, bist also Jahrgang 1980, ist das richtig? Ich hoffe, es ist kein Zufall und dass es uns Glück bringt. 1980 wurde die Nationalelf Europameister, von daher bei all den Diskussionen um die Finanzierung ist es doch ein gutes Zeichen.

Was deine Frage angeht, wie das Ganze aufgestellt ist: . .

(Zurufe)

Nein, das sind Tatsachen. Das ist eine Feststellung, Jutta. Das war wirklich so.

Lieber Michael, wie die Aufteilung aussieht, das hat die Stadtverordnetenversammlung ausgiebig diskutiert. Dazu gibt es die Vorlage M 153, da ist auf Seite fünf aufgelistet, wie sich die knapp 30 Millionen Euro in den einzelnen Blocks beziffern, was die größten Blocks sind. Das habe ich ausgedruckt und überlasse es euch. Das hat alles seine Ordnung und ist transparent dargestellt. Ein großer Block ist beispielsweise die Sicherheitsfrage, und da verrate ich kein Geheimnis, dass, wenn man 2019 eine solche Europameisterschaft plant, das sieht man auch bei den kleineren Stadtteilfesten, beim Schlossfest zum Beispiel, dass die Kosten für die Sicherheit in den letzten Jahren massiv gestiegen sind. Die Sicherheit und andere Rahmenbedingungen sind uns wichtig. Deshalb haben wir das entsprechend angepasst. Was die Fanmeile angeht, finanziert beispielsweise die UEFA die zehn Video-screens. In anderen Städten sind es drei. Hier bezahlt die UEFA auch angesichts der guten Fanmeile - das ist tatsächlich so, das war gestern auch beim Empfang im Kaisersaal von der UEFA deutlich gemacht worden, dass die Fanmeile überzeugt - die zehn Videoscreens, die sicherlich nicht günstig sind. Auch die Kosten für den großen Floating-Screen, den schwimmenden Fernseher von 144 Quadratmetern, übernimmt die UEFA.

Im Übrigen ist es auch so, dass - und das ist mir wichtig, ich verstehe die Diskussion, aber ich möchte es klarstellen - zum einen die Einnahmen der Standmieten an die TCF gehen. Die UEFA zahlt für das Stadion pro Spiel auch Miete. Ich habe den Spiegel-Artikel gelesen und andere Artikel, ich möchte es nur noch einmal klarstellen: Es ist nicht so, dass wir 30 Millionen Euro der UEFA überweisen, sondern beispielsweise mit den 15 Millionen Euro haben Ausschreibungen stattgefunden, bei denen - Peter Paul Thoma ist jetzt nicht da - regionale und lokale Unternehmen den Zuschlag bekommen haben, beispielsweise für die Aufstellung von Gewerken, für die Gestaltung der Fanmeile. Wir haben gestern die große Eröffnung an der Flößerbrücke gehabt, die gesamte Umsetzung und Organisation dieser Inszenierung ist von einem Frankfurter Unternehmen, von einer Frankfurter Agentur. Ich will damit sagen, es entsteht eine Wertschöpfungskette von dem investierten Geld auch gegenüber lokalen und regionalen Unternehmen. Eine Bekannte, die beim Zahnarzt war, hat mich gefragt: "Warum überweist ihr der UEFA 30 Millionen Euro?" Ich will hier klarstellen, bei allen berechtigten Diskussionen darüber, was wir finanzieren und was nicht, wir wollen, dass auf der Fanmeile die Möglichkeit besteht, die 51 Spiele den Menschen anzubieten, die nicht die Chance haben, ins Stadion zu gehen, und das soll in einem bestmöglichen Rahmen erfolgen. Das ist uns wichtig.

Auch die Standbetreiber sind zum Teil Frankfurter:innen, regionale Gastronomen, die dort einen Standbetrieb haben. Es sind natürlich auch größere Unternehmen mit dabei. Das bitte ich insgesamt zu berücksichtigen, wenn wir darüber diskutieren. Hinzu kommt, dass wir - das hat unsere TCF berechnet - circa 100.000 Übernachtungen erwarten. Die Hälfte werden Touristen aus dem Ausland sein, was der regionalen Wirtschaft guttut, denn das ist gerade der Bereich, der in den letzten Jahren stark unter der Pandemie gelitten hat.

Die accadis Hochschule in Bad Homburg wird nach der Europameisterschaft eine Studie veröffentlichen, die beauftragt wurde, wo noch einmal berechnet wird, welche wirtschaftlichen Effekte durch die Europameisterschaft entstanden sind, aber auch, welche sozialpolitischen Effekte, sprich Vereinsmitglieder, Entwicklung der Vereinsarbeit, es bei uns in Frankfurt durch die EM gibt. All das wird erfolgen, sodass wir das sauber abarbeiten können. Die NFL hat gezeigt, dass wir allein mit beiden Spielen der NFL, bei denen wir 1,5 Millionen Euro zugesagt haben, eine Umwegrendite von 109 Millionen Euro erzielt haben - das heißt, Merchandise, Gastro, Hotelübernachtungen - und davon acht Millionen Euro an Steuereinnahmen bei Stadt, Region und Land hängen geblieben sind. Das heißt, es gibt ein Reinvest, es gibt auch wieder Steuereinnahmen.

Der letzte Punkt bei all den berechtigten Debatten: Man muss in Zukunft deutlich machen, dass wir solche Großturniere nicht unter allen Umständen wollen. Ich finde, die Diskussion ist wichtig, aber es wird auch im Kontext der Debatte um Katar diskutiert. Es ist ja momentan beim IOC, ob es die Olympischen Spiele sind, oder die Weltmeisterschaft über die FIFA, Russland 2018, Katar 2022, schon auch eine wesentliche Debatte im Kontext dessen, ob demokratische Länder, wie wir es sind, unter Berücksichtigung von Menschenrechten und den demokratischen Rahmenbedingungen zukünftig solche Großveranstaltungen im Wettbewerb mit autokratischen Staaten organisieren und veranstalten können und dadurch auch den Wert des Sports für die Demokratie deutlich machen. Es geht um Begegnung, Zusammenkommen, Zusammenstehen, gerade in einer internationalen Stadt wie Frankfurt. Es ist die Frage, ob wir diese Auseinandersetzung komplett verloren geben. Nicht unter allen Umständen, aber ich glaube, in dem Rahmen, den ich gerade dargestellt habe, ist es zum einen gut investiertes Geld, zumal wir für die Vereinsarbeit nichts wegnehmen. Wir werden weiterhin 15 Millionen Euro jährlich Sportzuschüsse zur Verfügung stellen, hoffentlich Tendenz steigend, und noch einmal 14 Millionen Euro an Infrastruktur für die Vereinsarbeit und für die Arbeit der Sportvereine. Von daher machen wir das eine, ohne das andere zu lassen. Ich glaube, das ist eine gute Sache, und jetzt freue ich mich wirklich auf die Europameisterschaft, wie viele andere auch. Ich hoffe, dass wir das ein bisschen in den Vordergrund bringen, denn ich glaube, dass das dringend notwendig ist. Und wenn morgen ein Sieg entsteht, dann wird es umso schöner.

Vielen herzlichen Dank!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Dr. Christoph Rosenbaum:

Die erste Zusatzfrage kommt vom Fragesteller. Herr Müller, Sie haben das Wort. Bitte schön!

Stadtverordneter Michael Müller, Linke:

(Zusatzfrage)

Zunächst danke schön für deine Glückwünsche! Danke schön für die Beantwortung der Frage! Ich hätte jetzt noch eine Frage, und zwar: Bei der Plattform FragDenStaat wurden alle Host Citys angefragt, die Verträge, die sie mit der UEFA geschlossen haben, zu veröffentlichen. Die Stadt Dortmund ist diesem Wunsch nachgekommen, auch die Stadt Hamburg hat es zugesichert. Warum hat die Stadt Frankfurt die Verträge noch nicht veröffentlicht, und werden Sie die Verträge mit der UEFA veröffentlichen?

Oberbürgermeister Mike Josef:

(fortfahrend)

Wir hatten das Thema schon seit Monaten, es geht ja schon länger, dass wir Anfragen zu den Verträgen erhalten. Wir haben einen Teil der Verträge durchaus veröffentlicht. Aber bestimmte Teile sind rechtliche Fragen, die können wir nicht herausgeben. Ich möchte auch noch einmal deutlich machen, dass alle Städte dieselben Verträge von der UEFA vorgelegt bekommen haben.

(Zurufe)

Wie gesagt, es geht auch um rechtliche Fragen, und da bitte ich zu berücksichtigen, dass wir auch Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung haben, die am Ende dafür haften müssen. Auch das muss berücksichtigt werden, wenn man salopp sagt: "Veröffentlicht doch alles". Das ist rechtlich abgestimmt. Wie gesagt, ein Teil der Verträge sind veröffentlicht, und da gibt es nichts, was wir geheim halten müssen.

(Zurufe)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Dr. Christoph Rosenbaum:

Die zweite Zusatzfrage kommt von Frau Dr. von Franqué. Bitte schön!

Stadtverordnete Dr. Friederike von Franqué, GRÜNE:

(Zusatzfrage)

Vielen Dank! Sie haben sehr gut geschildert, wie die Gelder auch lokal verwendet werden. Wie werden die anderen Kosten der Stadt im Rahmen dieser Europameisterschaft einberechnet, die etwa in Personalstunden der Feuerwehr gehen oder in die zusätzliche Zuarbeit der Stadt, die beispielsweise in Datenzuarbeit für die UEFA-App fließen? Soweit wir das aus dem Ausschuss wissen, gehen zum Beispiel die Daten dann nicht mehr zurück an die Stadt. Wie können Sie sich hier einen Zusatznutzen vorstellen?

Oberbürgermeister Mike Josef:

(fortfahrend)

Ich habe die Frage nicht verstanden. Wie viele Verwaltungskosten damit verbunden sind?

Stadtverordnete Dr. Friederike von Franqué, GRÜNE:

(fortfahrend)

Es sind 30 Millionen Euro, die konkret ausgegeben werden an lokale Dienstleister, die beispielsweise, wie von Ihnen geschildert, die Veranstaltung an der Brücke durchführen. Es gibt aber auch Mehrkosten der Stadt, die dadurch entstehen, dass die Stadt andere Dienstleistungen bereithält, etwa Personalstunden der Feuerwehrsicherheitskräfte, die angefordert werden, et cetera, und eine Zusatzarbeit der Stadt Frankfurt besteht darin, dass die Stadt Frankfurt Daten zuarbeitet und Informationen für die UEFA-App gibt, damit sie funktioniert. Die UEFA-App sieht aber nicht vor, dass die Daten der Stadt dann auch zur Verfügung gestellt werden, was ein kleiner Widerspruch zu unserem Open-Source- und dem Open-Data-Konzept ist, aber was sich nur lohnen würde, zu diesen Daten einen Zugriff zu haben. Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, dass a) größere Zusatzkosten entstehen und b) möglicherweise mehr Nutzen für die Stadt entstehen könnte. Wie stellen Sie sich diesen Zusatznutzen vor?

Oberbürgermeister Mike Josef:

(fortfahrend)

Was die Kosten angeht, wenn ich es richtig einordne: Bei den 15 Millionen Euro, die nicht in die Fanmeile fließen, sind ja Verwaltungskosten enthalten. Das ist aufgelistet, und die liegen bei knapp 2,2 Millionen Euro. Aber auch bei der Auswertung beispielsweise der accadis-Studie werden auch solche Kriterien berücksichtigt, die nicht monetär sind: Wie viele Menschen haben hier übernachtet beziehungsweise wie viele Menschen sind aus dem Ausland, wie sind die Bewegungen innerhalb der Stadt gewesen, wie viele sind auf der Fanmeile der Stadt Frankfurt gewesen? Das sind alles Sachen, die entsprechend über die accadis-Studie mit berücksichtigt werden in der Zusammenarbeit mit der UEFA, und da erhoffen wir uns Erkenntnisse für folgende Großveranstaltungen. Ich hoffe, es wird nicht die letzte bleiben.

Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 2463

Stadtverordneter Michael Müller, Linke:

Herr Vorsteher,

meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich bin glühender Fußballfan und habe 15 Jahre beim TSV Binswangen, am Ende Kreisliganiveau, gespielt. Gerade deshalb ist es mir wichtig, diese vielleicht kritische Rede zu halten. Wir wissen, 32 Millionen Euro geben wir als Stadt Frankfurt für die Fußball-Europameisterschaft aus. Wir wissen auch, wir tragen als Stadt das komplette finanzielle Risiko. Wir wissen auch, die UEFA profitiert. Für mich und für viele andere ist das kein Fair Play. Hier im Römer und in den Fachausschüssen jedoch gab es fast ausschließlich kritikloses Abfeiern und Sichfreuen über die EM. Ja, aber wo Licht ist, da ist auch Schatten, finde ich. Wie erklären Sie zum Beispiel dem Frankfurter Bäcker, dass es für ihn nicht möglich ist, Europameistersemmeln zu backen? Wie erklären Sie, dass es absolut strikte Vermarktungsrechte der UEFA gibt? Die Lizenzen wurden für Riesensummen an zumeist Großkonzerne verkauft. Wie erklären Sie denn, dass es bei der FIFA oder bei der UEFA jetzt so ist, dass wir in Frankfurt Überwachung fast wie in London bekommen mit möglichst vielen Kameras, die dann nach Wunsch des Frankfurter Polizeipräsidenten auch bleiben sollen? Meiner Meinung nach darf die EM in Frankfurt aber kein Einfallstor zur Ausweitung der öffentlichen Überwachung im öffentlichen Raum sein.

(Beifall)

Wie erklären Sie, dass es eigentlich nach Wunsch der UEFA möglichst eine Bannmeile um die Stadien geben soll, möglichst keine politischen Demonstrationen? Auch, dass es Kneipen in Stadionnähe eigentlich nicht erlaubt ist, die Spiele auf Leinwänden zu zeigen? Was wir auch wissen, ist, dass gleichzeitig der Staat einen großen Deal mit der UEFA gemacht hat, dass möglichst viele Steuereinnahmen nicht generiert werden. Man redet von 250 Millionen Euro. Die UEFA handelt nach dem Motto: Wenn ihr die Veranstaltung schon haben wollt, dann, bitte schön, verzichtet auf die Steuereinnahmen. Darüber müssen wir doch reden. Wo ist das Transparenzgebot, wenn Dortmund die Verträge öffentlich macht und Sie sagen, die Verträge sind eh alle identisch? Dann wäre es doch nur gut, wenn bei FragDenStaat auch Frankfurt die Verträge öffentlich macht.

(Beifall)

Im Bahnhofsviertel werden jetzt bunte Wegweiser aufgepinselt, die den Leuten den Weg weisen, schön und gut, sie jedoch auch in gewisser Weise fernhalten von den sozialen Realitäten in dieser Stadt, ganz nach dem Motto: Am liebsten Potemkinsche Dörfer im Bahnhofsviertel bauen, das wäre doch gut. Jetzt könnte man sagen, der Markt regelt alles. Ja, und wenn ich was unbedingt haben will, dann muss ich halt auch jeden Preis bezahlen, die Bedingungen akzeptieren. Wenn wir aber diese Politik machen, dann werden internationale Sportverbände wie FIFA und UEFA eben immer recht haben, weil sie alles diktieren können. Von daher, meine sehr geehrten Damen und Herren, bleibt ein fader Beigeschmack bei diesem Millionenspektakel, ...

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Dr. Christoph Rosenbaum:

Herr Müller, Ihre Redezeit ist abgelaufen.

Stadtverordneter Michael Müller, Linke:

(fortfahrend)

... das von Magistrat und Regierungskoalition viel zu unkritisch betrachtet wurde, ganz im Sinne der UEFA.

Vielen Dank!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Dr. Christoph Rosenbaum:

Als Nächstes hat das Wort für die GRÜNE-Fraktion Frau Stadtverordnete Eberz. Bitte schön!

Stadtverordnete Julia Eberz, GRÜNE:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien!

Liebe Kolleg:innen der Linken, es ist ehrenwert, dass ihr darauf achtet, wie viel Geld die Stadt für sportliche oder kulturelle Großereignisse, wie die beiden NFL-Spiele, die Bewerbung zur World Design Capital oder jetzt eben die EURO 24 ausgibt. Das ist euer gutes Recht als Opposition und auch eure Pflicht. Dass die UEFA kein Samariterverein ist, sondern als gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen knallharte Verträge aushandelt und auch Bedingungen stellt, wussten wir auch schon 2017, als Frankfurt sich zur Host City beworben hat. Zugegeben, diese krassen Ausmaße wurden erst durch die Veröffentlichung der Verträge durch FragDenStaat bekannt und darüber wird durchaus zu reden sein.

Dass solche Großereignisse aber in der Regel positive Ergebnisse, monetär wie nicht monetär, nach sich ziehen, sehen wir beispielhaft an den beiden NFL-Spielen im vergangenen Jahr. Ihr habt seinerzeit kritisiert, dass die Stadt 1,5 Millionen Euro ausgegeben hat, aber ihr habt damals nie nach den positiven Effekten gefragt. Diese positiven Effekte sind inzwischen durch eine Studie des Instituts The Sports Consultancy belegt, aus der ich nur ein paar Zahlen zitieren möchte: 98 Prozent der 100.000 Fans, die zu den beiden Spielen pilgerten, kamen nicht aus Frankfurt. Diese 98.000 haben im Schnitt 254 Euro ausgegeben, übrigens ohne die Tickets für die Spiele. Die zusätzlichen Steuereinnahmen, Uwe hat das schon gesagt, werden auf acht Millionen Euro geschätzt. Auch der Eindruck, den die Stadt hinterlassen hat, wurde abgefragt und auch hier waren die Ergebnisse sehr positiv. Übrigens sind die Ergebnisse der NFL-Spielorte London und München ähnlich positiv eingeschätzt worden.

Dieses Beispiel zeigt, dass das Geld, das die Stadt für solche Sportgroßveranstaltungen investiert, gut angelegt ist. Das Zauberwort ist hier tatsächlich "investiert". Wie heute in der FAZ zu lesen war, sagt auch die Studie der accadis Hochschule in Bad Homburg genau dies für den EURO-24-Standort voraus.

Liebe Linke, wenn ich mir so eure Etatanträge durchschaue, da haut ihr das Geld raus, als gäbe es kein Morgen. Feier Eintritt in die Kultureinrichtungen, kostenloser ÖPNV, alles darf oder soll die Öffentlichkeit bezahlen, am besten lebenslanges Freibier für alle. Da freut sich der Kollege Wehnemann.

(Heiterkeit)

Aber sobald die Stadt ein sportliches Großereignis beherbergt und dafür Geld in die Hand nimmt, kommt bei den Linken der erhobene Zeigefinger der Sparsamkeit. Das passt nicht ganz zusammen. Dass die fünftgrößte deutsche Stadt, die sich selbst zu Recht als europäischste Stadt Deutschlands bezeichnet, selbstverständlich ein Spielort für eine EM sein sollte, darüber wird es wohl in diesem Haus keine zwei Meinungen geben. Dass die Knebelverträge unschön sind, wird auch niemand bestreiten, aber trotzdem war diese Bewerbung alternativlos, denn eine Nichtbewerbung hätte in unserer Stadt und in der Region erst recht niemand verstanden.

Frankfurt wird in den kommenden Wochen im Zeichen der EM stehen. Dafür haben in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren viele fleißige Menschen hart gearbeitet. Dafür engagieren sich in den nächsten vier Wochen zudem viele Menschen ehrenamtlich. 1.600 Volunteers ebenso wie zum Beispiel die Angehörigen der Rettungsdienste. All diesen Menschen gilt unser Dank. Ich jedenfalls freue mich auf die EURO 24 ...

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Dr. Christoph Rosenbaum:

Frau Eberz, Ihre Redezeit ist abgelaufen.

Stadtverordnete Julia Eberz, GRÜNE:

(fortfahrend)

... und bedanke mich für die Aufmerksamkeit!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Dr. Christoph Rosenbaum:

Als Nächstes hat das Wort für die FRAKTION Herr Stadtverordneter Wehnemann. Bitte schön!

Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION:

Liebe Damen und Herren,

liebe Bürgerinnen und Bürger, auch draußen an den Geräten!

Leider ist der Tilo nicht da. Er kommt das nächste Mal wieder.

Ich stehe heute vor Ihnen, um über ein Thema zu sprechen, das viele von uns betrifft, einige sicherlich schon persönlich erlebt haben: die Preisgestaltung auf Frankfurter Veranstaltungen und hier ganz speziell auf der Fanmeile. Wir haben eben gehört, Frankfurt gibt 32 Millionen Euro für die EM aus und trotzdem kostet ein Bier auf der Fanmeile stolze sieben Euro. Lassen Sie uns das einmal in Relation setzen. Ein Mensch mit einem monatlichen Einkommen von 1.200 Euro netto, nachdem er seine grundlegenden Lebenshaltungskosten gedeckt hat, hat dann sehr wenig Spielraum für Freizeit und Genuss. Nehmen wir an, nach Abzug von Miete, Nebenkosten, Lebensmitteln und weiterem Pipapo bleiben ihm noch 200 Euro für Freizeitaktivitäten übrig, sehr optimistisch geschätzt. Wenn wir nun sieben Euro pro Bier betrachten, so könnte sich dieser Mensch gerade einmal 28 Biere im Monat leisten, das heißt eine ganze EM mit einem Bier am Tag verleben.

(Zurufe)

Das ist doch nicht realistisch, meine Damen und Herren.

Da nur sehr wenige Menschen ihre gesamten Freizeitmittel überhaupt für Bier ausgeben möchten oder können, ich verstehe selbst nicht, warum, aber dennoch muss dieser Betrag auch für andere Bedürfnisse, kulturelle Aktivitäten, soziale Treffen oder einfach einmal Tiefkühlpizza abgedeckt werden. Schnell wird klar: Sieben Euro für ein Bier ist für viele Bürgerinnen und Bürger eine erhebliche finanzielle Belastung. Hier reden wir noch nicht einmal von Familien, wo das Budget noch weiter gestreckt werden muss. Die Fanmeile aber soll ein Ort für gemeinsames Erleben und für gemeinsames Feiern sein, ein Treffpunkt für Jung und Alt, für Menschen aus allen sozialen Schichten. Doch mit solchen Preisen, meine Damen und Herren, schließen wir einen Großteil unserer Bevölkerung einfach mal aus. Hier möchte ich Sie noch mal auf den Frankfurter Bierkrawall von 1873 hinweisen, bei dem 20 Menschen aufgrund von Unruhen wegen erhöhter Bierpreise ihr Leben ließen. Wie viel soziale Spaltung verträgt diese Stadt? Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis wir endlich eine Bierpreisbremse auf den Weg bringen? Es ist ein Trauerspiel! Da rede ich noch nicht einmal vom Vorrundenaus.

Unser Ziel muss es sein, Veranstaltungen so zu gestalten, dass sie für alle zugänglich und erschwinglich sind. Ein überteuertes Bier mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, doch es symbolisiert eine größere Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit. Die dürfen wir nicht ignorieren. Deshalb appelliere ich an Sie, liebe Stadtverordnete, an Sie, lieber Mike, die Preisgestaltung auf der Fanmeile zu überdenken. Lassen Sie uns gemeinsam Lösungen finden, um die Veranstaltung inklusiver zu gestalten und sicherzustellen, dass niemand aufgrund finanzieller Einschränkungen ausgeschlossen wird. Es geht hier doch nicht um Bier, es geht um Teilnahme an der Gesellschaft.

(Beifall)

Unser Stadtrat Klöckner hat gute Erfahrungen damit gemacht, dem Volk auch mal Freigetränke, eher in Form von Champagner, auszugeben. Beim letzten Spieltag der Eintracht wurden so in kurzer Zeit 1.000 Euro vergesellschaftet. Das soll ein gutes Beispiel sein und ich rufe euch alle auf, die Preise auf der Fanmeile notfalls auch mit privaten Geldern ...

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Dr. Christoph Rosenbaum:

Ihre Redezeit ist abgelaufen, Herr Wehnemann.

Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION:

(fortfahrend)

... auf ein erträgliches Niveau zu senken, denn 32 Millionen und sieben Euro für ein Bier, das sollte uns beschämen.

(Beifall)

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 6. Juni 2024 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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