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Am 02.03., 06.04., 04.05., 03.08., 31.08., 05.10., 02.11. und 14.12. sind öffentliche Führungen durch den Römer unter de

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

In der Sitzung wird die Problematik angesprochen, dass ein Stadtführer, der rassistische Äußerungen tätigt, weiterhin öffentliche Führungen im Römer durchführen darf. Es wird gefordert, dass solche Personen nicht mehr für Stadtführungen beauftragt werden, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

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Thema Kultur verfolgen

Frage an den Magistrat

Am 02.03., 06.04., 04.05., 03.08., 31.08., 05.10., 02.11. und 14.12. sind öffentliche Führungen durch den Römer unter dem Titel "Die spinnen im Römer!" geplant. Diese werden durch einen Stadtführer in einem Kostüm der Comic-Figur "Obelix" durchgeführt. Man fragt sich: Ist dem Stadtführer und Stadtverordneten nicht bewusst, dass der Comic in Aremorica - heutige Bretagne - spielt? Und der "Römer" gar nichts mit den antiken Römern zu tun hat? Ich frage den Magistrat: Wie passt es zusammen, dass ein Stadtführer, der regelmäßig in der Öffentlichkeit durch menschenverachtende und rassistische Äußerungen in Erscheinung tritt, weiterhin Menschen durch den Römer führt, an dessen Eingang ein Schild mit "Respekt! Kein Platz für Rassismus" angebracht ist?

Antwort des Magistrats

Oberbürgermeister Mike Josef:

Herr Vorsteher,

sehr geehrter Herr Stadtverordneter Wehnemann!

Das Schild steht dort, weil auch weiterhin gilt, dass weder in unserer Stadt noch im Römer Platz ist für homophobe, diskriminierende, antisemitische oder rassistische Äußerungen ist. Deswegen bleibt das Schild auch weiterhin am Römer stehen.

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Offensichtlich sind kurze und prägnante Antworten vonseiten des Magistrats möglich. Herr Wehnemann hat eine Zusatzfrage.

Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION:

(Zusatzfrage)

Es ist schön, dass das Schild stehen bleibt. In der Frage heißt es aber, wie es zusammenpasst, dass ein Stadtführer, der mit rassistischen Aussagen immer wieder im Internet aufgefallen ist und der auch für die eigene Fraktion wegen seines Rassismus nicht mehr kulturpolitischer Sprecher sein kann, weiterhin öffentliche Stadtführungen durch den Römer abhalten darf?

Oberbürgermeister Mike Josef:

(fortfahrend)

Herr Wehnemann, wir haben bei uns vonseiten der Stadt eine klare Regelung: Wenn Magistratskolleginnen und -kollegen oder Ämter auf das Hauptamt zugehen, dann werden nur Gästeführerinnen und Gästeführer über die TCF beauftragt, die zertifiziert sind und zu dieser Zertifizierung gehören Schulungen, in denen beispielsweise auch klar das Bekenntnis zu den Institutionen der Stadt und zur Offenheit gegenüber den Gästen unserer Stadt geäußert wird. Nur solche Gästeführerinnen und Gästeführer werden auch offiziell vonseiten der TCF und der Stadt beauftragt.

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Danke! Da sich kein weiterer Stadtverordneter gemeldet hat, kann Herr Wehnemann eine zweite Zusatzfrage stellen.

Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION:

(Zusatzfrage)

Wie kann es sein, dass ein Mensch, der im Internet immer wieder rassistisch aufgefallen ist und Menschen ständig beleidigt, nicht damit aufhört - auch nicht nach der fünften Gelben Karte aus der eigenen Fraktion -, weiterhin öffentliche Veranstaltungen im Römer abhalten darf und dafür wahrscheinlich sogar noch Geld kassiert und damit Werbung macht?

Oberbürgermeister Mike Josef:

(fortfahrend)

Noch einmal, Herr Wehnemann: Die Beauftragung vonseiten der Stadt geht nur an zertifizierte Gästeführerinnen und Gästeführer und sie stehen zur Weltoffenheit unserer Stadt. Das ist Teil der Schulung, deswegen geht auch die TCF nur auf bestimmte Gästeführerinnen und Gästeführer zu, die offiziell vonseiten der Stadt beauftragt werden.

(Zurufe)

Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 2217

Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION:

"Wir befinden uns im Jahr 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten." Kennen Sie dieses Zitat? Das sind die ersten Worte aus dem 1961 erschienenen Comic "Asterix, der Gallier". Wieso ich von einem Kinder-Comic erzähle? Weil hier in Frankfurt irgendjemand wohl etwas ganz schön falsch verstanden hat. Es gibt nämlich eine Stadtführung durch das Rathaus, die den Eindruck vermittelt, dass Frankfurt das gallische Dorf sei. Sie trägt den Titel "Die spinnen im Römer". So heißt bekanntlich auch unser Rathaus. Frankfurt ist aber kein kleines gallisches Dorf an der Atlantikküste, also bezieht sich der Titel der Führung wohl auf das Rathaus Römer und auf die Menschen, die darin arbeiten. Das sind die Leute in der Verwaltung. Aber natürlich auch die Politiker:innen. Und weil der Obelix in den Asterix-und-Obelix-Comics immer wieder "Die spinnen, die Römer" sagt, heißt die Führung wohl so. Das soll witzig sein. Dass die Person, die die Führung anbietet, trotzdem in ein Obelix-kostüm steigt, ist deswegen ganz schön peinlich. Denn der Römer in Frankfurt hat mit den Römern bei Asterix und Obelix gar nichts zu tun. Auch etwas anderes macht mich stutzig: Denn die Gallier aus dem kleinen Dorf sind radikale Antifaschisten. Asterix und Obelix verteidigen ihr Dorf, denn da begegnen sich alle mit Respekt. Trubadix darf singen, obwohl er das nicht gut kann. Asterix wird nicht gemobbt, weil er klein ist. Obelix wird dafür gemocht, dass er ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat und Majestix regiert das Dorf, indem er allen Respekt entgegenbringt. Das klingt sehr schön, oder? Wäre das Dorf nur nicht von den übermächtigen Römern umzingelt. Die Römer wollen das Dorf einnehmen und den Galliern ihre Kultur aufzwingen. Sie halten sich und ihre Kultur nämlich für das Beste überhaupt. Deswegen wollen sie es anderen mit Gewalt aufzwingen. Das nennt man Faschismus! Deswegen kämpfen Asterix und Obelix gegen die Römer und den Faschismus, denn beide wissen, Antifaschismus ist und bleibt Handarbeit.

Was das nun mit der Führung durch den Römer zu tun hat? Eigentlich denkt man, dass alle im Römer Vielfalt und Respekt gut finden. Jedoch der Mann, der im Obelix-Kostüm durch den Römer führt, der sieht das gar nicht so. Der bezeichnet im Internet andere Menschen als Affen oder andere Politiker und Parteien als Warzen; der will manche Menschen gar entsorgen. Der macht das immer wieder! Man spricht hier von einem gesichert rassistischen Weltbild. Das klingt nicht nach einem echten Gallier, oder? Dieser Mann führt jedes Jahr ganz viele Menschen durch den Römer. Das finden wir ganz schön schlimm, denn das sieht für alle in Frankfurt doof aus, wenn Gäste kommen und unser Rathaus sehen wollen, aber von einem herumgeführt werden, der am Tag vorher noch Minderheiten auf Facebook rassistisch beleidigt hat und dann allen Ernstes mit der Aussage, das sei ja nur eine selbst geschaffene Kunstfigur, versucht, die ganze Stadt für dumm zu verkaufen. Was ihm natürlich niemand glaubt, außer seiner Fraktionsvorsitzenden. Das muss nicht sein! Für diesen Job lassen sich aufrichtige Gallier und Frankfurter finden, die Dritte nicht rücksichtslos beleidigen. Deshalb hoffen wir, dass unser Oberbürgermeister das auch so sieht, denn er kann dafür sorgen, dass Rassistinnen und Rassisten künftig keine Führungen mehr im Römer anbieten.

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Gannoukh von der SPD-Fraktion. Bitte!

Stadtverordneter Abdenassar Gannoukh, SPD:

Lieber Stadtverordnetenvorsteher,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren!

Thomas Bäppler-Wolf ist kein Rassist.

(Zurufe)

Er ist ein engagierter Stadtverordneter und als Teil unserer Stadtgesellschaft hilfsbereit und sozial engagiert. Thomas Bäppler-Wolf ist ebenfalls Bäppi. Als Künstler verdient er in dieser Rolle sein Geld mit Shows, Theaterstücken oder als Stadtführer - mal mit, mal ohne Verkleidung. In dieser Rolle hört er den Menschen zu, nutzt seine Rolle für Kritik an der Politik und an der gesellschaftlichen Entwicklung. So kritisiert er auch auf der Bühne die rechtsextreme Entwicklung in unserer Gesellschaft. Er bringt immer wieder große Menschenmengen zusammen, zum Beispiel bei der Fastnacht, und erklärt, welch Geistes Kind die AfD ist. Er stellt sich seit Jahren gegen den Antisemitismus in unserer Gesellschaft.

(Zurufe)

Wo andere nur sprechen, lässt er Taten folgen, wie sich die letzten Monate erneut gezeigt hat. Aber er nimmt auch die gesellschaftliche Entwicklung auf die Schippe, immer davon ausgehend, was die Menschen bewegt. So wurde zum Beispiel an Fasching in vielen Reden deutlich, dass Gendern mit Sonderzeichen nicht so selbstverständlich ist, wie das progressive Bündnis in unserem Haus es gerne hätte. Darüber macht der Künstler Bäppi Witze, obwohl er als Thomas nicht queer- oder transfeindlich ist. Bäppi provoziert! Seine Posts sollten allerdings im Kontext seiner künstlerischen Arbeit betrachtet werden, ohne dass sie sofort Thomas Bäppler-Wolf als Eigenschaft zugeschrieben werden.

(Zurufe)

Wer hier direkt einen bösartigen Rassisten sieht, der verliert das Maß. Als Politiker muss Thomas Bäppler-Wolf jedoch auch als Bäppi mehr über seine Wortwahl nachdenken. Er steht mehr unter Beobachtung als seine Kolleg:innen, die auch Künstler:innnen sind. Das haben wir als SPD-Fraktion mit ihm besprochen. Fehler gehören zum Menschsein dazu. Jeder macht Fehler und es gibt einige, die immer schnell mit Urteilen zu anderen Menschen bei der Hand sind. Dabei wäre es so notwendig, dass sie erst einmal bei sich selbst anfangen.

(Beifall)

Thomas Bäppler-Wolf hat es nicht verdient, dass in solch einer Art und Weise, wie sie hier manche Kolleg:innen in diesem Plenum an den Tag legen, über ihn gesprochen wird. Das betrifft im Übrigen auch das ständige Fotografieren in Ausschusssitzungen oder bei offiziellen Anlässen, das ihn nur immer weiter provozieren soll. In diesen turbulenten Zeiten sollten wir demokratischen Parteien uns unterhaken und nicht gegenseitig schlechtmachen.

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Ihre Redezeit ist abgelaufen.

Stadtverordneter Abdenassar Gannoukh, SPD:

(fortfahrend)

Wir haben einen gemeinsamen Feind, und das ist der Rechtsextremismus. Wir kämpfen gegen diese antidemokratischen Tendenzen und dabei ist unsere ganze Aufmerksamkeit gefordert.

Danke!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Ditfurth von ÖkoLinX-ELF. Bitte!

Stadtverordnete Jutta Ditfurth, ÖkoLinX-ELF:

Schönen guten Tag!

Dass man im Jahr 2024 erleben muss, dass eine SPD-Fraktion im Rathaus, das in einer Großstadt liegt, in der es - zu meinem Glück - ungeheuer divers zugeht, einen Rassisten in den eigenen Reihen verteidigt und natürlich nicht deswegen, weil er so ein gutherziger Mensch ist und so tapfer gegen Antisemitismus kämpft, ist unbegreiflich. Wenn man so argumentiert, spielt man Antisemitismus gegen Rassismus aus. Das sind jedoch zwei verschiedene Kämpfe, die aber Überschneidungen haben. Antisemitismus heißt, Jüdinnen und Juden herunterzuputzen, indem man sie überhöht und ihnen Weltmacht und übermäßig Zugriff auf das Leben aller zugesteht und sie deswegen zur Vernichtung freigibt. Der Rassismus beschreibt zu einem großen Teil die Entwertung der Menschen - sie den Tieren gleichzumachen, sie als kulturlos zu beschreiben, sie in die Nähe von Affen zu rücken. Das genau hat Thomas Bäppler getan.

(Beifall)

Und nicht nur einmal, sondern mehrfach. Das Problem ist für mich nicht mehr Bäppler - mit dem setze ich mich auseinander, demnächst auch vor Gericht -, das Problem ist die SPD und eine Fraktionsvorsitzende, die sich hinter einen Rassisten stellt. Die erklärt, und das fand ich interessant in der Rundschau zu lesen, dass nicht ein einziger Stadtverordneter aus dieser Fraktion, die sich sonst zum Teil links geben und auch gut argumentieren in einigen Punkten, den Antrag gestellt hat, Bäppler aus der Fraktion auszuschließen. Diese Entscheidung ist das Zentrum. Wenn dies heute kritisiert wird und Mike Josef eine so schwache Antwort darauf gibt, so verkniffen, so zurückgezogen, so zu wenig auf den materiellen Kern des ganzen Vorwurfs und des Komplexes bezogen, indem er nur sagt, Bäppler-Wolf hätte ein Zertifikat. Na gut, dann hat dieser Rassist von der SPD eben ein Zertifikat. Macht das den Rassismus besser?

(Beifall)

Im Römer gibt es eine ganze Menge Geschichten zu vermitteln, die mit der Kolonialzeit und dem Rassismus zu tun haben. Dieser Mensch ist sagbar ungeeignet für diesen Job und mehrere andere Jobs, die er ebenso in quasi offiziellen Milieus für Museen oder andere Institutionen macht. Aber, wie gesagt, er darf in der SPD-Fraktion bleiben und das ist ein Skandal!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Herr Oberbürgermeister Josef hat sich zu Wort gemeldet. Bitte!

Oberbürgermeister Mike Josef:

Da ich weiß, wie sensibel die Wortwahl in diesem Gremium ist, möchte ich präzisieren, dass ich nicht gesagt habe, dass er zertifiziert ist. Ich habe gesagt, dass wir ausschließlich Gästeführerinnen und Gästeführer beauftragen, die zertifiziert sind. Ob Herr Bäppler-Wolf zertifiziert ist, das weiß ich nicht.

(Zurufe)

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 22. Februar 2024 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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