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Vor über 60 Jahren wurden Anwerbeabkommen zwischen BRD und Türkei, Griechenland, Italien und weiteren Ländern geschlosse

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Es wird vorgeschlagen, die Realisierungsstudie für das Gastarbeiterdenkmal voranzutreiben und die Erinnerungskultur der Gastarbeitenden in Frankfurt zu stärken. Ziel ist es, die Bedeutung der Gastarbeiter in der Stadtgeschichte sichtbar zu machen und eine lebendige Kulturszene zu schaffen.

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Thema Öffentlicher Nahverkehr und neue Mobilität verfolgen

Frage an den Magistrat

Vor über 60 Jahren wurden Anwerbeabkommen zwischen BRD und Türkei, Griechenland, Italien und weiteren Ländern geschlossen. Frankfurter*innen mit diesen Bezügen prägen unsere Stadt heute noch in vielerlei Hinsicht, mittlerweile in der vierten Generation. Das Zusammenleben, die kulturelle Vielfalt aber auch die Kontinuität von Rassismus und Ausbeutung sind Teil dieser gemeinsamen Geschichte. Zur Ehrung der Gastarbeitenden-Geschichte wurde ein Denkmal geplant, dessen Realisierung unzählige Male verschoben wurde.

Ich frage den Magistrat:

Was ist der aktuelle Stand der Realisierungsstudie für das Denkmal, und wie soll darüber hinaus die Erinnerungskultur der Gastarbeitenden als Teil der Frankfurter Geschichte und Identität gestärkt werden?

Antwort des Magistrats

Sehr geehrter Herr Stadtverordneter Telyakar!

Die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, auf dem das "Gastarbeiterdenkmal" geplant war, verzögert sich seitens der Deutschen Bahn leider seit Jahren, weswegen sich der Magistrat 2018 für eine Vor- und Zwischenstufe des Denkmals geeinigt hat. Unter der Federführung des Dezernats Kultur und Wissenschaft und in Abstimmung mit den Dezernaten für Mobilität, Integration und Bildung sowie der VGF, KAV und dem Ortsbeirat 1 wurde der Prozess in den letzten Jahren vorangetrieben und steht nun kurz vor der Realisierungsreife.

Ein vom Kulturamt ausgelobter studentischer Ideenwettbewerb erbrachte Ende 2018 vielversprechende Resultate und rückte die Tiefgeschosse des Hauptbahnhofs ins Zentrum der Überlegungen. Gemeinsam mit der Agentur Markgraph konzeptionierten die beteiligten Dezernate, Ämter und Gremien auf dieser Grundlage eine urbane Intervention zum Themenkomplex "Gastarbeiter" im U-Bahnhof des Hauptbahnhofes.

Dies beinhaltet eine grundlegende Umgestaltung des U-Bahnstationsbereichs der Linien U 4 und U5 der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, um auf die elementare Bedeutung der "Gastarbeiter" in der Geschichte der Stadt Frankfurt hinzuweisen, die sich keineswegs im Bau der U-Bahn in den 1960er Jahren erschöpft. Mit bunt belebter Wandvertäfelung und plakativen Schriftbändern kündigt sich das Thema bereits in den Treppenbereichen an. "Kommen - Gehen - Bleiben" soll hier künftig zu lesen sein und damit das Motiv des Reisens und Pendelns mit dem der Migration verbunden werden: 14 Millionen Menschen kamen als "Gastarbeiter" nach Deutschland, elf Millionen verließen das Land schon bald wieder, drei Millionen blieben langfristig.

Auf den Bahnsteigen geben Litfaßsäulen Denkanstöße und hinterfragen Sprechgewohnheiten mit Sätzen wie "Ein Wirtschaftswunder, wenn die Gäste arbeiten". Die Außenwände werden mit Mosaiken gestaltet, die Wortspiele mit Bewegungsverben wiedergeben. Im übertragenen Sinn verweisen sie auf Werte, auf gesellschaftliche Zusammenhänge und Lebensläufe: "(zusammen) stehen - (etwas) bewegen - (er)fahren" und so weiter. Die Wortspiele sind selbst dynamisch, teilweise animiert reagieren sie auf die Bewegung der Passantinnen und Passanten, wechseln die Sprache und laden zur Interaktion ein. Auf den Bahnsteigen sind bestimmte Wandbereiche mit Zitaten und Begriffen außerdem als Interface für eine digitale Erweiterung gestaltet. Mit dem eigenen Smartphone haben Interessierte Zugang zu einem Geschichten- und Erzählraum zum Thema "Gastarbeiter" und Migration. Über eine eigene Website soll das Projekt offen für Rückmeldungen und jederzeit aktuell bleiben.

Die Aufwertung des Ortes in eine atmosphärische und lebendige Kulturszene ist gleichzeitig Symbol und Anerkennung für eine gesellschaftliche Transformationsleistung, von der die gesamte Stadt nachhaltig profitiert. Ein frischer, unkonventioneller und gegenwärtiger Zugang soll die immer noch dominierende Erzählung einer homogenen Mehrheitskultur, die sich vom Fremden abgrenzt, unterlaufen. Das Konzept begreift Kultur dabei als einen ständigen, dynamischen Prozess und Integration nicht als einseitige Assimilation, sondern gegenseitigen Austausch.

In den vergangenen Monaten wurde das Konzept auf seine technische Machbarkeit und konkrete Realisierungsformen untersucht sowie eine Kostensimulation erstellt. Entsprechende Planungsmittel wurden durch das Dezernat Kultur und Wissenschaft für die kommenden Haushalte angemeldet. Für die konkrete Umsetzung hat das Dezernat für Mobilität die Federführung übernommen.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 7. Dezember 2023 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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