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Die hessische Kreisstadt Bad Schwalbach hat sich nach der Diskussion über ein mögliches Kunstrasenverbot für eine Fasert

Vorlagentyp: F
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Frage vom 22.08.2019, F 2023 Die hessische Kreisstadt Bad Schwalbach hat sich nach der Diskussion über ein mögliches Kunstrasenverbot für eine Fasertechnik entschieden, die ohne Gummigranulat, Quarzsand oder Kork auskommt. Ein besonderer Vorteil ist auch, dass Kunstrasenplätze mit Fasertechnik ohne Bewässerung auskommen.

Ich frage den Magistrat: Ist dem Magistrat eine solche Fasertechnik für Kunstrasenplätze bekannt, und, wenn ja, aus welchen Gründen hat der Magistrat eine solche Befüllung bisher nicht in Betracht gezogen?

Antwort des Magistrats: Stadtrat Markus Frank: Herr Vorsteher, meine sehr verehrten Damen und Herren! Erst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei den Stadtverordneten bedanken, dass es möglich war, auf unseren rund 60 ungedeckten Sportanlagen 42 Kunst-rasengroßspielfelder und 39 Klein- und Minispielfelder mit Kunstrasen auszuführen. Damit ist die Stadt Frankfurt am Main die Stadt, die die meisten Kunstrasenplätze in der Bundesrepublik Deutschland hat. Das ist für eine Stadt wie Frankfurt am Main ganz besonders wichtig, weil wir unsere Flächen sehr intensiv nutzen. Die Sportverbände wachsen jedes Jahr. Wir haben immer mehr Vereine, die Rasenspielfelder benötigen, und da wir eine gute Ausstattung mit Kunstrasenplätzen haben, können wir es ermöglichen, dass sehr viele Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, Sport treiben können. Insgesamt haben wir, wie gesagt, 42 Kunstrasengroßspielfelder sowie 39 Klein- und Minispielfelder. Vier der Kunstrasengroßspielfelder sind auch mit einem für Hockey geeigneten Belag ausgestattet, der ohne Sand- und ohne Gummigranulatfüllung auskommt. Alle anderen Spielfelder sind mit einer Sand- und Gummigranulatfüllung versehen. Dieses Jahr haben wir uns vorgenommen, sechs neue Kunstrasengroßspielfelder und elf Klein- und Minispielfelder zu errichten. Die Vorteile des Kunstrasenspielfelds gegenüber Spielfeldern mit Naturrasen liegen in der besseren Bespielbarkeit und vor allem in der längeren Nutzbarkeit begründet. Ein normaler Rasenplatz hat eine Nutzzeit von ungefähr 600 Stunden im Jahr, ein Tennenplatz von 1.200 Stunden, der gute Kunstrasenplatz hat eine Nutzzeit von bis zu 2.400 Stunden im Jahr. Das bedeutet, wie Frau Meister schon ausgeführt hat, dass ein Kunstrasenplatz viermal so intensiv genutzt werden kann wie ein Naturrasenplatz. Aus der besseren Nutzbarkeit resultiert natürlich der geringere Flächenverbrauch für Sportflächen in der stark wachsenden Stadt Frankfurt am Main. Auch der Wasserverbrauch ist erheblich geringer bei der Nutzung eines Kunstrasenplatzes im Vergleich zu den Spielfeldern mit Naturrasen. Ich bin der Stadtverordnetenversammlung ganz besonders dankbar, dass wir vor drei Jahren das Sonderbauprogramm Kunstrasen aufgelegt haben. Unser Ziel ist es tatsächlich, dass wir versuchen wollen, auf jeder städtischen Sportanlage einen Kunstrasenplatz zu bauen, jedenfalls dort, wo wir eine Genehmigung bekommen. Es gibt auch Sportanlagen, die sehr umweltnah sind, da wissen wir nicht, ob wir eine Genehmigung bekommen. Aber grundsätzlich wollen wir auf jeder Sportanlage einen Kunstrasenplatz bauen. Die sechs Kunstrasengroßspielfelder und elf Klein- und Minispielfelder wollen wir in diesem Jahr in Bockenheim, im Berkersheimer Weg, in Goldstein, in Nieder-Eschbach, auf der Riederwaldwiese und in Rödelheim bauen. Bei diesen Projekten werden wir Kunstrasenspielfelder ausschließlich mit Quarzsandfüllung bauen. Wir haben leider im letzten Jahr eine Studie vom Fraunhofer Institut bekommen, leider sage ich, weil das Fraunhofer Institut mit den Mengen unpräzise umgegangen ist. Wir haben in der Bundesrepublik Deutschland eine Bauweise, die sich nach der Deutschen Industrienorm richtet. In der Deutschen Industrienorm ist alles vorgeschrieben, sogar wie viel Kunstrasengranulat zu verwenden ist. In Deutschland sind es vier Kilogramm pro Quadratmeter, während das Fraunhofer Institut davon ausgegangen ist, dass man bis zu 20 Kilogramm Kunstrasengranulat pro Quadratmeter verwendet. Deshalb sind die Kunstrasenplätze auf der Liste der vermeintlich umweltschädlichen Orte ganz nach oben geschossen, weil man eben von der vierfachen Menge ausgegangen ist. Ein bisschen habe ich mich darüber gefreut, dass das Fraunhofer Institut sich dieses Jahr im April noch einmal gemeldet hat. Es hat in allen deutschen Städten abgefragt, wie viel Kunststoffgranulat tatsächlich verwendet worden ist. Das ist gut, denn ich glaube, diese Abfrage wird dazu führen, dass das Fraunhofer Institut noch einmal eine neue Studie oder eine Fortschreibung auflegt. Dann wird man merken, dass der Kunstrasenplatz bei den Orten, die vermeintlich umweltschädlich sind, nicht ganz oben landen wird. Insofern glaube ich, dass es klug war, schnell zu reagieren und auf Nummer sicher zu gehen. Die Füllung mit Quarzsand ist eine Technik, die verbreitet ist und sich schon bewährt hat. Sie ist von den Spielergebnissen her nicht ganz so gut wie das Kunststoffgranulat, aber ich glaube, wenn man die Balance halten will - Umweltschutz auf der einen Seite und möglichst qualitativ hochwertige Plätze für die sportbegeisterten Menschen auf der anderen Seite -, dann ist das eine sehr gute Lösung. Deshalb haben wir uns kurzfristig dafür entschieden, die zu bauenden Spielflächen jetzt mit Quarzsand zu befüllen. Herr Bross hat nachgefragt, ob wir wissen, welche anderen Technologien es noch gibt. Ja, Herr Bross. Wir haben ein gutes Monitoring und schauen uns sehr genau um, was in anderen Städten passiert. Auch der Typ Bad Schwalbach ist uns bekannt. Allerdings muss man sagen, er ist noch nicht so bewährt. Er ist einer der ersten Plätze, die so gebaut werden, und er ist auch ungefähr zehn Prozent teurer als die Techniken, die bisher angewandt werden. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, dass wir es erst einmal mit Quarzsand probieren und es ein Jahr nutzen werden, um zu hören, wie die Sportvereine darauf reagieren, ob sie den Weg mitgehen können. Dann werden wir auch noch einmal zum Beispiel in Bad Schwalbach nachschauen, wie das Spielgefühl, der Wasserverbrauch und die Kosten bei dem Typ, den Sie beschrieben haben, sind, um das dann in die Entscheidung miteinzubringen. Hier hat der Magistrat nicht nur sachgerecht, sondern sehr schnell entschieden. Vielen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Es gibt Zusatzfragen. Die erste kommt von Frau Stadtverordneter Kauder von den GRÜNEN. Bitte! Stadtverordnete Natascha Kauder, GRÜNE: (Zusatzfrage) Herr Frank, können Sie bitte etwas zu der Kooperation mit dem Grünflächenamt sagen? Stadtrat Markus Frank: (fortfahrend) Die Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt ist außerordentlich positiv. Man muss wissen, dass das Grünflächenamt den Mitarbeiterstab hat, der das Wissen über Kunstrasenplätze in komprimierter Form fortentwickelt. Wir haben uns schon in der Vergangenheit ganz besondere Mühe gegeben, bei unseren Kunstrasenplätzen so vorzugehen, dass sie so umweltverträglich wie möglich sind. Das bedeutet, dass wir unsere Kunstrasenplätze besonders einfrieden, also Wege und Zäune darum herumbauen, damit so wenig Granulat wie möglich von den Plätzen in die Umwelt gelangen kann. Das sind Maßnahmen, die das Grünflächenamt entwickelt hat, um den hohen Standard beim Umweltschutz auch zu gewährleisten. Darüber hinaus kann man sagen, dass das Grünflächenamt gemeinsam mit dem Sportamt sehr individuelle Anwendungsformen entwickelt hat. Wir haben die kleinen Käfige auf den Sportanlagen, die es in dieser Form erst einmal nur in Frankfurt gibt. Sie sind in einer tollen Kooperation von Grünflächenamt und Sportamt entstanden. In diesem Zusammenhang möchte ich Frau Stadträtin Heilig noch einmal ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit danken. Auch jetzt, als das Fraunhofer Institut mit den Zahlen ein bisschen durcheinander gekommen ist und wir schnell reagieren mussten, war es eine wunderbare Zusammenarbeit. Die Amtsleitungen vom Sport- und Grünflächenamt haben sich zusammengetan - ich war auch dabei -, und wir haben ziemlich schnell entschieden, wie wir es machen wollen. Das ist sicher ein Beispiel von dezernatsübergreifender, funktionierender Vorgehensweise.

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Wehnemann von der FRAKTION. Bitte! Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION: (Zusatzfrage) Herzlichen Dank! Der DFB ist ja der größte Verband, der Kunstrasenplätze in Deutschland nutzt. Gibt es dahin gehend eine Kooperation und Gespräche mit dem DFB? Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Ich darf die Technik bitten, das Mikrofon anzulassen. Üblicherweise schalte ich das Mikrofon nur ab, wenn es einmal notwendig sein sollte. Danke! Stadtrat Markus Frank: (fortfahrend) Das Vergnügen hatte ich noch nicht, Herr Vorsteher. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Aber andere.

(Heiterkeit) Stadtrat Markus Frank: (fortfahrend) Ich werde mir allergrößte Mühe geben, das nicht zu provozieren. Ja, mit dem DFB, das wissen Sie, hatte ich in den letzten Jahren sehr viele Gespräche und eine intensive Zusammenarbeit. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir mit dem DFB die Kunstrasenplätze planen, sondern die Fußballvereine, die Mitglied im DFB sind, nutzen die Plätze, die wir mit dem Know-how des Grünflächenamtes bauen. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die dritte Zusatzfrage kommt von Frau Christann von den LINKEN. Bitte! Stadtverordnete Monika Christann, LINKE.: (Zusatzfrage) Seit 2017, und spätestens auch seit der Fraunhofer-Studie im letzten Jahr, hat die LINKE. immer wieder die Bedenken gegen die Kunstrasenplätze geäußert. Wir hatten fast in jeder Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Sport deswegen Auseinandersetzungen. Sie haben die Bedenken immer vom Tisch gewischt. Jetzt ist es bereits ein Jahr her, dass wir auf die Fraunhofer-Studie hingewiesen haben. Finden Sie denn wirklich, dass das angesichts der Umwelt- und Gesundheitsschäden eine schnelle Reaktion ist, dass Sie erst nach einem Jahr, und vermutlich auch auf Druck von außen, anfangen zu reagieren? Stadtrat Markus Frank: (fortfahrend) Sie haben recht, es ist ungefähr ein Jahr her, dass das Fraunhofer Institut sein Gutachten, wenn man es so nennen darf, veröffentlicht hat. Jetzt wissen wir, dass die Zahlen in dieser Schrift falsch sind. Insofern hat doch der Magistrat, indem er gut überlegt hat und die Zahlen, die in der Zusammenfassung des Fraunhofer Instituts gestanden haben, mit Normen, die wir verwenden, verglichen hat, richtig gehandelt und ist auf Ihre Forderungen eben nicht eingegangen. Insofern war das Vorgehen des Magistrats doch genau richtig.

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die vierte und letzte Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Klingelhöfer von der SPD-Fraktion. Bitte! Stadtverordneter Jan Klingelhöfer, SPD: (Zusatzfrage) Wir hatten im Jahr 2018 und auch in diesem Jahr sehr heiße Sommer mit wenig Niederschlag. Es gibt auch noch andere Umweltkriterien, wie wir es auch von Fridays for Future und anderen Gruppen bei jeder Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Sport gehört haben. Meine Frage lautet daher: Wie groß ist zum Beispiel beim Wasserverbrauch der Unterschied zwischen einem Kunstrasenplatz und einem Naturrasenplatz? Es wird von vielen gefordert, keine Kunstrasenplätze mehr zu bauen, sondern Naturrasenplätze. Stadtrat Markus Frank: (fortfahrend) Der Unterschied ist gigantisch. Einmal geht es darum, dass der reine Vergleich von Kunstrasen mit Naturrasen schon eins zu vier ist. Also, der Naturrasen braucht ungefähr viermal so viel Wasser - nachher werde ich Ihnen die genauen Zahlen liefern. Wenn die gleiche Spieldauer erreicht werden soll, müssten schon vier Naturrasenplätze nebeneinander gebaut werden, um die gleiche Spielintensität zu erreichen. Das bedeutet, es multipliziert sich noch einmal miteinander. Wenn ich eine komplette Überprüfung oder Umweltrelevanz herbeiführen würde, glaube ich, dass es eine gute Lösung ist, Kunstrasenplätze zu bauen, und zwar vom Flächenverbrauch her bis hin zum Wasserverbrauch. Ich habe mich gefreut, dass die jungen Leute in den Ausschuss für Umwelt und Sport kamen. Das Thema Kunstrasenplatz stand auch auf der Tagesordnung. Aber als dann der Sportdezernent die Fakten vorgetragen hat, war leider niemand mehr von Fridays for Future da. Das fand ich sehr schade. Insofern konnte das Wissen nicht überspringen. Aber wahrscheinlich sind sie jetzt im Internet, verfolgen den Audiostream und hören mich. Deshalb weiß jetzt jeder, wie sinnvoll es ist, auch weiterhin Kunstrasenplätze zu bauen.

(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Michael Bross

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 22. August 2019 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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