Zum Inhalt springenZur Navigation springenZum Fußbereich springen
Ortsbeiräte
Nachbarschaft
Abo

Der BUND forderte Anfang August 2019 von den Städten ein radikales Umdenken beim Trinkwasser. Ein sinnvoller Vorschlag d

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.

Unabhängig. Kostenlos. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.

Thema Wohnen verfolgen

Inhalt

Frage vom 22.08.2019, F 2008 Der BUND forderte Anfang August 2019 von den Städten ein radikales Umdenken beim Trinkwasser. Ein sinnvoller Vorschlag der Umweltschützer war der Einsatz von Brauchwasser. Frankfurt hatte vor 1945 ein Brauchwasserleitungssystem in industrienahen Gebieten im Osten und Westen der Stadt. Diese wurden nicht nur im Krieg zerstört, sondern auch im Zuge des Wiederaufbaus als überflüssig erachtet. Heute ist dies als größerer städteplanerischer Fehler zu bewerten. Deshalb frage ich den Magistrat: Gibt es in Anbetracht der immer größer werdenden Trink wasserknappheit Überlegungen zur Wieder- oder Neuinstallation von Brauchwasserleitungen in Frankfurt?

Antwort des Magistrats: Stadtrat Markus Frank: Herr Vorsteher, lieber Herr Ochs! Ich weiß ja, dass Sie sich sehr viel Mühe geben, wenn es um die Historie und die Gegenwart in unserer Stadt geht. Sie haben ausgeführt, dass früher, gerade industrienah, Brauchwasser genutzt wurde. Ich darf Ihnen jetzt erst einmal mitteilen, dass das heute genauso immer noch stattfindet. Im Industriepark Höchst zum Beispiel gibt es ein sehr großes, ein ausgiebiges Brauchwassernetz, bei der Allessa übrigens auch. Ich habe hier auch irgendwo noch - ich will es ein bisschen verkürzen und uns ein bisschen was ersparen - Mengen, wie das Brauchwasser überall dort genutzt wird, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist. Gerade im Gewerbe und in der Industrie wird ja heute schon Brauchwasser genutzt. Gleichwohl könnte man an der einen oder anderen Stelle noch mehr Brauchwasser nutzen. Das ist vor allem eine wirtschaftliche Frage, denn im Gegensatz zu dem WLAN an Schulen braucht man für das Brauchwasser tatsächlich neue Netze und das bedeutet, sie müssen da fleißig Rohre verlegen, und das ist sehr teuer. Insofern macht eine Brauchwasserverrohrung in Privathaushalten maximal dort Sinn, wo man große Flächen neu entwickelt und nicht in einem Altbau die ganzen Mieter und Bewohner sozusagen mit dem Verlegen von neuen Leitungen nervt. Bei neuen großen Flächen ist es sinnvoll und kann es auch wirtschaftlich sein, bei der Industrie, im Gewerbe ist es sinnvoll, wird es auch schon gemacht und die industrienahen Netze bestehen auch immer noch fort. Wenn ich jetzt hier genau reinschaue, darf ich Ihnen auch mitteilen, dass es vor dem Krieg auch kein Netz gab, das aus der Industrie in die Stadt verlegt wurde, sondern das waren interne Netze, die eben für die Industrie genutzt wurden. Ich hoffe, die Auskünfte bringen Sie weiter, lieber Herr Ochs. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die erste Zusatzfrage ist vom Fragesteller. Herr Ochs, bitte schön! Stadtverordneter Bernhard E. Ochs, FRANKFURTER: (Zusatzfrage) Vielen Dank, Herr Frank, für Ihre richtige Antwort. Aber bei älteren Menschen ist das so, die haben halt mehr ein rückwärtiges Erinnerungserlebnis. Aber meine Frage war: Gibt es denn ein Gesamtkonzept oder ist denn geplant, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, worin die Brauchwasserleitungen vorkommen, wo die Wasserleitungen drin vorkommen, Abwasser und so weiter? Von einem Konzept hatten Sie jetzt nichts gesagt. Stadtrat Markus Frank: (fortfahrend) Na ja, wir haben in unserer Stadt ein sehr hochwertiges Trinkwassernetz und eben auch ein sehr hochwertiges Abwassernetz und ich hoffe, dass das rüberkam. Im Privatbereich machen Brauchwasserleitungen zurzeit wenig Sinn, weil es wirtschaftlich sehr aufwendig ist, nicht nur die Leitungen zu verlegen, sondern eben auch dieses Netz aufzubauen. Sie brauchen ja sozusagen eine Stelle, die das Brauchwasser herstellt, und das nicht zentral, sonst haben sie noch ein größeres Problem, sondern dezentral und da müssen sie dann die Toilettenspülung, das wäre vielleicht eine sinnvolle Möglichkeit, anschließen, aber wirtschaftlich macht das dort, wo Häuser stehen, keinen Sinn. Das macht maximal Sinn in Neubaugebieten, und dort wird so etwas natürlich auch überlegt, ob man so etwas macht und ob das wirtschaftlich sinnvoll ist. Aber im bestehenden Wohnungsbau ist es nicht wirtschaftlich. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die zweite Zusatzfrage ist von Herrn Dr. Rahn, bitte schön! Stadtverordneter Dr. Dr. Rainer Rahn, AfD: (Zusatzfrage) Herr Stadtrat, der Fragesteller hat die Trinkwasserknappheit angesprochen. Es ist ja zu erwarten, dass sie in Zukunft zunehmen wird durch die zunehmende Bevölkerung, aber auch die Dürreperioden, die wir im Sommer immer haben. Was planen Sie den konkret, um diesem steigenden Wasserbedarf etwa bis ins Jahr 2030 entsprechen zu können? Stadtrat Markus Frank: (fortfahrend) Dazu, lieber Dr. Rahn, hat der Magistrat mehrfach berichtet.

(Zurufe) Ja gut, aber aus Gründen der Zeiteffizienz werde ich jetzt einmal darauf verzichten, dieses Grundsatzreferat der Trinkwasserversorgung 2060 zu halten, sondern verweise einfach auf die Berichte, die wir Ihnen auch schon schriftlich gegeben haben. Wir haben durch den sehr dynamischen Stadtverordnetenvorsteher hier ein Parlamentsinformationssystem, durch das Sie mit wenigen Klicks sich sozusagen diese Fakten dann auch noch einmal reinziehen können. Für den Fall, dass es nicht funktioniert, stehe ich Ihnen zur Verfügung. Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 2008 Stadtverordneter Bernhard E. Ochs, FRANKFURTER: Sehr geehrter Herr Vorsteher, werte Kolleginnen und Kollegen Stadtverordnete! Bei der Frage Nr. 2008 ging es um die Historie oder um die Neukonzeption von Brauchwasserleitungen in Frankfurt am Main. Die Frage fand ich jetzt nicht hinreichend beantwortet von Stadtrat Frank, aber man kann auch momentan nicht viel dazu sagen in Frankfurt, weil das eine zukunftsorientierte Geschichte ist. In der Historie - das war richtig bemerkt - gab es in industrienahen Stadtteilen, wie im Frankfurter Osten oder im Frankfurter Westen, vor dem Zweiten Weltkrieg Brauchwasserleitungen und -anlagen, die aber sogar über die Industrieandienung hinausgingen. Diese Brauchwasserleitungen wurden infolge des Krieges zerstört. 1945 gab es andere Prioritäten, da ging es mehr um den Neubau von Wohnungen und den Neubau von Betrieben als um die Wiederherstellung von Brauchwasserleitungen. Man befand sie nach 1945 sprichwörtlich als überflüssig. Zufälligerweise war letzte Woche im HR-Fernsehen ein Interview mit einem Wasserwissenschaftler - ich glaube, der Mensch hieß Dr. Zimmermann -, der nach der allgemeinen Situation des Wassers und des Trinkwassers in Hessen befragt wurde. Er bezog sich für Frankfurt auf die Leitung aus dem Vogelsberg und sagte, dass dort die Ausschöpfung immer geringer wird und wir uns in den nächsten Jahren mehr auf das Riedwasser beziehen werden müssen beziehungsweise auf das Wasser aus dem Stadtwald. Dann wurde er gefragt, was denn eine Alternative in Anbetracht des Klimawandels und der immer weniger werdenden Grundwasser- und Trinkwasserressourcen wäre. Da hat er unter anderem auch erwähnt, dass man wieder Brauchwasserleitungen installieren sollte, so wie früher. Es wird heute meistens in Einzelhäusern gemacht, da haben viele Leute dann im Vorgarten ihre Zisterne, die sie für Brauchwassersysteme benutzen. Aber es wird eben auch mehr und mehr in Neubaugebieten gemacht oder für Blockanlagen und so weiter. Dr. Zimmermann sagte aber auch, dass die Brauchwasseranlagen auf die Städte erweitert werden müssten, über die Neubauten hinaus. Weiterhin sagte er, dass das Wasser der neuen Brauchwasseranlagen, die mittlerweile in Deutschland und sonst wo installiert werden, sogar Trinkwasserqualität hätte. Das heißt, man sollte das Brauchwasser nicht täglich trinken, aber man könnte das Brauchwasser auch trinken. Es hat fast Trinkwasserqualität. Wasser wird für uns alle ein großes Problem. Ich war Anfang des Jahres in Israel und Jordanien und habe mich dort auch unter anderem mit dem Thema Wasser und Trinkwasser befasst. Beide Länder beschimpfen sich natürlich gegenseitig, dass sie illegal Wasser aus dem Jordan abzapfen. Jordanien hat beispielsweise noch für 30 Jahre Trinkwasser ... Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Herr Ochs, Sie haben aber nicht mehr für 30 Minuten Redezeit, es sind nämlich nur drei, die Sie hier haben. Ich würde Sie bitten, zum Ende zu kommen. (Heiterkeit) Stadtverordneter Bernhard E. Ochs, FRANKFURTER: (fortfahrend) Okay, ich mache Schluss. Es werden also in nächster Zeit - ich befürchte es - nicht nur Flüchtlinge wegen Armut an den Grenzen von Europa stehen, sondern auch wegen Wasserknappheit. Vielen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Lange von der CDU-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordneter Robert Lange, CDU: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine sehr geehrten Damen und Herren! Lieber Bernhard Ochs, dass Wasser in Deutschland oder an anderen Stellen knapp werden könnte, das mag der Fall sein. Sicherlich, insgesamt auf der Welt haben wir genug Wasser, wir müssen nur sorgsam damit umgehen. Die Missdeutung hast du korrigiert, du hast sie relativiert und hast gesagt, dass es industrielle Brauchwassersysteme auch heute noch in Frankfurt gibt, insofern brauche ich darauf nicht weiter eingehen. Die Fragen, die sich stellen, lauten: Brauchen wir wirklich in Frankfurt überall Brauchwasserleitungen? Gibt es keine anderen Lösungen dafür? Wie gesagt, industrielle Brauchwasserlösungen haben wir bereits. Ein guter Schritt der Stadt Frankfurt in der aktuellen Vergangenheit war zum Beispiel, die Trinkwassereinspeisungen über eine Investition auf dem Frankfurter Hauptfriedhof einzusparen und dort eine Brauchwasserleitung anzulegen. Das ist ganz aktuell, insofern haben wir den Schritt bereits verstanden und begehen ihn auch dort, wo es geht. Stadtrat Frank wies bereits darauf hin, dass das insbesondere in Neubaugebieten der Fall ist, weil das im Bestand sehr aufwendig ist, auch die Mieter betreffen würde und sehr teuer ist. Zu berücksichtigen bleibt aber bitte bei der ganzen Diskussion über Trinkwasser auch, dass seit 1990 deutschlandweit der Trinkwasserbedarf kontinuierlich gesunken ist, wenn auch nur leicht. Immerhin ist dieser deutlich niedriger als in vielen anderen Ländern dieser Welt, insbesondere den meisten Industrieländern, mit Ausnahme von Belgien. Darüber hinaus bestehen auch durch steigende Wasserpreise an sich Anreize zum Sparen, aber dabei muss man berücksichtigen und warnen, dass es gegebenenfalls leichtfertig wäre, jetzt einfach die Trinkwasserpreise erhöhen zu wollen. Dadurch würde nur der Fixkostenanteil steigen. Zu vermeiden bleibt also, die Kosten für neue zusätzliche Brauchwasserleitungen zu leisten, um gegebenenfalls später feststellen zu müssen, dass wir unter anderem Flüsse, Seen und andere Gewässer in sehr starken Trockenphasen ohnehin schonen und auch dann auf dieses Brauchwasser verzichten müssen. Fazit: Ja, wir werden auch weiterhin in Frankfurt mit Wasser behutsam umgehen. Dazu gehört für Frankfurt jedoch auch, insgesamt und nachhaltig zu haushalten, nicht nur mit den Finanzen, sondern auch mit den Grün- und Freiflächen sowie mit sauberer Luft und Wasser. Das bedeutet aber auch, dass wir die Landflucht aus den Dörfern dieses Landes, die ungezügelt sein könnte, verhindern müssen. Wir müssen den ländlichen Raum stärken und wir müssen mit aller Kraft vermeiden, unnötige Versiegelung in Frankfurt zuzulassen. Auch das würde letztendlich durch eine weitere Steigerung den Wasserverbrauch erhöhen. Vielen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Podstatny von der SPD-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordneter Roger Podstatny, SPD: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Bernhard! Ich freue mich, dass du dieses wichtige Thema in deiner Frage aufgenommen hast, aber immer, wenn du hier vorne bist, dann hat das so einen Erzähl-Charakter, weil du das immer so schön blumig darstellst. Ich möchte aber klarstellen, die Sozialdemokraten fordern deutlich mehr Brauchwassernutzung, weil ein Großteil des Wassers, das wir hier in Frankfurt verbrauchen, nicht aus Frankfurt kommt, sondern aus Gebieten wie dem Ried, dem Vogelsberg oder dem Spessart hier nach Frankfurt gepumpt wird. Es gibt schon die eine oder andere Protestaktion, die besagt, das Wasser nicht mehr nach Frankfurt abgeben zu wollen. Auch das sollten wir berücksichtigen. Deswegen ist es gut und richtig, dass man bei Neubaugebieten, bei neuen Siedlungsflächen und da, wo man die Möglichkeit hat, planerisch von Anfang an etwas Vernünftiges zu machen, Brauchwasserleitungen entsprechend vorsieht. Das ist aber nur sinnvoll, wenn man etwas für das Brauchwasser hat. Das heißt, man muss eine Regenwassernutzung oder einen Brunnen oder eine sogenannte Grauwassernutzung - das wird bis jetzt noch sehr wenig gemacht - vorsehen. Das heißt, dass man das Wasser, das für Baden und Duschen benutzt wird und nur ganz gering verschmutzt ist, noch zum Beispiel für die Toilettenspülung benutzen kann. Solche Systeme kann man in Neubaugebieten machen. In den Bereichen, in denen wir schon eine sehr starke Belegung der unter den Straßen befindlichen Dingen, wie Abwasserrohrleitungen und Trinkwasserrohrleitungen, Gas- und Stromleitungen, haben, wird es schwierig, noch eine zusätzliche Leitung reinzubringen. Das kann man höchstens machen, wenn sowieso Reparaturarbeiten anstehen. Dann kann man sinnvollerweise etwas ergänzen. Der erste Zielpunkt ist also ganz klar: Wir müssen in den Neubaugebieten Entsprechendes vorsehen. Wir brauchen eine Regenwassernutzung. Ein erster Schritt wäre, den Menschen erst einmal klarzumachen, dass wir auch mit dem Regenwasser ein Problem haben, nämlich durch die getrennte Erfassung des Regenwassers auf versiegelten Flächen. Seit diesem Jahr muss, sowie die Stadtverordneten es beschlossen haben, für versiegelte Flächen auch eine Abwassergebühr bezahlt werden. Da ist es noch attraktiver geworden, das Wasser eventuell auf dem Grundstück versickern zu lassen. Dann hat man deutlich geringere Kosten. Wir müssen also alles dransetzen, dass unser Bedarf an Wasser geringer wird, wir mehr Wasser, was wir sowieso schon einmal genutzt haben, weiter nutzen, da es uns kostenlos zur Verfügung steht, wie auch das Regenwasser. Wenn wir das tun, sind wir auf einem guten Weg. Danke schön!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Danke schön! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Schenk von der BFF-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordneter Patrick Schenk, BFF: Herr Vorsteher, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe eben wieder viel gehört: Man sollte, man könnte, man müsste. Unsere Fraktion, die BFF, hat schon vor ungefähr sechs Jahren einen Antrag gestellt, die in den Stadtteilen vorhandenen Trinkwasserbrunnen zu revitalisieren. Die Antwort des Magistrats war damals, das ginge nicht, weil das keine Trinkwasserqualität hätte. Das Grundwasser, das da hochgepumpt wird, das vorhanden ist, wäre zu schlecht. Soweit sind wir einverstanden. Hätte man allerdings, Bernhard, dieser Forderung, die du jetzt in anderer Form hier eingebracht hast, Folge geleistet und hätte wenigstens das Brauchwasser hochgepumpt, dann hätten wir heute nicht die vertrockneten Bäume in den Stadtteilen. Dieses Wasser könnte in vielerlei Hinsicht verwendet werden. Die Parolen also, die wir hier hören, man müsste, man sollte und man könnte, die hören wir jetzt schon seit sechs Jahren. Deine Frage hat dazu beigetragen, dem Magistrat endlich einmal Dampf unter dem Hintern zu machen. Liebe Kolleginnen und Kollegen der Regierungskoalition, legen Sie endlich los. Vielen Dank!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Hahn von der LINKE.-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordnete Pearl Hahn, LINKE.: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren! Ich bin dankbar, dass so viele Fraktionen heute positiv gegenüber Brauchwassernetzwerken gestimmt sind, auch wenn es ein paar kritische Stimmen gab. Wir wissen, es gab 2018 monatelange Trockenheit im Sommer. 2018 war Frankfurt die heißeste Stadt in ganz Deutschland. 2019 ging es weiter mit Temperaturen bis knapp 40 Grad und auch darüber. Nun, das ist der von Menschen gemachte Klimawandel und das wird in der Zukunft immer mehr zur Normalität werden. So sieht unsere Zukunft aus. Frau Heilig und das Umweltdezernat oder das Umweltamt haben neulich berichtet, dass 97 Prozent unserer Bäume krank sind. Bäume in allen Stadtteilen, in Grünanlagen, in Parks, im Stadtwald. Wegen der Trockenheit im Sommer müssen die Bäume in dieser Stadt manuell bewässert werden, damit sie überhaupt eine Überlebenschance bekommen. Das ist ein gravierendes Problem. Natürlich müssen wir in Zukunft über mehr Personal sprechen - mehr Personal für das Umweltamt und mehr Personal für das Grünflächenamt, damit wir Klimaanpassungsstrategien und Maßnahmen adäquat umsetzen können. Die LINKE.-Fraktion hat am 15. August den Antrag NR 929 mit dem Titel "Brauchwassernetz zur Bewässerung der Stadtbäume" eingebracht. In dem Antrag haben wir gefordert, dass der Magistrat bitte prüfen und berichten soll, wie für die Bewässerung der Stadtbäume ein Brauch- und Flusswassernetz geschaffen werden kann. Ich wäre sehr, sehr glücklich, wenn diesem Antrag mit Prüfung und Berichterstattung in der nächsten Runde im Ausschuss für Umwelt und Sport zugestimmt werden würde, damit wir überhaupt die Zahlen bekommen, was möglich ist, wie es mit den Kosten aussieht, was technisch machbar ist und wie lange es dauern würde. Wir haben im Antrag darauf aufmerksam gemacht, dass diese Idee und diese Debatte eigentlich schon länger vorhanden ist, sogar vor meiner Zeit, zu Zeiten der Koalition von CDU und GRÜNEN. Es ist wichtig, dass wir diese Debatten mit mehr Intensivität weiterführen, denn das Nutzen von Trinkwasser zur Bewässerung unserer Grünanlagen ist einfach nicht nachhaltig. Wir brauchen deswegen Brauchwassernetzwerke, mindestens in Neubaugebieten. Hoffentlich sollten wir mindestens das in dieser Amtszeit beschließen können, und auch wenn es für manche eine Insellösung ist, sehe ich das als ziemlich wertvolle Insellösung. Wir können aber auch gerne darüber reden, wo es möglich ist und wie es mit den Kosten in bestehenden Bau- und Wohngebiete aussieht. Wir können nicht weiter einfach nur Trinkwasser aus dem Vogelsberg, das sehr wertvoll ist ... Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Frau Hahn, Ihre Redezeit ist überschritten. Stadtverordnete Pearl Hahn, LINKE.: (fortfahrend) Okay. Dann melde ich mich gleich noch einmal. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Nein, weil die Gesamtredezeit schon überschritten ist. (Heiterkeit) Stadtverordnete Pearl Hahn, LINKE.: (fortfahrend) Schade. Ich komme nicht zu meinem letzten Punkt. Der war wichtig und gut. Na ja. Danke schön!

(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die nächste und letzte mir vorliegende Wortmeldung kommt von Frau Stadtverordneter Hanisch von der GRÜNEN-Fraktion. Bitte! Stadtverordnete Angela Hanisch, GRÜNE: Sehr geehrter Herr Vorsteher, sehr geehrte Damen und Herren! Ich denke, man muss sich einfach einmal überlegen, was Brauchwasser ist. Brauchwasser gibt es in ganz verschiedenen Qualitäten. Zum einen ist von Regenwasser gesprochen worden, was man durchaus auch einmal trinken kann. Brauchwasser ist aber auch sogenanntes Grauwasser, sogar Schwarzwasser. Man könnte sagen, dass man Wasser in Kaskaden nutzen könnte. Also zuerst das wertvolle Trinkwasser, und wenn es zum Trinken, zum Spülen und Duschen genutzt wurde, taugt es auf jeden Fall noch für die Toilettennutzung. Irgendwann taugt es für uns zu Hause gar nichts mehr. Nach meinem Kenntnisstand hat der Industriepark in Höchst sieben verschiedene Wasserleitungssysteme, weil sieben verschiedene Qualitäten von Wasser fließen. Allerdings auch destilliertes Wasser, das wir privat eher nicht brauchen, zumindest nicht aus dem Wasserhahn. Also, ich denke, es ist etwas komplexer, als es dargestellt wurde. Wir müssen versuchen, dass der Grundwasserspiegel nicht weiter absinkt, insbesondere in der bebauten Stadt, in der sehr viel Regenwasser auf Straßen und Dächern kommt, in die Kanalisation verschwindet und nicht in das Grundwasser versickert. Das kann man realisieren, indem man Freiflächen hat und Wasser von Dächern ins Grüne geleitet wird. In Neubaugebieten ist es üblich, wenn es nicht ein Reihenhaus, sondern ein Gebiet ist, dass sich die Stadtentwässerung anschaut, dass sehr wohl Wasser versickert, und dass das Gelände so angelegt wird, dass, wenn es viel regnet, kleine Rückhaltebecken, die natürlich gebaut werden können und nett aussehen, das Wasser auffangen. Es könnte somit verhindert werden, dass das Wasser eben nicht gleich wegschwimmt und in der Kanalisation verschwindet, sondern dort nach und nach versickert und damit in das Grundwasser geht. Das müssen wir verstärkt machen. Das ist ganz wichtig. Ich wollte darlegen, dass es nicht so ist, als ob das überhaupt nicht geschieht. In der schon bebauten Stadt oder überhaupt in privatgenutzten Gebäuden zwei Wasserleitungen zu installieren, ist aufwendig. Die Mehrinstallation kostet Geld. Bei einem Neubau ist es durchaus machbar und anzuregen, auch von uns als Stadt. Bei den Privaten könnten wir uns überlegen, noch Anreize zu setzen. Ich möchte noch einmal ganz klar sagen: Wir können und sollten das Wasser nicht in alten Trinkwasserbrunnen abpumpen und dann damit gießen, sondern wir sollten mit Regenwasser gießen, Regenwasser versickern lassen. Eine gute Idee ist, was das Grünflächenamt aufgrund der Nähe am Main gemacht hat, die Rasenflächen mit Mainwasser zu gießen. Das ist doch vollkommen okay, es muss kein Trinkwasser sein. Danke!

(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Bernhard E. Ochs

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 22. August 2019 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert

Mitdiskutieren

Ortsbeiratssitzung