Bilingualität und sprachliche Frühförderung sind seit vielen Jahren ein wichtiger Baustein in Frankfurter Kinderbetreuun
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Thema Schulen und Bildung verfolgenInhalt
Frage vom 23.01.2015, F 1952 Bilingualität und sprachliche Frühförderung sind seit vielen Jahren ein wichtiger Baustein in Frankfurter Kinderbetreuungseinrichtungen.
Ich frage den Magistrat: Welche bilingualen oder multilingualen Kinderbetreuungseinrichtungen gibt es bereits in unserer Stadt, mit welchen Sprachen und wie sind die Erfahrungen?
Antwort des Magistrats: Stadträtin Sarah Sorge: Vielen Dank, Herr Stadtverordnetenvorsteher! Meine Damen und Herren, liebe Frau Ross! In Frankfurt am Main gibt es derzeit 43 Kindertageseinrichtungen mit einem bilingualen oder sogar einem multilingualen Angebot: zwölf Einrichtungen mit dem Sprachangebot deutsch/englisch, sieben Einrichtungen deutsch/russisch, vier Einrichtungen deutsch/spanisch, drei Einrichtungen deutsch/französisch, drei Einrichtungen deutsch/italienisch und jeweils eine Einrichtung mit dem Angebot deutsch/chinesisch, deutsch/griechisch, deutsch/türkisch, deutsch/japanisch und deutsch/arabisch; ein multilinguales Sprachangebot haben acht Einrichtungen mit den Sprachen deutsch/englisch und deutsch/französisch und eine Einrichtung mit dem Sprachangebot deutsch/englisch und deutsch/portugiesisch. Diese 43 Kindertageseinrichtungen werden alle von Trägern der freien Jugendhilfe betrieben und befinden sich in 15 verschiedenen Stadtteilen. Eltern, die ein spezielles bilinguales Angebot für ihre Kinder suchen, werden bei der Infobörse Kindertagesbetreuung im Stadtschulamt hierzu speziell beraten und erhalten Listen mit bilingualen Kindertageseinrichtungen. Darüber hinaus arbeiten die Kinderzentren des städtischen Trägers, also Kita Frankfurt, aufgrund des hohen Anteils von Kindern mit unterschiedlichen Herkunftssprachen nach einem Konzept, dass die Mehrsprachigkeit der Kinder und deren interkulturelle Kompetenz generell gezielt unterstützt und fördert. Durchschnittlich 70 Prozent der Kinder, die die städtischen Kinderzentren besuchen, haben eine, manchmal auch mehrere andere Erstsprachen als deutsch. Da besonders viele Einrichtungen von Kita Frankfurt in Stadtteilen mit sogenannten besonderen sozialen Problemlagen liegen, werden viele dieser Kinder mit nur sehr geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen in die Kinderzentren aufgenommen und erwerben erst dort, teilweise sogar nur dort, die deutsche Sprache. Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Entschuldigung, Frau Sorge. Ich darf um etwas mehr Ruhe bitten. Stadträtin Sarah Sorge: (fortfahrend)
Plaudern Sie mit den Kolleginnen und Kollegen des Magistrats oder wollen Sie irgendetwas von mir wissen? In vielen Einrichtungen werden zahlreiche andere Erstsprachen gesprochen. Den höchsten Anteil stellen die Kinder aus türkischen Familien, gefolgt von Familien aus dem arabischen Raum. Hier gibt es jedoch unterschiedliche Dialekte, die sich stark voneinander unterscheiden können. In jedem Kinderzentrum von Kita Frankfurt ist eine pädagogische Fachkraft als Sprachförderbeauftragte tätig. Diese erhält zu Beginn ihrer Tätigkeit eine mehrtägige Fortbildung, in der auch die Themen "Deutsch als Zweitsprache" und "Mehrsprachigkeit" wichtige Aspekte sind. Eine Weiterqualifikation dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgt bei den dreimal jährlich stattfindenden Netzwerktreffen und durch Fortbildungsangebote von Kita Frankfurt. Die Sprachbeauftragten beraten und unterstützen das gesamte Team bei der Umsetzung der alltagsintegrierten Sprachförderung. Bei Bedarf wird für Kinder mit einem besonderen Unterstützungsbedarf Sprachförderung in Kleingruppen angeboten. Zwei- beziehungsweise Mehrsprachigkeit wird dabei als wichtige Ressource gesehen, die Wertschätzung und Einbindung anderer Erstsprachen und Kulturen ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr wichtig. Sie wird auch in den Konzeptionen zur Sprachförderung fest verankert.
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die erste Zusatzfrage kommt von Herrn Dr. Dürbeck. Bitte! Stadtverordneter Dr. Thomas Dürbeck, CDU: (Zusatzfrage) Frau Stadträtin, vielen Dank für den beeindruckenden Bericht. Es gibt eine Expertise zur Situation und zum Handlungsbedarf der Kindergärten der Stadt Frankfurt. Da wird unter anderem geschildert, dass es der Wunsch vieler Eltern ist, dass die bilinguale Ausbildung und Erziehung im Kindergarten beginnt. Die Fortsetzung in den Grundschulen ist zwar nicht ganz Ihre Domäne, aber in den Handlungsempfehlungen wird darüber nachgedacht, das fortzusetzen. Gibt es dazu Überlegungen bei Ihnen, und was kann da getan werden? Stadträtin Sarah Sorge: (fortfahrend)
Es ist nicht ganz meine Domäne, weil der Unterricht natürlich Sache des Landes ist. Aber selbstverständlich ist es insofern unsere Domäne, als dass wir uns natürlich darum kümmern, dass in den Schulen auch die Bilingualität eine Rolle spielt. Da ist es zum einen so, dass wir über unsere Jugendhilfe oder über andere Angebote zur Sprachförderung nicht nur Deutsch, sondern auch Bilingualität fördern. Es gibt aber eine ganze Reihe von Grundschulen und weiterführenden Schulen, die bilingual in verschiedenen Sprachen unterrichten, da habe ich leider die Zahlen jetzt nicht vorliegen, und unsere Politik ist selbstverständlich auch so, dass wir die Bilingualität an den Schulen fördern und dafür sorgen werden, dass das, was wir derzeit schon anbieten, gemeinsam Hand in Hand mit dem Land noch weiter ausgebaut wird.
(Beifall) Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 1952 Stadtverordnete Birgit Ross, GRÜNE: Vielen Dank, sehr geehrter Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Damen und Herren! "Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden", so lehrt uns Konfuzius. Bereits im Mutterleib wird Sprache wahrgenommen und ebenso darauf reagiert. Sprache ist Mittel zur Verständigung und viel mehr als nur das gesprochene Wort. Wir nehmen Sprache mit allen fünf Sinnen wahr, sie ist gleichwohl Bewegung, Fühlen und Begreifen. Sprache ist Akustik und Melodie und ebenso visuell, durch Gesten und Mimik wird oft mehr verstanden, als aus den gesprochenen Worten.
(Beifall) Sprache ist immer auch Kultur und Identität. Die Sicherheit in der Muttersprache ist von fundamentaler Bedeutung, gerade für das Erlernen einer Zweitsprache.
(Beifall) In Frankfurt finden 180 Nationen und circa 170 Sprachen ihr Zuhause. Die erste bilinguale Kita wurde in Frankfurt bereits vor 15 Jahren gegründet. Wir haben gehört, mittlerweile gibt es mehr als 40 Frankfurter Kitas, in denen neben Deutsch eine zweite Sprache gesprochen wird. Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch, Griechisch, Türkisch, Portugiesisch und Japanisch gehören zum bilingualen Kita-Alltag unserer Stadt.
(Beifall) Eltern werden bei der Suche eines bilingualen Angebots für ihre Kinder vorbildlich vom Stadtschulamt unterstützt, freie Träger werden umfassend beraten, Erzieherinnen und Erzieher erfahren gerade im Anerkennungsverfahren ihrer deutschen Abschlüsse Unterstützung, denn Muttersprachler sind hier sehr wichtig.
(Beifall) Mehrsprachigkeit genießt in einem vereinten Europa, in einer globalen Welt gesellschaftlich sowie bildungspolitisch Bedeutung. Das frühe und natürliche Erlernen einer Zweit- oder Drittsprache unterstützt die Kinder nicht nur in ihrer Sprachkompetenz und Identitätsfindung, es stärkt ihr Selbstbewusstsein, lehrt sie Toleranz, Offenheit und Verständnis für andere und unterschiedliche Kulturen, Sitten und Gebräuche.
(Beifall) In der bilingualen Bildungsgesellschaft Deutschlands liegt Frankfurt nach Saarbrücken und Wolfsburg auf Platz drei. Das von der EU-Kommission postulierte Ziel, zwei Fremdsprachen neben der Muttersprache zu erlernen, ist noch nicht erreicht, meine Damen und Herren, aber Frankfurt ist auf dem besten Weg. Thank you very much, merci, gracias, spasibo, asante, arigatou, grazie, çok teşekkürler .
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Frau Stadtverordnete Ross! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Stadtverordneten von Wangenheim von der FDP-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordneter Stefan Freiherr von Wangenheim, FDP: Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Eine Sprache fehlte noch, Frau Ross, ich sage Gude. Bilinguale Kindertagesstätten sind eine Bereicherung für jedes Kind. Es ist wissenschaftlich hinreichend bewiesen, dass das Aufwachsen mit zwei oder mehreren Sprachen in vielen Bereichen fördernd ist. Immer mehr Eltern entscheiden sich in Frankfurt sehr bewusst für bilinguale Kindertagesstätten. Sei es, weil sie selbst eine andere Muttersprache haben und möchten, dass ihre Kinder entsprechend neben der deutschen Sprache auch eine zweite Sprache lernen, oder weil sie es aufgrund der globalen Entwicklung für wichtig halten. Somit liegen zweisprachige Kitas immer mehr im Trend. Die zweisprachigen Kindertagesstätten in Frankfurt werden zum Großteil von freien Trägern betrieben. Zu den ältesten zweisprachigen Kindergärten zählt der Deutsch-Italienische Kindergarten Pinocchio, der bereits in den Siebzigerjahren gegründet wurde. Aufgrund der Entwicklung auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt und der Tatsache, dass immer mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen bei den internationalen Firmen in unserer Stadt arbeiten, finden bilinguale Kindertagesstätten auch immer mehr Zulauf. Mittlerweile gibt es, das haben wir vorhin gehört, in Frankfurt mehr als 40 bilinguale Kitas, eine logische Folge der Weiterentwicklung von Frankfurt als weltoffene und liberale Stadt. Selbst Grundschulen reagieren auf diese Entwicklung und bieten muttersprachlichen Unterricht in den jeweiligen Herkunftssprachen an. Als Beispiel seien an dieser Stelle die Textorschule und die Liebfrauenschule genannt, die sogar bilinguale Klassen anbieten. Die Kinder lernen, und das ist das Wesentliche, neben ihrer Muttersprache auch die deutsche Sprache. Das ist insofern nicht nur für den Besuch anderer und weiterführender Schulen wichtig, sondern auch für die soziale und die gesellschaftliche Integration in unserer Stadt. Ein so erweitertes Bildungsangebot erhöht die Zukunftschancen unserer jungen Menschen und muss unter allen Umständen auch weiter gefördert werden. Das ist eigentlich zwingender Bestandteil einer frühkindlichen Bildung, und damit ein ganz entscheidender Faktor für soziale Integration und Chancengleichheit von Beginn an. Die deutsche Sprache bietet vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund einen wichtigen Schlüssel zur Integration. Wenn sie mit ihren Familien länger in Deutschland leben, ist der Erwerb der deutschen Sprache unabdingbar. Aus diesem Grund begrüßen wir Freien Demokraten es außerordentlich, dass in Frankfurt so viele bilinguale Kindertagesstätten bestehen, in denen Kinder neben der Muttersprache auch spielerisch mit der deutschen Sprache umzugehen lernen. Da lässt sich abschließend nur eines sagen, vielen Dank für bisher Geleistetes und weiter so. Danke sehr!
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Vielen Dank, Herr Stadtverordneter von Wangenheim! Die nächste Wortmeldung kommt von Frau Fischer von der CDU-Fraktion. Bitte schön! Stadtverordnete Sabine Fischer, CDU: Es ist vollkommen richtig, ich schließe mich den Vorrednern fast an. Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen, meine Herren! Wer in der letzten Woche die Berichterstattung zur neuen Deutsch-Türkischen Kita im Ostend aufmerksam gelesen hat, konnte den Eindruck gewinnen, dass diese bilinguale Kita eine neue Idee des Herrn Oberbürgermeisters sei und Frankfurt mit Einrichtungen dieser Art hinterherhinke. Das ist aber nicht der Fall, ganz eindeutig nicht.
(Beifall) Bei genauerer Betrachtung korrigiert sich dieses schiefe Bild ganz schnell. Frankfurt ist seit Langem eine multinationale Stadt mit vielen Sprachen und mehrsprachigen Einrichtungen, es gibt schon seit 1970 bilinguale Kinderbetreuungseinrichtungen und in der Konsequenz auch entsprechende Schulen. Um das weiter fortzuführen, gibt es nicht nur in den Grundschulen, sondern auch in den weiterführenden Schulen herkunftssprachlichen Unterricht, und es wird fast jede Sprache in Frankfurt abgedeckt. Nicht von jeder Schule, aber die Schüler und Kinder haben die Möglichkeit, diesen Unterricht zu besuchen, und das ist gut so, denn sie müssen auch ihre Herkunftssprache gut beherrschen, das ist für uns sehr notwendig. Waren es früher Einrichtungen mit englischen, italienischen und französischen Partnern, kamen mit zunehmenden weltweiten wirtschaftlichen Verknüpfungen auch andere Sprachen dazu. So finden wir heute japanische, chinesische, russische, arabische und bald auch türkische Einrichtungen. Ich kann sie jetzt leider nicht in diesen Sprachen begrüßen, aber bis zum nächsten Mal werde ich das üben. Das Lernen von Fremdsprachen in den Zeiten der Globalisierung ist wichtiger denn je, denn durch ein frühes Sprachtraining entwickelt das Kind auch ein ausgeprägtes Sprachgefühl und der Zugang zum Lernen einer Sprache wird entwickelt. Ich denke, wir alle hätten uns vielleicht auch den Luxus eines bilingualen Unterrichts als Kind gewünscht, anstatt uns später dann mühsam eine Zweit- oder Drittsprache anzueignen. Kinder sollen nicht schulisch, sondern spielerisch lernen. Sie sollen durch die praktische Arbeit, über Musik, Tanz, Feste und Spiele an andere Kulturen herangeführt werden. Diese offene Haltung führt zu mehr Toleranz, Akzeptanz und Öffnung nach außen, sowohl bei den Kindern als auch bei den Familien, und das unterstützen wir sehr stark. Basis dieser bilingualen Arbeit ist es, dass in jeder Gruppe einer Kindertageseinrichtung zwei Betreuer eingesetzt werden, jeweils mit einer anderen Muttersprache. Für Eltern gibt es unterschiedliche Beweggründe, die eigenen Kinder bilingual zu erziehen. Zum einen kann es an der beruflichen Situation liegen, zum anderen einfach daran, dass Eltern ein Interesse haben, ihr Kind mehrsprachig zu erziehen. Im Prinzip sind die Gründe nachrangig. Die Pflege der unterschiedlichen Kulturen mit ihren Sprachen soll die Gemeinschaft und das Verständnis füreinander in einer Gesellschaft fördern. Deshalb ist es besonders wichtig, die deutsche Sprache über intensive Sprachförderung als gemeinsame Basis für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu verstehen und zu vermitteln.
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Frau Fischer, Ihre Redezeit ist zu Ende. Stadtverordnete Sabine Fischer, CDU: (fortfahrend) Die bilinguale Kinderbetreuung ist dabei ein wichtiger Baustein, und deshalb wird die Stadt Frankfurt auch künftig auf dieses Modell setzen.
(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Birgit Ross
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 23. Januar 2015 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.