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Die Ausstellung Contemporary Muslim Fashions im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst ist zum Teil scharf kritisiert w

Vorlagentyp: F
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Thema Schulen und Bildung verfolgen

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Frage vom 16.05.2019, F 1851 Die Ausstellung Contemporary Muslim Fashions im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst ist zum Teil scharf kritisiert worden. Unter anderem wurde zu Recht gesagt, die Ausstellung sei "ein Schlag ins Gesicht von Mädchen und Frauen weltweit, die das Kopftuch nicht tragen wollen oder es ablegen möchten, aber nicht dürfen". Ein Mittel der Unterdrückung werde auf ein modisches Accessoire reduziert. Dies vorausgeschickt, frage ich den Magistrat: Wie beurteilt der Magistrat die Kritik an der Ausstellung?

Antwort des Magistrats: Stadträtin Dr. Ina Hartwig: Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr geehrter Herr Stadtverordneter Paulsen! Es ist eine bemerkenswerte Frage, die ich dankbar aufgreife, weil sie mir ermöglicht, zu einer wichtigen Ausstellung in einem unserer interessantesten Häuser in Frankfurt hier noch einmal Stellung beziehen zu können. Wie Sie wissen, ist es eine Übernahme von Max Hollein aus San Francisco, der die Ausstellung konzipiert hat. In der liberalen, multikulturellen Stadt San Francisco ist diese Ausstellung ohne Auffälligkeiten über die Bühne gegangen. Bei uns hingegen kann man sagen, dass es selten im Vorfeld einer Ausstellungseröffnung so viele differenzierte Besprechungen und so viel Kritik bis hin zu Schmähungen gegeben hat, wie bei dieser Schau über zeitgenössische muslimische Mode für und teilweise von Frauen. Daher habe ich mir bei dieser Ausstellung besonders viel Zeit genommen, um mir selbst ein Bild zu machen. Ich war in Begleitung von Stadträtin Weber, Stadträtin Heilig und Stadträtin Eskandari-Grünberg kurz vor der Eröffnung in dieser Ausstellung. Ich lasse Sie gerne an meinen Eindrücken und Gedanken teilhaben. Zunächst ist mir die Feststellung wichtig, dass dies eine Ausstellung und kein Tribunal ist. Hier wird nicht postuliert, dass Leben im Iran wäre ein Fest für die Frauen oder die fortschreitende Islamisierung Indonesiens wäre kein Problem. Weshalb es auch nicht ganz zwingend ist, das Publikum vom Gegenteil zu überzeugen oder Besucherinnen ein schlechtes Gewissen zu machen, weil sie sich Mannequins in exotischer Kleidung ansehen oder ansehen möchten. Es ist vielmehr eine Ausstellung über etwas, das existiert und nicht über etwas, dass herbeigesehnt wird. Die Mode für die muslimische Welt ist eine komplexe Angelegenheit, weil es nun einmal nicht dasselbe ist, knallige Mode für den Londoner Bürgersteig zu entwerfen oder eine Millionärin aus Abu Dhabi mit Roben für das internationale Parkett auszustatten. Haute Couture war selbstredend eine französische Erfindung, aber deren große Zeiten sind offensichtlich vorbei. Als unlängst Karl Lagerfeld starb, wollte es auf die Schnelle niemandem einfallen, wofür er eigentlich gestanden habe. Ja, die westlichen Moden haben sich erschöpft und sind in Form von Tattoos zum Beispiel weitergewandert auf die Körper selbst, ein Prinzip der Mode verletzend, nämlich das der Vergänglichkeit. In dieser Ausstellung aus San Francisco sehen wir eine Epoche Revue passieren. Das Erstaunliche ist, es geht um die Epoche, in der wir leben. Die muslimische Mode für Frauen ist frisch, sie ist jung, divers, komplex, ambivalent und auch paradox. Das meiste, was hier zu sehen ist, für diese Ausstellung kurioserweise an Mannequins, die 1,80 Meter groß sind, ist tatsächlich Haute Couture. Spielerisch mit den Traditionen, handwerklich immens kompliziert, absichtlich bis ins Extrem getrieben. Haute Couture, wenn sie gut läuft, ist schillerndes Vorbild der Mode als Alltagsware. Die Franzosen nennen das Pret-a-porter, sie stellt den äußersten Punkt des Möglichen dar. Auch diese Feststellung ist mir wichtig. Es ist doch etwas albern, das Spiel mit der Form, also auch der Form des weiblichen Körpers in diesem Fall, als westliches Privileg sichern zu wollen. Ein Bikini ist so wenig Ausdruck der Demokratie, wie ein Burkini diese zum Einsturz brächte. Das Spiel mit dem Schnitt, dem Material und der Farbe, all das ist offensichtlich kein Resultat der Grübeleien überstrenger Sittenwächter, sondern von zeitgenössischen Modemachern. Anders gesagt: Wir müssen anerkennen, dass die Welt größer ist, als wir gestern noch dachten. Eine Muslim Fashion kann den Islam nicht zementieren, aber verweltlichen kann sie ihn eventuell schon. Was echte Mode immer mit sich bringt, ist jedenfalls ein Gefühl für die Zeit. Allein die Chiffren der Flüchtigkeit verhalten sich indirekt kritisch zu religiöser Dogmatik. Noch einmal: Diese Ausstellung ist kein Statement für das Kopftuch in deutschen Schulen, aber sie ist ein Plädoyer dafür, muslimische Mädchen und Frauen nicht in Klischees zu pressen, denen sie auf dem schmalen Pfad persönlichen Ausdrucks entkommen wollen.

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank! Die erste Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Paulsen. Bitte! Stadtverordneter Uwe Paulsen, GRÜNE: (Zusatzfrage) Frau Dr. Hartwig, diese Antwort macht mich etwas sprachlos. Ich glaube, wir waren in zwei verschiedenen Ausstellungen. Deshalb muss ich einfach einmal meine Frage orientieren. Aber meine Zusatzfrage passt, glaube ich, zu Ihren Ausführungen. Sie haben gesagt, es geht um Mode, um wallende Gewänder und alles. Es gibt einen sehr schönen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, übrigens sehr differenziert wie viele Artikel, ich befürworte das und ich glaube, wir sollten Ausstellungen nicht generell verdammen, aber der Tenor ist, das Politische kommt zu kurz. Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Herr Paulsen, bitte stellen Sie Ihre Zusatzfrage. Stadtverordneter Uwe Paulsen, GRÜNE: (fortfahrend) Ich zitiere die Süddeutsche Zeitung: "Wenn Wagner K" - der Museumsdirektor - "also darauf beharrt, es handele sich um eine 'Modeausstellung', dann ist das ungefähr so, als wolle man die Debatte über das Kreuz in Schulen als Frage der Inneneinrichtung behandeln." (Beifall, Zurufe) Ich muss sagen, ich teile diese Einschätzung. Ich würde Sie einfach gerne fragen, nach all der Kritik, Sie haben gesagt, es hat sie vorher gegeben, es gibt sie immer noch, heute erreichten mich zwei Nachrichten von Absendern, die es gut fanden. Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Herr Paulsen, bitte stellen Sie Ihre Frage. Stadtverordneter Uwe Paulsen, GRÜNE: (fortfahrend) Würden Sie nach all der Kritik, die gekommen ist, wenn Sie noch einmal entscheiden könnten - es ist ja das Museum gewesen -, ob eine Ausstellung so läuft, sie noch einmal so laufen lassen?

(Beifall) Stadträtin Dr. Ina Hartwig: (fortfahrend) Es ist mir wichtig festzuhalten, dass nicht ich das entscheide, sondern unsere Museumsdirektoren. Das ist uns auch eine Ehre, ihnen die Freiheit zu überlassen.

(Beifall) Ferner darf ich noch einmal darauf hinweisen, dass es eine Ausstellung ist, die von Max Hollein aus San Francisco kommt - Max Hollein ist uns hier in Frankfurt allen ein Begriff - und nicht von Herrn Wagner K. Herr Wagner K hat tatsächlich die Ausstellung um einen nicht uninteressanten Punkt ergänzen lassen, er hat nämlich hiesige muslimische Modemacherinnen beauftragt, Kleider zu entwerfen, die in dieser Ausstellung zu sehen sind. Was die Kritik der Süddeutschen Zeitung angeht, das ist eine Kritik unter vielen, es gab erstaunlich viele und zum Teil sehr differenzierte Stellungnahmen. Ich darf auch an den Artikel von Barbara Vinken, der Modefachfrau Deutschlands, erinnern, der in der ZEIT zu lesen war, die diese Ausstellung kontextualisiert hat in die Geschichte der Mode, den ich mit Verlaub den besten Artikel fand. Ich persönlich finde Polemik in Kritiken immer gut. Ich bin sehr dafür. Das heißt nicht, dass man sich der Polemik anschließen muss. Wir leben glücklicherweise in einer freiheitlichen Demokratie, in der Pressefreiheit herrscht, und die Kritik ist glücklicherweise in unseren gut aufgestellten Medien noch vorhanden. Ich sehe mich als Kulturdezernentin wirklich nicht aufgefordert, zu einzelnen Kritiken hier Stellung zu nehmen. Grundsätzlich begrüße ich diese Ausstellung aus einem Grund, den ich hier noch gerne nachtragen möchte. Es ist eine Ausstellung, die tatsächlich von Mode handelt. Das ist das Interessante an dieser Ausstellung. Sie stellt gleichwohl natürlich auch eine Frage an uns selbst, und das ist für mich fast das Wichtigste an dieser Ausstellung, dass sie uns mit unseren eigenen Grenzen der Toleranz konfrontiert, mit unseren Sehgewohnheiten, mit den Gewohnheiten der Mode. Es sind Veränderungen, die nicht nur im geschlossenen Raum eines Museums stattfinden, sondern die tatsächlich auf unseren Straßen und in unseren Schulen zu sehen sind. Insofern ist es eine wichtige Ausstellung, die uns nämlich dazu auffordert, diese Frage an uns selbst zu stellen, wie wir mit den gesellschaftlichen Veränderungen, die sich auch in der Mode niederschlagen, umgehen.

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Danke schön! Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Kliehm. Bitte! Stadtverordneter Martin Kliehm, LINKE.: (Zusatzfrage) Anders als Herr Paulsen habe ich Reaktionen von muslimischen jungen Frauen gelesen, die das durchaus als emanzipatorischen Akt gesehen haben, dass dort endlich einmal Muslima in einer wichtigen Ausstellung in der Öffentlichkeit sichtbar sind. Andere Länder schaffen das, die Polizei in Schottland hat als Dienstkleidung ein Kopftuch, in Deutschland ist das immer so eine Symbolpolitik. Mich wundert es, dass das von den GRÜNEN kommt. Ich möchte Sie fragen, ob Frauen nicht einfach das tragen sollen, was Sie wollen? (Beifall, Zurufe) Stadträtin Dr. Ina Hartwig: (fortfahrend) Im Prinzip, ja. Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 1851 Stadtverordneter Uwe Paulsen, GRÜNE: Frau Vorsteherin, meine Damen und Herren, liebe Frau Hartwig! Wir müssen uns in dieser Frage streiten, das macht nichts, dazu ist die Demokratie da. Zwei Vorbemerkungen. Die erste Vorbemerkung an den Kollegen Kliehm: Selbstverständlich dürfen Frauen in der Bundesrepublik darüber entscheiden, welches religiöses Kleidungsstück sie tragen. Tag des Grundgesetzes heute, keine Frage. Zweite Vorbemerkung, an diese Ecke, der Islam gehört zu Deutschland, bevor Applaus von der falschen Seite kommt.

(Beifall) Aber darum geht es hier nicht, es geht um Zwangsbekleidung für Frauen in Ländern, in denen es schwerste Menschenrechtsverletzungen gibt, in denen es keine Freiheit, keinen Rechtsstaat und keine Demokratie gibt. Aus unserer Sicht spricht nichts gegen eine Ausstellung über Mode, aber es spricht aus unserer Sicht vieles gegen diese mit Recht umstrittene Ausstellung über islamische Mode. Frau Hartwig, Sie haben in einem Interview zur Diskussion in der FAZ gesagt: "Na ja, das Kopftuch werde vielfältig gedeutet", und sind zu dem Schluss gekommen, ich zitiere einmal: "Wir müssen die Widersprüche aushalten und gegebenenfalls mit einer Paradoxie leben." Ja, das können wir hier, meine Damen und Herren, wir haben hier im Saal kein Problem - wir als GRÜNE zumindest nicht -, wir leben in einer liberalen Gesellschaft und praktizieren unsere Diskursfreudigkeit mit Begeisterung. Auch wenn - und ich schaue noch einmal in diese Ecke - einfach nur gequirlter Unsinn, Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie Teil des Diskurses sind, das halten wir aus.

(Beifall) Aber es geht nicht um das, was wir aushalten, es geht um das, was Frauen in jenen undemokratischen Ländern aushalten müssen. Ihnen drohen drakonische Strafen. Die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh ist, nach Angaben ihres Ehemannes, zu 33 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt worden. Sotoudeh hat sich stets gegen die Todesstrafe ausgesprochen und unter anderem auch Frauen verteidigt, die sich gegen den Zwang sich zu verschleiern wehrten. Ein Anklagepunkt gegen sie lautet, ich zitiere: "Offenes sündhaftes Auftreten in der Öffentlichkeit ohne Kopftuch." Jetzt ist in der Diskussion um diese Ausstellung gesagt worden, sie gehe doch kritisch mit diesen Aspekten des Kopftuchzwanges um. Da sind wir vollkommen anderer Meinung. Wer Widersprüche aushalten will und den gesellschaftlichen Diskurs einfordert, auch über islamische Mode, muss zunächst eines zur Kenntnis nehmen, er muss die Realität so zur Kenntnis nehmen: Für viele Frauen in diesen Ländern ist die Realität brutal.

(Beifall) Die Kulturanthropologin Susanne Schröter, die vollkommen zu Unrecht in unerträglicherweise angegriffen wurde, hat in einem Beitrag für die FAZ deutlich gemacht, wie in der indonesischen Provinz Aceh unter Scharia-Recht eine islamistische Partei Modeschauen organisiert. Und warum? Weil sie ihre Bekleidungsvorschriften durchsetzen wollen. Dann wird Mode Ausdruck von Eskapismus. Ich zitiere am Ende Frau Schröter: "Jeder, der in die Ausstellung geht, sollte bedenken, wenn man sich von islamischer Mode begeistern lässt, dass diese Mode das darunterliegende repressive Korsett im wahrsten Sinne des Wortes verschleiert." Vielen Dank!

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank, Herr Paulsen! Als nächste Rednerin kommt Frau Romic-Stojanovic von der SPD-Fraktion. Sie haben das Wort, bitte schön! Stadtverordnete Milkica Romic-Stojanovic, SPD: Sehr geehrte Stadtverordnetenvorsteherin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Bei der Ausstellung der Moslem-Fashion geht es nicht nur um das Kopftuchtragen von Frauen, es geht auch um Kunstfreiheit. Ich denke, wir sollten bei dieser Diskussion auch die Grundwerte und die Säulen unserer Demokratie nicht infrage stellen, nämlich Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit. Wir sollten hier wertfrei und offen diskutieren. Ein offener Geist ist nämlich auch für die Integrationspolitik hier in Frankfurt von grundlegender Bedeutung, und deswegen finde ich, dass die Ausstellung eben nicht ein Schlag ins Gesicht ist. Nun kann man hinsichtlich des Kopftuchtragens sicherlich unterschiedlicher Meinung sein, aber Kopftuch tragende Frauen sind Teil unserer Realität hier in unserer Gesellschaft. Frauen tragen aus unterschiedlichen Gründen ein Kopftuch, aus politischen, aber auch aus religiösen, aus persönlichen und aus anderen Gründen. Wir dürfen das Kopftuchtragen nicht allein auf eine politische Bedeutung reduzieren.

(Zurufe, Beifall) Doch, das tun Sie. Fakt ist, dass es Frauen gibt, die gerne ein Kopftuch tragen, und mit jeder Debatte über das Kopftuchtragen drängen wir diese Frauen in eine Ecke und stigmatisieren sie. Das ist das Problem. Wir sollten daher unseren Blick vielmehr auf Möglichkeiten gesellschaftlicher Aufklärung und Beteiligung von Frauen richten, anstatt über Äußerlichkeiten zu debattieren. Danke!

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Danke schön! Herr Dr. Dürbeck, Sie haben das Wort. Bitte schön! Stadtverordneter Dr. Thomas Dürbeck, CDU: Meine Damen und Herren! Vorweg möchte ich eines schicken: Ich bin nicht immer mit der Kulturdezernentin einer Meinung, aber heute muss ich sagen, persönlich kann ich das eigentlich alles unterschreiben. Ich sage persönlich, weil es durchaus auch eine andere Sichtweise auf die Dinge gibt. Kasper König hat sich neulich in der Städelschule bei einem Vortrag Sorgen gemacht, dass die Kunst - Frau Romic hat es vorhin angesprochen - immer mehr zwischen Kommerz und Moral gerät und irgendwann der Blick für die Kunst verloren geht. Die kommerzielle Seite dieser Ausstellung im MAK wird überhaupt nicht diskutiert. Dabei wird von einem Markt von einer Milliarden Frauen geredet. Wir könnten das Ganze auch einmal kommerziell hinterfragen. Die moralische Seite wurde dagegen schon diskutiert, bevor überhaupt mancher gesehen hat, was dort ausgestellt wird. Ich habe vollstes Verständnis für alle Kritikerinnen und Kritiker, die diese Kleidervorschrift in diesen Ländern mit teilweise drakonischen Strafen - da haben Sie absolut recht, Herr Paulsen - kritisieren und diese Ausstellung damit in einen Zusammenhang stellen. Zumal die Strafen meistens die Frauen treffen und nicht die Männer, das ist doch völlig klar. Andererseits ärgert mich, wenn ich jetzt überlege, dass es im MAK Sicherheitskontrollen gibt wie im Jüdischen Museum. Es ist das zweite Haus, wo wir jetzt Sicherheitskontrollen haben, nicht so scharf wie im Jüdischen Museum, aber jetzt haben wir sie. Das ist, weil es vom rechten Rand dieser Gesellschaft eine klassische Feindschaft gegen diese Art von Islam oder diese Art von Mode gibt und man fürchtet, das ganze Abendland würde jetzt islamisiert. Ich meine, gerade deshalb kann man auch gewisse Sympathien dafür aufbringen zu sagen, diese Ausstellung muss sein. Das Problem ist doch, auch in Amerika wurde sie gefeiert, warum? Weil Trump einen Muslimbann ausgesprochen hat und man sozusagen diese Ausstellung als eine Offenheit gegenüber anderen Kulturen gesehen hat. Ich glaube, bei moralischen Urteilen ist es immer ein bisschen die Frage, lassen wir uns von - die Dezernentin nannte das Zuschreibungen - anderen beeinflussen, beurteilen wir die Ausstellung vielleicht, weil wir sie gegen Trump sehen, beurteilen wir sie vielleicht, weil wir sagen, wir wollen nicht rechtsradikal erscheinen, oder beurteilen wir sie, weil wir sagen, es ist eine Verniedlichung oder Verherrlichung religiöser Vorschriften. Ich glaube, wir müssen unser eigenes Urteil darüber fällen. Ich denke, diese Ausstellung, wie sie Wagner K. bezeichnet hat, Modest Fashion - dezente Mode hat er das übersetzt -, ist keine Verherrlichung oder Verharmlosung, sondern zeigt die Vielfältigkeit von Mode. Ich sage auch durchaus Lebensfreude, nicht für die, die vielleicht andere Erfahrungen gemacht haben, aber sie verschließt auch nicht den Blick vor den Schattenseiten. Da ist diese ganz bewegende Arbeit von Shirin Neshat, Turbulent, die wirklich auch erschreckend ist, wenn man sie ansieht. Ich glaube deswegen durchaus ... Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Herr Dr. Dürbeck, auch für Rechtsanwälte gilt die Redezeit. Stadtverordneter Dr. Thomas Dürbeck, CDU: (fortfahrend) Gelb hat es nicht geblinkt. Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Ja, aber es war Gelb gedrückt. Es tut mir leid.

(Beifall) Der nächste Redner ist Herr Mund von der BFF-Fraktion. Sie haben das Wort, bitte schön! Stadtverordneter Mathias Mund, BFF: Frau Vorsteherin, werte Kolleginnen und Kollegen! Dass Kollege Paulsen selbst in seiner Frage formuliert, es wäre zu Recht gesagt worden, die Ausstellung sei ein Schlag ins Gesicht von Mädchen und Frauen weltweit, die das Kopftuch nicht tragen wollen oder es ablegen möchten, aber nicht dürfen, hat mich positiv überrascht. Denn natürlich ist die Ausstellung Contemporary Muslim Fashions ein Schlag in das Gesicht von mutigen Frauen wie der Iranerin Vida Movahed, die gerade vor Kurzem in ihrer Heimat zu einem Jahr Haft verurteilt wurde, weil sie auf dem Revolutionsplatz in Teheran den Hidschab ausgezogen hatte. Das Schicksal der Anwältin und Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh hat Kollege Paulsen auch schon erwähnt. Erwähnen möchte ich aber auch den zunehmenden Konformitätsdruck hier in den Communitys bei uns, der auf die Mädchen und Frauen ausgeübt wird, die eben kein Kopftuch tragen. Und wie es Frau Professor Schröter im Rahmen der von ihr initiierten Konferenz "Das islamische Kopftuch - Symbol der Würde oder Unterdrückung" formulierte, geht es in der Ausstellung ausschließlich um muslimische Kleidung als Mode. Somit fehlt ihr der Kontext in seiner gesamten Breite, denn muslimische Kleidung ist eben nicht nur Mode. Ich habe an dieser ganztägigen Konferenz teilgenommen und war höchst erstaunt, dass außer mir überhaupt nur ein weiterer Stadtverordneter, nämlich der Kollege Dr. Kochsiek, daran teilgenommen hat. Ebenso erstaunt war ich, dass vonseiten des Magistrats Frau Dr. Hartwig mit Abwesenheit glänzte, zumal ich am Morgen vor der Konferenz noch ein groß angelegtes Interview mit ihr in der FAZ genau zu diesem Thema lesen konnte und ihre Teilnahme schon sehr wohl erwartet hätte. Zumindest Stadträtin Dr. Eskandari-Grünberg wohnte am Vormittag der Veranstaltung bei. Doch ihr vollkommen deplatziertes Statement vor der Mittagspause hat nur gezeigt, dass Sie leider nichts, aber auch gar nichts von dem bis dahin Vorgetragenen verstanden hatten. Sie hätten der Veranstaltung genauso gut fernbleiben können. Frau Professor Schröter wusste in ihrem Vortrag aus erster Hand zu berichten, dass der Trend Islamic Fashion seinen Ursprung in Indonesien hat und dort maßgeblich von den radikalen Islamisten in der Provinz Aceh parallel zur gewaltsamen Einführung der Sharia aktiv gefördert wurde. Sie selbst war 2011 Gast bei einem Islamic Catwalk in Indonesien, veranstaltet von einer radikal islamischen Partei. Deren Kampf für den Zwang zum Kopftuch wurde flankiert von unzähligen Modemagazinen und Modeschauen, die diese Bekleidung in den schillerndsten Farben darstellten. "Diese schönen Farben ändern jedoch nichts an deren Zwangscharakter", so Schröter. Das diese Bestrebungen von Muslimen, die auch hier bei uns ein Steinzeit-Islam propagieren und Frauen am liebsten komplett verhüllen wollen, durch die Ausstellung im MAK nicht nur beschönigt werden, sondern sogar Rückenwind bekommen, das ist ein Skandal, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das sind genau die gleichen Kräfte, die in einer unheiligen Allianz mit extremen Linken hierzulande jegliche Islamkritik mit dem Totschlagargument antiislamischer Rassismus im Keim ersticken wollen. Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Herr Mund, auch bei Ihnen sind drei Minuten nur drei Minuten. Vielen Dank!

(Beifall) Herr von Wangenheim von der FDP-Fraktion hat nun das Wort. Bitte schön! Stadtverordneter Stefan Freiherr von Wangenheim, FDP: Frau Vorsteherin, meine Damen und Herren, liebe Frau Dr. Hartwig! Wir waren zumindest in der gleichen Ausstellung. Bevor ich meine Ausführungen zur Ausstellung Moslem Fashions im Museum Angewandte Kunst beginne - bitte beachten Sie, dass die Betonung auf den Worten Ausstellung und Museum liegt -, erlauben Sie mir bitte folgende Frage: Was ist Kunst? Was bedeutet Kunst? Denn ich finde, das ist ein Punkt, wenn nicht paradoxerweise gar der Punkt, der in der aufgeregten und teilweise vorwurfsvoll geführten Debatte vollkommen vergessen wurde. Für mich ist Kunst vielfältig, individuell und vor allem ein Ausdruck von Freiheit. Jede Kunst hat ihren ganz eigenen Stil, ihren ganz eigenen Esprit und übt oft auf eine geistvolle und brillante Art und Weise Kritik an sozialen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. Kunst greift Themen der Zeit auf, zum Beispiel auch in einer multikulturellen Zeit und lässt viel Raum für individuelle Interpretationen. Kunst soll das eigene Denken anregen, zu einem sachlichen Informationsaustausch, zu Diskussionen und Gesprächen führen, und das ist nach meiner Meinung das wichtige Anliegen der Kunst. Meine Damen und Herren, die Ausstellung im Museum Angewandte Kunst zeigt eine große Bandbreite einer an muslimischen und arabischen Traditionen orientierten Mode. Dadurch werden auch die dahinterstehenden schwierigen gesellschaftlichen Spannungen deutlich erkennbar. Diese Ausstellung, die ich mit großer Freude gesehen habe, macht in ihrer Vielfalt klar, dass es eben nicht die muslimische Frau gibt, genauso wenig, wie es die christliche oder die abendländische Frau gibt. Ziel der Ausstellung im MAK ist es auch, mit diesen Stereotypen aufzuräumen. Denn insbesondere in der Darstellung der Rolle der Frau ist der Diskurs, den diese Ausstellung öffnet, ein Meilenstein. Jedoch darf bei dieser Auseinandersetzung nicht außer Acht gelassen werden, dass die Menschenrechtssituation gerade für Frauen in vielen muslimischen Ländern Anlass zu scharfer Kritik gibt. Gerade wir Freien Demokraten kämpfen für das Selbstbestimmungsrecht von Menschen, aber ebenso verteidigen wir konsequent die Kunst- und Meinungsfreiheit. In diesem Sinne begrüßen wir die durch die Ausstellung ausgelöste Kontroverse und fordern weiterhin eine sachliche Debatte. Meine Damen und Herren, ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Ein ganz platter Spruch, aber schauen Sie sich die Ausstellung an, informieren Sie sich, suchen Sie das Gespräch, diskutieren Sie und bitte bilden Sie sich ihr eigenes Bild. Und auch das, meine Damen und Herren, ist Kunst. Vielen Dank!

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Danke schön, Herr von Wangenheim! Als Nächste hat Frau Krause von der AfD-Fraktion das Wort. Bitte schön! Stadtverordnete Monika Krause, AfD: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dieses Jahr wurde das 100-jährige Frauenwahlrecht gefeiert und genau vor 70 Jahren die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen im Grundgesetz verankert. Der Weg zur Gleichberechtigung der Frauen, ihre Anerkennung und Teilhabe in der Gesellschaft wie im Arbeitsleben ist ein großer Erfolg für alle Frauen. Unter diesem Hintergrund mutet die Ausstellung Contemporary Muslim Fashions im Museum für Angewandte Kunst doch sehr befremdlich an, auch wenn politische emanzipatorische Aspekte durch Fotos oder Videos thematisiert werden. So verfestigt sich der Eindruck, die Aussteller werben für einen Kulturkreis, in dem Frauen durch strenge Bekleidungsvorschriften gezwungen werden, ihren Körper zu verhüllen. Dies kann man sehr genau an den meisten Ausstellungstücken erkennen, die die Verhüllung der Frau feiern. Bis zum Boden fallen die Stoffen und die Haare werden meist mit einem Kopftuch bedeckt. Dies sind klare Signale, wie Frauen sich in den arabisch muslimischen Gesellschaften in der Öffentlichkeit zeigen dürfen. Im Iran kämpfen Frauen seit Jahren gegen die strenge Kleiderordnung des Kopftuches und Burkazwangs, die als Symbol für Unterdrückung stehen. Als Zeichen von Reinheit müssen Frauen ihre Haare und ihren Körper vollständig bedecken. Wenn Frauen kein Kopftuch tragen oder sich schminken, werden sie oft an Ort und Stelle zusammengeschlagen oder kommen in das Gefängnis. Burka, Niqab und Kopftuch sind nicht Ausdruck eines weiblich religiösen Kleidungsstils, sondern die Insignien des fundamentalistischen Islam.

(Beifall) Muslimisch sozialisierte Intellektuelle wie zum Beispiel Lale Akgün, Seyran Ates, Necla Kelek und Sabatina James sprechen sich für ein Verbot der muslimischen Verschleierung und des Kopftuches aus. Feministinnen in Deutschland wollen aber nicht die Verletzung der Frauenrechte - wozu das Kopftuch und die Burka gehören - thematisieren, weil sie lieber rückständige Kulturen mit deren Geschlechterarbeit verteidigen, als die dortigen Frauenrechte zu stärken. Diese Frauen werden in ihrem Kampf für mehr Frauenrechte von den Feministinnen im Westen alleine gelassen. Und diese sind um keine Ausrede verlegen, um diese frauenverachtenden, religiös geprägten Gesellschaften zu verteidigen, als wären Frauenrechte nicht universal. Was für ein Zeichen wird damit an die vielen Mädchen und Frauen aus muslimischen Familien in Deutschland gesendet? Denn bekannterweise wird das Kopftuch auch als Symbol für das Vordringen des politischen Islam genutzt und um Mädchen und Frauen auf religiöse Linie zu bringen. Deshalb gehört zu einer glaubwürdigen Diskussion oder Ausstellung zum Thema Kopftuch immer auch das Thema Islam und Gleichberechtigung dazu. Vielen Dank!

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Danke schön! Der nächste Redner ist Herr Wehnemann von die FRAKTON. Sie haben das Wort, bitte schön! Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION: Frau Vorsteherin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Also, ich kann sagen, dass ich als mittelalter weißer Mann niemandem vorschreibe, was er oder sie zu tragen hat. Ich erwarte das auch von alten weißen Männern - auch wenn sie bei den GRÜNEN sind -, es mir gleich zu tun. Und auch wenn ein umstrittenes Kleidungsstück als Akt der emanzipatorischen Auflehnung gezeigt wird, dann hat das eben nun einmal auch der alte weiße Mann von den GRÜNEN auszuhalten. Das gilt im Übrigen auch für Museen und Museumsdirektorinnen, denen schreibt gerade am Geburtstag des Grundgesetzes auch niemand etwas vor. Auch nicht ein moralisierender Studienrat. Vielen Dank!

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Danke schön! Die nächste Rednerin ist Frau Hahn von der LINKEN. Sie haben das Wort, bitte schön! Stadtverordnete Pearl Hahn, LINKE.: Bildung ist nicht geschlechtsabhängig. Ich glaube, wir haben alle noch ganz ganz viel zu lernen. Und was die GRÜNEN heute gemacht haben, ist meiner Meinung nach nicht besonders konstruktiv, und es ist tatsächlich Wasser auf den Mühlen der Rechten. Sie haben ja gehört, was jetzt hier rauskam. Ich frage mich weswegen, und wie es dazu überhaupt kommen kann, dass die CDU und die FDP liberaler sind als die GRÜNEN heute Abend.

(Beifall) Also, worum geht es in dieser Debatte? Warum haben sich die Medien, verschiedenste Akteure und jetzt auch die Politik darauf gestürzt? Lassen Sie uns doch die Debatte beim Namen nennen. Im Kern dieser Debatte geht es nämlich um antimuslimischen Rassismus. Es geht um Männer und Frauen, die hier wie anderswo sich das Recht erlauben zu entscheiden, was Frauen tragen dürfen und was nicht, welche Frauen Kunstschaffende sein dürfen und wie diese Kunst auszusehen hat. Es geht um Sanktionen und nicht um Entscheidungsfreiheit und die Selbstbestimmung der muslimischen Frau. Es geht nicht um den Hidschab, denn sogar wenn jemand bei dieser Ausstellung war, die meisten Ausstellungsstücke tragen nicht einmal einen Hidschab. Es geht nämlich eigentlich nur um eine ganz offensichtliche Sache, nämlich den Versuch, muslimischen Frauen vorzuschreiben, was sie zu machen haben und was nicht. Der Hidschab alleine hat absolut keine Macht, nicht hier und nicht anderswo. Was Macht verursacht sind Gesetze und enorme Zwänge. Zwänge, einen Hidschab zu tragen oder nicht zu tragen, Probleme, wenn man ihn ablegen mag, aber auch Probleme, wenn man ihn tatsächlich tragen möchte. Wer sich nicht die Frage stellt, weswegen genau diese Debatte, diese Ausstellung medial so groß gemacht worden ist, hat noch dringenden Bedarf zur Reflexion. Wieso reden Sie denn nicht über geklaute Ausstellungsstücke aus der Kolonialzeit, wieso reden Sie nicht darüber, dass Kopftuch tragende Frauen auch in dieser Stadt Gewalt erfahren auf der Straße und belästigt werden? Das Stimmungsbild in diesem Hause ist wahrscheinlich wieder einmal, na ja, es geht da nur um Einzelfälle. Auf der anderen Seite aber, wenn es um Frauen mit Kopftuch geht, ist das Kopftuch ein universelles Symbol der Unterdrückung. Die ach so schlimmen sexistischen muslimischen Männer, die ach so schwache muslimische Frauen unterdrücken. Dieses Narrativ ist nicht neu. Dieses Narrativ gab es auch in der Kolonialzeit, nämlich "White men are saving brown women from brown men". Es wird darüber gesprochen in dieser Gesellschaft, ob Kinder fasten dürfen, ob Kopftuch tragende Frauen in Schulen arbeiten dürfen, ob Rechtsanwältinnen mit Kopftuch den Gerichtssaal betreten dürfen, es wird darüber gesprochen, ob Frauen schwimmen dürfen und wenn ja, wie viel Haut sichtbar sein soll. Darum geht es, und das finde ich einfach unverschämt.

Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Frau Hahn, auch Ihre Redezeit ist zu Ende. Der letzte Satz. Stadtverordnete Pearl Hahn, LINKE.: (fortfahrend) Wenn Sie wahrhaftig was machen wollen, bringen Sie Anträge rein, die Migrantinnenverbände und Initiativen unterstützen, emanzipatorische Arbeit zu leisten. Und unterstützen Sie Migrantinnen, Aufklärung zu betätigen, und nicht hier einfach nur ... Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank, Frau Hahn!

(Beifall) Die nächste Rednerin ist Frau Dr. Eskandari-Grünberg. Sie haben das Wort, bitte schön! Stadträtin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg: Frau Vorsteherin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich komme hier an das Pult, weil Herr Mund mich angesprochen hat. Deswegen ist es mir auch wichtig, ein Statement dazu abzugeben. Sehr verehrter Herr Mund, was Sie als deplatziert bezeichnen in dieser Konferenz, dass ich gesagt habe, "der Islam gehört zu Deutschland und die Muslime auch" - das betone ich auch hier wieder, das stimmt und das ist wichtig.

(Beifall) Was Sie deplatziert fanden, Herr Mund, das ist Religionsfreiheit. Aber auch die Freiheit, dass Frauen, die freiwillig ein Kopftuch tragen, auch zu diesem Land gehören. Das ist auch heute richtig so, das kann ich nur immer wieder betonen, auch wenn Sie das deplatziert fanden. Meine sehr verehrten Damen und Herren, zu der Modeausstellung: Frau Hartwig hat es vorhin erwähnt, ich war bei der Ausstellung auch dabei. Integration, aber auch gesellschaftliche Debatten bedeuten, dass wir differenziert auch Widersprüche aushalten können. Wir leben in einer Welt, in der wir auch vom freiwilligen Kopftuch reden können, aber gleichzeitig leben wir in einer Welt - und zufällig bin ich selbst in so einer Welt, in so einem Land geboren worden -, wo Frauen das Recht, die Freiheit, das Kopftuch wirklich freiwillig zu tragen, nicht haben. Ich bin in einem Land geboren, das Frauen, die ohne Kopftuch auf die Straße gehen, bestraft. Sie werden jahrelang inhaftiert, sie werden gefoltert. Sie können nicht frei entscheiden, ob sie das Kopftuch tragen wollen. Wir leben in einer Welt, in der die Rechte von Frauen, vieler Frauen wie Nasrin Sotoudeh - Herr Paulsen hat es gesagt, sie sitzt in Haft und ihr droht Folter -, nicht existieren. Mir geht es nicht darum, dass Kunst keine Freiheit hat, mir geht es nicht darum, dass wir die Mode ausstellen können, mir geht es darum, dass unter Mode vielen Frauen - gerade das modischste Kopftuch wird im Iran getragen - das Kopftuchverbot eigentlich immer wieder verwehrt bleibt. Daher bitte ich Sie, lassen Sie uns in den nächsten Jahren differenzieren. Kunst lehrt uns, dass wir eine Debatte schaffen, für die Frauen, die sich verletzt fühlen, wenn sie das Gefühl haben, dass es diese Freiheit auch hier in diesem Land und in anderen Ländern nicht gibt. Daher, Herr Paulsen, ich glaube nicht, dass wir heute nicht liberal sind. Gestern Abend durfte ich den Film über unser Grundgesetz schauen. Ich war erstaunt, wie viel Elisabeth Selbert für einen Satz, für eine Formulierung, dass Frauen und Männer vor dem Gesetz gleich sind, gekämpft hat.

(Beifall) Lassen Sie uns heute immer noch für die Rechte der Frauen kämpfen. Für die Frauen, die auch in unserem Land nicht die Möglichkeit haben, für diese Freiwilligkeit in ihrer Familie, in der Gesellschaft, aber auch woanders zu kämpfen. Wahlrecht für Frauen haben andere für uns erkämpft. Lasst uns auch heute im Rahmen der Mode für die Frauen kämpfen, die diese Rechte in ihren Ländern nicht haben. Das ist mir wichtig, heute gesagt zu haben. Vielen Dank!

(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Uwe Paulsen

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 16. Mai 2019 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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