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Die Bürger*innen unserer Stadt wurden in den vergangenen Wochen von Starkregenereignissen überrascht. Die Feuerwehren mu

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Die Stadt Frankfurt am Main plant, Konzepte zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung in den öffentlichen Raum zu integrieren, um die Auswirkungen von Starkregenereignissen zu minimieren. Ziel ist es, das Oberflächenwasser zurückzuhalten und die Aufenthaltsqualität sowie das Stadtklima zu verbessern.

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Frage an den Magistrat

Die Bürger*innen unserer Stadt wurden in den vergangenen Wochen von Starkregenereignissen überrascht. Die Feuerwehren mussten in den Stadtteilen ausrücken, um vollgelaufene Keller auszupumpen. Dies ist auf die Kanalisation zurückzuführen, die durch Starkregenereignisse an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gerät. Rotterdam hat in seinem Stadtgebiet sogenannte "Water places" errichtet und verfolgt damit den Ansatz, das Regenwasser nicht mehr durch die Kanalisation aus der Stadt herauszuführen, sondern als Nutzwasser in den Städten zu halten und einer weiteren Nutzung zuzuführen. Ich frage: Gibt es in Frankfurt Überlegungen, solche Nutzungskonzepte in den öffentlichen Raum zu integrieren?

Antwort des Magistrats

Bei Starkregenereignissen ist die öffentliche Kanalisation in der Regel überlastet. Das Kanalnetz sowie auch die Sinkkästen der Straßen und die Anschlussleitungen können für extreme Regenereignisse nicht ausgelegt werden. Dies wäre extrem teuer und technisch sehr aufwändig. Das überschüssige Niederschlagswasser fließt daher der Topografie folgend auf der Oberfläche ab. Insbesondere die Straßen dienen dann mit den Bordsteinen als Fließwege. Soweit das Oberflächenwasser nicht in Gewässer oder Freiflächen abfließen kann, sammelt es sich in Geländesenken und führt zu Überflutungen von ungeschützten Grundstücken, Gebäuden und Anlagen. Deshalb steht vielmehr der Grundsatz der temporären Zurückhaltung von Regenwasser auf Flächen im Vordergrund, an denen es keine größeren Schäden anrichtet. Die Stadt Rotterdam hat mit dem "Water Square" eine Lösung für die Schaffung von Rückhalteraum bei Starkregenereignissen in der verdichteten Innenstadt entwickelt. Auf versiegelten öffentlichen Stadtplätzen werden tiefergelegte Becken angeordnet, in die das Regenwasser der umliegenden Straßen und Gebäude geleitet wird. Die Becken laufen nach dem Ereignis über einen Kanalanschluss wieder leer und sind so gestaltet, dass sie in den überwiegenden trockenen Zeiten für Freizeitaktivitäten genutzt werden können. Soweit bekannt erfolgt eine anderweitige Nutzung des angestauten Wassers dabei aber nicht. Solche "multifunktionalen Retentionsräume" sind ein Baustein, um bei selteneren Starkregenereignissen das Überflutungsrisiko in dicht bebauten Bereichen der Stadt zu begrenzen. Im Hinblick auf die Aufenthaltsqualität und das Stadtklima sind allerdings naturnah gestaltete Anlagen wie begrünte Mulden vorzuziehen, da diese durch Versickerung und Verdunstung und direkte Grünbewässerung eher dem natürlichen Wasserhaushalt entsprechen. Die Stadt Frankfurt am Main befasst sich seit Langem mit der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung. Dies wird mit vielfältigen Methoden und Projekten praktiziert. Beispiele für gelungene Realisierungen sind der Riedberg und das "Lindenviertel" in Sossenheim. Die Regenwasserbewirtschaftung zielt dabei unter anderem - ähnlich wie die erwähnten "water places" - darauf ab, das Oberflächenwasser zurückzuhalten und nicht in die Kanalisation einzuleiten, sondern möglichst vor Ort zu verdunsten und zu versickern oder gegebenenfalls zeitverzögert einem Gewässer zuzuführen. Diese Vorgehensweise ist bei der Aufstellung von Bebauungsplänen inzwischen Standard. Aktuell laufen zudem mehrere Forschungsprojekte und es werden neuartige Entwässerungs-Elemente abgestimmt, zum Beispiel Baum-Rigolen. In Kürze veröffentlicht das Umweltamt die stadtweiten Starkregengefahrenkarten. Mit deren Hilfe können sich Interessierte über die jeweilige lokale Gefahr einer Überflutung informieren. Die Ergebnisse zu Senken und Fließwegen sind eine wichtige Grundlage zur Analyse und Bearbeitung von überflutungsgefährdeten Bereichen. Letztlich kommt es immer auf die spezifische örtliche Situation an. Hieraus ergibt sich, wer wie das Überflutungsrisiko reduzieren kann. Um Starkregenrisiken zu verringern, ist neben der städtischen Daseinsvorsorge die private Eigenvorsorge der Grundstückseigentümer*innen erforderlich. Die Minimierung des Starkregenrisikos in der Stadt ist als integraler Teil des Aufbaus und der Stärkung der Blau-Grünen Infrastruktur zu sehen. Ein zusätzlich probates Mittel, um die Auswirkungen von Starkregen abzumildern, sind neben der Anlage von Rasenmulden und Notwasserwegen die Entsiegelung und Begrünung von Höfen und sonstigen Grundstücksflächen sowie Fassaden- und Dachbegrünungen. Hierdurch werden Verdunstung beziehungsweise Versickerung gestärkt und damit gleichzeitig das Mikroklima verbessert, Hitzeperioden erträglicher gestaltet sowie die Artenvielfalt gefördert. Daher werden bereits heute solche Maßnahmen im privaten Bereich durch das Programm "Frankfurt frischt auf" gefördert. Zukünftig wird dies durch die Gestaltungssatzung Freiraum und Klima forciert werden. Aber auch die Frankfurter Klimawandelanpassungsstrategie und das Konzept der Stadtentwässerung Frankfurt "Abwasser 2035" haben das zentrale Ziel, Niederschlagswasser möglichst dezentral zu sammeln, verdunsten zu lassen, als Betriebswasser zu nutzen und/oder zu versickern.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 8. Juli 2021 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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