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Nach vielen Diskussionen und auf Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU und GRÜNEN im Jahre 2011 beauftragte der Magist

Vorlagentyp: F
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Frage vom 28.03.2014, F 1362 Nach vielen Diskussionen und auf Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU und GRÜNEN im Jahre 2011 beauftragte der Magistrat vier Frankfurter Künstlerinnen und Künstler, Konzepte für eine zeitgemäße künstlerische Auseinandersetzung zu dem Thema Zwangsarbeit in den ehemaligen Adlerwerken zu entwickeln. Die hohe Qualität der eingereichten Konzepte zum KZ Katzbach bewog den Magistrat, die Arbeiten in jährlicher Abfolge zu zeigen. So war die Arbeit der Künstlerin Margarete Rabow am 25. März 2014 auf der Hauptwache zu sehen.

Ich frage den Magistrat: Wie bewertet er die zeitgemäße künstlerische Auseinandersetzung mit dem ehemaligen KZ Katzbach?

Antwort des Magistrats: Stadtrat Prof. Dr. Felix Semmelroth: Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrter Herr Stadtverordneter Popp! Der Magistrat verbindet mit der von 2014 bis 2018 stattfindenden künstlerischen Projektreihe den Wunsch, grundsätzlich eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Erinnerungskultur zu erreichen, besonders nämlich für die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen. Ziel ist dabei die Vermittlung eines lebendigen und durch Anschaulichkeit geprägten Geschichtsverständnisses. Zeitgenössische Kunstformen können dabei neue Formen des Gedenkens beschreiten, um - ergänzend zum statischen Denkmal - die Erinnerung an Ereignisse, die je an spezifischen Orten stattgefunden haben, im alltäglichen Bewusstsein stärker zu verankern. Temporäre Aktionen, Installationen, Interventionen oder Kunst-Performances im Stadtraum sind solche Formen künstlerischer Auseinandersetzung. Es sind Verfahren, die in der Gegenwartskunst inzwischen durchaus erfolgreich praktiziert und versucht wurden. Und es sind künstlerische Formen, die das Verständnis von Erinnerungskultur im öffentlichen Raum grundsätzlich erweitern und neu zur Diskussion zu stellen vermögen. Das Kulturamt hat darum vier in Frankfurt lebende Künstlerinnen und Künstler eingeladen. Die beauftragten Künstler Margarete Rabow, Stefanie Grohs, Barak Reiser und Naneci Yurdagül haben sich bereits in ihrer Arbeit solchen Themen zugewandt und ihre Vitae weisen teilweise auch einen biografischen Bezug zu dieser Thematik auf. Mehr als 200 Menschen haben am 24. März in Frankfurt an der Kunstaktion "Fallen" von Margarete Rabow teilgenommen. Männer und Frauen unterschiedlichster Nationalitäten und über alle Altersgruppen hinweg folgten dem in der Presse und über das Social Media, wie es heute heißt, verbreiteten Aufruf. Hinzu kamen Passanten, die sich spontan entschlossen haben, an der Aktion zu partizipieren. Sie alle sind, bildlich gesprochen, aufgestanden, um sich dann zu Boden fallen zu lassen, mit der gemeinsamen Intention, an die vielen Hundert Opfer zu erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus im Konzentrationslager Katzbach, dem Arbeitslager der Adlerwerke, auf fürchterliche Weise zu Tode gekommen waren. Für viele Teilnehmende hinterließ diese Performance nach ihren eigenen Aussagen eindrückliche Erfahrungen. Unser Ziel ist es, die Bewohner, die Bevölkerung, aber auch die Besucher der Stadt auf einen immer noch zu wenig bekannten Teil unserer Geschichte und die damaligen Geschehnisse in den Adlerwerken aufmerksam zu machen. Dies ist aus Sicht des Magistrats bei dieser ersten Aktion gelungen. In den kommenden Wochen wird die Künstlerin eine zweite Aktion, eine Lese-Performance in öffentlichen Verkehrsmitteln, durchführen und damit versuchen, einen weiteren Beitrag zu leisten, um diese Geschehnisse eben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, weil sie nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

(Beifall) Es kommt dabei aus unserer Sicht vor allem darauf an, 70 Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus deutlich zu machen, dass dies eine wirklich unvergängliche Vergangenheit ist, aber zugleich zu wissen, dass die Formen des Erinnerns sich verändern, dass Nachgeborene, heutige Generationen natürlich, dazu ungeachtet des Schulunterrichts einen anderen Zugang haben, als es etwa die Generation der 1940er-Jahrgänge oder der 1950er-Jahr-gänge hatte. Dies ist ganz wichtig. Wir müssen uns darum bemühen, dies so zu gestalten, dass überhaupt ein Ansatz gefunden wird, damit Kinder, Jugendliche und junge Menschen sich damit auseinandersetzen, sich natürlich auch mit den Ursachen des Nationalsozialismus, mit der Genese dieser Verbrechen auseinandersetzen. Dazu bedarf es anderer Formen, als es früher der Fall war, durch musealisierende Darstellungen, auch und gerade durch statische Formen, die sicher immer noch notwendig sind. Es ist sicher immer noch richtig, solche Orte aufzusuchen, es ist sicher immer noch richtig, dass Schulklassen dorthin geführt werden, dass sie instruiert werden. Ich unterstelle und nehme an, dass dieses für heutige 15- bis 25-Jährige nicht hinreichend sein dürfte, und so wird es natürlich in der Zukunft immer weitergehen. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, mit dem industriellen Massenmord an europäischen Juden, ist unvergänglich. Darum werden wir uns immer wieder um neue Formen bemühen müssen. Mehr als ein Bemühen kann es ohnehin nicht sein.

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank! Es gibt eine Zusatzfrage von Herrn Stadtverordneten Popp. Bitte! Stadtverordneter Sebastian Popp, GRÜNE: (Zusatzfrage) Es gab in der Vergangenheit auch immer wieder die Forderung nach einem Informations- und Bildungszentrum. Sie hatten dies auch im Moment angedeutet. Wie wird das Konzept von Ihrer Seite des damals in der Diskussion Stehenden bewertet? Stadtrat Prof. Dr. Felix Semmelroth: (fortfahrend) Zum einen ist es ganz sicher zu würdigen. Es sind große Anstrengungen unternommen worden. Man hat sich dem Thema zugewandt, man hat sich darauf eingelassen. Ich bin allerdings der Auffassung, dass es genau das ist, was ich versucht habe anzudeuten, in situ zu sagen, hier war ein Konzentrationslager, hier wurden Menschen zu Tode gequält, hier wurden sie durch Zwangsarbeit ermordet, hier sind sie an Krankheiten zu Tode gekommen. Gleichwohl bedeutet es natürlich, dass aufgrund der Lage von Katzbach Menschen dorthin geführt werden müssen. Das heißt, es erfordert Schulprogramme, es erfordert die Notwendigkeit, dorthin gehen zu müssen, damit man daran teilhaben kann. Auch dann ist es immer noch bedenkenswert, dort etwas zu gestalten. Ich fürchte nur, es genügt nicht. Selbst dann nicht, wenn man die Kinder und Jugendlichen oder auch andere dorthin führt. Ich befürchte, es genügt nicht, wenn man weiß - mit Gedenktafeln versehen -, was dort geschehen ist, wer dort gewütet hat, und wenn man weiß, dass es dort Dokumente in Vitrinen gibt. Aus meiner Sicht ist dieses äußerst verdienstvoll, aber ich glaube, es wird nur hinreichend dem gemeinsamen Ziel gerecht, nämlich sich der fortdauernden Notwendigkeit mit dem Nationalsozialismus intensiv zu befassen, und zwar in seinen verschiedenen Facetten.

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank! Es gibt eine zweite Zusatzfrage von Herrn Stadtverordneten Ochs von der RÖMER-Fraktion. Bitte! Stadtverordneter Bernhard E. Ochs, RÖMER: (Zusatzfrage) Herr Stadtrat, ich finde diese Aktionen richtig und wichtig, aber ich habe im Zusammenhang mit der einen Aktion in der Frankfurter Innenstadt gelesen, dass sich dort über 400 Menschen hinfallen lassen und wieder aufstehen sollten. Jedoch hat sich laut des Zeitungsartikels nur die Hälfte eingefunden. Worauf führen Sie das in einer Stadt wie Frankfurt zurück, die ja immer als tolerante und offene Stadt gelobt wird? Stadtrat Prof. Dr. Felix Semmelroth: (fortfahrend) Darüber haben wir natürlich auch nachgedacht, Herr Ochs. Das ist eine sehr berechtigte Frage. Ich glaube nicht, dass es Desinteresse ist oder von vornherein Abwehr war, sondern natürlich ist die Teilhabe an einer solchen sicher auch für den Einzelnen spektakulär wirkenden Aktion eine Überwindung, daran tatsächlich teilzunehmen - zumal es so etwas in dieser Form noch nicht gab. Es war ein Ziel, dass wir etwas machen wollten, womit man ins Stocken gerät, wobei man innehält. Wenn das fortgesetzt wird - und es wird fortgesetzt mit der Aktion, die ich bereits angesprochen habe, mit dieser Leseaktion -, wenn so etwas in den nächsten Jahren stattfindet, dann werden noch mehr partizipieren. Aus unserer Einschätzung und aus den Gesprächen, die wir geführt haben, war zu entnehmen, dass viele Menschen eher gehemmt waren, um an so etwas teilzunehmen. Das hat man gelegentlich auch in völlig anderen Zusammenhängen, etwa bei Performances, bei denen Menschen aufgefordert werden mitzumachen. Sie nehmen es dann in der Regel mit einer gewissen Abwehr auf, weil man sich nicht exponieren möchte. Nach unserer Einschätzung hängt es auch damit zusammen, dass es eine gewisse Furcht vor der Exposition in der Öffentlichkeit ist. Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 1362 Stadtverordneter Lothar Reininger, LINKE.: Frau Vorsteherin, meine Damen und Herren! Die Fraktion DIE LINKE. begrüßt die Zurverfügungstellung von viermal 25.000 Euro für das Kulturprojekt. Wir sehen, dass alles, was das Geschehen in dem Konzentrationslager Katzbach in dieser Stadt ein Stück weit bekannter macht, gut ist. Gleichwohl sagen wir, dass das Verfahren, wie es gelaufen ist, für uns nicht nachvollziehbar war. Es gab eine Menge Kulturschaffende in den letzten 20 bis 25 Jahren, die an diesem Thema gearbeitet haben. Keine dieser Kulturinitiativen oder auch Künstler wurde dazu befragt oder mit einbezogen. Das Problem ist ein anderes. Die Stadt selbst tut sich schwer, mit dem Konzentrationslager Katzbach umzugehen. Wir sprechen von Erinnerungskultur, wenn es um die Rekonstruktion der Altstadt geht. Wir gedenken in Gottesdiensten den 1.500 Toten der drei Bombardierungen, was ich auch nicht falsch finde. Genauso sollte erwähnt werden, dass zwei Kilometer weiter über 1.500 Menschen in den Adlerwerken gestorben sind. Dieses Konzentrationslager wurde im August 1944 eingerichtet. Bis März 1945 haben über 95 Prozent der Menschen, die dort hineinkamen, das Kriegsende nicht erlebt. Es gab kein grausameres Konzentrationslager als das mitten in dieser Stadt. In den Veranstaltungen mit dem deutsch-polnischen Verein Zeichen der Hoffnung im Kaisersaal ist in drei Jahren nicht einmal auch nur ein Wort zu dem Konzentrationslager Katzbach gesagt worden. Es ist peinlich, wenn zwei Überlebende aus dem KZ Katzbach - es gab nur noch elf, die wir überhaupt erreicht haben - anwesend sind und die sagen: "Lothar, warum ist es immer noch nicht möglich, endlich einzugestehen, dass es hier in dieser Stadt ein Konzentrationslager gab." Das Institut für Stadtgeschichte, Herr Semmelroth, vermischt regelmäßig die Zwangsarbeit, die in Frankfurt mit 40.000 Zwangs-arbeitern in verschiedenen Betrieben schlimm genug war, mit dem Konzentrationslager Katzbach, das darauf ausgerichtet war, Vernichtung durch Arbeit zu betreiben. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen dort lag bei 60 Tagen. Sie waren auf das halbe Gewicht reduziert und wurden dann zum Vergasen weggeschickt. Weder in Erinnerungspunkten noch in einer Veranstaltung, an der polnische Überlebende teilnehmen, wird das von der Stadt deutlich gemacht. Es wird von Buchenwald und anderen Dingen erzählt, aber es wird kein Wort über das KZ, in dem sie in Frankfurt gesessen haben, erwähnt.

(Beifall) Das ist unsäglich. Deswegen fordere ich, dass die Stadt selbst den Hebel ansetzt. Es muss überprüft werden, inwieweit am 27. Januar ein Gedenken an Auschwitz und das Konzentrationslager in unserer Stadt Erwähnung findet, inwieweit man am Volkstrauertag darauf hingewiesen wird und inwieweit wir uns das noch einmal leisten können. Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Herr Reininger, Ihre Redezeit ist leider abgelaufen. Stadtverordneter Lothar Reininger, LINKE.: (fortfahrend) Ja, gut. Wen das interessiert, der kann sich hier eine Broschüre abholen. Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Stadtverordneten Popp von den GRÜNEN. Bitte! Stadtverordneter Sebastian Popp, GRÜNE:

Frau Vorsteherin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Noch einmal kurz zusammengefasst: Das KZ Adlerwerke - so, glaube ich muss man das nennen, besser noch Werkskonzentrationslager, Deckname Katzbach -, der Kollege sagte es schon, hatte 1.600 Häftlinge im Alter von elf bis 75 Jahren. 528 sind dort vor Ort gestorben. Das Durchschnittsalter betrug 36 Jahre. Ich glaube, auch das wurde eben schon vom Kollegen Reininger gesagt, dass es sicherlich eines der grausamsten Konzentrationslager in einer deutschen Stadt war. Ich glaube aber auch, dass es nur bedingt als Thema für politisches "Klein-Klein" taugt, wer wann was wie wo gesagt hat. Dass wir heute darüber sprechen, das ist richtig. Es ist ein wesentliches Verdienst des Ortsbeirates 1, der Bürgerinnen und Bürger aus diesem Ortsbezirk und unterschiedlichster Initiativen, die sehr lange schon immer wieder darauf beharrt haben, dass dieses Thema auf die politische Agenda kommt. Das möchte ich durchaus selbstkritisch anmerken. Es gab sicherlich auch Entscheidungen hier im Parlament oder an anderer Stelle, die im Ortsbezirk Verwunderung ausgelöst haben. Ich nenne mal exemplarisch - es ist schon länger her - die Frage die Gedenktafel, die es zum KZ gibt, in den Innenhof zu hängen, das war sicherlich keine besonders intelligente. Ob es im Einzelnen auch Fehler in der Phase gegeben hat, in der wir uns jetzt befinden; ich weiß da den Kulturdezernent sicherlich an meiner Seite, wenn ich sage, dass man vielleicht an der einen oder anderen Stelle zukünftig etwas besser machen kann. Zur Form des Gedenkens: Es gibt heute in Frankfurt 90 Orte, die Erinnerungsmale haben und ausweisen. Es gibt eine große Anzahl von Aktivitäten, die ich in drei Minuten nicht alle ansprechen kann. Ich verweise auf den Bericht des Magistrats B 576 aus dem Jahr 2010. Wie geht erinnern und gedenken heute im Jahr 2014? Gibt es wirklich nur den einen richtigen Weg? Wir in der Koalition sind der festen Überzeugung, dass es immer wieder darum gehen muss, neue Wege auszuprobieren, und zwar auch mit der bewussten Gefahr, dass an der einen oder anderen Stelle auch einmal etwas nicht funktionieren kann. Mit dem Antrag NR 105 aus September 2011 hat sich die Koalition für ein zeitgemäßes und lebendiges Konzept zur Auseinandersetzung mit dem KZ der Adlerwerke ausgesprochen. Hierfür möchte ich mich noch einmal bei meiner Vorgängerin Heike Hambrock bedanken, die sehr lange an diesem Thema gearbeitet hat. "Fallen" von Margarete Rabow ist ein solcher Versuch, und es wird über ihn diskutiert. Das ist aus meiner Sicht ein Erfolg. Dass man darüber streitet, ob dieser Versuch harmlos oder kritisch war, ist aus meiner Sicht auch ein Erfolg. Dass über das Erinnerungskonzept der Stadt Frankfurt insgesamt diskutiert wird, ist ebenfalls ein Erfolg. Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Herr Popp, Ihre Redezeit ist zu Ende. Der nächste Redner ist Herr Stadtverordneter Dr. Dürbeck von der CDU-Fraktion. Bitte!

(Beifall) Stadtverordneter Dr. Thomas Dürbeck, CDU: Frau Stadtvorsteherin, meine Damen und Herren! Ich versuche es kurz zu machen und mache dort weiter, wo der Kollege Popp gerade aufgehört hat. Eine Kollegin von mir war am 25. März dabei und hat gesagt, dass dies eine sehr, sehr ergreifende und auch persönlich ganz schwierige Situation war. Insofern glaube ich, war auch diese Idee, die Frau Rabow hatte, eine gute Idee.

(Beifall) Vieles ist auch schon richtig gesagt worden, ich muss auch Herrn Reininger zustimmen. Wir haben seit 1997 an dem Thema gearbeitet. Es waren sicher nicht immer Glanzstunden, aber es war eigentlich immer geprägt von der Suche nach einer wirklich guten und ernsthaften Lösung. Wir müssen bei Gedenken auch überlegen - das werden wir in Zukunft häufiger tun müssen -, ich möchte keine Buchhaltung aufmachen, aber in der Stadt Frankfurt, wenn ich es richtig weiß, tauscht sich alle sieben Jahre die Hälfte der Bevölkerung aus. In der Stadt Frankfurt sind - wenn nicht, wird mich die Dezernentin vielleicht korrigieren - 26 Prozent der Frankfurter Ausländer und 21 Prozent der Frankfurter haben einen Migrationshintergrund. Viele Frankfurter, die bei uns wohnen, haben keine geschichtliche Verbindung zu dem, was unsere Vorfahren in den Vierzigerjahren angestellt haben, und wir müssen auch sehen, dass unsere Kinder und die Jugend heute andere Begegnungsformen haben, als es sie früher gab. Heute trifft man sich nicht mehr auf einem Marktplatz oder sonst irgendwo. Man trifft sich im Internet, man trifft sich in sozialen Medien und Foren. Ich denke, das sind alles Dinge, die wir beim Gedenken und bei einer zeitgemäßen Gedenkkultur in Zukunft mit berücksichtigen müssen. Ob das jetzt die Lösung war, die wir gesehen haben, müssen wir sicher in der nächsten Zeit verfolgen und diskutieren. Ich denke, es ist ein guter Schritt, auch jetzt die Personen und Leute mit hereinzunehmen, für die das eine ganz ferne Geschichte ist und die kaum noch einen Bezug dazu haben. Deswegen kann ich eigentlich nur sagen, war das eine gelungene Veranstaltung. Im Prinzip bedauere ich, dass daran dauernd Kritik geäußert wird. Danke schön! Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung kommt von Herrn Hübner von den FREIEN WÄHLERN. Bitte! Stadtverordneter Wolfgang Hübner, FREIE WÄHLER: Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren! Ich habe erst vor einigen Tagen an den Gräbern der Bombenopfer vom 18. und 22. März 1944 gestanden. Wenige Minuten später stand ich an den Gräbern der vielen Zwangsarbeiter, meist mit russischen Namen, die infolge dessen, was zum Beispiel auch im KZ Katzbach passiert ist, so früh ihr Leben hier verloren haben. Ich persönlich habe keinen Unterschied bei meinen Empfindungen gehabt. Die Trauer um die einen war genauso groß wie die Trauer um die anderen. Ich schicke das einmal voraus, weil wir darüber reden, wie wir im Grunde genommen in Zukunft oder überhaupt Erinnerungskultur haben. Erinnerungskultur ist für mich in erster Linie das, woran ein Individuum bereit ist, sich zu erinnern, und bereit sein wird, sich mit dem zu beschäftigen, was gewesen ist. Wenn wir uns aber mit der Erinnerungskultur beschäftigen, dann müssen wir auch aufpassen, dass wir die Geschichte nicht fälschen. Herr Kulturdezernent, wenn Sie von der Befreiung Deutschlands

(Zurufe) vom Nationalsozialismus sprechen, dann sage ich Ihnen: Ich denke, kein einziger amerikanischer Soldat, kein einziger sowjetischer Soldat und auch kein einziger von den anderen Kriegsgegnern ist angetreten, hat sein Leben riskiert oder hat sein Leben dafür verloren, dass Deutschland vom Nationalsozialismus befreit wird.

(Zurufe) Das ist eine absolute Geschichtslüge, all diese Männer und Frauen in den

(Zurufe) anderen Armeen - sie wollen es einfach nicht hören -

(Zurufe) haben gedient, um einen militärischen Sieg gegen Deutschland oder das damalige großdeutsche Reich zu erzielen. Ich denke, man sollte die Geschichte so behandeln, wie sie gewesen ist

(Zurufe) und nicht, wie man sie gerne sehen möchte. Vielen Dank!

(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Vielen Dank! Es liegt eine weitere Wortmeldung von Herrn Emmerling von der SPD-Fraktion vor. Herr Emmerling, Ihr Redezeitkontingent beträgt noch eine Minute, Sie haben das Wort. Bitte! Stadtverordneter Eugen Emmerling, SPD: Frau Vorsteherin, meine Damen und Herren! Viele Soldaten, ob es russische Soldaten, sowjetische Soldaten, amerikanische Soldaten oder französische Soldaten waren, und ganz besonders die, die dann auf britischer Seite mitgekämpft haben, haben gegen den Nationalsozialismus und die Verbrechen gekämpft.

(Beifall) In diesem Hause, Herr Hübner, eine Geschichtsgliederung zu machen, halte ich für unverfroren. Das geht so nicht.

(Beifall) Dieses Thema eignet sich nicht für parteipolitische Kontroversen. Ich bin dankbar, dass wir eine Erinnerungskultur haben. Ich selbst war dabei. Man kann über Details diskutieren, aber dass wir neue Wege finden und dass wir versuchen, die Geschichte dieser Stadt, die auch mit Unrecht und mit Verbrechen verbunden ist, in die Zukunft zu bringen, ist wichtig. Wir müssen alle daran arbeiten. Hier geht es nicht um Parteipolitik, es geht um Verpflichtung. Danke!

(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Sebastian Popp

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 28. März 2014 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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