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Thema Umwelt und Energie verfolgenInhalt
Frage vom 17.05.2018, F 1238 Der Zeitplan für die Sanierung des Höchster Bolongaropalastes scheint bereits jetzt nicht mehr einzuhalten zu sein. Schon jetzt ist das Projekt offensichtlich ein Jahr im Verzug. Die Presse zitiert den Vorsitzenden des Kultur- und Museumsvereins Bolongaro mit den Worten: "Die großen Sanierungsaufträge wie das Dach und der Innenausbau sind noch nicht einmal vergeben."
Ich frage den Magistrat: Was sind die konkreten Gründe für die Verzögerung, und wie wirkt sich diese Verzögerung sowohl auf die Kosten als auch auf den geplanten Fertigstellungstermin aus?
Antwort des Magistrats: Oberbürgermeister Peter Feldmann: Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Stadtverordnete, sehr geehrter Herr Stadtverordneter Fuchs, meine Damen und Herren! In der letzten Sitzung des Jahres 2016 haben wir die Bau- und Finanzierungsvorlage zur Sanierung und Neukonzeption des Bolongaropalastes in Höchst beschlossen. Wir waren uns damals einig, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern im Frankfurter Westen damit - wie sie es sagen - ihren Palast zurückgeben. Der Bolongaropalast ist zu Recht ein Stück des Stolzes auf den Frankfurter Westen, auf die eigene Identität, die weit in die Industriegeschichte und darüber hinaus zurückreicht. Wir machen aus einem teilweise baufälligen Gebäude einen Bürgerpalast für alle. Sie wissen, ich mache gerne Führungen durch unsere neue Altstadt, aber genauso sind mir Führungen im Bolongaropalast eine wirkliche Herzensangelegenheit. Wir wissen, dass Stadtteile das Herz der Stadt sind und hier sind wir auch zu Hause. Ich nehme deshalb gerne Ihre Frage auf, um Ihnen ein Stück der Komplexität des Bauvorhabens, aber auch den historischen Kontext, zu erläutern. In Höchst plante Kurfürst Emmerich Joseph, nach ihm heißt die berühmte zentrale Straße des Emmerichstadtprojekts, eine Höchster Neustadt. Heute würde man eine alte Neustadt sagen, aber sie ist nicht gebaut worden. Gebaut wurde von den damaligen Plänen ausschließlich der Bolongaropalast als singuläres Objekt, sonst nichts. Höchst, da sind wir uns einig, würde sonst heute anders aussehen. Nach dem frühen Tod des Kurfürsten im Jahr 1774 gab es keinen Fürsprecher mehr für diese Idee und das Gebäude verwahrloste. Im November 1813 übernachtete Napoleon auf der Flucht nach der Völkerschlacht bei Leipzig, zwei Wochen später dann Marschall Blücher, in dem Palast. 1908 kaufte die Stadt Höchst das Gebäude und nutzte es fortan als Rathaus. Nach der Eingemeindung 1928 diente es als Stadtteilrathaus für die westlichen Stadtteile. Ich sage Ihnen dies alles, meine Damen und Herren, auch Ihnen Herr Fuchs, weil der Bolongaropalast nicht irgendein Bauwerk ist, sondern ein bauliches Erbe, mit dem wir sehr sorgsam umgehen müssen. Geehrte Kollegen von der AfD, das ist tatsächlich ein Erbe einer bestimmten christlichen Kultur, das sich damals in dieser Weise entfaltete, ein Stück Geschichte, auch zusammen mit der sich dort in der Nähe befindlichen Kirche, eine der ältesten in unserer Stadt, auf die wir alle stolz sein können. Mein Angebot an Sie, seien Sie es auch, suchen Sie hier nicht nach Möglichkeiten, sich künstlich zu empören und daraus so einen Fall, wie es mit den Bauvorhaben der Stadt sei, zu machen.
(Zurufe) Wir sind sehr stolz, nachdem Höchst schon seit vielen Jahren zu Frankfurt gehört, auf dieses Erbe der Heimatstadt Frankfurt. Ein Veranstaltungssaal wird durch die Überdachung des Innenhofs hergestellt. Dort gibt es künftig Theatervorstellungen mit bis zu 117 Sitzplätzen, Lesungen, Vorträge, Empfänge, Konzerte, Bankette, Feierlichkeiten und natürlich auch Hochzeiten. Auch ich habe diese Möglichkeit dort im Standesamt gerne genutzt. Früher gab es diese Feiermöglichkeiten nicht. Das wird sich jetzt, gerade durch dieses Projekt, ändern. Es wird dort auch ein Museum geben, alle Räume sind Sammlungs- und Ausstellungsräume Höchster Geschichte. Ein Mitmachmuseum wird die Geschichte von Höchst über die letzten Jahrhunderte erlebbar machen. Das Konzept soll Schulklassen, Touristen, Einheimische, Kultur- und Geschichtsinteressierte ansprechen. Im ersten Obergeschoss des Mittelbaus wird der angekündigte Musiksaal entstehen, der als Pendant zum Kapellensaal im gegenüberliegenden Gebäudeteil ausgebaut wird. Der Entwurf aus den 1770er-Jahren sah diesen Saal zwar vor, endgültig umgesetzt wurde er aber nicht. Er wird nun entsprechend nach diesen alten Planungen umgesetzt. Die klassischen Gliederungselemente des barocken Raumes werden aufgegriffen und in moderner Form durch Gesimse und Türen gestaltet. Der neue Saal wird für Musikveranstaltungen, zum Beispiel Konzerte von der Musikschule, und dem Stützpunkt Kitas genutzt. Im Erdgeschoss wird es mit der Einrichtung eines Restaurants eine neue Gastronomie für Höchster Bürger, aber auch für Besucher aus anderen Stadtteilen und Touristen geben. Zum Anziehungspunkt wird sich, in Zusammenarbeit mit den anderen Nutzern, der gesamte Veranstaltungsbereich, das Büro des Oberbürgermeisters, das Standesamt, das Restaurant und der ganze Komplex bis zur Tordurchfahrt im Ostflügel entwickeln. Wir bekommen einen Bürgerpalast der lebt, der manchmal, wie in der Vergangenheit auch, sicherlich beben wird, aber auch eine ganze Reihe von stillen Räumen bietet, in die man sich zurückziehen kann, um neue Kraft zu schöpfen, und ein Mitmachmuseum für Höchst. Das Restaurant, der Musiksaal, der Theatersaal, das Museum, vieles wird neu, mit moderner Technik ausgestattet, entstehen und alles wird barrierefrei zu erreichen sein. In einem Satz: Es wird ein Schmuckstück! Die Arbeiten am Dach, die Sie angesprochen haben, und die Bauarbeiten insgesamt, sind an entsprechende Firmen vergeben. Die vom Fragesteller in Scheinform einer Frage gemachte Aussage ist also falsch. Die Beauftragung der Gewerke erfolgt nach der Notwendigkeit des Bauablaufes. Entgegen der Behauptung des Fragestellers ist das Projekt auch nicht ein Jahr im Verzug. Zur Hintergrundinformation zitiere ich Passagen aus der Stellungnahme der Architekten: "Die Verzögerungen im Bauablauf der Arbeiten im Bolongaropalast wurden durch Bestandsfunde und daraus resultierende neue Erkenntnisse der vorhandenen Bausubstanz hervorgerufen. Vielfach mussten Umplanungen erfolgen, die zu Verzögerungen führten. Die Verzögerung der Kranstellung wurde durch die Trassenführung in der Bolongarostraße hervorgerufen, die erst durch Suchschlitze und Befahrungen geklärt werden konnte. Auch hier mussten aufwendigere Arbeiten geplant und genehmigt werden, als ursprünglich geplant. Um den Kran zu stellen, wurde ein Fundament von 6,70 Meter, mal 4,55 Meter breit, mal 60 Zentimeter hoch benötigt, das wiederum auf zwölf Bohrpfählen steht, die jeweils 20 Meter in die Erde gebohrt wurden. Dieses Ausmaß war zu Beginn der Planung nicht absehbar." So weit der erste Teil des Zitats. Den zweiten Teil der Architekten finde ich auch sehr interessant. Ich zitiere: "Da es sich bei dem Bolongaropalast um ein Gebäude handelt, an dem in den vergangenen Jahren viel umgebaut, teilweise aber die verschiedenen Bauphasen nur unzureichend dokumentiert wurden, müssen Stück für Stück Erkenntnisse verarbeitet werden, die Grundlage für die Ausführungsplanung und Ausschreibung waren. All diese Erkundungen müssen möglichst minimalinvasiv und bestandsschonend durchgeführt werden, um ausreichende Erkenntnisse zu erlangen und gleichzeitig die historische Bausubstanz zu erhalten. Hier und da gibt es auch positive Funde, wie die neuen Stuckdecken, die bisher unter Gipskartondecken der Achtzigerjahre versteckt waren. Auch diese wurden aufgenommen und die Planung entsprechend angepasst. Dazu zählt unter anderem die Anpassung von Nutzungen, das Verlegen von Schächten und natürlich die Restaurierung und teilweise Wiederherstellung der Stuckdecken." So weit die Zitate aus dem Bericht der Architekten zur aktuellen Situation. Meine Damen und Herren, mir war immer bewusst, dass wir mit dem Beschluss zur Sanierung unseres Bolongaropalastes einen wichtigen Beitrag zur Identifikation, zum Stolz der Menschen im Frankfurter Westen leisten. Ich bekenne mich ausdrücklich zu diesem Projekt und möchte Ihnen auch sagen: Bevor Dinge zerstört werden, gilt das Prinzip "Sorgfalt vor Hektik". Es ist auch Grundlage unseres historischen Bewusststeins im Umgang mit Denkmälern, dass, wenn wir etwas entdecken, wir nicht einfach den Farbeimer oder den Presslufthammer herausholen, sondern versuchen, die Dinge zu erhalten. Ich möchte mit einer Bitte schließen: Machen wir den Bolongaropalast, wie auch unsere neue Altstadt, gemeinsam zu einer Erfolgsgeschichte für unsere Stadt und insbesondere für die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Frankfurter Westen, deren Herz wirklich daran hängt und die über Jahre dafür gekämpft haben, dass die Stadt Frankfurt endlich ihr Versprechen einlöst, den Bolongaropalast zu sanieren, und zwar mit Erhalt dessen, was er auch an historischer Substanz darstellt. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
(Beifall) Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler: Die erste Zusatzfrage kommt von Herrn Fuchs. Bitte! Stadtverordneter Markus Fuchs, AfD: (Zusatzfrage) Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, als Historiker bedanke ich mich für diesen historischen Exkurs. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, gibt es keinen Zeitverzug. Ich zitiere einmal den Leiter der Verwaltungsstelle Höchst und er wird in der Frankfurter Rundschau zitiert. Da heißt es, er spricht nun offiziell von mindestens einem halben Jahr Verzug. Spricht der Leiter der Verwaltungsstelle Höchst die Unwahrheit? Oberbürgermeister Peter Feldmann: (fortfahrend) Nein, er hat das gesagt, was ich auch gesagt habe, dass wir das Projekt im Jahr 2021 abschließen werden. Antragstellende Person(en): Stadtv. Markus Fuchs
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 17. Mai 2018 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.