Laut Industrie- und Handelskammer verliert das Abitur als Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz zunehmend an Bedeutun
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Thema Schulen und Bildung verfolgenInhalt
Frage vom 15.03.2018, F 1108 Laut Industrie- und Handelskammer verliert das Abitur als Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz zunehmend an Bedeutung. Viele Firmen setzten auf Einstellungstests, um die Eignung eines Bewerbers/einer Bewerberin zu beurteilen, der Schulabschluss spiele eine geringere Rolle. Gleichzeitig jedoch hält der Run auf die Gymnasien an, auch mit der Folge steigender Studentenzahlen. Circa 30 Prozent der Studentinnen und Studenten brechen ihr Studium später ab.
Ich frage den Magistrat: Was kann der Magistrat tun, damit Eltern sowie Schülerinnen und Schüler mehr über die Vorteile und Chancen der dualen Berufsausbildung erfahren, und wie gedenkt der Magistrat die Gymnasialquote im Westend zu senken?
Antwort des Magistrats: Stadträtin Sylvia Weber: Sehr geehrte Frau Vorsteherin, sehr geehrter Herr Brillante!
In den weiterführenden Schulen gehört die Berufsorientierung zum Curriculum. Auch in der Schulentwicklungsplanung wird dem Thema Rechnung getragen: Der kommende Schulentwicklungsplan für die beruflichen Schulen sieht unter anderem vor, die bestehenden Ansätze der Kooperation von allgemeinbildenden Schulen und beruflichen Schulen auszubauen. Durch eine enge Verzahnung von allgemeinbildenden Schulen mit den Schulen der beruflichen Bildung sollen gelingende Bildungsgänge ermöglicht werden, die mit möglichst passgenauem Schulabschluss in die berufliche Bildung und in den Beruf führen. Daneben gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen, auf denen Betriebe, Kammern und Schulen über die Chancen der dualen Ausbildung informieren. Beispielhaft seien hier die "ausbildungsmesse-ffm" oder "Einstieg", die Berufswahlmesse, genannt. Eine Senkung der Gymnasialquote ist weder im Westend noch in einem anderen Stadtteil beabsichtigt. Das erkennbare Interesse der Eltern ist nach § 144 des Hessischen Schulgesetzes zu berücksichtigen. Die Schulträger sind verpflichtet, ein Schulangebot vorzuhalten, das gewährleistet, dass Eltern den Bildungsgang ihres Kindes nach § 77 Hessisches Schulgesetz wählen können und die Übergänge in die Oberstufe sichergestellt sind. Der Magistrat wird jedoch nach der Beschlussfassung des Schulentwicklungsplans B, gemeinsam mit den beruflichen Schulen, öffentlich über die Chancen der beruflichen Bildung informieren. Zudem sind die Verfügbarkeit und Sicherung qualifizierter Fachkräfte ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor für Frankfurt und deshalb wichtig für die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts. Wie die Dienstleistungsbranche und der öffentliche Sektor steht auch das produzierende Gewerbe vor der Herausforderung der Fachkräftegewinnung. Der Magistrat weiß um die Bedeutung der Fachkräftesicherung für die Frankfurter Industrie und hat sich im Masterplan Industrie auf dem Handlungsfeld Arbeit und Qualifizierung zum Ziel gesetzt, die Attraktivität der industriellen Ausbildung zu verbessern und die duale Ausbildung in der Industrie zu stärken. Mit dem Projekt "Imagekampagne 'Pro Industrie' zur Stärkung der dualen Ausbildung" soll dazu beigetragen werden, die Industrie als attraktiven Arbeitgeber darzustellen, die Berufsmöglichkeiten in der Industrie aufzuzeigen und zu einer dualen Ausbildung in der Industrie zu motivieren. Primäre Zielgruppe der Imagekampagne sind als potenzielle Auszubildende Schüler und Jugendliche, insbesondere Mädchen und Frauen. Die Wirtschaftsförderung Frankfurt engagiert sich in vielfältigen Foren und Formen, um Schülerinnen und Schülern sowie Eltern über die Chancen und Möglichkeiten der dualen Ausbildung zu informieren. Dazu zählen die Unterstützung von Ausbildungsmessen wie auch das Einbringen von Informationen in Maßnahmen der Kammern, der Agentur für Arbeit, des Jobcenters und der Hochschulen. Das "Netzwerk Ausbildung und Arbeit" ist ein dezernats- und ämterübergreifendes Fachgremium unter meiner Leitung für Diskussionen, Abstimmungs- und Meinungsbildung und spricht Empfehlungen für die Weiterentwicklung und Bearbeitung von Fragen, Inhalten und Strukturen der Integration in den ersten Arbeitsmarkt aus. Unter Einbeziehung der OloV-Standards, OloV heißt Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule - Beruf, ist es eine wesentliche Aufgabe des Netzwerks, die Übergänge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu fördern. Zu den Zielen des Netzwerks zählen unter anderem die Erhöhung der Übergangsquote in die duale Ausbildung, die vorrangige Vermittlung in duale Ausbildung, gegebenenfalls mit Entwicklung von Unterstützungsstrukturen, oder die Vermittlung von Informationen über Angebote und Maßnahmen. Sie sehen also, es gibt viele Aktivitäten und Bemühungen, sowohl von schulischer Seite als auch vonseiten der Wirtschaft, um schon frühzeitig auf die Chancen der beruflichen Bildung und insbesondere der dualen Ausbildung hinzuweisen.
(Beifall) Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Renate Wolter-Brandecker: Es gibt eine Zusatzfrage von Herrn Brillante. Bitte! Stadtverordneter Luigi Brillante, FRANKFURTER: (Zusatzfrage) Schön, was Sie berichtet haben. Die bösen Eltern im Westend zwingen nunmehr alle ihre Kinder, auf das Gymnasium zu gehen. Daher frage ich: Teilen Sie mit mir die Meinung, dass, wenn der Übergang auf das Gymnasium erst in späteren Jahren erfolgen würde und die Kinder selbst entscheiden könnten, ob sie auf das Gymnasium wollen oder sich vielleicht für einen Ausbildungsplatz entscheiden, sich vielleicht manches Kind eher für eine Ausbildung entscheiden würde, und das vielleicht auch im Westend? Stadträtin Sylvia Weber: (fortfahrend) Eltern wollen in der Regel das Beste für ihr Kind, und es steht mir auch nicht zu, das Verhalten von Eltern zu beurteilen oder zu bewerten, und deswegen werde ich es auch nicht tun.
(Beifall) Antragstellende Person(en): Stadtv. Luigi Brillante
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 15. März 2018 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.