Produktbereich: Kultur, Freizeit und Sport Produktgruppe: 21.21 Historisches Museum Produktgruppe: 21.23 Museum der Weltkulturen Umgang mit kolonialen…
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Produktbereich: Kultur, Freizeit und Sport Produktgruppe: 21.21 Historisches Museum Produktgruppe: 21.23 Museum der Weltkulturen Umgang mit kolonialen Raubgütern in Frankfurter Museen
Zusammenfassung
Der Antrag sieht die Ausweitung der finanziellen Förderung für die Aufarbeitung von Provenienzen von Kulturgut aus kolonialen Kontexten in Frankfurter Museen vor. Ziel ist es, die Forschungsergebnisse digital zugänglich zu machen und das Bewusstsein für ethnologische Provenienzforschung zu stärken. Dies soll zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit und zur Schaffung von Transparenz beitragen.
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Thema Kultur verfolgenAntrag
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Die finanzielle Förderung für die Aufarbeitung von Provenienzen von Kulturgut aus kolonialen Kontexten in Frankfurter Museen und Sammlungen in öffentlicher Trägerschaft wird ausgeweitet.
Dafür werden (bei den in den Produktgruppen genannten Museen jeweils 1 Stelle) auf 2 Jahre befristete Projektstellen geschaffen und Mittel in Höhe von 283.000 Euro in den Haushalt eingestellt, die die Frankfurter Museen, insbesondere das Weltkulturen Museum und das Historische Museum in die Lage versetzen, ihre Bestände in kolonialen Kontexten aufzuarbeiten und transparent zu machen.
Der Betrag wird dem Haushalt zugesetzt.
Sofern die Mittelverwendung nicht vollständig im laufenden Haushaltsjahr erfolgt, ist ein Budgetübertrag möglich. Eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist nicht zulässig.
Über die Umsetzung der Etatanträge zum Haushalt berichtet der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung nach Genehmigung des Haushalts 2022 jeweils halbjährlich in einer zusammengefassten Übersicht nach Produktgruppen.
Begründung
Die Aufarbeitung von Provenienzen von Kulturgut aus kolonialen Kontexten in Frankfurter Museen und Sammlungen in öffentlicher Trägerschaft muss ausgeweitet werden, damit - die Forschungsergebnisse digital und öffentlich zugänglich gemacht werde können, - das Bewusstsein für die Bedeutung der ethnologischen Provenienzforschung im Zusammenhang mit Kulturgut aus kolonialen Kontexten geschaffen und gestärkt werden, gerade auch in Einrichtungen, die mit diesem Thema noch keine oder wenig Erfahrung gesammelt haben und - spezifische Standards der Dokumentation für Kulturgüter aus kolonialen Kontexten ermittelt werden können. Provenienzforschung muss dabei und darüber hinaus eine Selbstverständlichkeit sein, um die Biographie jedes der Objekte aus kolonialen Kontexten zu ermitteln. Darüber hinaus müssen in Kooperation mit den Herkunftsländern und -gesellschaften, neue Wege in der Erforschung der Kulturgüter gefunden werden. Dazu muss die Entwicklung und Stärkung von internationalen Forschungskooperationen, insbesondere die Zusammenarbeit mit Expert*innen, Interessensgruppen und Institutionen sowie potentiellen Anspruchstellenden und Nachkommen in bzw. aus den Herkunftsländern und -gesellschaften der Sammlungen unterstützt werden. Als Ausgangspunkt für die Umsetzung dieser Forderungen soll u.a. der "Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" des Deutschen Museumsbundes sowie die "Ersten Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" der Staatsministerin für Kultur und Medien, der Staatsministerin im Auswärtigen Amt für internationale Kulturpolitik, der Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder und der kommunalen Spitzenverbände vom 13.03.2019, dienen. Das koloniale Kulturgut der Stadt Frankfurt ist ein eigenständiger, wissenschaftlich, rechtlich, politisch und ethisch sensibler und komplexer Forschungsgegenstand. Die Erforschung der Erwerbsumstände, also der Provenienz, ist ein mühsamer Prozess. Trotzdem dürfen wir uns nicht weiter damit zufriedengeben, dass kolonialzeitliche Erwerbungskontexte nur unzureichend oder gar nicht untersucht werden. Das sind wir den Gesellschaften von heute und für die Zukunft schuldig. Der Kolonialismus mit all seinen Verwerfungen und die europäische Gewaltherrschaft ist ein dunkles Kapitel in der Deutschen Geschichte. Auch Frankfurt ist ein Teil dieser kolonialen Vergangenheit. Und so kommt es, dass bis heute zahlreiche Kunstobjekte und Exponate in den Frankfurter Museen liegen, die zum Teil in kolonialen Kontexten erworben wurden. Das Weltkulturen Museum verfügt über eine einzigartige Sammlung von 65.000 ethnografischen Objekten aus Ozeanien, Afrika, Südostasien sowie Nord-, Mittel- und Südamerika. Die Koalition aus Grüne, SPD, FDP und Volt will sich für eine proaktive Aufarbeitung unserer kolonialen Vergangenheit einsetzen und unserer moralischen Verantwortung nachkommen das Unrecht der kolonialen Vergangenheit aufzuarbeiten. Diese ist eine sehr langfristige und große kulturpolitische Aufgabe. Provenienzforschung hat das Potential, nicht nur Objekte, sondern Vergangenheiten "zurückzugeben", Familien, Kulturen und Gesellschaften zu verbinden - auch über Länder- oder Kontinentalgrenzen hinweg. Bei diesem Antrag geht es nicht um die ethische Beurteilung der Vorkommnisse oder etwa um die Verbrechen der Kolonialzeit. Es geht um heute. Es geht darum, welche Stadt wir sein wollen und welchen Verantwortungen wir uns stellen. Recherchieren, digitalisieren, Transparenz schaffen und mit den Herkunftsländern kommunizieren, Lösungen finden, bevor die Forderungen gestellt werden. Dieser Antrag soll für diesen Prozess einen ersten Anfang bilden.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Antrag zur Änderung des Haushaltsplans — um Mittel zu verschieben oder zusätzlich einzuplanen. Etatanträge werden in den Haushaltsberatungen der Stadtverordnetenversammlung behandelt.
- 1Fraktion bringt Etatantrag ein
- 2Haushaltsberatungen
- 3Plenum beschließt den Haushalt
Der Weg dieser Vorlage
Am 4. Mai 2022 brachten GRÜNE, SPD, FDP, Volt diesen Etatantrag in die Stadtverordnetenversammlung ein. In 3 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten.
21.21 Historisches Museum
Ausgaben 2025: 11 Mio € · im Antragsjahr 2022 10 Mio € — preisbereinigt +2 % bis heute
Der Topf steht im Titel des Antrags. Er zeigt, worüber verhandelt wird — nicht, was der Antrag selbst kostet.
Beratungsverlauf3 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Annahme bei Enthaltung CDU
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, SPD, LINKE., FDP, Volt, ÖkoLinX-ELF und FRAKTION gegen CDU (= Prüfung und Berichterstattung) sowie AfD und BFF-BIG (= Ablehnung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU und SPD gegen GRÜNE (= Kenntnis); LINKE. und BFF (= Enthaltung)