Produktbereich: 21 Kultur, Freizeit und Sport Produktgruppe: 21.01 Kulturelle Dienstleistungen und Projekte Förderung Künstler*innenhaus Mousonturm
Zusammenfassung
Der Etatantrag sieht die Förderung des Künstler*innenhauses Mousonturm mit jeweils 58.000 Euro für die Haushaltsjahre 2024 und 2025 vor. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und inklusive Kulturpraxis zu fördern, um eine gleichberechtigte Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.
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Thema Kultur verfolgenAntrag
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Für das Künstler*innenhaus Mousonturm, werden in den Haushaltsplan 2024/25 in das Haushaltsjahr 2024 58.000 Euro und in das Haushaltsjahr 2025 58.000 Euro eingestellt.
Sofern die Mittelverwendung nicht vollständig in den Haushaltsjahren 2024/2025 erfolgt, ist ein Budgetübertrag möglich. Eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist nicht zulässig.
Über die Ausführung der Etatanträge zum Haushalt berichtet der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung nach Genehmigung des Haushalts 2024/2025 regelmäßig halbjährlich in einer zusammengefassten Übersicht.
Begründung
Fördermaßnahmen des Künstler*innenhaus Mousonturm im Bereich Barrierefreiheit & Inklusive Kulturpraxis. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) stellt klar, dass sämtliche Lebensbereiche für Menschen mit Behinderungen ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich sein sollen. Diese Bestimmung trägt dazu bei, eine inklusive Gesellschaft zu schaffen, in der alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können. Das Künstler*innenhaus Mousonturm stellt sich als öffentliche Institution in Frankfurt dieser Verantwortung und hat einen Transformationsprozess gestartet, um vor, auf und hinter der Bühne konsequent Barrieren abzubauen. Treibende Kraft ist dabei die Koordinatorin für Barrierefreiheit und inklusive Kulturpraxis, deren befristete Position im Herbst 2022 aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien am Mousonturm geschaffen werden konnte. Gemäß dem Motto der Behindertenrechtsbewegung "Nicht über uns ohne uns" ist für sie und das Team des Mousonturm die kontinuierliche Arbeit mit Expert*innen in eigener Sache, d.h. mit gelebter Erfahrung von Behinderung, leitend. Dank der finanziellen Mittel aus den Etatanträge E84 und E109 konnten in den Jahren 2022 und 2023 zunächst soziale und architektonische Barrieren im Mousonturm evaluiert, das Team, assoziierte Künstler*innen und freie Techniker*innen sensibilisiert und ein Maßnahmenkatalog entwickelt werden, der nun sukzessiv umgesetzt wird: Print- und Onlinemedien des Mousonturm erfüllen mittlerweile umfassend aktuelle Barrierefreiheitsstandards. Choreograf*innen und Regisseur*innen mit Behinderung werden kontinuierlich gefördert und präsentiert. Zudem wurden erste Access-Angebote für Zuschauer*innen mit Behinderungen kontinuierlich etabliert. Dazu zählen die temporäre Einrichtung von Rückzugsräumen im Sinne eines ‚relaxed venues', Tastführungen, Audiodeskriptionen und ein Begleitservice für blinde und sehbehinderte Personen ebenso wie das Verdolmetschen von zentralen Diskursveranstaltungen in Gebärdensprache. Dank der regelmäßigen Einladung von Testpersonen mit Behinderung wurden alle angestoßenen Maßnahmen kontinuierlich evaluiert und Qualitätsstandards definiert. Zugleich wurde der Mousonturm zu einem wichtigen Bezugspunkt und Ansprechpartner für andere Frankfurter Kulturinstitutionen und -produzent*innen. Um die am Mousonturm gebündelten Expertisen systematisch teilen, Vernetzungen zwischen Expert*innen und Kulturinstitutionen kontinuierlich fördern und zentrale Fragestellungen einer inklusiven Kulturpraxis stadtweit diskutieren zu können, initiierte der Mousonturm das vierteljährlich stattfindende ‚Forum inklusive Kulturpraxis (FinK)', das bei seiner ersten Ausgabe über vierzig Akteur*innen im Amt für Multikulturelle Angelegenheiten zusammenbrachte. In den kommenden Jahren sollen begonnen Maßnahmen fortgesetzt und weiterentwickelt werden, um dem im Koalitionsvertrag formulierten Ziel, den Mousonturm zu einem Kompetenzzentrum für Barrierefreiheit in den (darstellenden) Künsten zu machen, näher zu kommen. Der Mousonturm wird, basierend auf einem ganzheitlichen Verständnis von Barrierefreiheit, primär zwei Ebenen fokussieren: Weiterentwicklung von Publikumsformaten, um Zuschauer*innen mit Behinderung nachhaltige Zugänge zum Programm des Mousonturm zu bieten. Im Zuge der interimistischen Bespielung des ehemaligen Fritz-Rémond-Theaters durch die "Junge Theaterwerkstatt am Zoo" werden erstmals auch Angebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Frankfurt gemacht. Die Angebote für blinde und sehbehinderte Zuschauer*innen sollen im Monatsrhythmus fortgesetzt werden. Dabei soll das Format der Audiodeskription qualitativ im Sinne einer "kreativen Audiodeskription" entwickelt werden. Blinde bzw. sehbehinderten Dramaturg*innen werden konsequent in den Probenprozess von am Mousonturm produzierenden Künstler*innen einbezogen, sodass von Beginn an ein blindes und sehbehindertes Publikum als Zielgruppe mitgedacht wird und verschiedene Konzepte von ästhetischer Barrierefreiheit entstehen, die über die reine sprachliche Beschreibung der Bühnenaktionen hinausgehen. Auch das Angebot für Taube und schwerhörige Zuschauer*innen wird intensiviert. Dabei wird erstmals das Format der "Deaf Performance" in Frankfurt eingeführt. Taube Kulturvermittler*innen entwickeln die Interpretation eines Konzerts oder einer Theaterperformance in Gebärdensprache, beraten durch eine hörende Tandempartnerin und im Austausch mit den beteiligten Künstler*innen, und performen sie selbst. Erst durch diese Methode wird im Sinne einer inklusiven Kultur die eigene Kultur Tauber Menschen angemessen einbezogen. Wissenstransfer und Vernetzung, um einem Schneeballeffekt gleich Transformationsprozess hinzu einer inklusiven Kulturpraxis in der gesamten Stadt und darüber hinaus zu initiieren. Das hybride "Forum inklusive Kulturpraxis" (FinK) wird im vierteljährlichen Rhythmus fortgeführt. Regelmäßig möchte sich FinK auch mit (kultur-)politischen Akteur*innen vernetzen. Als weiteres Instrument zur Weitergabe von Best-Pratice-Wissen und zum nachhaltigen Ausbau von Kompetenzen wird zudem eine wöchentliche Erstberatungssprechstunde am Mousonturm etabliert. Die Koordination für Barrierefreiheit und inklusive Kulturpraxis berät im Wechsel mit freiarbeitenden Expert*innen Frankfurter Kulturakteur*innen und Institutionen individuell in der Analyse, Planung und Umsetzung von Barrierefreiheit und schafft Verknüpfungen zu Menschen mit den hierfür notwendigen Expertisen. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung von Accessmaßnahmen in den kommenden zwei Jahren und die konsequente Weitergabe der gewonnenen Expertisen und Erfahrungen, möchte der Mousonturm einen Beitrag zur Entwicklung einer inklusiven Kulturpraxis in Frankfurt leisten. In einer von Diversität geprägten Gesellschaft ermutigt inklusive Kultur dazu, sich an den Fähigkeiten und Bedürfnissen unterschiedlicher Menschen zu orientieren und neue Perspektiven auf künstlerische Prozesse und Zusammenarbeit zuzulassen. Sie regt einen Prozess an, der letztendlich allen Bürger*innen dieser Stadt zugutekommen wird.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Antrag zur Änderung des Haushaltsplans — um Mittel zu verschieben oder zusätzlich einzuplanen. Etatanträge werden in den Haushaltsberatungen der Stadtverordnetenversammlung behandelt.
- 1Fraktion bringt Etatantrag ein
- 2Haushaltsberatungen
- 3Plenum beschließt den Haushalt
Der Weg dieser Vorlage
Am 6. Juni 2024 brachten GRÜNE, SPD, FDP, Volt diesen Etatantrag in die Stadtverordnetenversammlung ein. In 2 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 04.07.2024 im Ausschusses für Kultur, Wissenschaft und Sport angenommen.
21.01 Kulturelle Dienstleistungen und Projekte
Ausgaben 2025: 91 Mio € · im Antragsjahr 2024 87 Mio € — preisbereinigt +2 % bis heute
Der Topf steht im Titel des Antrags. Er zeigt, worüber verhandelt wird — nicht, was der Antrag selbst kostet.
Beratungsverlauf2 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: Einstimmige Annahme
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, SPD, FDP, Linke und Volt gegen CDU (= Prüfung und Berichterstattung) sowie BFF-BIG (= Ablehnung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: AfD, ÖkoLinX-ELF und FRAKTION (= Annahme)