Überarbeitung des Pandemieplans von 2012
Zusammenfassung
Der Bericht schlägt eine grundlegende Überarbeitung des kommunalen Pandemieplans vor, um die Erfahrungen aus der SARS-CoV-2-Pandemie zu integrieren. Ziel ist es, die Pandemiebekämpfung zu optimieren und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.
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Thema Gesundheit und Soziales verfolgenBericht
Einleitung
Der kommunale Pandemieplan bedarf einer grundsätzlichen Weiterentwicklung, in die auch die Erfahrungen der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie einfließen. Darüber hinaus müssen zunächst die Pandemieplanungen auf der Landesebene unter diesem Gesichtspunkt weiterentwickelt werden, dies steht jedoch ebenfalls noch aus. Der Magistrat wird den kommunalen Pandemieplan unaufgefordert vorlegen.
Dieser Bericht stellt die Maßnahmen im Gesundheitsamt während der Covid-19-Pandemie dar. Auf dieser Grundlage war bzw. ist das Amt operativ handlungsfähig. Dieses Konzept beschreibt ein Stufenmodell von Maßnahmen des Gesundheitsamtes in der Pandemiebekämpfung für verschiedene Szenarien, mit dem der Spagat zwischen Pandemiebekämpfung einerseits und der Erfüllung der weiteren gesetzlichen Aufgaben andererseits gelingt.
Ausgangslage
Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt die Gefährdung der Gesundheit in Deutschland durch Covid-19 weiterhin als hoch ein. Die sich aktuell ausbreitende Omikronvariante BA.5 ist leicht übertragbar. Damit hat sich die Pandemie auch von der in den beiden ersten Jahren beobachteten Saisonalität gelöst. Zwar führt die Erkrankung durch ihre mittlere intrinsische Krankheitsschwere und eine Teilimmunität der Bevölkerung in den meisten Fällen zu milden Verläufen. Dennoch können die zahlreichen Arbeitsunfähigkeiten durch Erkrankung und Absonderung zu einem Personalmangel in vielen Bereichen führen.
Durch den bereits erreichten Immunisierungsgrad in der Bevölkerung war ein Strategiewechsel von Containment zu Protection möglich und sinnvoll. Die Sterblichkeitsrate ist im Verlauf der Corona-Pandemie deutlich gesunken, dies macht auch eine Neubewertung der erforderlichen seuchenhygienischen Maßnahmen erforderlich. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt daher auf dem Schutz von Risikogruppen und der Bekämpfung von Ausbrüchen.
Angesichts der weltweiten Verbreitung und des großen Potenzials für die Entstehung von Mutationen ist mit der Entstehung neuer Varianten zu rechnen. Bis die Bevölkerungsimmunität so hoch ist, dass das Virus an Bedeutung verliert, können noch mehrere Jahre vergehen.
Szenarien / Risikoanalyse
Es kann nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden, wie sich diese Pandemie entwickeln wird. Daher ist es notwendig, sich planerisch auf verschiedene Szenarien vorzubereiten. Neben den drei Szenarien des Expert:innenrats der Bundesregierung (2,3) verwenden wir zusätzlich die Einteilung von SAGE / UK (4) mit einem 4. "Worst case" Szenario, in dem nicht nur Routineaufgaben des Amtes, sondern auch die Aufgaben in der Pandemiebekämpfung aus Kapazitätsgründen priorisiert werden müssten. Die Einteilung der Szenarien erfolgt hier nach der tatsächlichen Krankheitsschwere, die sich aus den Erregereigenschaften Übertragbarkeit, Immunevasion und intrinsischer Krankheitsschwere ergibt.
Tabelle: Einteilung der Pandemie in 4 Szenarien nach tatsächlicher Krankheitsschwere (N=niedrig, M=mittel, H=hoch)
Beschreibung der 4 Szenarien aus der Sicht des ÖGD
Günstiges Szenario:
- Neue Variante mit einem angepassten Virus, das weniger krankmachend ist: o Schutz von Risikopersonen, keine allgemeinen Maßnahmen
o dadurch relativ häufig andere Atemwegserkrankungen wie Influenza
o ohne Kontaktbeschränkungen wird eine der wichtigsten Maßnahmen im Herbst wieder das Impfen sein.
Wahrscheinliches oder Basisszenario:
- Die Krankheitslast bleibt ähnlich zu BA.5, die Hospitalisierungen sind zu bewältigen.
o Wegen zahlreicher Erkrankungen bzw. Arbeitsausfälle sind flächendeckende Maßnahmen (AHA-L) saisonal erforderlich
o Regional (nach Hospitalisierungsinzidenz) ggf. zusätzliche Maßnahmen wie Kontaktreduktion
Ungünstiges Szenario:
- Eine neue Virusvariante dominiert, mit erhöhter Krankheitsschwere, verstärkter Übertragbarkeit und Immunevasion. Auch vollständig Geimpfte können schwer erkranken.
o Das Gesundheitssystem ist stark belastet
o Eine anhaltende Kontaktreduktion ist erforderlich mindestens bis Frühjahr 2023
Ungünstigstes Szenario:
- rasche Folge von Virusvarianten, die sich der Impfimmunität entziehen. Hohe Inzidenz, unzureichende Durchimpfung der Bevölkerung.
o Das Gesundheitssystem ist überlastet
o antivirale Medikamente sind nur wenig wirksam
o Die Bereitschaft der Bevölkerung, den behördlich angeordneten Maßnahmen zu folgen nimmt ab und es kommt zu sozialen Unruhen
Ziele
Die Ziele des Gesundheitsamtes im Pandemiefall sind: o Containment: Senken der Inzidenz durch Absonderung
o Protection: schwere Krankheitsfälle reduzieren durch den Schutz vulnerabler Gruppen
o Vermeidung einer Überlastung des Gesundheitssystems und des Gesundheitsamtes, Wahrnehmung der gesetzlichen Aufgaben
o Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur
o Minimierung der kollateralen Belastung der Bevölkerung
Strategie und Planung: Um diese Ziele mit unseren externen Partner:innen gemeinsam zu erreichen, muss in jeder Stufe der Pandemiebekämpfung ein ausreichender Personalpool (extern/intern) zur Verfügung stehen. Wieviel Belastung die einzelnen Szenarien für das Gesundheitsamt bedeuten, wird einmal von infektiologischen Parametern abhängen wie der Fallzahl und der tatsächlichen Krankheitslast, aber auch von der Gesetzes- und Verordnungslage und dem Unterstützungsbedarf der Bevölkerung. Wenn Kontaktpersonen aufgrund einer ungewöhnlichen Schwere der Erkrankung erfasst werden müssen oder gar wie zu Beginn der Pandemie die Notwendigkeit einer Unterstützung bei Krankenhauseinweisungen entsteht, steigert sich der Zeitaufwand pro Fall ggf. um das zehn- bis zwanzigfache. In Abhängigkeit von der Verordnungslage kann auch die Genehmigung von Veranstaltungen sehr zeitaufwendig sein. Bei hohen Erkrankungsraten kann auch das Personal des Gesundheitsamtes betroffen sein.
Zur Planung wurde ein Aufgabenverteilungsplan erstellt, der Aufgaben priorisiert, um Mitarbeitende für den Pandemiepersonalpool kurzfristig bereitstellen zu können. In einigen Bereichen korreliert die Arbeitsbelastung (Falleingabe, Hotline) mit der Inzidenz. Bei anderen Teams hängt diese viel stärker von der Verordnungslage ab. Eine wesentliche Komponente der Strategie besteht darin, das bislang erworbene Spezialwissen zu erhalten. Somit können erfahrene Mitarbeitende rasch neues Personal einarbeiten. Genauso entscheidend ist die Aufrechterhaltung der Infrastruktur, etwa beim Impfzentrum und den mobilen Impfteams.
Corona-Organisationsstruktur
Für die Bearbeitung der zahlreichen Aufgaben in der Pandemiebekämpfung durch den ÖGD hat sich eine Struktur mit einem guten Dutzend Teams etabliert. Derzeit werden die 100-1.000 täglichen Fälle von Mitarbeitenden in einem angemieteten Gebäude bearbeitet, die durch Studierende unterstützt werden. Die Fachabteilungen arbeiten in ihren originären Aufgaben und leisten nur Supervision (insbesondere Infektiologie und Hygiene).
Zunächst kann die Pandemie in einigen Fachabteilungen bearbeitet werden. Wird mehr Personal benötigt, ist eine Aufstockung der externen Kräfte erforderlich, damit das Gesundheitsamt so lange wie möglich seine originären Aufgaben wahrnehmen kann. Dann müssen die Teams wieder mit internen Mitarbeiter:innen aus allen Abteilungen des Gesundheitsamtes verstärkt werden. Nur diese besitzen ihr spezielles Fachwissen und müssen externe Kräfte zumindest einarbeiten und unterstützen.
Der Stab trifft sich je nach Bedarf 1-7 mal pro Woche, um die Lage festzustellen, zu bewerten und die entsprechenden Aufträge zu erteilen an
- Team Organisation
- Team Falleingabe / Fallbearbeitung
- Hotline und Team Postfächer
- Team Schulen und Kitas
- Team medizinische Versorgung
- Team soziale Einrichtungen
- Team Kommunikation
Fazit: Die Pandemie stellt den öffentlichen Gesundheitsdienst mit einschneidenden Maßnahmen seit über zwei Jahren vor eine große Herausforderung. In der aktuellen Lage ohne Kontaktpersonen verfolgung und Absonderungsverfügung können die originären Aufgaben nur wahrgenommen werden, weil externe Mitarbeiter:innen die Falleingabe tagesaktuell gewährleisten.
Die Corona-Organisationsstrukturen mit Krisenstab, Organisationsteam und Teamleitern hat sich bewährt und ermöglicht einen immer besseren Umgang mit den vorhandenen Ressourcen.
Literatur / Grundlagen:
1. https://www.theguardian.com/commentisfree/2022/jul/01/herd-immunity-covid-virus- vaccine
2. Corona Expert:innenrat Pandemievorbereitung Herbst Winter 2022/2023
11. Stellungnahme 08.06.2022
3. RKI Aktualisierung Control Covid Strategie 22-09-2021
4. Covid-19 Medium-Term Scenarios - February 2022
https://assets.publishing.service.gov.uk/governm ent/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1054323/S1513_Viral_Evolution_Sc enarios.pdf
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Verfahrensverlauf
Vom Antrag bis zur Antwort — jeder Schritt anklickbar.
- 28. Mai 2020NRNR 1203Überarbeitung des Pandemieplans von 2012STVV-Antrag · CDU, SPD, GRÜNE
- 31. Januar 2022BB 31Überarbeitung des Pandemieplans von 2012Magistratsbericht
- 24. Juni 2022BB 260Überarbeitung des Pandemieplans von 2012Magistratsbericht
- 9. Dezember 2022Sie sind hierAntwort des Magistrats · nach 132 WochenBB 464Überarbeitung des Pandemieplans von 2012Magistratsbericht
Wie wir den Verfahrensweg aus den PARLIS-Daten rekonstruieren:im Blog erklärt.
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Beratungsverlauf2 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, AfD, Volt, BFF-BIG und FRAKTION Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ELF (= Kenntnis)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, LINKE., FDP, AfD, Volt, BFF-BIG und FRAKTION gegen ÖkoLinX-ELF (= Zurückweisung)