Elternentgelt für die Betreuung von Kleinkindern in altersstufenübergreifenden Kindergartengruppen hier: Ergebnisse und Empfehlungen der zweijährigen…
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Elternentgelt für die Betreuung von Kleinkindern in altersstufenübergreifenden Kindergartengruppen hier: Ergebnisse und Empfehlungen der zweijährigen wissenschaftlichen Begleitung der Öffnung von Kindergartengruppen für Kleinkinder ab einem Jahr
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Bericht des Magistrats vom 15.04.2005, B 324
Betreff:
Elternentgelt für die Betreuung von Kleinkindern in altersstufenübergreifenden Kindergartengruppen
hier: Ergebnisse und Empfehlungen der zweijährigen wissenschaftlichen Begleitung der Öffnung von Kindergartengruppen für Kleinkinder ab einem Jahr
Vorgang:
Beschl. d. Stv.-V. vom 01.03.2001, § 8001
- B 10/04 -
Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Magistrat beauftragt, über Verlauf und Ergebnisse der vom Magistrat beschlossenen zweijährigen fachlichen bzw. wissenschaftlichen Begleitung und Evaluierung der Öffnung von Kindergartengruppen für Kleinkinder ab einem Jahr zu berichten.
Die Öffnung von Kindergartengruppen für Kleinkinder ab einem Jahr wurde von März 2001 bis Mitte 2003 von der Fachhochschule Frankfurt, Fachbereich 4, wissenschaft.lich begleitet. Die Forschungsergebnisse und Empfehlungen hat die Fachhochschule in einer vom Magistrat organisierten Veranstaltung am 29.03.2004 präsentiert. Nachfolgend werden die Ergebnisse und Empfehlungen der wissenschaftlichen Begleitung sowie die Schlussfolgerungen des Magistrats zusammenfassend dargestellt.
- Ausgangssituation Im Januar und März 2001 haben Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Öffnung von Kindergartengruppen für Kleinkinder ab einem Jahr durch Umwandlung in altersübergreifende Gruppen für Kinder ab einem Jahr zu ermöglichen und die finanziellen Voraussetzungen zur Absicherung fachlich gebotener personeller und räumlicher Rahmenbedingungen zu schaffen. Grundlage dieser Beschlüsse waren zuvor mit den Kita-Trägern (kirchlichen und freigemeinnützigen Trägern) abgestimmte fachliche Standards und Finanzierungsmodalitäten. Die Öffnung von Kindergartengruppen für Kleinkinder sollte über einen Zeitraum von zwei Jahren fachlich begleitet und evaluiert werden. Vereinbarte Standards, Leistungen und Finanzierungsmodalitäten Die mit den Kita-Trägern abgestimmten Standards orientierten sich an den Empfehlungen des Landesjugendamtes Hessen für altersübergreifende Gruppen und umfassten im einzelnen: INDEX - Gruppengröße: in altersübergreifende Gruppen können bis 18 Kinder, darunter fünf bis neun Kinder ab einem Jahr bis unter drei Jahren, aufgenommen werden INDEX - Personalbedarf: bei der vorgegebenen Gruppenstruktur werden zwei Fachkräfte als INDEX Mindeststandard für angemessen gehalten, wenn bei steigendem Anteil der Kleinkinder unter drei Jahren auch die personelle Ausstattung entsprechend verbessert wird. Darüber hinaus ist der zumindest zeitweise Einsatz von Zusatzkräften (Praktikanten, Honorarkräfte) wünschenswert. INDEX - Räumliche Ausstattung: Je größer die Spanne der Altersmischung ist, desto größer müssen auch die Differenzierungsmöglichkeiten bei den Räumen sein. Neben dem herkömmlichen Gruppenraum muss mindestens ein zusätzlicher Raum als Schlaf- und Ruhebereich zur Verfügung stehen. - Zur INDEX Trägerverantwortung gehört, dass sich die jeweilige Einrichtung fachlich hinreichend auf die veränderten Anforderungen einlässt und dass die personellen und räumlichen Rahmenbedingungen gegeben sind. Fachberatung, Konzeptentwicklung und Fortbildung der Mitarbeiterinnen sind Aufgaben des Trägers INDEX - Finanzierungsrahmen und –modalitäten: Die zuwendungsfähigen Platzkosten für Kleinkinder ab einem Jahr bis unter drei Jahren in altersübergreifenden Gruppen orientieren sich an Empfehlungen des Landesjugendamtes zu Gruppengröße und Personalbedarf für diese Angebotsform und an den Platzkosten der Krabbelstuben. Sie betragen für Kleinkinder das Doppelte der zuwendungsfähigen Platzkosten für den Kindergarten. Das sind 2004 je Ganztagsplatz und Monat 985,24 €. Elternentgelte für Kleinkinder in altersübergreifenden Gruppen betragen das Doppelte des nicht ermäßigten Elternentgelts für einen Kindergartenplatz (Stufe 1, ohne Geschwisterermäßigung). Das sind 2004 je Ganztagsplatz und Monat 280 €. - Voraussetzung für die entsprechende Finanzierung altersübergreifender Gruppen für Kleinkinder ab einem Jahr ist eine INDEX Leistungs- und Zuwendungsvereinbarung, die zwischen dem Träger der Einrichtung und dem Magistrat (Stadtschulamt) abgeschlossen wird.
- Wissenschaftliche Begleitung Der Magistrat beauftragte die Fachhochschule Frankfurt mit der wissenschaftlichen Begleitung der Öffnung von Kindergartengruppen für Kleinkinder ab einem Jahr. Die Fachhochschule Frankfurt betraute Frau Prof. Dr. Wiebke Wüstenberg (Projektleitung) zusammen mit Frau Dr. Ilka Riemann mit der Durchführung des Projektes. Zu den Aufgaben der wissenschaftlichen Begleitung gehörten im einzelnen: - Entwicklung eines Fortbildungskonzepts für die pädagogischen Fachkräfte - Entwicklung von Erhebungs- und Evaluationsinstrumenten - Moderation des Austausches pädagogischer Fachkräfte der am Begleitprojekt beteiligten Kitas - Moderation des Austausches der Fachberaterinnen der am Begleitprojekt betei.ligten Trägerbereiche (Multiplikatorinnen) - Eingangserhebung der Strukturbedingungen altersübergreifender Gruppen und ihre Auswertung - Durchführung von Selbstevaluationstraining für pädagogische Fachkräfte - Prozessbegleitung: Einzelbeobachtung von Einjährigen (Entwicklung der Erhebungsinstrumente, Erhebung und Auswertung) - Abschlusserhebung (Entwicklung der Erhebungsinstrumente, Durchführung, Auswertung) - Ergebnisse und Empfehlungen Die wissenschaftliche Begleitung erstreckte sich über einen Zeitraum von 28 Monaten, vom 01.03.2001 bis 30.06.2003. Insgesamt nahmen am Projekt 12 Kindertageseinrichtungen verschiedener Trägerbereiche (in evangelischer, katholischer, freigemeinnütziger und städtischer Trägerschaft) teil. Nach Beendigung der wissenschaftlichen Begleitung legte die FHS einen umfangreichen Abschlußbericht mit Ergebnissen und Empfehlungen vor. Eine Zusammenfassung ist zwischenzeitlich im Fachhochschulverlag als Buch erschienen.
- Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse Die Öffnung der Kindergärten für Kinder unter drei Jahren stellte die 12 teilnehmenden Einrichtungen vor eine doppelte Herausforderung: Zum einen fingen sie an, ein neues Betreuungsmodell umzusetzen, und zum anderen mussten sie sich in dieser Startphase am Forschungsprozess beteiligen und mit der wissenschaftlichen Begleitung auseinander setzen. Dies erfolgte sehr konstruktiv und kooperativ, so dass das neue Konzept sich positiv entwickeln konnte. Mit der Entscheidung, Kinder bereits ab einem Jahr in den Kindergarten zu integrieren, wird der Schritt zu einem völlig neuen Konzept gemacht. Hier sind Voraussetzungen entsprechend dem Entwicklungsstand dieser Kinder zu schaffen, damit nicht Mängel in der Qualität der Tagesbetreuung zu Risiken für die Entwicklung der Kleinkinder führen. Wüstenberg/Riemann stellten die Fragen nach entwicklungsfördernden Rahmenbedingungen und nach der Gewährleistung von Kontakten und Interaktionen mit gleichaltrigen, jüngeren und älteren Kindern in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Auch wenn der Fokus schwerpunktmäßig auf den unter Dreijährigen lag, so wurden alle Altersgruppen in den Blick genommen und geprüft, ob alle die ihnen gemäße Beachtung und Förderung erfahren. Während Wüstenberg/Riemann für INDEX die drei- und vierjährigen Kinder herausfanden, dass die räumliche Gestaltung und die Spielmaterialien am ehesten auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten waren und sie neben dem Spielen mit jüngeren und älteren Kindern die Spielmöglichkeiten mit Gleichaltrigen am besten nutzen konnten, stellten sie für INDEX die Kinder ab fünf Jahren fest, dass die Situation insgesamt noch nicht befriedigend gelöst war. Die Gruppenräume boten für diese Altersgruppe zu wenig Anregung. Ihre Bedürfnisse nach neuen Erfahrungen, nach Experimenten und nach Erforschung ihrer Umwelt konnte nicht ausreichend realisiert werden. Ihre systematische Förderung war wegen anderer Aufgaben der Erzieherinnen zeitweise nicht gesichert. Zudem waren in den Gruppen zu wenige gleichaltrige Kinder zur Bildung von altershomogenen Spielgruppen. Für INDEX die ein- und zweijährigen Kinder stellten Wüstenberg/Riemann in ihrer Evaluation der Praxis folgende Ergebnisse fest: - "Die Kontinuität der Betreuung über den Tag muss gesichert sein. In Einzelfällen waren die Kinder nachmittags nicht immer von vertrauten Erzieherinnen und Kindern umgeben. - Das grundlegende Bedürfnis der Kinder nach sinnlichen Erfahrungen aller Art, vor allem der Umgang mit Wasser, Sand, Natur- und Gebrauchsmaterialien konnte nicht überall realisiert werden. - Die Kinder konnten ihren Bewegungsbedarf wie Laufen, Springen, Klettern und Ähnliches im Haus noch nicht überall ausreichend ausleben. - Die Zonen zum Ausruhen in den Gruppenräumen hätten noch ausgebaut werden können. - Der Tagesrhythmus der einzelnen Kinder, z.B. frühere und häufigere Mahlzeiten für die Kleinstkinder, wurde berücksichtigt. - Die Orientierung im Tagesablauf wurde durch feste Rituale unterstützt. - Die Eingewöhnung nach professionellen Standards und eine pädagogisch orientierte Pflege könnten noch optimiert werden." [1] Diese Ergebnisse beruhen auf den von Wüstenberg/Riemann in den Einrichtungen vorgefundenen strukturellen und konzeptionellen Bedingungen. Strukturelle und konzeptionelle Bedingungen in den an der Begleitforschung beteiligten Kindertageseinrichtungen Gruppengröße Die Gruppengröße umfasste wie zwischen Stadt und Trägern vereinbart 18 Kinder, in einigen Gruppen weniger. Die Bemessung der Gruppen mit fünfzehn Kindern war am ehesten geeignet, den verschiedenen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Die Gruppenzusammensetzung nach Alter und Geschlecht war in einigen Gruppen sehr unausgewogen. Personal Der Personalschlüssel variierte zwischen den Einrichtungen sehr. Bei dem hohen Anteil an Pflegeaufgaben bestand die Gefahr, dass ältere Kinder zu kurz kamen. Viele Erzieherinnen mussten kurzfristig Kenntnisse für die Arbeit mit Ein- und Zweijährigen erwerben, die in der Ausbildung nur am Rande behandelt wird. Nicht überall konnten vor der Umstellung auf altersübergreifende Gruppen ausreichend Fortbildungen umgesetzt werden. In der Verfügungszeit, d. h. der kinderfreien Arbeitszeit der Erzieherinnen für Gespräche, Vorbereitung usw. waren die vielfältigen Aufgaben oft nur schwer qualifiziert zu verwirklichen. Vor allem bei den Teilzeitbeschäftigten reichte die Verfügungszeit, deren Umfang sich nach der wöchentlichen Arbeitszeit richtet, nicht aus. Der Informations- und Kommunikationsbedarf innerhalb des Teams, aber auch von Seiten der Eltern, hat durch die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren erheblich zugenommen. Die erforderliche engere Zusammenarbeit der Gruppen, arbeitsteilige Schwerpunktsetzung für die altersspezifische pädagogische Arbeit und verbindliche Absprachen waren noch nicht in allen Teams realisiert. Räume Die knappe Raumsituation, zum Teil kaum 2,5 qm Fläche pro Kind, bot nicht überall ausreichend Platz für die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen. Der notwendige Schlafraum war oft nur schwer einzurichten. Konzepte Eine einzige altersübergreifende Gruppe in einer Einrichtung führte wegen der geringen Anzahl altersgleicher Kinder zum Mangel an gleichaltrigen SpielpartnerInnen, besonders der Ein- und Zweijährigen. Bei altersübergreifenden Parallelgruppen konnte bei enger Zusammenarbeit der Gruppen ein Mangel an gleichaltrigen Kindern ausgeglichen werden. Bei einem halb offenen Konzept mit Stammgruppen und Funktionsräumen waren die ein- und zweijährigen Kinder in Nestgruppen zusammengefasst und wuchsen langsam nach individueller Entwicklung in die Gesamteinrichtung hinein (behutsamer Übergang). Die Organisationsform der altersübergreifenden Gruppen führt nicht von selbst zu positiven Effekten und Entwicklungsanreizen für Kinder, sondern benötigt ein hohes Maß an Kooperation und konzeptionellen Überlegungen im Team.
- Empfehlungen für die Fortsetzung der Arbeit in altersübergreifenden Gruppen Unter folgenden Bedingungen empfehlen Wüstenberg/Riemann die Fortsetzung der Arbeit in altersübergreifenden Kindergartengruppen für Kinder ab einem Jahr: Strukturelle Bedingungen - langfristige Sicherung und kontinuierliche Aufnahme von ein- und zweijährigen Kindern trotz des Rechtsanspruches auf einen Kindergartenplatz - Gruppengröße von fünfzehn Kindern, davon etwa fünf Ein- und Zweijährige - Ganztägige Anwesenheit von mindestens zwei Fachkräften bei fünfzehn Kindern, bei größeren Gruppen entsprechend mehr - 20 % der Wochenarbeitszeit sollte kinderfreie Zeit sein - Sicherung der notwendigen Fortbildungen: --Teilnahme aller Mitarbeiterinnen an Fortbildungen vor der Umstellung auf altersübergreifende Gruppen -- Mindestens drei Konzeptionstage im Jahr -- Verstärkung der Beratung für die Erzieherinnen, z.B. bei der Eingewöhnung und der Kooperation mit den Eltern - Anpassung der Aufnahmekriterien für eine ausgewogene Alters- und Geschlechterzusammensetzung - Ausgewogene Aufnahme von ein- und zweijährigen Halb- und Ganztagskindern Räume - bei Neu- und Anbauten: Gruppenraum mit direkt angrenzenden Nebenraum mit mind. 74 qm, besser 84 qm, Schlafraum für gemeinsame Nutzung aller Gruppen - in bestehenden Einrichtungen: mind. 3,5 qm Fläche pro Kind plus Schlafraum Mögliche Konzepte für die Aufnahme von Ein- und Zweijährigen Grundsätzlich sollte eine einzige altersübergreifende Gruppe in einer Einrichtung vermieden werden. Statt dessen werden folgende drei Möglichkeiten empfohlen: - Ein halb offenes Konzept mit Stammgruppen, d.h. Kinder spielen in Funktionsräumen, Ein- und Zweijährige in Nestgruppen - Altersübergreifende Parallelgruppen in enger Zusammenarbeit - Integration einer Krabbelgruppe, wobei eine Öffnung und ein behutsamer Übergang in die Kindergartengruppen vorzusehen ist. Darüber hinaus geben Wüstenberg/Riemann Empfehlungen für die pädagogische Arbeit in den Einrichtungen mit den Schwerpunkten Betreuungskontinuität für die Kinder, Raumgestaltung, pädagogische Arbeit in den Gruppen sowie Entwicklung und Sicherung der Professionalität.
- Schlussfolgerungen Die Wissenschaftlerinnen kommen – bei kritischer Würdigung der Start- und gegebenen Strukturbedingungen – zu dem Ergebnis, dass der Kindergarten einen geeigneten Rahmen bilden kann, um Kleinkindern ein entwicklungsförderndes Umfeld zu bieten. Deshalb wird der Magistrat die vor drei Jahren begonnene Öffnung von Kindergärten für Kleinkinder ab einem Jahr fortführen und den Bestand bestehender Angebote grundsätzlich und dauerhaft gewährleisten. Zum Ende der zweijährigen wissenschaftlichen Begleitung wurden im Jahr 2003 in 58 Kindergärten (darunter 5 städtischen, 3 evangelischen, 6 katholischen, 31 freigemeinnützigen, 2 betrieblichen, 11 betriebsnahen Einrichtungen) ~ 400 Kleinkinder ab einem Jahr in altersübergreifenden Gruppen betreut. Träger und Einrichtungen, die Kindergartengruppen für Ein- und Zweijährige geöffnet und ihre Arbeit entsprechend umgestellt haben, brauchen die Sicherheit, mit dieser Aufgabe fortfahren zu können. Darüber hinaus ist der Magistrat – unter Beachtung des Vorrangs der Gewährleistung des Kindergarten-Rechtsanspruchs sowie vorbehaltlich verfügbarer Haushaltsmittel – bestrebt, auch künftig weitere Kindergärten für Kleinkinder zu öffnen. Der Magistrat beabsichtigt, die aus der wissenschaftlichen Begleitforschung abgeleite.ten Empfehlungen im Rahmen der vorhandenen Haushaltsmittel nach und nach und möglichst im Einvernehmen mit den Kita-Trägern umzusetzen. In der im August 2004 abgeschlossenen Vereinbarung zwischen Stadt Frankfurt und freien Trägern über die Kita-Finanzierung kirchlicher und freigemeinnütziger Träger von 2005 bis 2007 haben sich die Vertragspartner auch darüber verständigt, mit Beginn des Jahres 2005 eine Arbeitsgruppe einzurichten, die den Auftrag haben wird, die derzeitige Finanzierungsstruktur der Kindertageseinrichtungen in Frankfurt auf Optimierungsmöglichkeiten zu überprüfen und im Sinne veränderter Anforderungen an die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen weiter zu entwickeln. Die Arbeitsgruppe soll entsprechende Umsetzungsvorschläge erarbeiten, die in die Beratungen über die Finanzierungsvereinbarung 2008 ff. einfließen sollen. In den letzten Jahren in verschiedenen Arbeits- und Projektzusammenhängen erarbeitete Positionspapiere sind in die Überlegungen einzubeziehen. Die Betreuung von Kleinkindern ab einem Jahr in altersübergreifenden Kindergartengruppen ist dabei als Thema ausdrücklich benannt. Nun zu den Empfehlungen im einzelnen: Sicherung der altersübergreifenden Angebote Die Aufnahme von Kleinkindern in Kitas mit altersübergreifendem Setting erfolgt im Rahmen der für diese Altersgruppe vorgehaltenen Plätze. Falls im Einzugsgebiet der Kindertageseinrichtung Betreuungsplätze für ältere Kinder (mit Kindergarten-Rechts.anspruch) fehlen sollten, wird vom öffentlichen Jugendhilfeträger die Bedarfssituation neu bewertet. Dabei sind alle Platzangebote einzubeziehen, um den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz zu erfüllen. Ggf. wird der Magistrat das Kindergarten.angebot durch Platzerweiterungen im Bestand oder durch Neugründung von Einrich.tungen – im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel – verbessern. Konzeptioneller Rahmen Eine wichtige Konsequenz aus der Untersuchung ist die Vermeidung einzelner alters.übergreifender Gruppen. Bei Neugründungen sollte daher ein eigener Bereich für etwa 30 Kinder mit 20 Kindergartenkindern und 10 Kindern unter drei Jahren geschaffen werden. Konzeptionell können diese 30 Kinder dann in zwei miteinander kooperierenden altersübergreifenden Gruppen, in einem halb offenem Konzept mit Nestgruppen oder in einer Krabbel- und einer Kindergartengruppe betreut werden. Über die konkrete Angebotsform entscheidet der Kita-Träger (unter Einbeziehung der Kindertages.einrichtung) in Abstimmung mit dem Magistrat. Der Magistrat wird die Einrichtung von Krabbelgruppen in Kindergärten trotz gegebener Parallelzuständigkeiten von Dezernaten weiter vereinfachen. Bei bestehenden eingruppigen altersübergreifenden Einrichtungen ist gemeinsam mit den Trägern die mittelfristige Entwicklungsperspektive zu prüfen. Gruppengröße 2004 werden in 84 altersübergreifenden Kindergartengruppen insgesamt 1.350 Plätze für Kinder ab einem Jahr bis zu sechs Jahren vorgehalten, darunter 400 Plätze für Kleinkinder und 950 Plätze für Kindergartenkinder. Das sind im Schnitt ~ 16 Kinder, darunter knapp 5 Kleinkinder und ~ 11 Kindergartenkinder. Personalausstattung Die empfohlene Anzahl pädagogischer Fachkräfte wird i. d. R. nicht erreicht. Der bestehende Finanzierungsrahmen genügt nicht, um die Empfehlungen der wissenschaftlichen Begleitung in Bezug auf Gruppengröße und personelle Ausstattung mit pädagogischen Fachkräften vollständig umsetzen zu können. Dieser Befund gilt allerdings für nahezu alle Angebotsformen im Elementarbereich, nicht nur für die Kleinkinderbetreuung in altersübergreifenden Gruppen, sondern ebenso für die Kleinkindbetreuung in Krabbelstuben und für Regel-Kindergärten (ab drei bis zur Einschulung). Betreuungsdauer von Kindern unter drei Jahren in altersübergreifenden Gruppen Je jünger ein Kind ist, umso größer ist das Risiko für seine Entwicklung und sein Wohlbefinden, wenn ungenügend auf seine körperlichen und psychischen Bedürfnisse eingegangen wird. In der Bewertung der Qualität einer Tagesbetreuung von Kindern unter drei Jahren spielt die Sicherstellung der Kontinuität in der Betreuung über den Tag eine entscheidende Rolle. Diese kann bei den bestehenden Konditionen im Kindergartenbetrieb in altersübergreifenden Gruppen am ehesten bei einer sechs- bzw. sechseinhalbstündigen Betreuungszeit gewährleistet werden. Ausgewogene Alters- und Geschlechterzusammensetzung Die geforderten idealen Gruppenzusammensetzungen sollen angestrebt werden, kön.nen aber mitunter nur schwer realisiert werden, da die Einrichtung auf den örtlichen Bedarf reagieren muss und sich selbst die idealste Gruppenzusammensetzung durch nicht planbare Faktoren wie Weggehen und Hinzukommen von Kindern verändert. Zudem ist es nicht möglich, den Anteil der Kinder unter drei Jahren in der altersübergreifenden Gruppe konstant zu halten, da Kinder im Laufe des Jahres drei Jahre alt werden, in der Gruppe aber als Kindergartenkind bleiben, und bis zum Weggang der Schulanfänger in der Regel keine Plätze neu zu belegen sind. Qualifizierung Ein Konzept für die vorbereitende und begleitende Fortbildung und Beratung sollte vor der Umstellung auf altersübergreifende Gruppen vorliegen. Tageseinrichtungen, die Kinder unter drei Jahren aufnehmen möchten, sollten sich vorab insbesondere mit entwicklungspsychologischen Themen (u.a. Bindungstheorie, Eingewöhnung, Bedürfnisse von Kindern unter drei Jahren) beschäftigen, um dann ihre konzeptionellen Schritte entwickeln zu können. Individuelle Eingewöhnung Der Übergang aus der Familie in die Kindertagesstätte oder in die Tagespflege fordert dem Kind Lern- und Anpassungsleistungen ab, die auch für ältere Kinder mit erheblichem Stress verbunden sind. Insbesondere sind sehr junge Kinder überfordert, wenn sie diese Umstellung ohne Unterstützung durch ihre Eltern bewältigen müssen. Die Gestaltung dieser Übergangszeit, die so genannte Eingewöhnung der Kinder, ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal einer frühen Tagesbetreuung. Einrichtungen, die Kinder unter drei Jahren aufnehmen, sollten über ein spezielles Konzept zur Eingewöhnung der ein- und zweijährigen Kinder verfügen, in dem die einzelnen Schritte der Eingewöhnungsphase beschrieben und begründet werden. Die Eltern sind mit dem Eingewöhnungskonzept frühzeitig vor Aufnahme des Kindes vertraut zu machen. Räume Bezüglich der räumlichen Ausstattung besteht in einigen Einrichtungen, das zeigen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung, Nachbesserungsbedarf. Hier werden Verbesserungsmöglichkeiten im Einzelfall geprüft werden. Bei Neugründungen von altersübergreifenden Gruppen wird schon heute – aber auch künftig – die Empfehlung von 3,5 qm Fläche pro Kind zugrunde gelegt und wird auf eine ausreichende Differenzierung des Raumangebots (z. B. sollte ein Schlafraum zur Verfügung stehen) geachtet. Bei Neubauten sind für den Gruppenraumbereich standardmäßig ~70 qm vorgesehen. Leistungs- und Zuwendungsvereinbarungen Zwischenzeitlich wurden die Leistungs- und Zuwendungsvereinbarungen im Sinne der Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung überarbeitet und mit den Einrichtungsträgern beginnend ab 01.01.2005 neu abgeschlossen.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Informationsbericht des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung — etwa als Antwort auf eine Anregung oder als Zwischenbericht. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt ihn zur Kenntnis, weist ihn zurück oder fordert einen Folgebericht. Es ist keine Sachentscheidung.
- 1Magistrat legt Bericht vor
- 2Stadtverordnetenversammlung nimmt zur Kenntnis
Der Weg dieser Vorlage
Am 15. April 2005 veröffentlichte der Magistrat diesen Bericht. In 6 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten.
Beratungsverlauf6 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
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Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, FDP und E.L. Sonstige Voten/Protokollerklärung: FAG und REP (= Kenntnis)
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Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, FDP, FAG und REP
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
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Abstimmung im Original
Abstimmung: CDU, SPD, GRÜNE, FDP, FAG und REP