Stellungnahme der Stadt Frankfurt am Main zu den diskriminierenden Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz
Wie es hier weitergeht? Sagen wir Ihnen.
Unabhängig. Kostenlos. Die wichtigen Entscheidungen landen direkt in Ihrem Postfach.
E-Mail-Abo einrichtenAntrag
Der Ortsbeirat möge beschließen:
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird beauftragt, die jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zu verurteilen, in denen er sinngemäß sagt, wir hätten Probleme mit unserem Stadtbild. Der Magistrat wird aufgefordert, sich öffentlich hiervon zu distanzieren und die Aussage als das zu benennen, was sie ist: diskriminierend, spaltend und rassistisch.
Der Magistrat wird gebeten, in einer öffentlichen Stellungnahme zu bekräftigen, dass die Stadt Frankfurt am Main für Respekt, Vielfalt, Gleichberechtigung und ein friedliches Zusammenleben aller Menschen einsteht - unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder sozialem Status.
Der Magistrat wird weiterhin beauftragt, der Stadtverordnetenversammlung zu berichten,
welche bestehenden Maßnahmen zur Förderung des interkulturellen Zusammenhalts und der Antidiskriminierungsarbeit derzeit umgesetzt werden, und
welche zusätzlichen Schritte möglich sind, um rassismusfreie Sprache, demokratische Werte und soziale Teilhabe zu stärken.
Begründung
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte in einer öffentlichen Rede sinngemäß, man wolle "das Stadtbild ändern", womit er offenkundig Menschen mit Migrationshintergrund meinte, die vermehrt abgeschoben werden sollen. Er bekräftigte dies noch: "Nein, ich werde mich nicht entschuldigen. Fragen Sie Ihre Töchter, warum ich das gesagt habe und warum ich mich nicht entschuldigen werde." Diese Äußerungen sind respektlos, pauschalisierend und diskriminierend gegenüber einem großen Teil der Bevölkerung. Sie fördern Ressentiments und sind geeignet, das gesellschaftliche Klima zu vergiften. Frankfurt am Main ist eine Stadt, die von internationaler Vielfalt lebt: Über die Hälfte der Frankfurterinnen und Frankfurter haben eine internationale Geschichte. Diese Vielfalt prägt das Stadtbild und ist auch wesentlicher Bestandteil der Frankfurter Identität sowie der des Nordends. Besonders problematisch ist, dass der hessische Ministerpräsident Boris Rhein die Äußerungen von Friedrich Merz öffentlich bekräftigt hat, statt sich davon zu distanzieren. Dies verleiht den diskriminierenden Aussagen zusätzliche politische Legitimität und steht im Widerspruch zu den Grundwerten eines vielfältigen und demokratischen Gemeinwesens. Als weltoffene und demokratische Stadt ist es Frankfurts Pflicht, jede Form von Diskriminierung klar zurückzuweisen und sich für eine inklusive, respektvolle und solidarische Stadtgesellschaft einzusetzen. Der Ortsbeirat setzt daher mit diesem Antrag ein Zeichen für Vielfalt, gegen Diskriminierung und für einen respektvollen öffentlichen Diskurs.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Antrag, den eine Fraktion in den Ortsbeirat einbringt. In der Ortsbeiratssitzung wird darüber beraten und abgestimmt. Wird er beschlossen, geht er — je nach Thema — als Anregung an die Stadtverordnetenversammlung (OA), als Direktanregung (OM) oder als Initiative (OI) weiter.
- 1Fraktion bringt Antrag ein
- 2Ortsbeirat berät & beschließt
- 3wird zu OA, OM, OI oder V
- 4Magistrat setzt um oder berichtet
Der Weg dieser Vorlage
Am 29. Oktober 2025 brachte Linke im Ortsbeirat 3 diesen Antrag ein. In einer Sitzung wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 04.12.2025 im OBR 3 angenommen.
Beratungsverlauf1 Beratung
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP und Volt gegen Linke und ÖkoLinX-ARL (= Befassung)