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Jahresabschluss 2022: Sonderprogramm "Zukunft Stadtwald" zur Bewältigung der Klimafolgen im Stadtforst

Vorlagentyp: M
11 SitzungenAngenommen

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Thema Grünflächen, Wald und Friedhöfe verfolgen

Beschlussvorschlag

  1. Es dient zur Kenntnis, dass der Klimawandel und die daraus resultierenden Trockenjahre und Extremwetterereignisse den Frankfurter Stadtwald auf kompletter Fläche massiv geschädigt haben. Zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Stadtwalds ist ein Sonderprogramm "Zukunft Stadtwald" dringend erforderlich, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und einen klimastabilen Wald aufzubauen. Der Stadtwald soll in seinen vielfältigen Funktionen für Erholung, Holzwirtschaft, Artenschutz und CO² Speicherung erhalten bleiben.
  2. Dem Maßnahmenpaket, das u.a. die Wiederaufforstung klimageschädigter Waldflächen mit geeignetem Pflanzmaterial und Pflanzverfahren, die Bekämpfung invasiver fremdländischer Arten, sowie die Anlage diverser Versuchsflächen mit klimatoleranteren Baumarten und Anbauverfahren sowie den Gewässerschutz beinhaltet, wird zugestimmt.
  3. Der Magistrat wird beauftragt, das Sonderprogramm "Zukunft Stadtwald" umzusetzen.
  4. Zur Finanzierung der Maßnahmen wird ein Sonderbudget in Höhe von 4,5 Millionen Euro in der Produktgruppe 22.07 StadtForst aus dem entsprechend der Ziffer V des Magistratsvortrages M 61 vom 28.04.2023 haushaltswirtschaftlich gesperrten Budgets zur Verfügung gestellt. Der Verwendung der Reste aus dem Jahresabschluss 2022 in Höhe von 4.5 Mio. € für das Sonderprogramm "Zukunft Stadtwald" wird vorbehaltlich der Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung zur M 61 / 2023 zugestimmt.
  5. Es dient zur Kenntnis, dass die Maßnahmen keine Auswirkungen auf den Stellenplan haben. Der personelle Mehraufwand wird aus dem Sonderprogramm gedeckt. Über weiteren Stellenbedarf wird im Rahmen des Stellenplanverfahrens 2024/2025 entschieden.

Begründung

A. Zielsetzung

Der Wald der Stadt Frankfurt ist mit seinen 5.988 ha einer der größten Stadtwälder Deutschlands. Jährlich nutzen geschätzt rund 5 Mio. Waldbesucher und Waldbesucherinnen den Stadtwald für diverse Freizeitaktivitäten. Der Frankfurter Stadtwald deckt zu einem Viertel den Trinkwasserbedarf der Frankfurter Bevölkerung und leistet einen maßgeblichen Anteil zum Lokalklima.

Der Klimawandel und die daraus resultierenden Trockenjahre und Extremwetterereignisse haben den Frankfurter Stadtwald auf kompletter Fläche massiv geschädigt. Im Schnitt der vergangenen vier Trockenjahre 2018, 2019, 2020 und 2022 lagen die Sommertemperaturen laut Deutschem Wetterdienst 1,9 °C über dem langjährigen Jahresdurchschnitt und die Niederschläge umfassten nur rund 57% des langjährigen Mittels.

Dies führte zu Trockenschäden in Form von Blatt- und Nadelverlusten, Absterben und Abwerfen von Ästen und Kronenteilen bis hin zum vollständigen Absterben der Bäume durch den Hitzestress oder einer Kombination aus Trockenheit und Sekundärschädlingen wie dem Borkenkäfer.

Laut aktuellem Waldzustandsbericht 2022 sind 97,6 % der Bäume schwach bis stark geschädigt (Blatt- und Nadelverluste zwischen 11 und 100%), davon sind 75,5 % mittel bis stark geschädigt (Blatt- und Nadelverluste zwischen 26 und 100%). Die Ergebnisse der Waldzustandserhebungen der vergangenen Jahre skizzieren eine erschreckende Entwicklung. Waren 2015 noch 48% der Bäume mittel bis schwer geschädigt (Blatt- oder Nadelverluste zwischen 26 und 100%), so waren es 2020 und 2021 76% bzw. 71 %.

Die Klimaschäden führten bereits zu einer einschneidenden Neuausrichtung von Aufgabenschwerpunkten und der Notwendigkeit neuer Aufgaben und Maßnahmen, sowie zu einer Erhöhung des Arbeitsvolumens in verschiedenen Bereichen. Die städtischen Forstwirte und Forstwirtinnen sind mittlerweile neben den regulären Betriebsarbeiten vor allem in der Verkehrssicherung, Schadholzaufarbeitung und Käferkontrolle beschäftigt.

Klimaprognosen aus Fachkreisen und die sichtbare Entwicklung in Form von fehlenden Niederschlägen, viel zu milden Wintern, höheren Jahresdurchschnittstemperaturen und Extremwetterereignissen werden auch langfristig betrachtet einen Mehraufwand zum Schutz und zum Erhalt des Stadtwaldes erfordern.

Ziel ist es, in Anbetracht der extrem fortschreitenden Schadenslage mit einem forcierten Maßnahmenpaket den Frankfurter Stadtwald als grüne Lunge für die Stadt zu erhalten und die Klimaschäden wo beeinflussbar so gering wie möglich zu halten, sowie eingetretene Klimaschäden zu beseitigen und einen klimastabilen Wald aufzubauen.

Dies soll anhand verschiedener waldbaulicher und forstwissenschaftlicher Methoden erfolgen. Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung der in den 90er Jahren begonnenen Voranbauten von Laubholz unter Nadelholz-Monokulturen, die Wiederaufforstung klimageschädigter Waldflächen mit geeignetem Pflanzmaterial und Pflanzverfahren, die Bekämpfung invasiver fremdländischer Arten, sowie die Anlage diverser Versuchsflächen mit klimatoleranteren Baumarten und Anbauverfahren. Darüber hinaus sollen im Rahmen des Arten- und Biotopschutzes wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl von teils seltenen und bedrohten Tier- und Pflanzenarten geschützt und bewahrt werden.

B. Alternativen

Ohne ein Sonderprogramm Zukunft Stadtwald können die Folgen des Klimawandels nicht in dem Umfang aufgefangen werden, wie es angesichts der Dynamik des Klimawandels erforderlich ist. Die Stadt Frankfurt am Main hat sich bereits früh auf den Klimawandel im Stadtwald eingestellt und weiß, mit welchen Maßnahmen gegengesteuert werden kann. Viele große Bäume und ganze Waldteile werden in absehbarer Zeit aufgrund ihrer Schädigung absterben und es entstehen dann freie Flächen im Wald, die wieder aufgeforstet werden müssen, um den Stadtwald in seinen vielfältigen Funktionen für Erholung, Holzwirtschaft, Artenschutz und CO² Speicherung zu erhalten.

Der "Koalitionsvertrag für Frankfurt 2021-2026" legt fest, dass der Frankfurter Stadtwald wiederaufgeforstet, an die Folgen des Klimawandels angepasst, sowie die Artenvielfalt und Lebensräume für Tiere und Pflanzen weiterentwickelt werden sollen. Es soll weiter eine "Zukunftsstrategie Stadtwald" erstellt werden. Die Intensivierung der forstwirtschaftlichen Maßnahmen und die dafür notwendige Bereitstellung finanzieller und personeller Ressourcen ist daher alternativlos, um diesem Auftrag gerecht werden zu können.

C. Lösung

Um den Stadtwald aufgrund des Klimawandels ökologisch stabil und als Naherholungsgebiet zu erhalten, sind jetzt Sondermaßnahmen dringend zu ergreifen, die im Folgenden beschrieben werden:

Wiederaufforstung trockengeschädigter Waldflächen

Die Auflichtung der Waldbestände aufgrund der Hitzeschäden verteilt sich über die gesamte Stadtwaldfläche. Die Schaderscheinungen unterliegen einem dynamischen Prozess. Ein großes Problem sind nicht nur die Absterbeerscheinungen durch Austrocknung, sondern auch trockenheitsbedingte Folgeschäden in Form von Sekundärschädlingen. Die Bäume sind so geschwächt, dass sie anfällig gegenüber Pilz- und Insektenbefall werden. Der Befall durch den Borkenkäfer rafft im Taunus ganze Waldbestände dahin, die Schadfläche umfasst mittlerweile über 150 ha. Aufgrund der Hitze 2022 gab es neue Befallsherde.

Insbesondere während der ersten Lebensjahre auf den Freiflächen haben es Waldbäume besonders schwer, sich gegen Konkurrenzvegetation wie die Spätblühende Traubenkirsche, Landreitgras oder Brombeere durchzusetzen. Für jede wiederbewaldete Kulturfläche muss auch eine Kulturpflege für die ersten 5-10 Jahre mit eingeplant werden. Die jungen Bäume müssen zweimal jährlich freigeschnitten werden. Danach erfolgt die Pflege einmal jährlich.

In allen aufgeforsteten Waldbeständen müssen ausreichend Habitatbäume und Waldstrukturen entstehen, die den Ansprüchen der heimischen Tierwelt an ihren Lebensraum gerecht werden.

Bekämpfung der Spätblühenden Traubenkirsche

Invasive und gleichzeitig wärmeliebende Baumarten wie die aus Nordamerika stammende Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) überwuchern die aufgelichteten Waldbestände und verdrängen aufgrund ihrer enormen Konkurrenzstärke sämtliche heimische Baumarten. Die unabdingbar notwendige Bekämpfung dieser invasiven Art, d.h. maschinelle Rodung, sowie anschließende Wiederaufforstung und Pflege der Forstkulturen erfordert durchschnittlich 5 - 7 Jahre einen hohen personellen und finanziellen Aufwand.

Es stehen aktuell rund 100 Hektar zur Rodung und Wiederaufforstung mit klimaangepassten Waldbaumarten an. Da die Arbeiten sehr arbeitsintensiv sind und die Flächen mechanisiert aufwendig vorbereitet werden müssen, werden die Traubenkirschenflächen komplett in Fremdvergabe gegeben. Diese Aufgabe genießt absolute Priorität und muss forciert werden.

Verkehrssicherung

Der große Erholungswert des Stadtwaldes spiegelt sich in der hohen Erschließungsdichte wieder. Die Infrastruktur umfasst ein weites Netz an Fahr-, Wander- und Reitwegen, sowie insgesamt rund 400 Erholungseinrichtungen wie Bänke und Schutzhütten. Die Erschließungsdichte im Stadtwald beläuft sich auf rund 80 lfm/ha. Das ist doppelt so hoch verglichen mit stadtnahen Wäldern kleinerer Städte oder in ländlichen Bereichen.

An öffentlichen Straßen und entlang von Bebauungslinien, sowie an den Erholungspunkten ist der Waldbesitzer gem. BGB dazu verpflichtet, die Verkehrssicherung durchzuführen. Es finden zweimal im Jahr - in unbelaubtem und belaubtem Zustand der Bäume - Kontrollen durch besonders geschultes Forstpersonal statt. Die Strecke sämtlicher Verkehrs- und Bebauungslinien umfasst rund 300 km (96 km Bebauung, 203 km öffentliche Straßen), die jedes Jahr zweimal von den Förster:innen kontrolliert werden muss. Dabei werden die öffentlichen Straßen beidseitig begangen.

Aufgrund der teils zügig fortschreitenden Absterbeerscheinungen durch die Hitzejahre und Folgeschädigungen genügen zwei Kontrollen im Jahr meist nicht mehr. Hinzu kommt die Mehrzahl der auftretenden Stürme. Nach jedem Extremwetterereignis ist eine Sonderkontrolle vorgeschrieben. Im letzten Jahr ereigneten sich in kurzer Folge drei Stürme (Zeynep, Ylenia und Antonia). Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gab es keine vergleichbare Wettersituation mit drei Stürmen in solch kurzer Zeit. Erst vergangene Woche zog wieder ein Sturmtief über Frankfurt und Teile der Region und es mussten Sonderkontrollen und Freischnittmaßnahmen im Stadtwald durchgeführt werden.

Der Aufwand (Kontrollen und Rückschnittmaßnahmen) für die Verkehrssicherung ist aufgrund der Trockenschäden in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gestiegen. Was bislang einen Zeitumfang von 3-6 Wochen pro Jahr umfasste, benötigt nun mindestens 4 Monate im Jahr in jedem Forstrevier. Dies beinhaltet auch den erhöhten Aufwand im Rahmen des Artenschutzes. Höhlenbäume werden vor den Fällmaßnahmen mit einer Höhlenkamera und mit Hilfe eines Hubsteigers untersucht. Sollte der Baum keine unmittelbare Lebensgefahr für die Waldbesucher: innen darstellen und artenschutzrelevant sein, d.h. die Einnistung von Fledermäusen, Spechten etc. oder das Vorkommen geschützter Insektenarten wie dem Heldbock werden nachgewiesen, so sind mit der Unteren Naturschutzbehörde geeignete Maßnahmen abzustimmen. Diese Maßnahmen sind meist kosten- und zeitaufwändiger als eine standardmäßige Fällung. Z.B. werden die Baumkronen nur in Teilen abgetragen oder die gefällten Bäume an einen anderen Ort verbracht, um die Entwicklung bestimmter Käferarten nicht zu stören.

Im Falle von Gefahr in Verzug durch umgestürzte oder von Sturm oder Trockenheit angeschobene oder geschädigte Bäume, muss unverzüglich gehandelt werden. Durch den hohen Schädigungsgrad von Randbäumen an öffentlichen Straßen und entlang der Bebauung, der sich in diesem Jahr nochmal verstärkt hat, reichen die eigenen Personalkapazitäten zur Durchführung der Verkehrssicherung nicht mehr aus. Maßnahmen müssen an externe Dienstleister vergeben werden. Teils muss Spezialtechnik aufgrund besonderer Sicherheitsvorkehrungen in Anspruch genommen werden.

Anlage, Bewirtschaftung und Betreuung von Versuchsflächen

Die Anlage von Versuchsflächen erfolgt seit 2018 mit heimischen und nicht-heimischen Baumarten verschiedener Herkunft und mit verschiedenen Pflanzverfahren. In Form von Jungpflanzen und Saat werden Freiflächen mit Baumarten unterschiedlicher Provenienzen bepflanzt. Dabei handelt es sich um heimische Baumarten, die bislang eher eine untergeordnete Rolle, sogenannte Nebenbaumarten, spielten (z.B. Winterlinde, Esskastanie, Elsbeere, Weißtanne, Ahorn), sowie um nicht-heimische Baumarten u.a. aus Frankreich, Korsika, Italien, Afrika, Nordamerika, Griechenland, wie z.B. Küstentanne, Schwarzkiefer, Baumhasel, Atlas- und Libanon-Zeder. All diese Baumarten werden derzeit von Fachkreisen aufgrund ihrer trockenresistenteren Standortsamplitude empfohlen.

Mittlerweile wurden über den Stadtwald verteilt rund 15 Versuchsflächen mit 23 Baumarten und verschiedenen Pflanzverfahren einschl. der Vorsaat in Gewächshäusern etabliert. Unter Pflanzverfahren ist z.B. auch das Tunken der Wurzeln in ein spezielles Wurzelgel vor Einbringung in die Erde gemeint, um die jungen Pflanzen besser mit Wasser zu versorgen und ihnen eine Starthilfe in den trockenen Böden zu geben. Auch das Sammeln und die thermische Behandlung von Pflanzgut mit guter Anpassung an trockene Standorte gehören dazu.

Darüber hinaus werden epigenetische Untersuchungen zur Trockenresistenz der Rotbuche durchgeführt, sowie in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin Rotbuchen aus Herkünften wie Brandenburg und Sizilien getestet. In einem Kooperationsprojekt mit der Goethe-Universität Frankfurt wurden Versuchsflächen mit verschiedenen mediterranen Eichenarten angelegt (Flaumeiche, Ungarische Eiche, Steineiche).

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Betreuung dieser Flächen einschl. Pflege, Datensammlung-/ Datenauswertung und Dokumentation mit dem derzeitigen Personalstand nicht möglich ist.

Instandsetzung von Waldgewässern

Die Temperaturerhöhungen haben verheerende Auswirkungen auf die Gewässer im Frankfurter Stadtwald. Neben hoher Verdunstungsraten und Rückgang der Gewässerrandzonen, ist derzeit bei 5 von 10 Waldweihern ein massiver Befall von Blaualgen nachgewiesen. Blaualgen werden durch Bakterien verursacht. Ein zu hoher Algenbewuchs kann zum Umkippen und somit Fischsterben und Absterben vieler Wasserlebewesen führen. Gewässer im Wald sind wichtig zum Erhalt wertvoller Biotope und der Biodiversität, als Wassertränken für Wildtiere, Rückhaltebecken bei Starkregenereignisse und Löschteiche bei Waldbränden.

Vor diesem Hintergrund wurde das Thema "Wald und Wasser" in die neue Naturschutzleitlinie des Landes Hessen aufgenommen, da wassergeprägte Räume eine zentrale Rolle für den Naturhaushalt eines Waldes spielen. Um das Gefährdungspotential der betroffenen Gewässer im Stadtwald zu bestimmen und Maßnahmen daraus abzuleiten werden in den kommenden Jahren gewässerökologische Gutachten erstellt. Daraus generieren sich konkrete Maßnahmen, die finanziert werden müssen.

Bewältigung der Folgen des hohen Erholungsdrucks und Waldbrandbekämpfung

In jüngster Vergangenheit hat sich der Erholungsdruck auf den Stadtwald deutlich verstärkt. Einer der Folgen des gestiegenen Nutzungsdrucks und damit einhergehender Verhaltensänderungen von diversen Nutzergruppen ist die verstärkte Vermüllung des Waldes. Die sogenannten Revierreinigungsfahrten dauern länger und binden mehr Personal. Die Entsorgung von Müll auf besonders frequentierten Flächen und Parkplätze ist mit eigenem Personal nicht mehr zu stemmen.

Mit dem Klimawandel steigen die Gefahr und die Anzahl der Waldbrände. Ursachen sind meist unachtsam weggeworfene Zigarettenkippen oder illegales Grillen, teils auch mutmaßliche Brandstiftung. Rauchen und Feuer machen ist nach dem Hessischen Waldgesetz im Wald verboten. Zuwiderhandlungen stellen Ordnungswidrigkeiten, bzw. bei Ausruf der Alarmstufe 1 der Waldbrandgefahr durch das Land, Straftaten dar. Die zeitaufwändige Ahndung und Durchführung von Rechtsstreitigkeiten nimmt stetig zu.

Seit Juni 2022 wurden 18 Waldbrände verzeichnet. Durch die Unterstützung der Feuerwehr mit ortskundigem Forstpersonal und wenn erforderlich durch Forstwirte: innen bei Fällmaßnahmen, sowie die Beteiligung an der Organisation von Krisenstäben, steigt der Personal- und Verwaltungsaufwand.

Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik

Anfragen von Bürger: innen und Medien haben sich in Zeiten der Trockenjahre stark erhöht. Das Waldbild im Stadtwald ändert sich. Maßnahmen im Bereich Holzernte, Verkehrssicherung und Aufforstung müssen den Waldbesuchern: innen angekündigt und erläutert werden. Nicht nur um das betriebliche Handeln vertrauenswürdig zu machen und Fachwissen für jeden gut verständlich wiederzugeben, sondern auch vor dem Hintergrund der Ungewissheit um die Trockenschäden und die Ängste der Bevölkerung. Themen rund um den Klimawandel, die Auswirkungen auf den Stadtwald, sowie die durchgeführten Maßnahmen werden in der Presse und auf sozialen Medien wie Instagram etabliert.

Jährlich besuchen rund 25.000 Menschen das Informationszentrum StadtWaldHaus/ Fasanerie und es werden rund 500 Führungen abgehalten. Die Nachfrage ist weitaus höher und viele Anfragen zu Führungen müssen aufgrund Personalmangel abgesagt werden.

Die Ausstellung des 1995 gebauten Stadtwaldhauses ist in die Jahre gekommen. Es ist notwendig, Ausstellungsinhalte ebenfalls mit dem Thema Klimawandel und Zukunft Wald neu zu gestalten. Hierfür bedarf es eines in die Zukunft gerichteten Konzeptes, das neu erarbeitet werden muss und Personalbedarf.

Tierpflege in der Fasanerie

Die Fasanerie ist Teil des pädagogischen Konzeptes und der Öffentlichkeitsarbeit.

Die Fasanerie ist aber auch ein gem. §11 Tierschutzgesetz zugelassener Gehegebetrieb und beherbergt insgesamt rund 100 Tiere mit 20 verschiedenen Wildtierarten. Zudem ist sie Auffangstation für kranke Wildtiere. Die klimatischen Veränderungen haben eine erhebliche Auswirkung auf die Anzahl der aufgenommen kranken Wildtiere. Der Pflegeaufwand hat sich vervielfacht, da die Tiere aufgrund von Wasser- und Futtermangel geschwächt sind oder zusätzlich an Folgeerkrankungen leiden. Die milden Winter erhöhen das Ausbreitungspotential der Vogelgrippeviren. Die Umsetzung von Maßnahmen bzgl. Hygiene und Quarantäne erfordern mehr Personaleinsatz.

Aufgrund der Forderungen der Gesetze zum Gehegebetrieb muss die Inaugenscheinnahme der Tiere täglich erfolgen. Zur Versorgung der Tiere ist die Tierpflege in Wochenenddienste eingeteilt. Der genannte Mehraufwand ist mit dem derzeit zur Verfügung stehenden Stellenkontingent nicht mehr zu erfüllen.

Waldstrategie für den Frankfurter Stadtwald

Die derzeitige Situation erfordert die Zusammenstellung der Schäden, der Maßnahmen und der Auswirkungen auf den Frankfurter Stadtwald und auf die Waldfunktionen wie Erholungsnutzung, Arten- und Biotopschutz. Die durch die Klimaschäden veraltete Zielsetzung des StadtForstes muss durch eine aktuelle Waldstrategie durch einen externen Sachverständigen abgelöst werden.

Aufbau eines Personalübergangsmanagements und einer Wissensdatenbank

Aufgrund des demographischen Wandels im StadtForst wird es erforderlich, ein Übergangsmanagement zu entwickeln, das den nachfolgenden Revierleiter:innen die Möglichkeit eröffnet, spezifisches Fachwissen im Wald weiterzugeben. Die Mitarbeitenden im StadtForst fürchten, dass die spezifischen Kenntnisse zu den Folgen des Klimawandels zusammen mit den praktischen Erfahrungen der Förster:innen nicht ausreichend weitergegeben werden können, wenn es keine parallele Übergabezeiten und eine entsprechende Wissensdokumentation gibt. Mit Hilfe einer Datenbank und durch ein mit externer Hilfe individuell entwickeltes Übergabeprogramm an die Nachfolger:innen soll diese Sorge genommen werden und ein reibungsloser Wechsel in der Führungsriege des StadtForsts sichergestellt werden.

Waldkongress

Die Umsetzung des Zukunftsprogrammes steht auch im Kontext der bisherigen öffentlich wahrgenommenen Aktivitäten. Im September letzten Jahres haben sich Forstexperten aus Wissenschaft und Praxis aus dem ganzen Bundesgebiet zum fachlichen Austausch im Rahmen des zweiten Frankfurter Waldkongresses getroffen und eine "Frankfurter Erklärung" verabschiedet. Darin heißt es u.a. "Als Stadt Frankfurt am Main mit dem vorherrschenden Regionalklima der Rhein-Main-Ebene müssen wir Antworten finden für den Aufbau klimastabiler Mischwälder, für Wachstum und für die Anpassungsfähigkeit verschiedenster Baumarten. Der Stadtwald ist unsere Lebensversicherung und die der nachfolgenden Generationen...." Um an diese beiden Kongresse anzuknüpfen und den wissenschaftlichen und fachlichen Austausch zum Thema Klimaanpassung unserer Wälder zu pflegen, wird der 3. Frankfurter Waldkongress im Frühjahr nächsten Jahres organisiert.

Personalbedarf

Zur Bewältigung der dargelegten Aufgaben und Maßnahmen wird der Bedarf an zusätzlicher personeller Unterstützung auf 10 Projektstellen in Vollzeit eingeschätzt. Die Projektstellen werden entsprechend der erforderlichen Qualifikation des Personals in fünf Qualifikationsbereiche unterteilt:

- Förster: in Fachhochschule/Klimaförster: in:1 Stelle
- Forstwirt: in:5 Stellen
- Öffentlichkeitsarbeit/Waldpädagogik:1 Stellen
- Tierpfleger: in:2 Stellen
- Forstwirtschaftsmeister:in (Ausbildung):1 Stelle

Es ist geplant, zeitlich befristete Projektstellen zur Verfügung zu stellen, damit die zusätzlichen Maßnahmen aus dem Sonderprogramm "Zukunft Stadtwald" umgesetzt werden können. Insbesondere für die Ausbilderstelle und die Tierpfleger:in wird eine dringende Priorität gesehen. Es werden auch 4 zusätzlichen Fahrzeuge für den StadtForst angeschafft, um Fahrzeiten innerhalb der Reviere zu verkürzen und die Mobilität für die verschiedenen Arbeitsbereiche zu sichern.

D. Öffentlichkeitsbeteiligung

Aufstellung der laufenden Maßnahmen und Budgetverteilung:

MaßnahmeBudget
Wiederaufforstung trockengeschädigter Waldflächen600.000 €
Bekämpfung Spätblühende Traubenkirsche1.016.000 €
Verkehrssicherung500.000 €
Versuchsflächen50.000 €
Waldgewässer1.250.000 €
Erholungsdruck und Waldbrandbekämpfung70.000 €
Öffentlichkeitsarbeit/ Waldpädagogik20.000 €
Waldstrategie30.000 €
Aufbau eines Personalübergangsmanagement und einer Wissensdatenbank mit externer Hilfe20.000 €
Waldkongress100.000 €
Personalkosten für 10 Stellen zur Überbrückung Stellenplan 2024/2025664.000 €
Waldkongress100.000 €
4 Fahrzeuge für neue Stellen und Ausbildung180.000 €
Summe4.500.000 €

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

MVortrag des Magistrats

Eine Beschlussvorlage, die der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorlegt — für Angelegenheiten, die deren Zustimmung brauchen. Sie wird in Ausschüssen und im Plenum beraten, dann entscheidet die Stadtverordnetenversammlung.

  1. 1Magistrat legt Vortrag vor
  2. 2Ausschüsse beraten
  3. 3Plenum entscheidet

Der Weg dieser Vorlage

Am 14. Juli 2023 legte der Magistrat diesen Vortrag der Stadtverordnetenversammlung vor. In 11 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 19.09.2023 im OBR 16 angenommen.

Wie Frankfurter Lokalpolitik funktioniert
Beratungsverlauf11 Beratungen
Haupt- und Finanzausschusses
Sitzung 22 · 18.07.2023
TO I, TOP 33
Beraten
nicht auf TO Die Entscheidung über die Vorlage M 118 wird auf den Ältestenausschuss delegiert.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPLinkeAfDVoltFRAKTIONÖkoLinX-ELFBFF-BIG
Abstimmung im Original

Abstimmung: GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., AfD, Volt, FRAKTION, ÖkoLinX-ELF und BFF-BIG

Stadtverordnetenversammlung
Sitzung 24 · 20.07.2023
TO II, TOP 75
Angenommen
a) Es dient zur Kenntnis, dass der Ältestenausschuss mit der Mehrheit von zwei Dritteln seiner Mitglieder die Aufnahme der Vorlage M 118 auf die Tagesordnung II der 24. Plenarsitzung beschlossen hat. b) Der Vorlage M 118 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

zu a)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPLinkeAfDVoltFRAKTIONÖkoLinX-ELFBFF-BIGGartenpartei
zu b)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPLinkeAfDVoltFRAKTIONÖkoLinX-ELF
Ablehnung:
BFF-BIG
Abstimmung im Original

Abstimmung: zu a) GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., AfD, Volt, FRAKTION, ÖkoLinX-ELF, BFF-BIG und Gartenpartei zu b) GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., AfD, Volt und FRAKTION und ÖkoLinX-ELF gegen BFF-BIG (= Annahme im Rahmen des Revisionsberichts)

Ältestenausschusses
Sitzung 22 · 20.07.2023
TO I, TOP 13
Angenommen
a) Es dient zur Kenntnis, dass der Ältestenausschuss mit der Mehrheit von zwei Dritteln seiner Mitglieder die Aufnahme der Vorlage M 118 auf die Tagesordnung II der 24. Plenarsitzung beschlossen hat. b) Der Vorlage M 118 wird in der vorgelegten Fassung zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Sonstige:
ÖkoLinX-ELF (Aufnahme auf TO, Annahme)Gartenpartei (Aufnahme auf TO, Zurückstellung)
zu a)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPLinkeAfDVoltFRAKTIONBFF-BIG
zu b)
Zustimmung:
GrüneCDUSPDFDPLinkeAfDVoltFRAKTION
Ablehnung:
BFF-BIG
Abstimmung im Original

Abstimmung: zu a) GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., AfD, Volt, FRAKTION und BFF-BIG zu b) GRÜNE, CDU, SPD, FDP, LINKE., AfD, Volt und FRAKTION gegen BFF-BIG (= Annahme im Rahmen des Revisionsberichts) Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ELF (= Aufnahme auf TO, Annahme) Gartenpartei (= Aufnahme auf TO, Zurückstellung)

OBR 11
Sitzung 23 · 11.09.2023
TO II, TOP 2
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

OBR 13
Sitzung 23 · 12.09.2023
TO I, TOP 14
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

OBR 6
Sitzung 23 · 12.09.2023
TO I, TOP 44
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

OBR 9
Sitzung 23 · 14.09.2023
TO II, TOP 2
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

OBR 5
Sitzung 23 · 15.09.2023
TO I, TOP 61
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

OBR 15
Sitzung 23 · 15.09.2023
TO I, TOP 19
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Enthaltung:
BFF
Abstimmung im Original

Abstimmung: Annahme bei Enthaltung BFF

OBR 2
Sitzung 23 · 18.09.2023
TO II, TOP 38
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

OBR 16
Sitzung 23 · 19.09.2023
TO I, TOP 17
Angenommen
Der Vorlage M 118 wird zugestimmt.

Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.

Zustimmung:
Alle
Abstimmung im Original

Abstimmung: Einstimmige Annahme

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Ortsbeiratssitzung