Pflegestützpunkte unter der Berücksichtigung von kultur- und religionssensiblen Aspekten
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Thema Kultur verfolgenInhalt
Anregung der KAV vom 09.02.2010, K 37
Betreff: Pflegestützpunkte unter der Berücksichtigung von kultur- und religionssensiblen Aspekten Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Der Magistrat wird beauftragt, dafür Sorge zu tragen, dass bei der Einrichtung der Pflegestützpunkte im Rahmen der Umsetzung des im Juli 2008 in Kraft getretenen Pflegereformgesetzes, die kultur- und religionssensiblen Aspekte der Migranten berücksichtigt werden. Im Konkreten sollte der Magistrat bei der Einrichtung der Pflegestützpunkte darauf achten, dass bei der Auswahl von Mitarbeitern für Pflegestützpunkte vor allem türkisches, arabisches und berberisches (Marokko) Personal eingestellt wird. Diese Mitarbeiter sollten aus den Migrantenorganisationen rekrutiert werden und nicht nur die Sprache beherrschen, sondern mit der jeweiligen Kultur vertraut sein und in einem guten Kontakt zu den jeweiligen Migrantenorganisationen stehen. Die Mitarbeiter sollten auch in den Räumlichkeiten der betreffenden Migrantenorganisationen regelmäßige Sprechstunden anbieten. Bei der Organisation und Durchführung dieses Vorhabens sollte von den Erfahrungen des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe e.V. profitiert, wenn möglich mit dem Verband kooperiert werden.
Begründung: Deutschland und damit auch die Stadt Frankfurt am Main ist zum ersten Mal mit der Situation konfrontiert, für muslimische Migranten, die in den 60.er als "Gastarbeiter" nach Deutschland gekommen sind, professionelle pflegerische Hilfe zu leisten. Für Menschen muslimischen Glaubens ist die (Alten-)pflege, die eine der vier Säulen des Sozialsystems darstellt, wenig bekannt. Die älteren muslimischen Migrantinnen und Migranten sind in der Akzeptanz der professionellen Altenhilfe zurückhaltend. Sie versuchen, die Pflegeproblematik in der Regel innerhalb der eigenen Familienstrukturen zu lösen. Wegen Unkenntnis der Möglichkeiten der professionellen Altenhilfe wissen sie nicht, in welchen konkreten Situationen man professionelle Hilfe beanspruchen kann. Die Familien der muslimischen Pflegebedürftigen versuchen diese Zurückhaltung öfters durch religiöse und kulturelle Argumente zu erklären. Die Folge ist, dass die meistens älteren, pflegebedürftigen Patienten muslimischen Glaubens nicht fachgerecht gepflegt werden, die pflegenden Familienmitglieder ohne notwendige Kenntnisse in der Pflege überlastet werden und die Gesundheitskassen unnötig belastet werden. Aufgrund der sprachlichen und kulturellen Barrieren sind ältere muslimische Migranten und deren Familienangehörige zögerlich, die bereits vorhandenen Beratungsstrukturen von neun Sozialrathäusern des Jugend- und Sozialamtes und neun Beratungs- und Vermittlungsstellen - BuV- der Träger der freien Wohlfahrtspflege anzunehmen. Gemäß Bericht des Magistrates (B841 vom 02.10.09) auf die Anfrage der FDP-Fraktion (A 971 vom 30.6.09) wurde in Frankfurt am Main noch keiner der geplanten Pflegestützpunkte eingerichtet. Die geplante Einrichtung der Pflegestützpunkte bietet die einmalige Gelegenheit, die oben geschilderte Problematik anzugehen. Mitarbeiter der Pflegestützpunkte, die die Sprache der Migranten sprechen, aus deren Kulturkreis stammen und mit den Gewohnheiten und Ritualen der älteren Migranten vertraut sind, werden in der Beratung und in der Abwicklung der "Pflegebürokratie" hilfreicher sein, als die bereits in vorhandenen Beratungsstellen der Altenhilfe. Die Akzeptanz der Beratungen wird noch besser, wenn die Mitarbeiter der Pflegestützpunkte ihre Beratungen in regelmäßigen Abständen in den Räumlichkeiten der Migrantenorganisationen durchführen. In Kooperation mit sozialen Wohlfahrtsverbänden. ist der Frankfurter Verband seit einigen Jahren im Bereich religions- und kultursensibler Altenhilfe tätig. Im Interkulturellen Altenhilfezentrum, Victor-Gollancz-Haus werden ältere muslimische Migranten in einem Wohnbereich gepflegt. Vor ca. einem Jahr wurde die interkulturelle Tagesbetreuung Gallus eingerichtet. Im Rahmen des Projektes "Beratung im kulturellen Kontext" werden vor Ort in drei Frankfurter türkischsprachigen Moscheevereinen für alle Themen rund ums Alter Beratungen angeboten und geleistet. Deshalb sollte bei der Einrichtung der Pflegestützpunkte von den Erfahrungen des Frankfurter Verbandes für Alten- und Behinderten Hilfe e.V. profitiert, wenn möglich mit dem Verband kooperiert werden.Zuständige Ausschüsse: Ausschuss für Soziales und Gesundheit Ausschuss für Bildung und Integration Zuständige sonstige Gremien: KAV Versandpaket: 10.02.2010
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Vorschlag der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV). Er wird in den zuständigen Ausschüssen behandelt und kann übernommen, abgelehnt oder zur Prüfung an den Magistrat überwiesen werden.
- 1KAV bringt Anregung ein
- 2Ausschüsse beraten
- 3ggf. Prüfung durch den Magistrat
Frist: 3 Monate bei Überweisung
Der Weg dieser Vorlage
Am 9. Februar 2010 brachte die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) diese Anregung ein. In 3 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 16.08.2010 im KAV angenommen.
Beratungsverlauf3 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Einzelne Angaben konnten nicht sicher zugeordnet werden. Maßgeblich ist der Originaltext.
Abstimmung: CDU, GRÜNE und LINKE. gegen SPD (= Prüfung und Berichterstattung), FDP (= Annahme mit der Maßgabe, den zweiten Absatz zu streichen), FAG (= Annahme) und FREIE WÄHLER (= Ablehnung) Sonstige Voten/Protokollerklärung: NPD (= Ablehnung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Einzelne Angaben konnten nicht sicher zugeordnet werden. Maßgeblich ist der Originaltext.
Abstimmung: CDU und GRÜNE gegen SPD, LINKE. und FAG (= Annahme) sowie FDP (= Annahme mit der Maßgabe, den zweiten Absatz zu streichen) Sonstige Voten/Protokollerklärung: FREIE WÄHLER und NPD (= Ablehnung)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.