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Der Deutsche Fußball-Bund, DFB, hat eine zentrale Anlaufstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt eingerichtet. D

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Die Frage zielt darauf ab, Informationen über die Kooperation der Frankfurter Fußballvereine mit der Anlaufstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt zu erhalten. Zudem wird nach Möglichkeiten gefragt, wie der Magistrat die Vereine unterstützen kann, um sich mit dem Thema Vielfalt auseinanderzusetzen. Das erwartete Ergebnis ist eine Verbesserung der Zusammenarbeit und Sensibilisierung im Sportbereich.

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Thema Gesundheit und Soziales verfolgen

Frage an den Magistrat

Der Deutsche Fußball-Bund, DFB, hat eine zentrale Anlaufstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt eingerichtet. Die nationale Kompetenz- und Anlaufstelle sollte in Trägerschaft des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland, LSVD, ab dem

  1. Januar 2021 ihre Arbeit aufnehmen. Ziel des Pilotprojektes ist, unter anderem eine Anlaufstelle für Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle zur Verfügung zu stellen. Ich frage den Magistrat: Gibt es aktuell Kenntnisse, wie die Frankfurter Fußballvereine jeder Liga mit der Anlaufstelle kooperieren, und wie kann der Magistrat die Vereine und Verbände unterstützen, sich mit dem Thema Vielfalt perspektivisch auseinanderzusetzen?

Antwort des Magistrats

Stadtrat Mike Josef:

Sehr geehrter Herr Vorsteher,

liebe Julia Roshan Moniri!

Ich beantworte die Frage wie folgt: Über eine Zusammenarbeit zwischen den Frankfurter Fußballvereinen und der Anlaufstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt des DFB liegen keine Kenntnisse vor. Auf hessischer Ebene ist für Fußballvereine die Sozialstiftung des Hessischen Fußball-Verbandes Ansprechpartnerin zu sozialpolitischen und gesellschaftlichen Themen. Diese berät Vereine und fördert Aktivitäten rund um die Themen "Gewaltprävention", "Integration", "Diversität" und "Vielfalt". Die Vereine werden über diese Angebote informiert. Aktuell sind 38 Frankfurter Fußballvereine Netzwerkpartner der Sozialstiftung und nutzen deren Angebote. Ein Dialog darüber mit dem DFB und dem beim DFB angesiedelten LSVD wird angestrebt.

Darüber hinaus gibt es im Bereich Sport einen Austausch mit den Frankfurter Sportvereinen, die sich bewusst an queere Menschen richten, zum Beispiel Artemis Sport Frankfurt e. V. oder FVV e. V., unser Frankfurter Volleyballverein. Die Sportjugend Hessen hat ebenso eine Fachstelle "Sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität im Sport" eingerichtet, die unter anderem das Ziel hat, ein Netzwerk hessischer queerer und queerfreundlicher Sportvereine aufzubauen.

Weil es auch ein Stück weit um Sichtbarmachung geht, auch des Verbandes, also des DFB, aber auch anderer Verbände, um deutlich zu machen, dass sie auch ansprechbar sind - das finde ich persönlich auch ganz gut -, gibt es eine finanzielle und strukturelle Förderung des Christopher Street Days, CSD, in Frankfurt als Ort des Austauschs, der Vernetzung und wie gesagt der Sichtbarmachung. So nimmt in 2022 der DFB gemeinsam mit dem DOSB, dem Deutschen Olympischen Sportbund, am CSD teil, um einfach auch deutlich zu machen, dass sie nicht nur präsent sind, sondern auch, dass es diese Anlaufstelle gibt und für die Vereine genutzt werden kann. Ich habe mit der Frau Bürgermeisterin im Vorfeld gesprochen, wir haben im Koalitionsvertrag auch formuliert, dass wir gemeinsam Vereine und Initiativen bei der Schaffung von besonderen Sportangeboten für LSBTIQ-Kinder und -Jugendliche unterstützen möchten, dass wir hier weitere Angebote auf den Weg bringen wollen, diese momentan gemeinsam prüfen und dann zu gegebener Zeit unaufgefordert berichten werden.

(Beifall)

Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 844

Stadtverordnete Julia Roshan Moniri, GRÜNE:

Sehr verehrter Stadtverordnetenvorsteher,

sehr geehrte Damen und Herren!

Ich vertrete hier heute Natascha Kauder, die heute erkrankt ist. Die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft hat sich am Dienstag mit einem starken 2:0 für das Viertelfinale der Europameisterschaft qualifiziert. Mit dabei, bei der EM in England, ist unsere Eintracht-Spielerin Sara Doorsoun. In der aktuellen Dokumentation "Born for this" wird der Weg der Nationalmannschaft hin zur EM dokumentiert. Im dritten Teil der Doku spricht Sara Doorsoun über die Liebe zu ihrer Freundin, über ihre Partnerschaft und über die Herausforderung des Sich-Outens. Sie beschreibt, dass sie sich im Fußball der Frauen nie verstecken musste, dass sie dort ein geschütztes Umfeld hat. Dass Sara Doorsoun und ihre Partnerin ihre Beziehung in der Doku thematisieren, ist mutig, es ist ermutigend und vorbildhaft. Dass der Sport solch ein sicheres Umfeld ist und sein kann, sollten wir uns für alle Sportbereiche aller Geschlechter wünschen, und wir müssen politisch alles dafür tun, dieses Umfeld zu stärken.

(Beifall)

Hierbei helfen kann die Kompetenz- und Anlaufstelle für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Fußball. Nun, nach über 20 Jahren der Forderung aus vielfältigen Communitys und den immer vielfältiger werdenden Fanclubs sowie vielen Ehrenamtlichen, finanziert der DFB seit dem 01.01.2021 diese Stelle. Mit Christian Rudolph hat die Stelle eine sehr erfahrene und vernetzte Person gefunden. Unter den vielen LGBTIQ-Sportlerinnen und Sportler gibt es immer noch sehr viele, die Angst davor haben, sich zu outen oder so zu sein, wie sie sind. Die SportPride, der Diversity Day, Liebe kennt keine Pause, Gay-Games, der DFB und der DOSB auf einem CSD-Wagen, das ist alles gut und wichtig und zeigt, dass LGBTIQ ein Teil der Sportwelt ist als aktive Spielerinnen und Spieler sowie Fans. Für eine nachhaltige Veränderung der Strukturen im Sport braucht es aber mehr. Daher ist die zentrale Anlaufstelle gerade im Fußball ein Meilenstein. Was heißt das für Frankfurt? Die Antwort des Dezernats auf unsere Frage ergab, dass das Dezernat keine Kenntnis über eine Zusammenarbeit Frankfurter Fußballvereine mit der Anlaufstelle hat. Die Stelle kontaktieren können aber neben Trainerinnen und Trainern, Ehrenamtlichen, Funktionärinnen und Funktionären oder Sponsorinnen und Sponsoren alle Spielerinnen und Spieler aus allen Ligen. Je mehr sich melden, umso mehr kann verbessert werden. Das Sportdezernat sollte in allen Vereinen das Angebot stellen, sich an die Stelle zu richten, und die Kooperation stärken. Die Stadt Frankfurt hat zudem vor wenigen Tagen die neu entstehende Antidiskriminierungsstelle in AmkA vorgestellt. Ein Austausch und eine perspektivische Kooperation nötiger und möglicher Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen mit den Verantwortlichen der Anlaufstelle wäre ein guter Anfang. Die Haltung aller ist wichtig. Mit der Anlaufstelle gibt es nun die Möglichkeit, das ganze Jahr über eine präsente und ansprechbare Stelle zu kontaktieren und die Sportwelt des Fußballs nachhaltig positiv zu verändern. Denn Sport ist für alle da und nur dann auch richtig gut.

Wenn Sie mir erlauben, noch ein Wort an unsere erkrankte Kollegin Natascha Kauder: Liebe Natascha, du hast diese Frage heute gestellt und hättest hier bestimmt gerne heute dazu gesprochen. Seit Jahren setzt du dich politisch mit allem, was du tust, für den Sport ein. Mit deiner Positionierung und deiner Sichtbarkeit bist du ein Vorbild für viele. Danke und gute Besserung von hier aus!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung ist von Frau Stadtverordneter Schnitzler von der FDP. Bitte schön!

Stadtverordnete Isabel Schnitzler, FDP:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Frankfurt ist bunt und vielfältig, auch im Sport. Wir haben gehört, es gibt doch die eine oder andere Stelle, die für queere Sportler wichtig ist, die für Sichtbarkeit sorgen kann und muss. Denn eine gefahrlose Teilhabe am öffentlichen Leben - und dazu gehört auch der Sport - ist ein Jedermannsrecht. Die betroffenen Personen wissen durch so eine Anlaufstelle, an wen sie sich wenden können. Diese Sichtbarkeit einer solchen Anlaufstelle nimmt den Betroffenen hoffentlich auch die Angst, von ihren Erfahrungen zu erzählen und auch zu berichten. Nur so können diese aufgearbeitet, gesehen und auch künftig verhindert werden. Als Stadt müssen wir besonders vulnerable Personengruppen schützen und genau darum solche Projekte unterstützen und fördern. Wir müssen weiterhin vermehrt an Aufklärungskampagnen arbeiten, um der Stigmatisierung, die die queere Community besonders auch im Sport erfährt, entgegenzuwirken. Dafür steht diese Koalition.

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank! Die nächste Wortmeldung ist von Frau Stadtverordneter Britta Wollkopf von Volt. Bitte schön!

Stadtverordnete Britta Wollkopf, Volt:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Der Fußballsport hat in den letzten Jahren viele gesellschaftliche Entwicklungen nicht adäquat mitgemacht. Er ist immer noch sehr männlich geprägt. Das betrifft selbstverständlich nicht nur den Fußball. Es gibt viele Sportarten, bei denen eine veraltete Vorstellung von Männlichkeit und Härte besteht. Diese wird leider immer wieder auf dem Spielfeld oder im Zuschauerraum sichtbar oder hörbar, zum Beispiel durch homophobe Sprüche. Dabei ist Sport für viele Menschen ein elementarer Teil ihrer Identität und braucht unbedingt Schutzräume gegen Diskriminierung. Der Berliner Fußballverband hat dieses Problem 2020 angegangen, indem er entsprechende Regelungen eingeführt hat. So dürfen seither trans- und intergeschlechtliche Menschen in einem Team ihrer Wahl spielen und werden keinem Geschlecht zugeordnet. Das hat auch den Vorteil, dass beispielsweise Transmenschen während und nach ihrer Transition nicht aus ihrem persönlichen Umfeld gerissen werden und in ihrem bisherigen Team verbleiben dürfen. Um auftretende Fragen und Unsicherheiten aufzufangen, hat der Berliner Fußballverband darüber hinaus zwei Ansprechpersonen zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt benannt. Solche Regelung nach dem Berliner Modell wurden nach und nach von anderen Verbänden übernommen. Immer häufiger gibt es solche Funktionen und Ansprechpersonen, jedoch haben sich diese Angebote noch nicht ausreichend herumgesprochen. Aufklärung und Sensibilisierung, die an der Basis, also bei den Sportvereinen, beginnt, ist einer der wichtigsten Bausteine für den notwendigen Wandel, für mehr gelebte Toleranz. Wünschenswert wäre, wenn der DFB und auch andere Verbände für diese Arbeit in Zukunft mehr Ressourcen und Finanzen zur Verfügung stellen würden. Wenn man bedenkt, um wie viel Geld es in der Bundesliga geht, dann bleibt aktuell für Antidiskriminierungsarbeit verhältnismäßig wenig hängen. Dabei geht es hier nicht nur um Fußball, Millionen Menschen spielen, leben und verfolgen diesen Sport. Der gesellschaftliche Impact ist riesig, daher sollten die im Rahmen des Pilotprojekts zur Verfügung stehenden Angebote zur Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerkarbeit und auch die Schulungen für Trainerinnen und Trainer, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, Funktionsträgerinnen und Funktionsträger und natürlich Spielerinnen und Spielern sowie Fans auch angenommen und verbreitet werden. So kann eine strukturelle Förderung von Vielfalt auch langfristig erfolgen.

Viele von uns waren bei der Veranstaltung "Liebe kennt keine Pause". Viele waren dabei und unterstützen ihre Petition. Hier zeigt sich der Einsatz über den eigenen Verein hinaus und im Falle des Fußballs in diesem Jahr bis hin nach Katar. Die Aktion im Rahmen der Initiative war ein Erfolg und hat einen Nerv getroffen. Das zeigt, ein Bewusstseinswandel hat bereits angefangen, es ist nun wichtig, diesen weiter und entschieden zu unterstützen und zu begleiten.

Vielen Dank!

(Beifall)

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Gregor Amann:

Vielen Dank, Frau Wollkopf! Es spricht jetzt Frau Friedrich von der CDU. Bitte!

Stadtverordnete Carolin Friedrich, CDU:

Sehr geehrter Herr Vorsteher,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Gerade im Sport sind die Hürden für queere Menschen immer noch sehr hoch. Es mangelt an Vorbildern, an internationalen Stars, bei den Profis genauso wie im Amateurbereich. Doch es werden glücklicherweise immer mehr, die mit ihrem Coming-out anderen Menschen den Weg ebnen, ihnen Mut machen und ein Vorbild sind. So berichtet etwa der Kreisligaschiedsrichter Pascal Kaiser aus Perleberg, gleich im Anschluss an sein Interview mit einer Regionalzeitung schrieben ihm mehrere queere Schiedsrichterkollegen, zwei Spieler und ein Vereinsvorstand und berichteten von ihren Erfahrungen und Ängsten, sich zu outen. Der Vereinsvorstand erzählte ihm, dass er Angst habe, seine Autorität zu verlieren, ein Schiedsrichter fürchtete, nicht mehr ernst genommen zu werden, und die Spieler hatten Sorge, gleich direkt auf der Wechselbank zu landen. Die Angst, ausgegrenzt zu werden, ist bei allen da.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das darf nicht sein, das kann nicht sein. Leider gab es auch in Frankfurt in den vergangenen Tagen und Wochen zahlreiche queerfeindliche Angriffe, nicht nur beim Sport, auch auf offener Straße. Diesen Übergriffen müssen wir uns entschlossen entgegenstellen. Niemand darf sich als Freiwild fühlen, nicht auf der Straße, nicht beim Joggen im Park oder am Main und erst recht nicht auf unseren Sportanlagen, denn Frankfurt ist bunt und vielfältig. Wir brauchen daher mehr Aufklärungsarbeit innerhalb der Vereine, und zwar auf allen Ebenen. Trainerinnen und Trainer müssen homofeindliche Äußerungen verbieten und da gegensteuern, denn auch Sticheleien in der Kabine geben homosexuellen Spielern viel Gegenwind und dadurch entsteht Angst, nicht normal zu sein.

Schon im Jugendbereich dürfen Ausdrücke wie "schwuler Pass" oder "schwuler Ball" auf dem Spielfeld nicht akzeptiert werden und auch keine homophoben Sprüche in der Kabine. Hier muss angesetzt und sensibilisiert werden. Es gilt, energisch entgegenzuhalten, dazu benötigt es Schulungen von Vereinsvorständen, Jugendleiterinnen und Jugendleitern und Trainerinnen und Trainern, nicht nur beim Fußball, wie von der Kollegin Kauder gefordert, sondern bei allen Sportarten und in der Schule. Hier müssen das Sport- und Bildungsdezernat zur Not finanziell unterstützen, Zeichen setzen und mit entsprechenden Anreizen Weichen stellen. Kampagnen wie "Liebe kennt keine Pause", die im Römer zu Gast war und auf das Problem aufmerksam gemacht hat, müssen aber Normalität werden. Dazu braucht es auch Veränderung von ganz oben und mehr Aufklärungsarbeit in den Vereinen, daher sollte das nicht nur dem Hessischen Fußballverband, dessen Partnern und Stiftungen oder der Sportjugend überlassen werden, sondern das Sportamt sollte hier ebenfalls Angebote für die Frankfurter Vereine anbieten. Es braucht mehr Aufklärung und Unterstützung in der Stadt. Schade, dass das Sportdezernat daher hier noch keine Kenntnis darüber hat.

Danke schön!

(Beifall)

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 7. Juli 2022 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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