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Verschiedene Medien berichten von einer stark angestiegenen Anzahl von psychischen Erkrankungen und Suizidgefährdungen i

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Die Frage bezieht sich auf den Anstieg psychischer Erkrankungen und Suizidgefährdungen bei Kindern und Jugendlichen in Frankfurt am Main während der Coronapandemie. Es wird nach den Maßnahmen gefragt, die zur Sicherstellung der Akutversorgung getroffen wurden.

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Thema Kinder, Jugend und Familie verfolgen

Frage an den Magistrat

Verschiedene Medien berichten von einer stark angestiegenen Anzahl von psychischen Erkrankungen und Suizidgefährdungen insbesondere bei Kindern und Jugendlichen in Folge der Belastungen während der Coronapandemie. Wer akut fachkundige Behandlung benötige, sei mangels einer ausreichenden Zahl von Behandlungs- und Therapieplätzen mit langen Wartezeiten konfrontiert.

Ich frage den Magistrat:

Ist seit Beginn der Coronapandemie ein Anstieg an psychischen Erkrankungen und Suizidgefährdungen bei Frankfurter Kindern und Jugendlichen festzustellen, und, wenn ja, mit welchen Maßnahmen wurde und wird ihre Akutversorgung sichergestellt?

Antwort des Magistrats

Zur Situation psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland:

Verlässliche Daten zu Gesundheitslage liegen immer mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung vor. Sowohl das Statistische Bundesamt als auch Statista haben aktuell Daten aus dem Jahr 2019 veröffentlicht, denen leider nicht zu entnehmen ist, ob es bei Kindern und Jugendlichen einen Anstieg an psychischen Erkrankungen während der Pandemie gab.

"Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen haben im ersten Halbjahr 2021 deutlich mehr Kinder und Jugendliche behandelt als im ersten Halbjahr 2019. Sie rechneten um acht Prozent mehr Leistungen ab, ermittelte das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Zi. Im März 2021 lag die Zahl der Patient*innen sogar um fast ein Drittel höher als im vorpandemischen Zeitraum." BPTK, 2021 - https://www.bptk.de/durch-corona-mehr-kinder-und-jugendlichenpsychotherapie-notw endig.

Die meisten Medienberichte resultieren aus den Ergebnissen verschiedener Studien. Für Deutschland zeigt die COPSY-Studie Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 828-9; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0828, "dass die Herausforderungen der Pandemie die Lebensqualität und das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen verringern sowie das Risiko für psychische Auffälligkeiten erhöhen. Die Befunde ähneln Studien aus China, Indien, Italien, den USA und Deutschland, die während der Pandemie auch mehr depressive, Angst- und Stressreaktionen fanden, wobei die Datenlage unzureichend ist. Zudem ist zu beachten, dass selbstberichtete Symptome noch keine Erkrankung darstellen, sondern als positives Screening mit weiterem Abklärungsbedarf zu verstehen sind." Allgemein wird in den existierenden Publikationen immer wieder darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche mit Risikofaktoren - psychische Vorerkrankungen, psychosoziale Risikofaktoren, schwache sozioökonomische Verhältnisse - eine höhere Vulnerabilität in der Pandemie zeigen als Kinder und Jugendliche mit guten Ressourcen. Die sozialen Ungleichheiten werden dadurch nochmals verstärkt.

Zur Suizidgefährdung:

Für Deutschland liegen derzeit noch keine verlässlichen Zahlen zu Suiziden während der Pandemie vor. Diverse Einzelveröffentlichungen legen jedoch nahe, dass es bisher nicht zu einer Zunahme vollendeter Suizide kam. Suizidgefährdung im Allgemeinen wird nicht erfasst. Auch in Frankfurt ist in den absoluten Zahlen der vollendeten Suizide im Jahr 2020 kein pandemiebedingter Anstieg zu verzeichnen - weder insgesamt noch in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen. Die Auswertung der Daten für das Jahr 2021 ist noch nicht abgeschlossen.

Die Auswertung der Suizidversuche und Suizidankündigungen aufgrund der im Frankfurter Gesundheitsamt vorliegenden Polizeimeldungen zu Fällen von vorläufiger Ingewahrsamnahme bei Eigengefährdung auf Basis des Hessischen Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung, HSOG, zeigt dagegen einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Daher ist leider nicht ausgeschlossen, dass sich die Auswirkungen der Krise in den kommenden Monaten und Jahren in den Zahlen der vollendeten Suizide niederschlagen werden. Einschränkend ist anzumerken, dass die dokumentierten Suizidversuche beziehungsweise Suizidankündigungen nicht repräsentativ für die Gesamtsumme der Suizidversuche im Raum Frankfurt sind.

Zu Psychische Erkrankungen bei Frankfurter Kindern und Jugendlichen:

Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main erhebt keine Daten, denen die Anzahl psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu entnehmen ist. Von verschiedensten Seiten - Klinik, Psychotherapieambulanzen, niedergelassene Praxen, Jugendamt, Schulen - wird aber berichtet, dass es eine deutliche Zunahme an psychischen Auffälligkeiten sowie Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen gibt. Die psychischen Störungen umfassen vor allem depressive Störungen, Angststörungen, Essstörungen, psychosomatische Beschwerden, Verhaltensauffälligkeiten und Schulabsentismus. Berichtet wird zudem, dass die Schwere der Erkrankungen zunimmt und häufiger Notfallsituationen eintreten. Es handelt sich dabei nicht um "neue" Erkrankungen, die spezifisch für die Pandemie sind, sondern es ist davon auszugehen, dass die Störungen pandemiebedingt häufiger auftreten.

Beispielhaft sei das Thema Schulabsentismus genannt: Hier gab es bereits vor Corona eine hohe Dunkelziffer, da kein Instrument zur zuverlässigen Erfassung existiert. Von Seiten des Lehrpersonals wird geschildert, dass im Rahmen des Homeschoolings Schüler*innen "verloren" gegangen sind, weil sie überhaupt nicht mehr zu erreichen waren. Es lässt sich also vermuten, dass bei Wiederaufnahme des Schulbesuches die Zahl der Schulabsenten im Vergleich zu vor Corona gestiegen ist, ohne dass dies durch Zahlen belegt werden kann.

Maßnahmen:

Kinder und Jugendliche, die akut behandlungsbedürftig sind, werden in der Regel von der zuständigen Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie versorgt. Die ambulante Versorgung wird durch niedergelassene Fachärzt*innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie aber auch durch niedergelassene Pädiaterinnen und Pädiater gewährleistet. Darüber hinaus gibt es vermutlich eine hohe Dunkelziffer von psychischen Störungen in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen, die nicht diagnostiziert und behandelt wird.

Entsprechend verschiedener Rückmeldungen scheint insbesondere die subakute Versorgung von dringend behandlungsbedürftigen Kindern und Jugendlichen nicht so zeitnah möglich wie nötig. Die Wartezeiten im ambulanten Bereich sind auch für eindeutig notwendige Behandlungen mit Wartezeiten über mehrere Monate sehr lang. Psychische Erkrankungen, die bei Kindern und Jugendlichen nicht zeitnahe behandelt werden, bringen aber hohe Risiken für die weitere Entwicklung und seelische Gesundheit mit sich.

Die Bedarfsplanung liegt nicht in der Hand der Kommune. Für die stationäre Versorgungsplanung ist das Hessische Ministerium für Soziales und Integration zuständig, für die ambulante Versorgungsplanung die Kassenärztliche Vereinigung.

Im Rahmen des Corona-Aktionsplans sind mehrere Maßnahmen - epidemiologische Aufarbeitung, Schulabsentismus, Essstörungen - vorgesehen, die die Situation psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in Frankfurt verbessern soll. Außerdem sollen die Schulprojekte - SAME und PsychMobil - intensiviert werden. Darüber hinaus gibt es von FRANS verstärkte Aktivitäten im Kinder- und Jugendbereich - Schulsuizidpräventionstage, Comic, Infostände.

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

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FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 17. Februar 2022 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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