Künstliche Intelligenz gewinnt für die Optimierung kommunaler Abläufe zunehmend an Bedeutung. Zugleich bleiben wichtige
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Künstliche Intelligenz gewinnt für die Optimierung kommunaler Abläufe zunehmend an Bedeutung. Zugleich bleiben wichtige Potenziale ungenutzt, weil die Einführung moderner digitaler Lösungen anspruchsvoll ist und spezialisierte Strukturen fehlen. Andere Kommunen nutzen bereits KI-Technologien wie Videoschutz, Verkehrszeichenerkennung, Kanalsteuerung, Abwasserüberwachung und digitale Baumpflege.
Ich frage daher den Magistrat:
Welche Maßnahmen plant der Magistrat, um den Einsatz solcher Anwendungen auszubauen und eine nachhaltige Modernisierung zu ermöglichen in der Stadt Frankfurt?
Antwort des Magistrats
Stadträtin Eileen O´Sullivan:
Vielen Dank!
Sehr geehrte Frau Vorsteherin,
liebe Stadtverordnete,
lieber Jumas Medoff!
Bereits heute kommt künstliche Intelligenz in verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung Frankfurt zum Einsatz, um Prozesse zu optimieren, Ergebnisse zu verbessern oder Aufwände zu reduzieren. Im Team Smart City Frankfurt der Stabsstelle Digitalisierung werden beispielsweise die Lufttemperaturdaten auf der städtischen urbanen Datenplattform der UDP mithilfe von KI genutzt, um die meteorologischen Werte der Messstationen mit Satellitendaten und Wettervorhersagemodellen zu kombinieren. Dadurch ist es möglich, die hohe städtische Lufttemperaturvariabilität und den urbanen Wärmeinseleffekt abzubilden und entsprechende Anpassungsstrategien zu entwickeln.
Auch im vom Land Hessen geförderten Projekt "Straßen für alle" des Teams Smart City Frankfurt werden mithilfe von Scancars Daten des öffentlichen Straßenraums erhoben und dem Amt für Straßenbau und Erschließung anschließend zur Verfügung gestellt, wobei bei der internen Datenaufbereitung KI-betriebene Analytik genutzt wird. Diese Daten werden in ein sogenanntes Pavement Management System überführt, in dem der Sanierungsbedarf und erste Kostenschätzungen für erforderliche Sanierungsmaßnahmen dargestellt werden.
Im November 2024 hat der IT-Strategierat die KI-AG "Chancen und Risiken des Einsatzes von künstlicher Intelligenz in der Stadtverwaltung" zur Beantwortung der folgenden Fragen ins Leben gerufen: Wo wird bereits KI in der Stadtverwaltung eingesetzt? Wo könnte KI eingesetzt werden? Und: Welche Rahmenbedingungen sind dabei zu beachten? Diese Arbeitsgruppe hat zunächst eine stadtweite Umfrage zum potenziellen Einsatz und Bedarf an KI-Modellen durchgeführt und ausgewertet. Aus dieser Umfrage wurden die drei relevantesten Use Cases identifiziert, die im Rahmen eines Pilotprojekts erprobt werden sollen. Dabei wurden folgende Use Cases priorisiert: ein LLM-Chat, ein KI-basierter Textassistent sowie eine interne KI-basierte Wissensdatenbank.
Um die Digitalisierung der Verwaltung voranzutreiben, wurde in diesem Jahr als Übergangslösung ein KI-Interimsteam, bestehend aus Mitarbeitenden des Amtes für Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Stabsstelle Digitalisierung, eingerichtet. Ziel ist es, erste, besonders nutzbringende Anwendungen wie zum Beispiel eine KI-basierte Recherche oder eine Formulierungshilfe im Rahmen einer Pilotphase zu testen. Diese soll im ersten Quartal nächsten Jahres mit Nutzenden aus verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung starten. Parallel dazu hat das Personal- und Organisationsamt bereits mit KI-Schulungen begonnen, die nach Artikel 4 der Europäischen Verordnung über Künstliche Intelligenz beim Einsatz von KI-Methoden verpflichtend sind, damit die Mitarbeitenden die Potenziale künstlicher Intelligenz bestmöglich nutzen können.
Ein großer Meilenstein erfolgte in diesem Jahr mit der Etablierung der zentralen Koordinierungsstelle Transformation Office. Die Aufgabe des Transformation Office ist es, stadtweite Programme zur digitalen Transformation der Stadtverwaltung aufzusetzen, zu steuern und weiterzuentwickeln, eben auf Basis der Rahmenstrategie Digitalisierung, die letztes Jahr verabschiedet worden ist. Es ist auch ein KI-Programm geplant, das unter anderem in Zusammenarbeit mit dem KI-Kompetenzzentrum, aus dem sich das KI-Interimsteam entwickeln wird, und anderer Ämter den Einsatz von DSGVO-konformen KI-Anwendungen und rechtssicheren Umsetzungen von KI-basierten Use Cases in der Stadtverwaltung vorantreibt und Synergien schaffen soll. Das Transformation Office wird das KI-Interimsteam bei der Pilotierung und Testung von Use Cases auch mittels einer Anschubfinanzierung begleiten, und der Start der ersten Pilotphase für die Use Cases Textassistent und Wissensdatenbank ist für Januar 2026 vorgesehen.
Das Transformation Office hat gemeinsam mit dem Amt 16 ein Konzept für ein stadtweites KI-Kompetenzzentrum entwickelt, das mit dem Wissen und der Kompetenz im KI-Bereich städtisch aufgebaut und langfristig gesichert werden soll. Das KI-Kompe-tenzzentrum soll aus einem mehrköpfigen Team bestehen, das sowohl strategisch als auch beratend operativ mit allen städtischen Einheiten zum Einsatz von KI zusammenarbeitet. Zur Umsetzung wird derzeit ein Magistratsbeschluss vorbereitet. Der Entwurf sieht vor, ein zentrales KI-Kompetenzzentrum einzurichten, das als zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für die Einführung und Bewertung von KI-Anwendungen in den städtischen Dienststellen fungiert. Dem Team obliegt ferner die Ausarbeitung stadtweiter Richtlinien für den Einsatz von KI-Methoden sowie die Entwicklung einer gesamtstädtischen KI-Strategie.
Darüber hinaus gibt es noch folgende Neuigkeiten aus der Stadtverwaltung: Die FES testet beispielsweise derzeit eine Pilotierung von KI zur Erkennung von wilden Müllablagerungen. Das Amt für Wohnungswesen ist bei der Planung des KI-Tool-Einsatzes "Woni" für Wohngeldanträge weit fortgeschritten. Ein weiteres KI-Beispiel wird in Zukunft im Projekt "Immersive Jewish Frankfurt" im Jüdischen Museum sein. Dort werden dann Besucher:innen des Museums künftig mit historischen jüdischen Persönlichkeiten Gespräche führen und interagieren können. Hierfür werden verschiedene Charaktere mit entsprechenden KI-Modellen trainiert.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Magistrat den Einsatz künstlicher Intelligenz nicht nur in spezifischen Projekten, sondern perspektivisch auch in der Breite der Verwaltung zum Einsatz bringen möchte, um die entsprechenden Potenziale nutzen zu können.
(Beifall)
Stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher
Dr. Christoph Rosenbaum:
Danke schön, Frau Stadträtin! Es gibt zunächst eine Zusatzfrage des Fragestellers. Herr Medoff, Sie haben das Wort. Bitte schön!
Stadtverordneter Jumas Medoff, IBF:
(Zusatzfrage)
Ich würde gerne wissen, ob der Magistrat einen Austausch mit den Kommunen, mit den Städten plant, die schon KI-Technologien benutzen. Es gibt schon Städte, die nutzen das zum Beispiel in den städtischen Schwimmbädern, so wie die Stadt Mannheim im Bereich Verkehrszeichenerkennung, Kanalsteuerung und digitale Baumpflege. Plant der Magistrat, den Austausch mit den Städten, die das schon umgesetzt haben, zu erweitern oder neu zu intensivieren?
Stadträtin Eileen O´Sullivan:
(fortfahrend)
Ja. Wir haben uns beispielsweise mit Wiesbaden zusammengesetzt, um zu erfahren, wie deren KI-Kompetenzzentrum aufgebaut wird. Und die einzelnen Fachämter sind selbstverständlich auch immer wieder im Austausch mit den unterschiedlichen Städten, um zu verstehen, wo sie Algorithmen einsetzen, die sinnvollerweise irgendwie das Leben der Bürger:innen oder der Stadtverwaltung erleichtern können, natürlich, ja.
Stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher
Dr. Christoph Rosenbaum:
Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Stadtverordneten Görres. Bitte schön!
Stadtverordneter Falko Görres, GRÜNE:
(Zusatzfrage)
Vielen Dank für den Bericht! Sie hatten eben als einen der Top-3-priorisierten Use Cases erwähnt, dass es einen LLM-Chat geben soll. Wer soll denn da mit wem chatten? Und wie wird dort verhindert, dass dieses LLM, genauso wie alle anderen LLMs, halluziniert? Vielen Dank!
Stadträtin Eileen O´Sullivan:
(fortfahrend)
Ja, das muss gut eingearbeitet werden. Ich glaube, das Halluzinieren ist quasi Merkmal einer KI, weswegen eben auch entsprechend eine Ausbildung angestrebt wird. Also wir können das gar nicht vermeiden. Wir müssen es bestmöglich trainieren. Ich glaube, man sieht es an der einen oder anderen Stelle an dem KI-Bot, den wir auf der Seite der Stadt Frankfurt jetzt noch mal neu eingeführt haben. Wir hatten zuvor einen ohne künstliche Intelligenz hinterlegt. Jetzt ist eben einer mit KI da, aber auch der halluziniert an der einen oder anderen Stelle. Aber deswegen ist es superwichtig, dass wir von den Nutzenden auch Feedback bekommen, weil die KIs kontinuierlich trainiert werden müssen. Nichtsdestotrotz muss immer die Kompetenz vorhanden sein, das zu hinterfragen, was am Ende herauskommt, das ist ganz klar.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 4. Dezember 2025 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.