Laut der Frankfurter Kriminalitätsstatistik 2024 sind die Zahlen im Bereich der häuslichen Gewalt seit 2017 kontinuierli
Zusammenfassung
Die Frage bezieht sich auf die Verfügbarkeit von Institutionen in Frankfurt, die Unterstützung und medizinische Versorgung für Opfer häuslicher Gewalt anbieten. Es wird erwartet, dass die Stadt Frankfurt ein umfassendes Hilfesystem bereitstellt, um betroffenen Frauen zeitnah zu helfen und ihre Verletzungen gerichtsverwertbar zu dokumentieren.
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Thema Gesundheit und Soziales verfolgenFrage an den Magistrat
Laut der Frankfurter Kriminalitätsstatistik 2024 sind die Zahlen im Bereich der häuslichen Gewalt seit 2017 kontinuierlich gestiegen. Körperverletzungen seien mit 71 Prozent der Großteil der Straftaten in diesem Bereich. Im Klinikum Kassel gibt es im Notfallzentrum mit S.I.G.N.A.L. ein Unterstützungsangebot für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Vor diesem Hintergrund frage ich den Magistrat: Gibt es in Frankfurt eine Institution, die sich auf die Versorgung nach häuslicher Gewalt spezialisiert hat, oder eine vergleichbare Einrichtung, an welche sich Betroffene wenden können, um zeitnah nach einem Vorfall untersucht und beraten zu werden oder die Verletzungen gegebenenfalls gerichtsverwertbar dokumentieren zu lassen?
Antwort des Magistrats
In Frankfurt gibt es zwar kein vergleichbares Notfallzentrum, aber mit der Interventionskette zwischen Polizei und den drei Interventionsstellen - Frauennotruf, Frauen helfen Frauen und Frankfurter Verein für Soziale Heimstätten - ein gut funktionierendes Hilfesystem nach Fällen von häuslicher Gewalt. Zudem hat die Polizei 2025 das Pilotmodell Gewaltschutzkommissariat implementiert und personell aufgestockt. Das Kommissariat ist unter anderem für Fälle häuslicher Gewalt zuständig. Die Interventionsstellen erhalten nach jedem Polizeieinsatz nach häuslicher Gewalt eine Mitteilung, um schnellstmöglich ein Beratungsgespräch mit der geschädigten Person durchzuführen. Die Interventionsstellen fungieren hier als Clearingstellen, die gegebenenfalls an medizinische Institutionen verweisen. Die Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt bietet zudem Informationen zur medizinischen Versorgung von Verletzungen sowie zur Befundsicherung und Attestierung von Verletzungsfolgen. Die Dokumentation kann auf Wunsch so erfolgen, dass sie später vor Gericht verwertbar ist. Die Beratung ist kostenfrei, barrierefrei zugänglich und kann auch mit Dolmetscherinnen erfolgen. Außerdem sind die Anlaufstellen des Trauma- und Opferzentrum Frankfurt e. V. sowie des Instituts für Traumabearbeitung und Weiterbildung zu nennen. Der von der Koordinierungsstelle Istanbul-Konvention in Zusammenarbeit mit allen relevanten Ämtern und Trägern erstellte "1. Bericht Istanbul-Konvention in Frankfurt: Bestandsaufnahme" (2024) gibt einen umfassenden Überblick über das bestehende Hilfesystem, die Projekte sowie Handlungsbedarfe in Frankfurt. In einem breit angelegten Beteiligungsprozess werden aktuell Handlungsbedarfe in gesamtstädtischer Verantwortung konkretisiert und umgesetzt. Modell Medizinische Akutversorgung nach Vergewaltigung Auf Grundlage eines Beschlusses der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung im September 2011 hat die Beratungsstelle Frauennotruf das Modell Medizinische Akutversorgung nach Vergewaltigung umgesetzt. In einem Frankfurter Kooperationsverbund mit Akteur:innen aus Medizin, Justiz und sozialen Einrichtungen, ist es gelungen, Strukturen zu etablieren, die vergewaltigten Frauen die Zugangswege zu einer guten medizinischen Versorgung sowie ins weiterbetreuende und unterstützende Hilfesystem erleichtern. Allem vorangestellt ist die medizinische Akutversorgung. Darüber hinaus wird jeder Frau eine Spuren- und Befundsicherung - ohne vorangegangene Anzeige - angeboten. Folgende Kliniken sind beteiligt: Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Klinikum Frankfurt Höchst GmbH; Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt; Klinik für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie im Markus Krankenhaus; Frauenklinik im St. Elisabethen-Krankenhaus; Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Hospital zum Heiligen Geist; Frauenklinik im Bürgerhospital. Dort können die Patientinnen sich für die ärztliche Untersuchung und Behandlung mit vertraulicher Spurensicherung entscheiden, dabei wird eine Dokumentation ihrer Verletzungen vorgenommen. Im Rahmen des Modellprojektes wurden Befundbögen und ein Spurensicherungs-Kit entwickelt, ärztliche Fortbildungen und verschiedene Formen der Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt. Darüber hinaus gibt es an den Kliniken in städtischer - mittel- oder unmittelbar - Trägerschaft folgende spezifische Angebote: Hospital zum Heiligen Geist: Das Behandlungsangebot der Psychosomatischen Klinik steht den Betroffenen von häuslicher Gewalt offen. Die Psychosomatische Klinik arbeitet hierbei auch mit anderen Institutionen zusammen und bietet im Bedarfsfall eine mehrwöchige multimodale psychosomatische Therapie (teil)stationär an. Krankenhaus Nordwest: Im Rahmen der fachlichen Möglichkeiten wird jeder medizinische Notfall betreut: Nicht-gynäkologische Notfälle mit forensischer Relevanz können gegebenenfalls durch die Allgemeinchirurgie betreut werden. Die Unfallchirurgie ist im Hinblick auf Kinder besonders sensibilisiert, verfügt über standardisierte SOPs und regelmäßige Fortbildungen. Klinikum Höchst/Varisano: Frauen können sich nach häuslicher Gewalt während der Regelarbeitszeit in der allgemeinen Ambulanz der Frauenklinik vorstellen. Außerhalb der regulären Sprechzeiten erfolgt die Vorstellung über die Zentrale Notaufnahme. Idealerweise geschieht dies zusammen mit der Polizei, so dass gleich weitere rechtliche Schritte eingeleitet werden können. Nach einem Gespräch können dann die gerichtsverwertbaren Proben genommen und die Verletzungen entsprechend dokumentiert werden. Die Proben-Entnahme-Kits sind regelhaft vorrätig und können entsprechend genutzt werden. Frauen werden in diesem Zusammenhang auch über die Notfall-Kontrazeption und die notwendigen Untersuchungen auf sexuell-übertragbare Krankheiten aufgeklärt. Wichtig sind hier immer die Diskretion und eine der Situation-angebrachte Atmosphäre mit viel Empathie. Zusätzlich erhalten die Frauen die Empfehlung zur Kontaktaufnahme mit der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt der Stadt Frankfurt. Besonderer Schutz von Kindern und Jugendlichen: Kinderschutzgruppe Die Kinderschutzgruppe ist eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, der Kinderchirurgie, der Gynäkologie, des Sozialpädiatrischen Zentrums sowie des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt am Main. Sie arbeitet eng mit weiteren staatlichen und freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zusammen. Die Gruppe wurde aufgrund der Erkenntnis ins Leben gerufen, dass die Ursachen für Krankheiten und Verletzungen bei Kindern nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen sind. Bei Verdacht auf emotionale und körperliche Kindesmisshandlung oder -vernachlässigung sowie sexuelle Gewalt an Kindern steht sie zur Verfügung. Sie ist Mitglied in der Fachgruppe Kinderschutz Frankfurt am Main. Zudem ist sie im "Qualitätszirkel Kinderschutz der Kinderärzte Rhein-Main" dort arbeiten seit 2012 niedergelassene Kinderärzte mit Vertretern verschiedener Kliniken - Kinderklinik, SPZ, Kinderchirurgie, Gynäkologie - an einem einheitlichen, strukturierten und auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmten Konzept zum Vorgehen in Kinderschutzfällen. Die Sozialrathäuser Ost und Höchst sind für das Jugend- und Sozialamt im Arbeitskreis Intervention bei Gewalt gegen Frauen, AK InGe, vertreten. Weiterhin gibt es im Sozialrathaus Ost einen Arbeitskreis "Runder Tisch gegen häusliche Gewalt" mit verschiedenen Akteur:innen aus dem Sozialraum. Der Arbeitskreis tagt regelmäßig und initiiert verschiedene Aktionen und Maßnahmen im Sozialraum. Unter anderem wurde ein großer Fachaustausch zum Thema mit Fachleuten, Schulen und Kindertagesstätten organisiert. In 2023 wurde eine "Karte für die Hosen-tasche" konzipiert und im Sozialraum verteilt, auf welchen die Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt digital erreichbar dargestellt sind. Weiter werden im Bereich der Sozialräumlichen Familienbildung, SoFa, verschiedene Projekte finanziert, um für das Thema zu sensibilisieren und Hilfsangebote aufzuzeigen. In Frankfurt gibt es mehrere Frauenhäuser für Frauen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind. Im Frauenhaus bekommen sie Schutz und Unterstützung, bis sie sich in ihrer neuen Lebenssituation stabilisiert haben. Die Frauenhäuser sind 24 Stunden täglich erreichbar. - Autonomes Frauenhaus - Frauen helfen Frauen: 24 Wohneinheiten mit bis zu 60 Plätzen - Frankfurter Verein: insgesamt 86 Plätze in drei Liegenschaften Es wird weiterhin auf die Internetseite des Frauenreferats der Stadt Frankfurt am Main (https://frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/frauenreferat/gewaltschutz/haeusliche-gewalt) hingewiesen.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 28. Mai 2025 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.