Die Folgen des Klimawandels betreffen auch die Bildungseinrichtungen in Frankfurt. So nimmt die Hitzebelastung für Schül
Zusammenfassung
Die Stadt Frankfurt plant Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, um die Hitzebelastung in Bildungseinrichtungen zu reduzieren. Ziel ist es, durch betriebliche und bauliche Maßnahmen ein gutes Lernumfeld für Schüler*innen auch im Sommer zu gewährleisten. Die Umsetzung dieser Maßnahmen soll bis zum nächsten Sommer erfolgen.
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Thema Schulen und Bildung verfolgenFrage an den Magistrat
Die Folgen des Klimawandels betreffen auch die Bildungseinrichtungen in Frankfurt. So nimmt die Hitzebelastung für Schüler*innen in den Klassenräumen zu. Der Magistrat der Stadt Wiesbaden hat deswegen einen Hitzeaktionsplan ins Leben gerufen, der von allen Schulen ein jährliches Hitzekonzept fordert.
Ich frage den Magistrat:
Was unternimmt der Magistrat beziehungsweise welche Konzepte werden erarbeitet, um den Schüler*innen auch im Sommer ein gutes Lernen zu ermöglichen?
Antwort des Magistrats
Stadträtin Sylvia Weber:
Danke, Frau Vorsteherin,
sehr geehrte Frau Stadtverordnete Dalhoff,
sehr geehrte Damen und Herren!
Das Ziel des Magistrats ist es, langfristig wirksame Maßnahmen zum Schutz vor Hitze in den Bildungseinrichtungen zu realisieren. Der Klimawandel durch den Treibhauseffekt hat bereits eingesetzt, sodass Extremwetterlagen mit überdurchschnittlicher Hitzebelastung künftig häufiger zu erwarten sind. Dies bedeutet, dass nicht nur die Anstrengungen zum Klimaschutz verstärkt werden müssen, sondern dass gleichzeitig Anpassungen an den Klimawandel vorgenommen werden müssen. Die Maßnahmen zur Klimaanpassung lassen sich in verschiedene Tätigkeitsbereiche unterteilen. Zum einen sind betriebliche Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz zu ergreifen. Maßnahmen wie beispielsweise effektive Sonnenschutzvorrichtungen, effektive Lüftungseinrichtungen und Lüftung insbesondere in den frühen Morgenstunden sind allesamt sehr sinnvoll und sollten bei Betrieb beziehungsweise Nutzung der Schulen umgesetzt werden. Das passiert auch schon sehr oft, eigentlich standardmäßig, würde ich sagen.
Zu diesem Thema hat das Energiemanagement Infoblätter erarbeitet. Das Blatt "Unzufrieden mit den Raumluftbedingungen?" beschreibt in Kurzfassung erste Maßnahmen bei Unzufriedenheit mit der Raumluft, und im Blatt "Nutzungshinweise zum sommerlichen Wärmeschutz" werden die Maßnahmen bei sommerlicher Überhitzung ausführlicher dargestellt. Beide Infoblätter stehen auf der Internetseite des Energiemanagements unter der Rubrik "Hinweise zur Gebäudenutzung" zur Verfügung. In der Koordinierungsgruppe Klimawandel wurde die Frankfurter Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2.0 erarbeitet, die auch von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden ist. Das Kapitel "Bauen" enthält eine gute Zusammenstellung aller sinnvollen technischen Maßnahmen, um sommerliche Überhitzung zu vermeiden. Maßnahmen wie Dach- und Fassadendämmung, Nachtlüftungsöffnungen, Sonnenschutzanlagen und ausreichend Speichermassen werden bei Sanierungs- und Neubauprojekten standardmäßig berücksichtigt.
Falls mit den vorgeschlagenen betrieblichen und baulichen Maßnahmen keine erträglichen Raumtemperaturen erreichbar sind, steht das Energiemanagement unterstützend zur Verfügung. Diese Unterstützung reicht von der Messung und Auswertung der tatsächlichen Raumlufttemperatur vor Ort über die Beratung im Rahmen eines gemeinsamen Vor-Ort-Termins bis hin zur Entwicklung von Konzepten mit Verdunstungskühlern oder Sorptionswärmetauschern unter Einbeziehung erneuerbarer Energien wie zum Beispiel der Solarenergie. Voraussetzung ist jedoch, dass gemäß den gültigen Stadtverordnetenversammlungsbeschlüssen und Leitlinien zunächst die betrieblichen und baulichen Maßnahmen umgesetzt werden.
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Vielen Dank! Es gibt zwei Zusatzfragen. Die Fragestellerin selbst ist nicht darunter. Es kommt zuerst Frau Steinhardt von der CDU an die Reihe und danach Frau Kunze von der SPD. Bitte schön!
Stadtverordnete Sara Steinhardt, CDU:
(Zusatzfrage)
Frau Weber, vielen Dank für die Erläuterungen! Diese haben sich, soweit ich das verstanden habe, hauptsächlich auf Bestandsgebäude bezogen. Ich hätte jetzt eine Frage. Wir vergessen gerade ein Drittel all unserer Schüler, nämlich die, die in Containern unterrichtet werden. In Containern wird es erfahrungsgemäß noch heißer, gerade ganz oben. Wir haben darin sehr klimaunfreundliche Klimaanlagen, die meistens die einzige Möglichkeit sind, um die Container irgendwie zu kühlen. Was für Konzepte haben Sie denn da? Es geht ja leider so weiter. Wir werden in absehbarer Zeit leider nicht alle Container abschaffen und die Schüler in regulären Gebäuden unterrichten können. Von daher wäre das ein ganz wichtiger Punkt.
Stadträtin Sylvia Weber:
(fortfahrend)
Die Maßnahmen, die ich eben genannt habe, wie zum Beispiel der außenliegende Sonnenschutz und die Nachtauskühlung, gelten natürlich auch für Containeranlagen. Wir sind bei den Containeranlagen auch zunehmend dazu übergegangen, massive Decken einzuziehen, damit eine gewisse Dämmung möglich ist. Nichtsdestoweniger kommt es natürlich, wie wir es gerade in diesem Sommer erlebt haben, in gewissen, nicht durchgängigen Zeiträumen - immer mal für ein bis drei Wochen - zu einer sehr starken Überhitzung. Da gebe ich Ihnen recht, dass die Containeranlagen dann natürlich weniger Schutz bieten und dass an dieser Stelle noch etwas getan werden muss. Ich kann Ihnen aber sagen, dass ich mich mit dem Amt für Bau und Immobilien, dem Energiemanagement und der Stabsstelle Schulbau zusammensetze und die Anlagen anschaue und überprüfe, und ich hoffe, dass wir bis zum nächsten Sommer die schlimmsten Mängel behoben haben werden.
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Frau Kunze von der SPD, bitte!
Stadtverordnete Sylvia Kunze, SPD:
(Zusatzfrage)
Vielen Dank! Sie haben in Ihrer Antwort die Frankfurter Anpassungsstrategie 2.0 erwähnt. Es wird viel kolportiert, weshalb ich noch einmal konkret nachfragen möchte: Ist es denn richtig, dass die Stadt Frankfurt Vorgaben hat, die den Einbau von Klimaanlagen an Schulen verbieten?
Stadträtin Sylvia Weber:
(fortfahrend)
Verboten ist der Einbau tatsächlich nicht, aber wir wissen natürlich, dass Klimaanlagen und Klimageräte mit herkömmlichen Kältemitteln klimaschädlich sind. Es gibt Studien, die besagen, dass das Treibhausgaspotenzial dieser Kältemittel bei dem hundert- bis zu 24.000-fachen CO 2 -Wert liegt. Das heißt also, dass es wirklich notwendig ist, darauf zu achten, dass diese Geräte nicht eingesetzt werden. Insofern steht auch in unserer Anpassungsstrategie an den Klimawandel, dass aktive Kühltechnik nach Möglichkeit zu vermeiden ist, da auch die Abwärme der Kondensatoren die Stadt im Sommer noch zusätzlich aufheizt. Insofern wird empfohlen, dass, wenn Kühlung erforderlich ist, man zunächst einmal so weit wie möglich die Nachtauskühlung und darüber hinaus entsprechend die Geräte oder Anlagen, die ich eben genannt habe - also Verdunstungskühler und Wärmetauscher - verwendet. Diesbezüglich beraten wir auch in Verbindung mit dem Energiemanagement. Vor allem, wenn die Geräte mit erneuerbaren Energien betrieben werden, sind sie eine gute Alternative.
Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 2632
Stadtverordnete Ayse Zora Marie Dalhoff, Linke:
Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
sehr verehrte Damen und Herren!
Der Klimawandel macht auch vor unseren Bildungseinrichtungen nicht halt. Die Hitzeperioden im Sommer werden häufiger, und das mit immer extremeren Temperaturen. Es hat auch schon in diesem Jahr den Kindern und Jugendlichen zu schaffen gemacht. Die Studierenden der Goethe-Uni mussten bei über 30 Grad im Hörsaal Abschlussprüfungen schreiben, und in vielen unserer Schulen sieht es nicht besser aus. Sie alle haben den offenen Brief der IGS 15 bekommen, der exemplarisch für viele Schulen in Frankfurt genommen werden kann. Wie dort beschrieben, herrschen bereits morgens hohe Temperaturen in den Klassenräumen, was den Schulalltag von Anfang an anstrengend gemacht hat. Das Gleiche gilt für viele Kitas und Einrichtungen der Nachmittagsbetreuung. Hitze hat einen erheblichen negativen Einfluss auf das Lernen und die Leistung, die die Kinder erbringen müssen. Der Körper ist vorrangig damit beschäftigt, sich abzukühlen, was zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Erschöpfung führt.
Natürlich unterscheiden sich die Hitzebelastungen aufgrund unterschiedlicher baulicher Eigenschaften und der Lage im Stadtgebiet. Dennoch müssen wir uns über einen abgestimmten Umgang mit der Situation und über gewisse Standards Gedanken machen, um unsere Bildungseinrichtungen hitzeresistent zu machen. Hitzeschutzmaßnahmen sind somit ein weiterer und notwendiger Baustein, der zu dem riesigen Berg von Schulsanierungen noch dazukommt. Dies gilt für Schulgebäude und Kitas genauso wie für deren Außengelände, aber auch für die städtischen Spielplätze in dieser Stadt. Dies bedeutet aber auch, dass wir neben der Schulbausanierungsoffensive an allen Schulen ein Hitzekonzept erstellen und umsetzen müssen, und zwar schnell.
Die Stadt Wiesbaden hat Anfang dieses Jahres einen Hitzeaktionsplan ins Leben gerufen. Alle Schulen erhalten demnach regelmäßig zur Vorbereitung auf den Sommer die schulorganisatorischen und pädagogischen Möglichkeiten zur Reduzierung der Hitzebelastung sowie eine Erörterung der baulichen und technischen Möglichkeiten zum Hitzeschutz. Daraus erstellen sich zum Beispiel die Schulen ein Hitzekonzept, welche zu Beginn des Schuljahres mit der Verwaltung abgestimmt wird.
Der Klimawandel hat jetzt schon erheblichen Einfluss auf das Lernklima unserer Kinder. Wir haben bis zum nächsten Sommer Zeit, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Wir sollten uns beeilen, denn die Temperaturen werden mit Sicherheit auch im nächsten Sommer hoch werden, wenn nicht noch extremer. Deswegen werden Ihre, Frau Weber, vorgestellten Maßnahmen nicht ausreichen. Sie müssen an allen Schulen geprüft und umgesetzt werden und nicht nur die schlimmsten Mängel bis zum nächsten Sommer beseitigt werden.
Vielen Dank!
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Die nächste Rednerin zu dieser Aktuellen Stunde ist Frau Stadtverordnete Sylvia Kunze von der SPD. Bitte schön!
Stadtverordnete Sylvia Kunze, SPD:
Sehr verehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich möchte eingangs anmerken, dass es die zweite Debatte hintereinander zu den Folgen und der Abmilderung der Klimakrise ist, die wir hier führen, und wir führen diese Debatten hier in diesem Hause, weil uns die faktische Lage dazu zwingt. Dies nur für diejenigen, die immer noch nicht bereit sind anzuerkennen, dass es die Klimakrise etwas gibt.
Die Stadt tut bereits einiges, um den Hitzeschutz zu gewährleisten. Die Dezernentin hat eingangs die Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2.0 erwähnt, die bereits seit 2014 existiert, beschlossen ist und die auch eine Reihe von konkreten Maßnahmen enthält, die umgesetzt werden sollen. Schwierig ist die Situation allerdings in den Containerschulen. Schwierig ist es außerdem auch in einigen Bestandsgebäuden. Meine Vorrednerin hat die IGS 15 angesprochen, wo die Situation extrem dramatisch ist und schon seit vielen Jahren in einem wirklich heißen Containergebäude Schulunterricht stattfinden muss.
Ähnlich sieht es bei der Georg-Büchner-Schule aus. Das ist keine Containerschule, aber auch hier gibt es sehr hohe Temperaturen, zumindest in den alten Gebäudeteilen. Wir haben bei dem Thema leider einen klassischen Zielkonflikt, denn wie die Dezernentin auch erläutert hat: Klimaanlagen sind besonders umweltschädlich, und sie erzeugen sogar noch mehr Hitze in der Stadt. Deswegen finde ich die Schwerpunktsetzung der Stadt Frankfurt, möglichst auf Klimaanlagen zu verzichten, erst mal richtig. Ich glaube aber, dass wir an einigen Stellen, insbesondere bei den älteren Gebäuden, wo es wirklich an vielen Tagen sehr heiß ist, mehr tun müssen, um dort ein gesundes Lernen zu ermöglichen. Ich weiß nicht, ob wir dafür ellenlange Konzepte brauchen, denn Konzepte und Maßnahmen sind da. Ich glaube, wir sollten gezielt gucken, an welchen Schulen es sehr heiß ist. Es gibt ein gutes Hitzeschutzkonzept, was Kinder sehr mögen: Es nennt sich "hitzefrei".
(Beifall)
Ich glaube, dass es auch ziemlich wirkungsvoll ist, und ich bitte, auch an Folgendes zu denken: Im Sommer sind sechs Wochen Sommerferien. Das heißt, wenn an Schulen ein paar Tage im Jahr Schulunterricht für ein paar Stunden wegen Hitze ausfällt, dann können wir das, glaube ich, verschmerzen. Ich finde ohnehin, dass Kinder in unserer Stadt und in unserer Welt in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig freie Zeit und viel zu viel pädagogisch betreute Zeit haben.
(Beifall)
Nichtsdestotrotz: Dort, wo es besonders schlimm ist und an vielen Schultagen Hitze herrscht, sollten wir mehr tun, allerdings am besten ohne Klimaanlagen, sondern mit nachhaltigeren Konzepten wie zum Beispiel Hitzeschutzdecken oder Ähnlichem.
Stellvertretender
Stadtverordnetenvorsteher
Dr. Christoph Rosenbaum:
Ihre Redezeit ist um. Danke, perfektes Timing!
(Beifall)
Als Nächstes hat für die AfD-Fraktion Herr Stadtverordneter Schneider das Wort. Bitte schön!
Stadtverordneter Jens-Friedrich Schneider, AfD:
Sehr geehrter Herr Vorsteher,
sehr geehrte Stadtverordnete!
Wenn es im Sommer heiß ist, ist das Arbeiten und Lernen noch anstrengender als sonst. Prüfungsergebnisse werden dadurch auch nicht besser, wer weiß das nicht? Wir haben von der Dezernentin gehört, dass Frankfurt bereits eine Anpassungsstrategie an den Klimawandel hat und diese praktiziert, wo schon ganz viel geschieht und ganz viel angeboten wird. Den Schülern ist es aber zum Beispiel immer noch zu warm. Die sind jedenfalls vor zwei Wochen im Ausschuss zusammen mit ihren Lehrern vorstellig geworden und haben sich sehr über die Hitzebelastung an ihrer Schule beklagt. Doch niemand will ihnen helfen, denn die einzige wirksame Maßnahme wird verwehrt: Klimaanlagen. Die benötigen nämlich Strom - Strom, den die Altparteien verteuert und verknappt haben.
(Zurufe)
Und solange auch nur ein Kilowatt noch mit fossilen Brennstoffen generiert wird, sind hessische Weltklimarettungsbemühungen eben wichtiger als schwitzende hessische Schüler.
(Beifall)
Als lösungsorientierter, weltoffener Frankfurter kann ich noch eine völlig CO 2 -freie Variante aus heißen Teilen der Welt zur Frankfurter Anpassungsstrategie beisteuern, mit der sich die Koalition bei Schülern und Lehrern gleichermaßen beliebt machen wird: In heißen Klimazonen beginnt der Unterricht morgens um 06:00 Uhr, und wenn es richtig warm wird, ist man schon fertig. Ich aber sage: Dann doch lieber Klimaanlagen!
Danke schön!
(Beifall)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 12. September 2024 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.