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Seit Langem klagen Mitarbeiter:innen im städtischen ÖPNV über schlechte Arbeitsbedingungen. Zahlreiche Ausfälle des Pers

Vorlagentyp: F
Beantwortet

Zusammenfassung

Die Stadt Frankfurt am Main plant Maßnahmen zur Stabilisierung des öffentlichen Nahverkehrs, um die schlechten Arbeitsbedingungen und den Personalmangel zu adressieren. Durch die Reduzierung von Verbindungen im Fahrplan soll die Verlässlichkeit des Angebots erhöht werden. Dies wird als notwendiger Schritt angesehen, um die Mitarbeiter:innen zu entlasten und die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.

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Thema Verkehr und Straße verfolgen

Frage an den Magistrat

Seit Langem klagen Mitarbeiter:innen im städtischen ÖPNV über schlechte Arbeitsbedingungen. Zahlreiche Ausfälle des Personals sind die Folge. An der zu dünnen Personaldecke sollen nicht schlechte Löhne, sondern der Fachkräftemangel schuld sein. Ab Januar wird das Mobilitätsdezernat der Stadt Frankfurt am Main in Abstimmung mit der Nahverkehrsgesellschaft traffiQ und den Verkehrsunternehmen deshalb "Maßnahmen zur Stabilisierung des Angebots" vornehmen. In diesem Zusammenhang verkaufen VGF, traffiQ und der Verkehrsdezernent das Streichen von Verbindungen im Fahrplan den Bürgerinnen und Bürgern als "Maßnahme zur Steigerung der Verlässlichkeit" im Frankfurter ÖPNV.

Ich frage den Magistrat:

Wer möchte hier eigentlich wen veräppeln?

Antwort des Magistrats

Stadtrat Wolfgang Siefert:

Sehr geehrte Stadtverordnetenvorsteherin,

sehr geehrte Damen und Herren,

lieber Herr Görres!

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, hätte ich eine ganz einfache Antwort, aber die spare ich mir jetzt.

Wer Bus und Bahn fährt, wünscht sich vor allem eines: ein verlässliches Angebot. Das wird uns derzeit von allen Seiten bestätigt, und das möchten wir den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern mit dieser Maßnahme bieten. Die Fahrtausfälle der letzten Zeit gehen - wenn man es kurz zusammenfassen wollte - einfach auf Personalmangel zurück, auf den in der gesamten Republik und branchenübergreifend wirkenden Fachkräftemangel und auf den hohen Krankenstand bei den Verkehrsunternehmen. Darauf mussten wir reagieren.

Lassen Sie mich aber ein wenig ausholen: Während der Coronapandemie hat Frankfurt etwas geschafft, was kaum eine andere Großstadt geschafft hat: Bis auf wenige Tage wurde bei uns der Fahrplan in vollem Umfang aufrechterhalten. Die Fahrgäste haben das honoriert, aber für die Verkehrsunternehmen war das ein Kraftakt.

Aktuell rekrutiert die VGF jährlich circa 100 neue Fahrer:innen und bildet diese aus, um die geplante Leistung im Schienenverkehr der VGF zur Zufriedenheit der Fahrgäste und der Stadt Frankfurt zu erbringen. Wir mussten aber feststellen, dass zunehmend Fahrer:innen, die während der Coronazeit zu uns gekommen sind, wieder in ihre ursprünglichen Arbeitsbereiche zurückkehren, teilweise sogar aktiv mit Wechselprämien abgeworben wurden und werden. Diese Situation gibt es derzeit nicht nur in Frankfurt, sondern auch in anderen Städten und Bundesländern. Laut dem Branchenverband VDV wird die Branche alleine jährlich bis zu 8.000 Fahrpersonale im ÖPNV und SPNV gewinnen müssen, um alleine das altersbedingte Ausscheiden von Fahrpersonalen bei Bus und Bahn kompensieren zu können. Da sind die oben genannten Bedarfe noch gar nicht eingerechnet.

Hinzu kommt erschwerend der auch nach der Pandemie anhaltende deutschlandweite Trend zu erhöhten Krankenquoten, der auch im Fahrdienst der VGF zu spüren ist. Bisher haben die Fahrerinnen und Fahrer die krankheitsbedingt offenen Fahrdienste so weit wie möglich aufgefangen. Für diesen Einsatz möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich und ausdrücklich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken.

(Beifall)

Diese ständigen Mehrleistungen führten und führen im Fahrdienst aber zu einer hohen Arbeitsintensität. Auch in der Disposition ist durch die vielen kurzfristigen Ausfälle die Belastung sehr, sehr hoch.

Sie, verehrter Herr Görres, mögen die vorgenommene Maßnahme als Veräppelung verunglimpfen. Fakt ist aber, dass weder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der VGF noch den Fahrgästen oder der Stadt Frankfurt gedient ist, wenn sich ein Teufelskreis aus Krankheit, Ausfällen und Mehrleistungen entwickelt. Die Mitarbeiter:innen im Fahrdienst und der Disposition sind an ihre Grenzen gekommen und brauchen eine Verschnaufpause. Die Angebotsreduzierung ist ein zugegeben schmerzhafter, aber ein richtiger Schritt, um diese Mitarbeiter:innen zu entlasten.

(Beifall)

Denn nur so können sich die Verkehrsunternehmen auch weiterhin als attraktiver Arbeitgeber positionieren, um den Zulauf an Bewerber:innen zu sichern und die kurz- und mittelfristig notwendigen Stellen besetzen zu können.

Und für die Fahrgäste bringt dieser Schritt mehr Verlässlichkeit. Auch das, sehr geehrter Herr Görres, mögen Sie als Veräppelung abtun. Der Fahrgastbeirat sieht das aber ganz anders. Herr Kai Werner, ein Mitglied des Sprecherteams des Fahrgastbeirats, hat hierzu gegenüber der Presse das Folgende geäußert: "Uns Fahrgästen ist ein reduziertes, aber dafür zuverlässiges Fahrtenangebot lieber als unkalkulierbare Ausfälle, die in ihrer Kurzfristigkeit noch nicht einmal in der Fahrplanauskunft wiedergegeben werden können." Das bestätigt unsere Vorgehensweise.

(Beifall)

Aber natürlich soll es nicht bei diesem reduzierten Angebot bleiben. Daher verfolgt die VGF gezielte Maßnahmen, um als attraktiver Arbeitgeber die Personallücken zu füllen und die Mitarbeiterbindung zu stärken. Dazu gehören zum Beispiel die Umsetzung von neuen Arbeitszeitmodellen und der Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Aber auch durch die Optimierung der Ausbildungskonzepte wird die VGF zum Beispiel mittelfristig in der Lage sein, sogar circa 200 neue Fahrerinnen und Fahrer - wie gesagt, aktuell sind es circa 100 - pro Jahr in den Fahrdienst zu integrieren. Sie können sich vorstellen, dass es auch nicht ganz einfach ist, eine Ausbildungszahl einfach mal so zu verdoppeln. Aber auch für diese Initiativen braucht es Ressourcen und Zeit.

Die Gesamtheit dieser Maßnahmen lässt uns hoffen, dass wir nach den Sommerferien zum normalen Fahrplan zurückkehren können. Und eines noch zum Schluss: Zur EM werden wir natürlich mit allem fahren, was wir haben.

Danke schön!

(Beifall)

Stadtverordnetenvorsteherin

Hilime Arslaner:

Es gibt eine Zusatzfrage von Herrn Görres. Bitte!

Stadtverordneter Falko Görres, FRAKTION:

(Zusatzfrage)

Dem Dank an das verbliebene Fahrpersonal möchte ich mich natürlich anschließen. Es ist sicherlich kein Spaß, morgens zum Dienst zu erscheinen und nicht zu wissen, welche Linie ich fahre, wann und wie lange ich sie fahre, weil drei Kolleg:innen gerade ausgefallen sind. Insofern auch von meiner Seite ganz herzlichen Dank an Bahnbabo und alle, die sonst noch so fahren!

Die Frage, die ich eigentlich stellen wollte, hatten Sie schon fast beantwortet. Ich hätte eigentlich fragen wollen: Welche Perspektive gibt es für den Fahrplan? Wie lange bleibt er eingedampft? Deshalb kurz meine Zusatzfrage: Ich hatte es richtig verstanden, ab Sommer können wir darauf hoffen, dass es wieder einen Fahrplan gibt, der so aussieht wie dieses Jahr?

Stadtrat Wolfgang Siefert:

(fortfahrend)

Ja, vielen Dank, dass Sie diese Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch anerkennen. Sie müssen sich vorstellen, letzte Woche gab es Tage, da waren 16 Prozent des Personals krankgemeldet. Das fangen Sie mit nichts mehr auf. Das ist so. Aber ich habe es vorher schon gesagt, wir gehen davon aus, dass wir nach den Sommerferien wieder zum alten Fahrplan zurückkehren können. In den Sommerferien gilt sowieso ein anderer Fahrplan.

(Beifall)

Stadtverordnetenvorsteherin

Hilime Arslaner:

Die zweite Zusatzfrage kommt von Herrn Nagel von der CDU. Bitte!

Stadtverordneter Frank Nagel, CDU:

(Zusatzfrage)

Sie sagen, nach Corona ist die Belastung aufgetreten, dazu kommt die Alterspyramide. Warum wurde mit den Maßnahmen nicht früher begonnen? Und wenn Sie von betrieblichem Gesundheitsmanagement sprechen, das ist heute auch kein Zauberwort. Wie sieht es denn mit der Inklusion aus? Gibt es da auch Möglichkeiten, tätig zu werden?

Stadtrat Wolfgang Siefert:

(fortfahrend)

Ich habe ja gesagt, es werden alle Möglichkeiten in Betracht gezogen, auch Teilzeitmodelle und, und, und. Da gibt es viele Möglichkeiten. Ob im Fahrdienst Inklusion möglich ist, muss man sehen. Aber Sie haben gefragt, warum nicht früher angefangen wurde. Ich habe gesagt, wir bilden 100 Fahrer pro Jahr regelhaft aus. Das ist schon eine Steigerung. In der Berechnung hat das alles eigentlich immer gereicht. Aber jetzt kommen eben die zwei Faktoren überraschend dazu. Man hat es ja im Frühjahr gesehen, da war die Zuverlässigkeit wieder da, und im September/Oktober ging es wieder los. Diese 16 Prozent können Sie mit aktuellen Quoten nicht auffangen, wenn Sie nicht eine sehr große Reserve an Fahrer:innen haben. Die haben wir derzeit nicht, weil einige Stellen unbesetzt sind, weil sich gezeigt hat, dass viele der Fahrerinnen und Fahrer, die wir während Corona aus verschiedenen Branchen gewinnen konnten, jetzt entweder festgestellt haben, dass sie doch wieder zurück wollen, was ja auch in Ordnung ist, oder mit Geld zurückgelockt werden. So ist im Moment die Lage am Markt, und so ist das Geschäft. Von daher reagieren wir ja jetzt auch, indem wir die Ausbildungsmöglichkeiten bei der VGF quasi verdoppeln.

Sie wissen ja, es gibt rund 680 Fahrer, da sind 100 pro Jahr eigentlich immer ein guter Wert gewesen. Das passt jetzt aber nicht mehr.

(Beifall)

Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen

Was bedeutet diese Vorlage?

FFrage zur Fragestunde

Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.

  1. 1Stadtverordnete/r stellt Frage
  2. 2Fragestunde im Plenum
  3. 3Magistrat antwortet

Der Weg dieser Vorlage

Am 7. Dezember 2023 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.

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