Kürzlich gab die Fanszene von Eintracht Frankfurt bekannt, dass aktuell keine der international bekannten Choreographien
Zusammenfassung
Die Fanszene von Eintracht Frankfurt berichtet, dass die Feuerwehr die Genehmigung für Choreographien im Waldstadion verweigert. Der Magistrat wird gefragt, ob er über diese Vorgänge informiert ist und ob er Maßnahmen ergreifen wird, um die Genehmigungen wieder zu ermöglichen.
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Thema Kultur verfolgenFrage an den Magistrat
Kürzlich gab die Fanszene von Eintracht Frankfurt bekannt, dass aktuell keine der international bekannten Choreographien mehr im heimischen Waldstadion gezeigt werden könne, da sie vor allem von der Frankfurter Feuerwehr nicht mehr genehmigt werden.
Ich frage den Magistrat:
Hat der Magistrat Kenntnis über diese Vorgänge, die einige Anhänger: innen der Eintracht in Zusammenhang mit der Leidenschaft des zuständigen Leiters der Feuerwehr für den rivalisierenden Fußballverein Mainz 05 sehen, und gibt es Bestrebungen seitens des Magistrats, ins Benehmen mit der Feuerwehr zu treten, um diesen Zustand zu beenden und der Fankurve zu ermöglichen, wieder die Aktionen zeigen zu können, die so viele Menschen in unserer Stadt darüber hinaus begeistern?
Antwort des Magistrats
Stadträtin Annette Rinn:
Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
meine Damen und Herren,
Herr Wehnemann!
Dem Magistrat sind die diesbezüglichen Verlautbarungen bekannt. Sie sind vollumfänglich unzutreffend. Die Genehmigung oder Untersagung von Choreografien gehört nicht zu den Aufgaben der Feuerwehr. Die Zuständigkeit und Verantwortung für die Sicherheit im Stadion liegt beim Stadionbetreiber. Mit Bestürzung nimmt der Magistrat zur Kenntnis, dass es infolge der Falschmeldungen aus Fankreisen am Rande des Fußballspiels am 18.02.2023 zu Anfeindungen und Beleidigungen gegen die Einsatzkräfte des Brandsicherheitsdienstes, der Feuerwehr vor Ort im Stadion sowie gegen die Feuerwehr insgesamt in den sozialen Medien kam, und verurteilt diese Vorgänge aufs Schärfste. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass sich der Leiter der Frankfurter Feuerwehr keinem Verein der Bundesliga leidenschaftlich verbunden fühlt. Die Frage, von welchem Fußballverein die Menschen Fan sind, ist auch grundsätzlich bei der Einschreitung von Feuerwehrleuten kein Kriterium, und bei aller Liebe zur Eintracht, ich glaube, das ist auch ganz gut so.
(Beifall)
Stadtverordnetenvorsteherin
Hilime Arslaner:
Herr Wehnemann hat eine Zusatzfrage. Bitte!
Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION:
(Zusatzfrage)
Sie sagen, die Feuerwehr könne gar keine Choreografien genehmigen, also auch keine verbieten. Jetzt hat aber zum Beispiel die Feuerwehr in Gelsenkirchen im Oktober 2022 gemeinsam mit der dortigen Polizei öffentlich angekündigt, dem Sicherheitskonzept des Vereins nicht zuzustimmen, sobald Choreografien angemeldet werden. Das mag formal ein kleiner Unterschied sein. Aber wo ist der Unterschied im Ergebnis? Ist es ein Verbot durch die Hintertür oder kann die Eintracht einfach eine Veranstaltung ohne genehmigtes Sicherheitskonzept durchführen?
Stadträtin Annette Rinn:
(fortfahrend)
In der Tat, es ist ganz einfach die Frage, wer die Verantwortung übernimmt. Das ist im Übrigen in Gelsenkirchen wie in Frankfurt.
Aktuelle Stunde zur Frage Nr. 1410
Stadtverordneter Nico Wehnemann, FRAKTION:
Sehr geehrte Vorsitzende,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde!
Wenn es um die Feuerwehr geht, muss ich gleich an meinen Onkel denken. Er schwärmte immer von seinem Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberholzhausen. Nicht nur, dass er dort bei der Jugendfeuerwehr im zarten Alter von elf Jahren seine ersten alkoholischen Erfahrungen sammeln konnte, nein, auch die aufregenden Einsätze, wenn einmal wieder der Dorfkrug in Flammen aufging, waren für ihn ein echter Nervenkitzel. Blöderweise war es meistens einer der hauseigenen Feuerteufel, die das Ding angesteckt hatten, damit es endlich etwas zu tun gab und man den Helden spielen konnte.
Bis vor Kurzem dachte ich, dass es in Berufsfeuerwehren seriöser zugehen würde. Allem Anschein nach gefällt es aber der Frankfurter Feuerwehr, zu zündeln. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie nun damit begonnen hat, der Fanszene der Frankfurter Eintracht bei der Organisation und Durchführung von Choreografien das Leben schwer zu machen. Und das, obwohl die Präsentation der Tribünenbilder zu den Spielen der Eintracht nie eine Gefährdung von Zuschauer:innen zur Folge hatte. Im Gegenteil, die Choreos sorgten für große Begeisterung im Stadion. In ganz Deutschland, sogar international wird bewundernd zur Kenntnis genommen, welche Begeisterung, ja welches sprichwörtliche Feuer die Fans hier im Waldstadion immer wieder entfachen.
Nun ist aus Fan- und Vereinskreisen aber durchgedrungen, dass die Feuerwehr dafür gesorgt hat, dass solche Choreografien nicht mehr erlaubt sind. Die Folgen waren bei dem Champions-League-Spiel gegen Neapel sichtbar. Wenn die Fanszene sich nicht mehr durch ausgefeilte Choreos ausleben kann, dann brennt halt die Kurve. Das ist zwar schön anzusehen, kann aber doch nicht Ziel einer Feuerwehr sein, es sei denn, man braucht eben ein solches Feuer, um es öffentlichkeitswirksam wieder löschen zu können. Auch heute haben wir wieder gehört, dass die Feuerwehr ja rein rechtlich gar keine Genehmigung für Choreografien erteilen kann. Dass das Augenwischerei ist, kann man an den Äußerungen der Berufskolleg:innen, zum Beispiel aus Gelsenkirchen, erkennen. Ich zitiere aus einem Bericht vom Oktober 2022 nach einem Spiel des Schalke 04: "Polizei und Feuerwehr haben sich noch während des Spiels darauf verständigt, bis auf Weiteres dem Sicherheitskonzept des Vereins nicht mehr zuzustimmen, sobald Choreografien angemeldet sind." Und wie wir alle wissen: Ohne positive Einschätzung der Feuerwehr genehmigt die Polizei kein Sicherheitskonzept und ohne ein genehmigtes Sicherheitskonzept kann keine Großveranstaltung durchgeführt werden.
Diese Machtposition will die Feuerwehr in Frankfurt nun ausnutzen, zum Schaden der Zuschauer:innen im Waldstadion und letzten Endes auch zum Schaden des Vereins, der Choreografien oft als Aushängeschild benutzt. Mit der Vorgehensweise sorgt die Feuerwehr nicht für mehr Sicherheit, ganz im Gegenteil: Wenn die Aktionen der Fans nicht mehr angemeldet und organisiert werden dürfen, finden sie unkontrolliert statt, da beißt sich die Katze in den Schwanz, meine Damen und Herren. Solche Provinzpossen kann die Feuerwehr gerne im unbedeutenden Mainz aufführen, wo das Herz eines anderen Beamten offenbar schlägt, aber nicht in dieser Weltstadt. Mein Appell an den Magistrat: Sorgen Sie bitte dafür, dass sich die Feuerwehr auf ihre Kernkompetenz konzentriert, Minderjährige an den Alkoholkonsum heranzuführen und ihren Durst zu löschen.
Prost!
(Beifall)
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Eine kurze Frage, die in der Fragestunde einer Plenarsitzung an den Magistrat gestellt wird. Der Magistrat antwortet mündlich in der Sitzung oder schriftlich nach.
- 1Stadtverordnete/r stellt Frage
- 2Fragestunde im Plenum
- 3Magistrat antwortet
Der Weg dieser Vorlage
Am 23. Februar 2023 wurde diese Frage in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Der Magistrat nahm dazu in der Fragestunde Stellung; die Antwort steht unten im Dokument.