Produktbereich: 18 Soziales, Produktgruppe: 18.01 Leistungen des Jugend- und Sozialamtes Förderung von Gewaltpräventionskursen für Mädchen durch den Verein Frauen in Bewegung e. V.
Zusammenfassung
Der Antrag sieht die Förderung des Vereins Frauen in Bewegung e.V. mit 150.000 Euro jährlich vor, um Gewaltpräventionskurse für Grundschulmädchen durchzuführen und eine Sozialarbeiterin einzustellen. Dies ist notwendig, um Mädchen gegen sexualisierte Gewalt zu stärken und die steigende Nachfrage nach diesen Kursen zu decken.
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Thema Kinder, Jugend und Familie verfolgenAntrag
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Gemäß den Vorgaben des "Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt" (im Sprachgebrauch: "Istanbul Konvention") fördert die Stadt den Verein "Frauen in Bewegung Kampfkunst und Bewegung Frankfurt e.V." mit 150.000 Euro jährlich zur Durchführung von Kursen zur Gewaltprävention für Grundschulmädchen und zur Einstellung einer Sozialarbeiterin für die Betreuung von Gewaltmeldungen.
Begründung
Um eine kontinuierliche und effektive Gewaltprävention leisten zu können, meldet der Verein Frauen in Bewegung Kampfkunst und Bewegung e.V. (FIB) Bedarf auf Fortführung des Gewaltpräventionsprojektes für Mädchen an Frankfurter Grundschulen an. Laut EU ist Gewalt gegen Frauen eine Verletzung der Menschenrechte und eine brutale Form von Diskriminierung. Programme und Aktivitäten zur Stärkung der Rechte von Frauen sollen insbesondere in den Kommunen umgesetzt und gefördert werden. Deshalb beschloss die Stadt Frankfurt im Rahmen der Istanbul Konvention, die im Oktober 2017 ratifiziert wurde und in Deutschland am
- Februar 2018 in Kraft trat, die Kurse "sicher-stark-selbstbewusst Gewaltprävention für Grundschulmädchen" des Vereins FIB zu fördern, um Gewalt gegen Mädchen durch frühzeitiges Empowerment bereits im Vorfeld zu verhindern. Die WHO geht davon aus, dass in Deutschland ca. eine Million Kinder sexualisierte Gewalt erleben oder erlebt haben, das sind pro Schulklasse ein bis zwei Kinder. Umso wichtiger sind die Präventionsprogramme von FIB e.V., die darauf abzielen, Frauen und Mädchen zu stärken und sie zu befähigen, sich gegen häusliche und sexualisierte Gewalt zu wehren. Mit den kostenlosen Kursen an Grundschulen können möglichst viele Mädchen erreicht werden - auch diejenigen, die von ihrem Elternhaus aus her sonst keinen Zugang zu solchen Programmen haben. Die erste Priorität der Schulen nach den Corona-Schließungen war die Aufarbeitung der Lern- und Sozialdefizite der Kinder. Erst Ende 2022 hatten die Grundschulen Kapazitäten für die Durchführung von Gewaltpräventionstrainings, sodass FIB e.V. sieben Kurse von September bis Dezember durchführen konnte. Im Jahr 2023 stieg die Nachfrage nach den Kursen enorm an. Alleine im ersten Halbjahr 2024 wurden 22 Gewaltpräventionskurse in Frankfurter Grundschule und 29 Empowerment-Selbstverteidigungskurse für Mädchen im Alter von 7-10 Jahren, Teenager-Mädchen und Frauen durchgeführt. Auch der Frauenverein für Selbstverteidigung hat in diesem Jahr bereits mehrere Grundschulkurse durchgeführt oder in Aussicht gestellt. Durch die hohe Zahl der Gewaltmeldungen von Mädchen in Gewaltpräventions- und Selbstverteidigungskursen ist der Verein mit den zur Verfügung stehenden Mitarbeiterinnen überlastet. Mit dem Beginn der Gewaltpräventionskurse an Grundschulen für Mädchen 2022 ist FIB e.V. davon ausgegangen, dass die Schulen den Verein anfragen und FIB e.V. lediglich die Termine mit den Schulen und den von FIB e.V. ausgebildeten Trainerinnen koordiniert. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die Kurse sehr viel mehr Vor- und Nachbereitungen brauchen sowie eine Person, die Kinderschutzfälle bearbeitet. Bei den Präventionskursen von FIB e.V. geht es nicht nur um die einfache Organisation von Kursen in den Schulen, sondern um sehr viel mehr Arbeit durch die Betreuung von Gewaltmeldungen, die weder eingeplant war noch bisher honoriert wird. Der Verein berichtet, dass eine Intervention in Kinderschutzfällen sehr individuell und zeitintensiv seien. Manche zögen sich über Wochen oder im Falle von Aussagen bei der Kriminalpolizei und bei Gericht auch über Monate hin. All das begleite der Verein fachlich. Auch die Bearbeitung von Meldungen aus den vereinsinternen und -externen und Selbstverteidigungskursen und Kampfkunst für Mädchen von 7-10 Jahren und Teenagerinnen und die anschließende Beratung der Mädchen übernehme momentan die Gewaltpräventionskurs-Koordinatorin. Jede Gewaltmeldung kostet den Verein ca. 12-16 unbezahlte Stunden. Darüber hinaus seien die Gewaltpräventionstrainerinnen, die Koordinatorin und die Vereinsleitung durch die unbezahlten Stunden, die für die Bearbeitung von Gewaltberichten der Mädchen in den Kursen notwendig sind, emotional überlastet. Regelmäßige Teamsitzungen seien notwendig, um den Umgang mit den betroffenen Mädchen zu besprechen und die Kursinhalte zu reflektieren und zu verbessern. Eine professionelle Supervision seien dringend notwendig, um Burnouts zu vermeiden. Diese wichtigen Aspekte der gewaltpräventiven Arbeit mit Mädchen sind im Förderkonzept bisher nicht enthalten. Die FIB e.V. Jugendkoordinatorin, die eine sogenannte Midi-Stelle hat und die Kurse organisiert, ist die zentrale Person, die die Reaktionen von FIB e.V. auf Gewaltmeldungen aus den Kursen koordiniert. Diese Stelle wurde seit Dezember 2018 als Projekt aus Restgeldern durch das Stadtjugendamt finanziert. Seit November 2023 wird die Stelle nicht mehr gefördert, da das Geld benutzt werden muss, um Löcher im Haushalt der Stadt Frankfurt zu stopfen. Diese Entscheidung wurde FIB e.V. erst im Februar 2024 mitgeteilt und hat den Verein in eine sehr prekäre Situation gebracht. Die Gewaltpräventionskurse in den Grundschulen sind sehr effektiv und sollten unbedingt weitergeführt und ausgebaut werden. Allein die überraschend hohe Zahl der Meldungen von Gewalt zeigt, dass viele Mädchen noch nie von ihren Rechten gehört haben und nicht wissen, dass das, was ihnen angetan wurde, falsch ist. Die vielen Stunden, die FIB e.V. für die professionelle Aufarbeitung der Gewaltmeldungen leistet, überfordert die Mitarbeiterinnen. 2023 wurden Gewaltpräventionskurse für Grundschulmädchen mit €50.000 pro Jahr gefördert. Um möglichst viele Mädchen im Grundschulalter gegen sexualisierte Gewalt zu stärken, ist sowohl eine Fortführung und Aufstockung der Finanzierung auf eine jährliche Fördersumme von 150.000 Euro durch die Stadt Frankfurt für die kostenlosen Gewaltpräventionskurse für Mädchen an Frankfurter Grundschulen als auch die Finanzierung einer Sozialarbeiterin bei FIB e.V. notwendig. FIB e.V. widmet sich dem Thema Gewaltprävention seit fast 40 Jahren und ist nun an einem Punkt, an dem der Verein dringend Hilfe braucht, um die professionelle Vereinsarbeit weiterführen zu können.
Quelle: Originaldokument in PARLIS ansehen
Was bedeutet diese Vorlage?
Ein Antrag zur Änderung des Haushaltsplans — um Mittel zu verschieben oder zusätzlich einzuplanen. Etatanträge werden in den Haushaltsberatungen der Stadtverordnetenversammlung behandelt.
- 1Fraktion bringt Etatantrag ein
- 2Haushaltsberatungen
- 3Plenum beschließt den Haushalt
Der Weg dieser Vorlage
Am 29. Mai 2024 brachte Linke diesen Etatantrag in die Stadtverordnetenversammlung ein. In 3 Sitzungen wurde über die Vorlage beraten. Zuletzt wurde sie am 01.07.2024 im Ausschusses für Bildung und Schulbau abgelehnt.
Beratungsverlauf3 Beratungen
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, SPD, FDP und Volt gegen CDU, AfD und BFF-BIG (= Ablehnung) sowie Linke, ÖkoLinX-ELF und FRAKTION (= Annahme)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, SPD, FDP und Volt gegen CDU und AfD (= Ablehnung ohne Zusatz) sowie Linke (= Annahme) Sonstige Voten/Protokollerklärung: ÖkoLinX-ELF und FRAKTION (= Annahme) BFF-BIG (= Ablehnung ohne Zusatz)
Stimmen beziehen sich auf den jeweiligen Beschluss.
Abstimmung im Original
Abstimmung: GRÜNE, SPD und FDP gegen CDU, AfD und BFF-BIG (= Ablehnung ohne Zusatz) sowie Linke, ÖkoLinX-ELF und FRAKTION (= Annahme) Sonstige Voten/Protokollerklärung: Volt (= Ablehnung im Rahmen E 27, E 32, E 122 und E 184)