Römer

Industriemuseum Frankfurt/Main

Akualisiert 15.06.2011 2

Die Geschichte des Industriemuseums Frankfurt ist leider eine traurige. Ursprünglich in den 90'er Jahren in der Naxos Halle vorgesehen endete das Projekt leider in Agonie. Gründe waren die Finanzknappheit in der Endphase der Realisierung des Museumsufers bzw. die in der Naxos Halle gefundenen Verunreinigungen im Hallenboden. Auch die regelmäßigen Mahnungen von Herrn Hilmar Hoffmann zu "Industriemuseum als letzter fehlender Baustein des Frankfurter Museumsufers" blieben leider bisher ungehört.

Die diskutierte Neuordnung des Campus Bockenheim bietet vermutlich die letzte Chance der Gründung eines „Industriemuseums Frankfurt“.

Zurzeit ist sicher kein optimaler Zeitpunkt, da beträchtliche Sanierungs-/Erweiterungsinvestitionen am Museumsufer bevorstehen. Geldmangel ist aber nicht der Grund für die Vernachlässigung der Industriegeschichte unserer Stadt, es fehlt vielmehr der Wille. Immerhin vermeldet man aktuell zwei (neue) Theaterprojekte: Theater Quast im Paradieshof, Theater Praml in der Naxos Halle  und konkrete Schritte zur Erweiterung des jüdischen Museums, zum Neubau des Museums der Weltkulturen bzw. erste Gedanken zu einem weiteren Museum in unserer Stadt, dem Museum der Romantik.

Die Weichen für die Neuordnung des Campus Bockenheim, bei einer Umsetzung nach 2015, werden in diesem Jahr gestellt. Diese Neuordnung des Campus Bockenheim erscheint mir die letzte Chance einer Realisierung in einem historischen Industrie-Gebäude (z.B.: Dondorf Druckerei). Ich könnte mir vorstellen, dass man dem "Kulturcampus-Bockenheim" einen "MINT-Campus" - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - an die Seite stellt. Immerhin beklagt man allgemein den Mangel an, insbesondere weiblichen, Ingenieuren. Da sollte sich die Industrie/die Verbände (VDE, VDI, VCI, Internetkotenbetreiber usw.) als Sponsor für eine industriegeschichtliche Präsentation mit Ausblick auf die Zukunft begeistern lassen. Neben dem Senckenbergmuseum, dem Planetarium der physikalischen Gesellschaft, der ExperiMINTa wäre das Industriemuseum Frankfurt das "Historische, vierte Bein von MINT" und gewissermaßen die Brücke von der Vergangenheit Frankfurts zur Gegenwart.

Auf den Internetseiten "Frankfurt-Dokumentation zur Nachkriegszeit" findet man Auszüge aus dem folgenden Buch:

 "1958 gab der Wirtschaftshistoriker Franz Lerner auf Anregung städtischer Wirtschaftspolitiker das Buch " Frankfurt am Main und seine Wirtschaft" im Ammelburg-Verlag heraus. Es stellt eine Momentaufnahme der in der Stadt ansässigen Wirtschaft anhand ihrer Betriebe rund 10-12 Jahre nach dem Krieg dar und verdeutlicht durch einzelne Firmenberichte recht interessant das Wirtschaftsleben und den Wiederaufbau Frankfurts sowie die teils abenteuerlichen Geschichten und Unternehmerkarrieren der frühen Nachkriegszeit."

Die in diesem Buch aufgeführten Industriefirmen Frankfurts sind in der Zwischenzeit fast alle verschwunden. Es ist vielmehr sogar so, dass der Ausverkauf der Frankfurter Industriegeschichte weitergeht. Siehe aktuell einen Artikel in der Frankfurter Rundschau über den Abtransport der letzten 5 Schleifmaschinen der Naxos Union von Fechenheim nach Rüsselsheim. Der Besitzer der Exponate, die Pfungst Stiftung, war nicht mehr in der Lage den kleinen Ausstellungsraum zu unterhalten. Auch die Geschichte der Chemischen Industrie in Frankfurt ist mit der Schließung des „Firmenmuseums der Hoechst AG“, ehemals im Hoechster Schloss, entschwunden. Frankfurt ist zwar Austragungsort der Achema, Sitz des Verbandes der Chemischen Industrie und der Dechema, eine Erinnerung an die „Chemiestadt“ Frankfurt unterbleibt. Ein Armutszeugnis. Das Ganze angesichts der Tatsache, dass wir im Jahre 2013 das fiktive 150 jährige Jubiläum der Farbwerke Hoechst und somit auch "über 150 Jahre Chemische Industrie in Frankfurt" feiern.

 

Das historische "rollende Material" ist in Frankfurt mit: Feldbahn Museum, Straßenbahnmuseum, Sammlung Hochhut, Klassikstadt in der Mayfarth-Fabrik, Museumseisenbahn relativ gut aufgestellt. Für die Geschichte unserer Frankfurter Industrie sucht man vergleichbares vergeblich. Auch das Historische Museum wird diesen Zeitabschnitt der Frankfurter Geschichte in der geplanten Ausstellung "Frankfurt Einst" wahrscheinlich nur exemplarisch abhandeln. Übrigens liegt deren letzte große Ausstellung zur Industriegeschichte Frankfurts "Die zweite industrielle Revolution - Frankfurt und die Elektrizität 1800-1914" aus dem Jahre 1981 schon dreißig Jahre zurück. Auch in der im Neubau geplanten Ausstellung „Frankfurt Einst“ ist zwar von „Bürger Stadt“, „Geld Stadt“ , „Welt Stadt“ die Rede, nicht jedoch von “Chemie Stadt“ bzw. „Industrie Stadt“ Frankfurt.

Frankfurt war auch mal Sitz von Unternehmen wie: Cassella, AEG, Adler, Metallgesellschaft, Degussa, Adox, Torpedo, Teves, Heddernheimer Kupferwerk, VDO, Hartmann & Braun usw.

Zwingend erforderlich wäre natürlich ein neues, aktualisiertes, modernes Konzept für die Darstellung der Industriegeschichte Frankfurt unter Berücksichtigung der aktuellen Museumsdidaktik. Vorstellbar wäre, als Bestandteil des "MINT Campus Bockenheim" ein Industriemuseum als historisches Bindeglied: von der Beschreibung der alten Frankfurter Industrie und den Lebensbedingung der Arbeiterschaft bis zu  aktuellen technischen Entwicklungen wie Internetknoten Frankfurt, Elektromobilität und Smart Grids.

 

Auch die recht erfolgreiche "Route der Industriekultur Rhein-Main" (Dr. Schirmbeck) ist  kein Ersatz für eine eigenständige Präsentation der vergangenen Frankfurter Industrie.

 

In Anbetracht von 180 Mio € für die Erweiterung des Senckenberg Museums um 14.000 qm, bzw. bei einem Flächenbedarf von 30.000 qm zu geschätzten 120 Mio € für den Kulturcampus Bockenheim, sollten auch die rund 2000 qm Fläche für ein Industriemuseum Frankfurt im Rahmen der Neuordnung des Campus Bockenheim realisierbar sein.

Was willst du erreichen?

Die Diskussion über ein Industriemuseum und die industriegeschichtliche Vergangenheit FFM's wiederbeleben.Die Stadt Frankfurt motivieren ein Konzept "Industriemuseum FFM" am Standort "Dondorf Druckerei Bockenheim" unter Berücksichtigung der aktuellen, museumsdidaktischen Ansätze, in Auftrag zu geben. Ziel ist die Realisierung des Museums um das 2015.

Was hast du bereits getan?

Anregung an den Magistrat zum "Industriemuseum" durch den Ortsbeirat 2 (CDU-Fraktion). Mitarbeit in dem Förderverein Industrie und Technikgeschichte (FITG) Frankfurt, Kontakt mit der Initiative Dondorf Druckerei.

2 Kommentare

Charly

Heute - 2.2.2011 - stand ein Artikel in der Frankfurter Neuen Presse, dass es zumindest mit dem Apfelwein Museum - dem zweiten vernachlässigten Kind der Frankfurter Museumslandschaft - weitergeht. Ursprünglich einmal in der Gasstätte Historix untergebracht sind die Bestände dieses Museums mit dem Start der Umbauarbeiten Historisches Museum in Depots bzw. bei den Leihgebern verschwunden. Die letzte Publikation des Historischen Museums zu diesem Thema mit dem Titel "Der Äpfelwein in Frankfurt" stammt aus dem Jahre 1991. Neuauflage (Erstauflage 1987) aus Anlass der Eröffnung des Frankfurter Äpfelweinmuseums. Man hat bisher nichts davon gehört, dass die Würdigung unseres (gewöhnungsbedürftigen) Nationalgetränkes auch im Neubau des Museums geplant ist. Vielleicht sollte man das ganze Projekt in Analogie zu "Deutschem Architektur Museum" bzw. "Deutschem Filmmuseum " direkt "Deutsches Apfelwein Museum" taufen. Mit diesem Anspruch an die Internationale Bedeutung des Vorhabens könnte es etwas werden.

Anbei Zitat aus dem FNP-Artikel:

Museum für den Ebbelwei

".... Und es könnte nicht nur ein neues Lokal, sondern auch ein Apfelwein-Museum untergebracht werden. Dazu soll die städtische Saalbau das gesamte Gebäude vom Investor mieten. Allerdings wurde noch keine Einigung über den Preis erzielt. «Das Museum würde gut zu Alt-Sachsenhausen passen», meint der CDU-Stadtverordnete Jochem Heumann, der mit seiner Fraktion Alt-Sachsenhausen besichtigt hat."

Charly

Leider fand ein Industriemuseum Frankfurt im aktuellen Koalitionsvertrag 2011 bis 2016 (Grüne/CDU) keine Berücksichtigung.

Die Prioritäten liegen auf:

Sanierungen der vorhandenen Museeen (Film-, Architektur-Museum),
Neubau des Historischen Museums,
Erweiterung Museum Weltkulturen (mindestens 80 Mio Euro)
Erweiterung Städel,usw.

Das wenig geliebte "Industriemuseum" kam erneut unter die Räder.

Auch Aktionen wie "Lange Nacht der Industrie" am 9. Juni bzw. der Tag der Chemie am 24. September 2011 versuchen zwar Frankfurt als bedeutenden Industriestandort zu verdeutlichen, leider bleibt dies ohne Einfluss auf die Betrachtung der historischen Wurzel, d.h. Wunsch nach einem Industriemuseum FFM.

Der Chemiegeschichte Frankfurts geht es nicht besser:
Vom Werksmuseum der Farbwerke Hoechst, ursprünglich im Hoechster Schloss und zwischenzeitlich geschlossen - blieb nur eine kleine Ausstellung der Infraserve am Pförtner Ost "Zeitstreifen" übrig. Leider ist auch im Jahr der Chemie 2011 die Erinnerung an den Chemiestandort Frankfurt mit den Farbwerken Hoechst (fiktives 150 jähriges Jubiläum im Jahre 2013)mit den Werksteilen Hoechst,Griesheim und Offenbach, Cassella Farbwerke Mainkur, Degussa verblasst.

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