Römer

Fahrradabstellanlagen vs. Anwohnerparken

Akualisiert 29.05.2012 4

Frankfurt ist eine Stadt der kurzen Wege. Gerade in den innenstadtnahen Stadtteilen Bockenheim, Gutleut, Gallus, Nordend, Westend, Ostend, Bornheim und Sachsenhausen ist der Verzicht auf einen eigenen Pkw völlig unproblematisch. Einkaufsmöglichkeiten sind in der Regel in fußläufiger Entfernung zu erreichen, es steht ein leistungsstarkes ÖPNV-Netz zur Verfügung und es gibt mittlerweile flächendeckende Car-Sharing-Angebote. Auch die Fahrradinfrastruktur wird stetig verbessert. Schwere Einkäufe können von proffessionellen Dienstleistern etwa mit Lastenrädern zu Wunschterminen nach Hause gebracht werden.
Trotzdem dominiert der Privat-Pkw das Straßenbild enorm. Die von Privat-Autos in Anspruch genommene Fläche steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.  Nicht nur auf vorgesehenen Stellplätzen, sondern auch im Park- und Halteverbot schränken Fahrzeuge, die in der Regel 23 Stunden am Tag nicht bewegt werden, ALLE Bürger ein. Insbesondere die jungen und unerfahrenen Verkehrsteilnehmer leiden darunter. Kinder können sich in Frankfurt schon lange nicht mehr frei bewegen, da sie hinter parkenden Autos nicht sichtbar sind. Die Konsequenz ist offensichtlich. Eltern fahren Ihre Kinder aus Sicherheitsgründer lieber mit dem Auto zur Schule. Die sowieso schon knapp bemessenen Gehwege sind zugeparkt und lassen häufig kein Durchkommen etwa mit Kinderwagen zu. Auch schwerwiegendere Parkverstöße, wie etwa das Zustellen von Kreuzungsbereichen und die damit verbundene Unübersichtlichkeit führt zu einer weiteren Benachteiligung der schwächeren Verkehrsteilnehmer. Geahndet wird dies nur sporadisch und mit eher symbolischen Beträgen im niedrigen zweistelligen Bereich.


Die Stadt Frankfurt fördert diesen Missstand seit Jahrzehnten nicht nur durch Passivität mit Blick auf die mangelhaften Kontrollen sondern noch dazu durch die Ausgabe günstiger Anwohnerparkausweise. Es ist jedem Frankfurter Pkw-Besitzer möglich für 25 Euro im Jahr eine Fläche von etwa  acht Quadratmetern öffentlichen Raumes dauerhaft in Anspruch zu nehmen. Eine Fläche, die allen Frankfurtern gehört. Eine Fläche, die nicht mehr für Grünanlagen, Spielplätze, Aussengastronomie, Fahrradständer oder sonstige Aufenthaltsflächen zur Verfügung steht.
Wir, der aus der Frankfurter Fahrradkurierszene hervorgegangener Verein Frankfurt´s Finest Messengers e.V. möchten mit dieser Initiative darauf hinweisen, dass auch Nicht-PKW-Besitzer einen Anspruch auf öffentliche Flächen in ihrem Wohngebiet haben. Wir wünschen uns, dass wir mit dieser Initiative eine Diskussion in der Frankfurter Stadtgesellschaft erzeugen können, die diesen Status Quo in Frage stellt.

Was willst du erreichen?

1. Möglichkeit der Beantragung von Fahrradparkern im Straßenraum: Jeder Fahrradfahrer kennt die Problematik mit zugestellten Treppenhäuser. Viele Frankfurter müssen ihr Fahrrad in der Privatwohnung unterbringen, da anderswo kein Platz ist und Ärger mit den Nachbarn vorprogrammiert ist - während der vor der Tür parkende Pkw schon seit Tagen nicht mehr bewegt wurde. 2. Möglichkeit zur Beantragung von Grünflächen: Eine Kopplung zur eigenständigen Bepflanzung in Form von Patenschaften ist vorstellbar. 3. Konsequentes Ahnden von Falschparkern, insbesondere an Straßenkreuzungen, vor Schulen, Spielplätzen etc.

Was hast du bereits getan?

1. Wir wollen unsere Idee von einer bürgerfreundlichen Stadt, von einer Straße, die wieder als Lebensraum und nicht nur als Parkraum zur Verfügung steht, in den nächsetn Monaten verstärkt in den Frankfurter Stadtgremien einbringen. 2. Wir wollen ebenfalls eine Diskussion dazu anstoßen und hoffen dabei auf die Vervielfältigung über Medien. 3. Wir motivieren unsere Mitglieder für unsere Idee als Multiplikatoren zu wirken.

4 Kommentare

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Hi,

ich will dein Engagement ja nicht zunichte mache, aber mir fehlen ein paar Fakten in deiner Initiative.

Bspw. sagst du: "Gerade in den innenstadtnahen Stadtteilen [...] ist der Verzicht auf einen eigenen Pkw völlig unproblematisch."

Das ist richtig, wenn man dort nicht nur lebt, sondern auch arbeitet. Besonders in Bornheim kenne ich viele Leute, die ganz auf ein Auto verzichten, weil sie es wirklich nicht brauchen. Aber heutzutage arbeitet nicht mehr jeder in Frankfurt und nicht jeder in der Nähe einer Bahnhaltestelle. Fakt ist, dass die Leute immer weitere Strecken zu ihren Arbeitsplätzen zurücklegen.

Hinzu kommt, dass gerade Familien kaum auf ein Auto verzichten können und wollen. Das hat mehrere Gründe. Einerseits müssen Familien eher Großeinkäufe machen. Das ginge noch mit einem Lieferdienst oder par Car-Sharing. Aber es gibt kaum Fahrzeuge im Car-Sharing, die Kindersitze fest eingebaut haben. Die Dinger sind klobig und will man wirklich nicht überall hinschleppen. Beispiel: Man will mit der Familie essen gehen. Dazu mietet man sich ein Fahrzeug, muss dann seine eigenen Kinder inkl. Kindersitze zum Auto bringen. Am Zielort will man das Fahrzeug nun nicht gemietet lassen, sondern freigeben (weil man hofft, dass mehrere Fahrzeuge in der Nähe sind, weil man noch ein wenig spazieren will und ein stehendes, reserviertes Fahrzeug im CarSharing stetig Geld kostet), also muss man die Sitze wieder ausbauen und mitschleppen.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen nicht auf ihr Auto verzichten wollen und anstatt denen nun den letzten Parkraum wegzunehmen und sie dazu zu zwingen ihr Fahrzeug aufzugeben, sollte man eher Angebote schaffen, die dazu bewegen das Fahrzeug entweder nicht mehr zu benutzen oder nicht mehr an der Straße zu parken.

Ersteres kann man dadurch erreichen, dass man die Fahrzeuge unter die Erde bringt. D.h. große unterirdische Garagen bauen. Das ist aber teuer.

Man kann auch versuchen das Angebot zu schaffen, bspw. näher an den Arbeitsplatz zu ziehen. Dafür muss man aber den Mietpreis in einigen Gegenden drücken oder gar erst einmal Wohnraum schaffen. Das kostet natürlich auch viel Geld. (Wie man es nicht macht, sieht man übrigens am Europaviertel. Die Mietpreise können sich wirklich nur noch ganz wenige leisten).

Solche Maßnahmen sind mMn viel besser, als die weitere Einschränkung der Autofahrer. Außerdem bekämpft man damit die Ursache des Problems und nicht wieder nur die Symptome.

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Ich finde die Idee gut, zumal in meinem Haus sehr viele Radfahrer wohnen und die Stellplätze knapp sind. Wär doch schön, wenn sich z.B. 6-8 Radfahrer zusammentun und einen Stellplatz mit besagten 8 qm auf der Straße vor dem Haus bei der Stadt beantragen könnten.
P.S. Bei einem Haus in der Scheidswaldstr. ( Ecke Wittelsbacher Allee ) gibt es so etwas ähnliches schon auf dem da sehr breiten Gehweg. Dabei verhindern die Fahradständer auch gleichzeitig das Parken auf dem Gehweg. Ich weiß aber nicht, ob das Initiative des Hausbesitzers oder der Stadt war.
Viele Grüße

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Guten Tag,

sinnvolles Projekt. Was sind die nächsten Schritte? Wie können wir uns einbringen?

Danke für Feedback.

Susanne

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Ich bin ganz Eurer Ansicht. Es ist ein Unding, den öffentlichen Raum für ein Privatvergnügen -- und Autos sind nunmal nur ein Privatvergnügen -- kostenlos herzugeben.

Vor einigen Jahrzehnten gab es noch die Reichsgaragenverordnung, die Parkplätze als Teil der öffentlichen Infrastruktur ansah. Die ist aber schon lange vorbei, ausser in den Köpfen der Autobenutzer.

In den meisten europäischen Großstädten werden kostenlose Parkplätze abgeschafft; auch anderswo, wie in Japan, empfindet man die Privatisierung öffentlicher Flächen als veraltet und unfair.

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