Einmalig! Das gibt"s nur in Frankfurt: Radweg endet im Café

Ortsbeirat 1: Info
Ort & Tagesordnung nächste Sitzung
Mitglieder des Ortsbeirats 1

Partei: GRÜNE

Orte: Hauptwache, Kaiserstraße, Bahnhofsviertel, Innenstadt

Themen: Fahrradfahren, Radweg

Der Antrag OF 179/1 wurde eingereicht am 01.11.2006

Antrag:

Einmalig! Das gibt's nur in Frankfurt: Radweg endet im Café

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass der bislang vor der Liegenschaft Kaiserstraße 22 in einem Straßencafé endende Radweg in vernünftiger Weise fortgeführt und an den Radweg in Richtung Hauptwache angeschlossen wird.

Ein Bürger dieser Stadt - hier genannt Radi - löffelt fröhlich einen Teller Grie Soß auf dem Kaisermarkt und nippt an einem Glas Wein. Er denkt - bei allerschönstem Wetter - an einen geruhsamen Heimweg auf seinem Fahrrad zurück nach Bornheim. Satt und friedvoll gestimmt verabschiedet er sich von den Marktleuten und beginnt nun an vielen bunten Geschäften vorbeiradelnd durch die Kaiserstraße zu fahren. Dass die Baustelle an der Weserstraße endlich abgebaut ist und die alte Fassade des Gebäudes wieder zum Vorschein kommt, beeindruckt unseren radelnden Mitbürger gewaltig. Er erreicht die Gallusanlage, sieht die EZB und freut sich schon wieder, dass auch heute so viele Touristen davor stehen und reichlich Fotos von Frankfurt machen.

Der Wind um das ehemalige „BfG-Hochhaus“ weht kräftig, aber das kennt Radi seit vielen Jahren. Als dieses Hochhaus gebaut wurde, hatte man mit den Winden, die solch hohe Gebäude erzeugen, noch nicht so viel Erfahrung. Mittlerweile zeigt die Ampel an der Neuen Mainzer Straße „Rot“. Radi hält an und entdeckt beim Warten ein blaues Schild links auf der anderen Straßenseite, eines mit einem weißem Fahrrad darauf. Radi murmelt vor sich hin: „Au’ fein hier ist ein Radweg, da darf ich fahren“. „Sie dürfen nicht nur – sie müssen sogar“ sagt der nette Polizist aus dem Streifenwagen neben ihm, „in Deutschland gibt es nämlich eine Radwegbenutzungspflicht und danach ist es verboten, den Radweg nicht zu benutzen.“

Oh na toll!! Radi radelt los auf dem schönen tollen für Fußgänger nicht erkennbaren Radweg. Immer schön dicht an den vielen Fußgängern vorbei, weil die nicht wissen, dass hier ein Radweg ist und ihm deswegen natürlich keinen Platz lassen. Es droht ihm jemand schimpfend und drohend mit einem Schirm, weil der nicht weiß, dass hier ein Radweg ist und deshalb denkt, Radi fährt hier, obwohl es verboten ist.

Radi ist mittlerweile zwar etwas angespannt, aber die Grie Soß von der singenden Marktfrau vom Kaisermarkt hat ihm so unendlich gut geschmeckt, dass er beschließt, gut gelaunt zu bleiben. Und: Er hat ja immer noch den Satz des netten Polizisten im Ohr: Er „muss“ hier fahren – ob er will oder nicht.

Doch plötzlich: Es stehen Caféhaustische mit Speisekarten und Geschirr, Caféhausstühle mit vielen Passanten mitten auf dem Radweg. Zum Schattenspenden ist ein Schirm mit Reklame aufgestellt. Radi versteht beim Bremsen die Welt nicht mehr: Das Wort des netten Polizisten im Ohr, die EZB im Rücken und eine Großbank direkt vor ihm, der „Frankfurter Hof“ rechte Hand und genau vor ihm die Ortsgrenze von Schilda. Ja - es scheint Radi so, dass Schilda mitten in Frankfurt ist. Radi schüttelt sich, aber er träumt nicht. Er steigt ab. Er schiebt sein Rad mit seinen Einkäufen an den vielen Tischen und Stühlen und dem Sonnenschirm vorbei um die Fortsetzung von des Radwegs – den er ja benutzen „muss“ - zu suchen. Doch es gibt keine Fortsetzung!

„Haben die in Schilda keine Radwege?“ fragt Radi verzweifelt die einem anderem Radfahrer ausweichende japanische Touristin. Diese jedoch versteht kein Deutsch und denkt auf japanisch: „komische Verkehrsregeln in diesem Land“. Und Radi kann kein Japanisch um sie auf Japanisch zu fragen, wo denn nun in Schilda der Radweg ist. Er geht mit seinem Rad in der Hand am Kaiserbrunnen vorbei und findet schlagartig einen neuen Radweg. Er überlegt, ob er diesen Radweg benutzen soll, denn da steht kein blaues Schild – von wegen „Radwegbenutzungspflicht“. Aber doch, doch, es scheint ein Radweg zu sein und Radi vermutet, dies ist nun schon wieder die Ortsgrenze zum Verlassen von Schilda, denn er sieht keine Caféhaustische und Caféhausstühle und schattenspendende Sonnenschirme auf diesem Radweg.

Radi verlässt also Schilda und radelt an einem Café vorbei, dessen vielen bunten Caféhaustische und Caféhausstühle durch einen ordentlichen weißen Zaun umrandet sind und nicht auf dem Radweg stehen. „Hurra! Hurra! Schilda ist klein und da fahr ich nie wieder hin“ ruft Radi.

Just in diesem Moment knallt es fürchterlich und Radi stürzt zu Boden und wird bewusstlos. Unser netter Mitbürger Radi hat sich so sehr über die Grie Soß, das Glas Wein, die Lieder der singenden Marktfrau, das schöne Wetter, das bunte Treiben auf den Straßen, die vielen fotografierenden Touristen und das überstandene Abenteuer in Schilda gefreut, dass er das mitten auf dem Radweg vor der Hausnummer Kaiserstraße 6 aufgestellte Dixi-Clo übersieht und damit zusammenstößt.

Er wacht im Bürgerhospital auf. Der Arzt steht vor ihm und sagt: „Na, da haben Sie wohl nicht aufgepasst“. Radi sagt aber nur: „Nein, ich dachte, ich hätte Schilda schon verlassen“. Da lacht der Arzt laut und lange. Er ist Vorsitzender des „Clubs Frankfurter Radfahrer“ und er weiß, wie groß Schilda wirklich ist.

Ergebnis:

7. Sitzung des OBR 1 am 28.11.2006, TO I, TOP 27

Beschluss:

Die Vorlage OF 179/1 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt.

Abstimmung:

Einstimmige Annahme

8. Sitzung des OBR 1 am 16.01.2007, TO I, TOP 11

Beschluss:

Die Vorlage OF 179/1 wird bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt.

Abstimmung:

Einstimmige Annahme

,

Beschluss:

Anregung OA 268 2007

Die Vorlage OF 179/1 wird mit der Maßgabe beschlossen, dass im Betreff die Worte "im Café" durch die Worte "vor der Kaiserstraße 22 und geht dahinter weiter" ersetzt werden.

Abstimmung:

Einstimmige Annahme

Link zum original Inhalt (Parlamentsinformationssystem - PARLIS - der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt am Main)

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