Vorbild Großbritannien: Offene Daten zu lokaler Politik - Wo bleibt FFM?

In Großbritannien gibt es eine tolle Übersicht von lokalen Verwaltungen, die offene Daten anbieten. 45 von 434 Gemeinden haben erste Schritte unternommen ihre Informationen in offenen Formaten anzubieten. 

Unter "Offene Daten" verstehen wir die Möglichkeit, das alle Daten, die von staatlichen Stellen und Behörden erstellt und verwaltet werden, allen Bürgern in offenen Formaten, in vollem Umfang, zeitnah und maschinenlesbar bereit gestellt werden. Dies bezieht sich natürlich nicht auf persönliche Daten.

In Manchchester werden zum Beispiel demografische Daten angeboten, aber auch Informationen zum Haushalt. Ich kenne keine Stadt in Deutschland, die bisher Daten in offenen Formaten anbietet. Berlin hat kürzlich eine Umfrage dazu gemacht und München organisiert gerade einen Wettbewerb zu offenen Daten. Vorbildlich!

Apropos den Frankfurter Haushalt gibt es auch digital, aber als 1000-seitiges PDF. Für eine softwaregestütze Analyse der Ausgaben der Stadt Frankfurt ist das völlig unbrauchbar. Ich frage mich welcher Journalist oder Bürger sich freiwillig durch tausend Seiten quält. Dabei könnte hier ein offenes Format Analysen ermöglichen und die Transparenz erhöhen.

Doch bei der Stadt Frankfurt geht man oftmals noch andere Wege. So wurde kürzlich eine Anfrage von uns zur Änderung einer Ampelschaltung folgendermaßen beantwortet: Ein eingescanntes Papierschreiben in einer E-Mail. Doch bei den PDF-Liebhabern des Amtes für Statistik sieht es ähnlich aus. Dort gibt es noch nicht mal ein Adressenverzeichnis öffentlicher Institutionen als Excel-Datei im Angebot. Das ist bestimmt kostenpflichtig. 

In Kürze haben wir ein Treffen mit Vertretern der Stadt Frankfurt. Wir sind gespannt, ob Frankfurt erste Schritte in Richtung offener Daten unternehmen wird. Fortsetzung folgt. 

 

Kommentare

Bild von Olaf Cunitz (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer)

Zumindest der neue Online-Wahlatlas der Stadt Frankfurt mit den Wahlergebnissen und Einwohnerstrukturdaten bietet jetzt die Möglichkeit, die Daten auch als Excel-Dateien abzurufen.

http://www.statistik.stadt-frankfurt.de/wahlatlas/kw2006/atlas.html

Bild von kliehm

Ein guter Anfang, auch wenn Excel kein offenes Standardformat ist, ein Download von Excel-Dateien keine dokumentierte API und ein Online-Wahlatlas kein Datenportal der Stadt Frankfurt. Wir müssen noch einen weiten Weg gehen.

Bild von Christian.Kreutz

In der Tat der Wahlatlas 2006 ist eine hilfreiche Anwendung. Schön dass das Bürgeramt für Statistik das nun auch in Excel anbietet. Ich hoffe das Angebot wird bald auf andere Themenfelder erweitert. Vielleicht kann die Stadt London als Inspiration dienen: http://data.london.gov.uk/datastore/inspirational-uses

Bild von Christian.Kreutz

Hallo Martin, freut mich zu hören, dass ihr versucht direkt an die digitale Quelle zu kommen. Bin mir sicher Vertreter der Stadt Frankfurt würde einen solchen offenen Haushalt begrüßen. Ich möchte auch noch ergänzen, dass wir immer mehr auf offene Ohren bei der Frankfurter Verwaltung stossen und uns freuen in Kürze wieder das Thema weiter zu diskutieren. Falls hier jemand von der Stadt mitliest. Wir freuen uns über Vorschläge zur Zusammenarbeit und wir mit offenen Daten unseren Informationsservice verbessern.

Bild von Martin Kliehm

Ich hatte neulich ein Gespräch mit New Identity, dem Dienstleister, der die Haushaltsdaten in jene PDFs umwandelt. Offenbar gibt es eine Quelle, aus der die Daten kommen. Die zu erschließen wäre erstrebenswert.

Die Piratenpartei wird sich in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung für die Öffnung und CC/PD-Lizensierung von allen öffentlichen Daten einsetzen, die nicht dem Datenschutz unterliegen. Das beginnt bei parlamentarischen und statistischen Unterlagen, geht über die digitalisierten oder noch zu digitalisierenden Bestände der Archive, Museen und Bibliotheken bis hin zu Plänen von Verkehrs-, Planungs- und Stadtvermessungsamt.

Von einer Öffnung der Daten und kostenfreien Nutzung für Bürger und nicht-kommerzielle Projekte profitieren alle, auch die Stadt Frankfurt selbst. Wir haben für die Erhebung der Daten mit Steuergeldern bezahlt, warum soll man dann noch einmal dafür bezahlen, um Informationen zu bekommen? Am Ende wird von einer solchen Infrastruktur auch der bürokratische Apparat selbst profitieren, der oft noch mit unzugänglichen Papierarchiven arbeitet.

Bild von Juergen.Eichholz

Wäre es also technisch möglich, im Nachhinein noch bei den existierenden Systemen Exportfilter / reporting tools anzusetzen, die offene Daten zur weiteren Verwendung verfügbar machen (und im Idealfall gleich visuell aufbereiten, aber zumindest in einem offenen Standard abliefern)?

Was mich auch interessieren würde: welchen Druck / Entschlossenheit / Beschluss von welchem Gremium / welche IT Abteilung bedarf es, damit dies umgesetzt werden würde?

Bild von NikNutz

Es ist schön, dass die Stadt Daten offenlegt, denn das ist bereits ein Anfang. Aber es fehlen noch viele, viele Daten, die mit unseren Steuergeldern produziert werden.
Und es ist ärgerlich, dass die Daten als PDF rausgegeben werden. Ich erkenne die Vorteile von PDF an, man kann es bei relativ gleicher Darstellung auf fast jedem System anzeigen, aber es ist leider kein Format, welches sich einfach weiterverarbeiten lässt.
Eine Excel-Datei wär ein Fortschritt, aber die beste Variante ist in meinen Augen die Verwendung eines offenen Standards: .ods.
Das ist eine ISO-Norm, frei verfügbar und jede Menge Anwendungen unterstützen dieses Format bereits. Sogar Microsoft Office kann damit umgehen.

Ich fände es toll, wenn Frankfurt eine Vorreiter-Rolle in Sachen OpenData einnehmen würde!

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