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Mehr Transparenz für Bürger: Offene Stadtinformationssysteme

Frankfurt Gestalten verfolgt mehrere Ziele. Eines ist die Stadt Frankfurt davon zu überzeugen, dass die Offenlegung von Daten ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz in der Politik ist und hier neue hilfreiche Anwendungen für Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden könnten. Doch leider sind ein Großteil der Daten nicht öffentlich, und schon gar nicht digital in offenen Formaten verfügbar.

Hier ein paar Beispiele was alles möglich wäre: Stefan Wehrmeyer hat das Projekt Mapnificient ins Leben gerufen. Hier kann ich in Berlin von jedem Standort genau sehen, welchen Ort ich mit dem Nahverkehr in 20 Minuten erreichen kann. Die Ursprungsidee kommt aus England und heißt Mapumental. Auf dieser Karte kann ich sogar genau sehen, wo ich für einen bestimmten Mietpreis überall leben kann. In Vancouver gibt es ein Projekt bei dem, Dank offener zugänglicher Umweltdaten von Messstationen, eine aktuelle Fahrradroute mit der geringsten Umweltbelastung angeboten wird.

Als Mitglied im Open Data Netzwerk freue ich mich ein neues Projekt von unserem Verein auch hier vorzustellen: OpenBerlin.net. Hier werden die Investitionen des Konjunkturpakets II transparent dargestellt. Auch die Zeit hat kürzlich darüber berichtet. Also alles doch sehr hilfreiche Angebote für Bürger und Bürgerinnen, die mit ihren Steuern erst solche Daten-Sammlungen möglich machen.

Doch warum werden solche Daten nicht offen in Frankfurt angeboten? Ich hatte dazu auch das Bürgeramt, Statistik und Wahlen der Stadt Frankfurt angeschrieben, ob denn einige Daten auch in offenen Formaten vorhanden wären? Doch leider sind derlei Daten nur im PDF Formaten vorhanden und für die obigen Anwendungen unbrauchbar. Jedes andere Format ist nach Aussage des Bürgeramt, Statistik und Wahlen kostenpflichtig (!), darüber hinaus dürfen die Daten ausdrücklich nicht im Internet genutzt werden. Hier die Original-Passage aus der E-Mail-Antwort:

"Die Frankfurter Statistikstelle veröffentlicht ein breitgefächertes Informationsangebot im Internetauftritt der Stadt. Eine Veröffentlichung Frankfurter Daten durch Externe im World Wide Web ist nicht vorgesehen."

Das heißt im Jahr 2010, 15 Jahre nach dem World Wide Web, behält sich die Stadt Frankfurt vor Informationen, die von Steuergeldern der Bürgerinnen und Bürgern finanziert werden, nur selber zu veröffentlichen.

Kommentare

Bild von foulder

... Frechheit! Da war bestimmt ein recht ahnungsloser Schreiberling am Werke, der die potentiellen Folgen und Schlüsse aus seiner Mail nicht zu überblicken im Stande war. Die prinzipielle Weigerung zumindest, Rohdaten zur Vefügung zu stellen, wenn sie verlangt werden hat m.E. mediales Potential

In meinem Zettelkasten habe ich dazu noch eine kleine Argumentationshilfe, die in Richtung Barrierefreiheit geht:

In der Anlage des ersten Bundesgesetzblattes (BGBl) von 2002 zu den §§3 und 4 Abs. 1 der 'Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz' sind Anforderungen und Bedingungen für die barrierefreie Nutzung elektronischer Inhalte und Informationen gelistet. Die Auflistung umfasst keine technischen Anforderungen oder Bedingungen, sondern nur die, die sich auf die Nutzenden selbst beziehen (BGBl 2002, 2655ff).

Prinzipiell sind die Anforderungen an barrierefreie Inhalte und Informationen so zusammenzufassen: Jeder und jede muss unabhängig von der technischen Ausstattung, dem entsprechendem Know How oder der sog. Literacy Zugang zu den dargebotenen Informationen haben. Gleich die erste Anforderung macht dies deutlich:

"Für jeden Audio- oder visuellen Inhalt sind geeignete äquivalente Inhalte bereitzustellen, die den gleichen Zweck oder die gleiche Funktion wie der originäre Inhalt erfüllen" (BGBl 2002) ... Was -- meine ich -- auch andersherum gelten sollte.

Bleibt also dran und macht ein bisschen Medienrummel um diese Abfuhr eines Ahnungslosen ;-)

Bild von Martin.Reiter

Hier kann ich nur zustimmen. Was in anderen Städten möglich ist, muss für Frankfurt auch machbar sein. Vor allem dann, wenn die Daten bereits frei öffentlich an anderer Stelle vorliegen.

Die angeführten Beispiele, vor allem das der Fahrradroute mit der geringsten Feinstaub-/Umweltbelastung, wären extrem hilfreich für Alt- und Neufrankfurter. So einen Service gibt es hier einfach noch nicht. Das wäre nicht nur ein Imagegewinn, es lassen sich dadurch sicherlich noch mehr Bürger motivieren auf das Rad umzusteigen. Aber auch mehr Transparenz in lokalpolitischen Themen (in nutzerfreudlicher Form) schafft ein höheres Engagement und mehr Vertrauen bei den Bürgern.

Ich bin davon überzeugt, dass die Stadt Frankfurt samt Lokalpolitik davon profitiert, wenn die relevanten Daten freigegeben werden und würde mir wünschen, dass dies so schnell wie möglich passiert.

Bild von Juergen Eichholz

Ich glaube diese Haltung ist alleine der Unkenntnis zu schulden, die beim Begriff "digitale Daten" entsteht.

Bei allem Missbrauch bestimmter, personenbezogener Daten in den letzten Jahren, kann ein Entscheider vielleicht nicht immer genau zwischen solchen - schützenswerten - privaten und bereits öffentlich zugänglichen Daten unterscheiden.

Ähnlich verhält es sich ja beim Urheberrecht, wo aus Unkenntnis keine Creative Commons Lizenz ausgewählt wird, sondern "All Rights Reserved". Die Menschen wissen es einfach nicht besser.

In diesem Fall ist die Aufregung meiner Meinung nach jedoch unbegründet, da

a) Daten verwendet werden, die in anderen Städten schon frei verfügbar sind und für die es offensichtlich eine rechtliche Absicherung (oder vergl. Regelung) gibt

b) Daten grafisch aufbereitet werden, die schon an anderer Stelle öffentlich zugänglich sind

und

c) der Stadt kein Schaden entsteht, sondern vielmehr ein Mehrwert.

Als Bürger der Stadt Frankfurt wünsche ich mir daher, dass die Stadt Frankfurt, vertreten durch ihre Angestellten und Beauftragten, die Datenaufbereitung über diese und ähnliche - wie im Beispiel oben genannte - Websites frei gibt und unterstützt.

Bzgl. der Kostenfrage ("PDFs sind ok, alles andere kostet Geld") ließe sich sicherlich eine kostengünstige Alternative finden, die den Haushalt nicht weiter belastet.

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